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    Der Richter

    Von Ann-Kathrin Deininger | 31.Mai 2002

    Richter Atlee ist tot und Ray, sein ältester Sohn, machte eine ungewöhnliche Entdeckung: Im Arbeitszimmer des Richters findet er 27 Kartons voll Geld; insgesamt 3,1 Millionen Dollar in bar. Ray gibt seinem ersten Impuls nach und versteckt das Geld, kurz bevor sein Bruder eintrifft: Forrest, drogenabhängig, verschleudert seit Jahren das Geld der Familie in zahlreichen Entziehungskuren. Ray weiß eines sicher: Sollte Forrest das Geld in die Hände bekommen, würde er sich damit zugrunde richten. Das Geld wird zu Rays kleinem Geheimnis – doch er stellt bald darauf mit Entsetzen fest, dass noch jemand davon weiß. Jemand der keine Skrupel kennt… Soweit, so gut. Die Situation verspricht spannende Unterhaltung, doch leider wird der Leser nach dieser Eröffnung bitter enttäuscht. Rays Versuche, den Ursprung des Geldes zu ermitteln, gestalten sich langatmig und werden auf Dauer einfach langweilig, während der geheime Mitwisser sich damit begnügt, Fotos und seltsame Grußkarten zu verschicken. Er scheint Ray aus der Ferne zu beobachten und unternimmt einige klägliche Einschüchterungsversuche. Ray seinerseits beweist in verschiedensten Kasinos, dass das Geld nicht markiert ist, und entdeckt zudem seine Lust am Glücksspiel. Obwohl er sich ständig vorhält, die drei Millionen seines Vaters nur zu verwahren, ist er auch bald bereit, sie auszugeben. Im letzten Viertel des Romans schließlich kommt Ray der Gedanke, den Ursprung des Geldes in den Ermittlungsakten des Richters zu suchen, die sich schon vom ersten Rundblick an im Flur stapeln. Hier wird er etwas zu schnell fündig, und plötzlich weiß Ray ganz genau, woher das Geld stammt und wer hinter dem Spiel steckt. Dieses Wissen nützt Ray jedoch wenig, erfährt er doch noch auf den letzten Seiten, dass er sich geirrt hat. John Grishams Roman zeichnet sich aus durch farblose, blutleere Charaktere und eine Story, die nicht richtig in Gang kommen will. Das Ende kommt zwar überraschend, ist jedoch schlichtweg unbefriedigend, ist es doch letztlich Forrest, der um drei Millionen reicher seine nächste Entziehungskur antritt. Fazit: Nach zahlreichen hervorragenden Grisham- Thrillern eine herbe Enttäuschung, die man sich durchaus schenken kann.

    John Grisham
    Der Richter
    Eine herbe Enttäuschung
    ISBN:3453215060
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