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Monat: Juni 2002

Lucy räumt auf

Lucy räumt auf

Lucy Crocker ist die Erfinderin eines berühmten Computerspiels der familieneigenen Computerfirma. Aber als sie bei der Planung einer Fortsetzung unter Druck gesetzt wird, versagt sie.
Ihr Mann Ed, der die Computerfirma leitet, feuert sie ohne Rücksicht auf Verluste.
Und dann kommt Lucy auch noch dahinter, dass Ed sie mit einer Mitarbeiterin, der jungen, attraktiven Ingrid, betrügt.
Als ob das nicht reicht, erwischt sie ihre beiden computersüchtigen 14jährigen Jungs beim Pornosurfen im Internet.
Jetzt platzt ihr der Kragen. Sie verbannt, ohne Ed Bescheid zu sagen, die Jungs, die zu bleichen Stubenhockern mutiert sind, in ein Feriencamp und sich selbst in eine baufällige Hütte in der Wildnis.
Ed ist restlos überrascht, als er von einer Geschäftsreise mit Ingrid zurückkehrt und das Haus leer vorfindet. Aber er gibt sich nicht so schnell geschlagen.
Als ihn ein Hilferuf aus dem Feriencamp erreicht, macht er sich auf die Socken.
Lucy geht derweil ebenfalls fremd, als die Sache in die Brüche geht, fängt sie an ein neues Computerspiel zu erfinden, denn ihre Kreativität ist zurückgekehrt.
Und so, wie sie die einzelnen Szenen des Spiels sortiert, bringt sie wieder Ordnung in ihre Leben und räumt auf mit Ed, ihren Jungs und Ingrid.

Ein gut gelungener und spritziger Frauenroman mit Tiefgang. Die Hauptfigur Lucy ist witzig, intelligent und für viele Überraschungen gut. Von Anfang bis Ende ist dieses Buch das reinste Lesevergnügen.

Caroline Preston
Lucy räumt auf
Ein witziger, spritziger Frauenroman
ISBN:3442354714
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Martin Page: Antoine oder die Idiotie

Martin Page: Antoine oder die Idiotie

Martin Page Antoine oder die Idiotie Wagenbach ISBN 3 8031 31677
S.135

Martin Page, Jahrgang 1975, hat mit der vorliegenden Erzählung eine äußerst geistreiche, hintergündige Geschichte über die Abgründe des menschlichen Daseins und Denkens vorgelegt.
Wer hat nicht schon mal daran gedacht, daß zu viel Denken , Wissen und Verstehen zu Vereinzelung, Außenseitertum und folgerichtig zu Isolation führen kann?
Hier versucht einer, diesem Teufelskreis des Daseins als Wissender und Intellektueller zu entkommen.
Atoine ist der Protagonist der Geschichte. Seine Familie stammte zur Hälfte aus Burma. Seine Großeltern väterlicherseits waren in den dreißiger Jahren nach Frankreich gekommen auf den Spuren einer Vorfahrin , die 700 Jahre zuvor Europa entdeckt hatte! Schon dieses klingt, als stünde die Welt auf dem Kopf.
Seine Mutter war Bretonin und Strandaufseherin des Umweltministeriums.
Im Alter von 18 Jahren hat Antoine seine liebevollen und fürsorglichen Eltern verlassen, um in der Haupstadt sein Glück zu suchen. Da er vorurteilsfrei und von wachem Verstand ist, bleibt er unter den Massen ein Heimatloser.
Sein bester Freund Aslee hat als Säugling als Versuchsobjekt für neue Babynahrung von Nestlé gedient, die mit Phosphor angereichert war. Nun läuft er nachst leuchtend durch die Welt.
Ein anderer Kumpel, Nachbar im achten Stockwerk seines Wohnhauses, trägt ihn die Treppe hinauf , da Antoine zu unsportlich ist, um die acht Stockwerke immer zu schaffen.
Antoine verdient sich das Geld für die Miete seiner schlichten Wohnung mit der Übersetzungsarbeit an der Suche nach der verlorenen Zeit ins Aramäische. Der Verlag geht leider Pleite, womit seine Geldquelle versiegt.
Die Mietzahlungen kann er einstellen, da der Vermieter an Alzheimer leidet.
Im Konflikt zwischen dem Versuch, ein unmoralischer, der Welt angepasster Mensch zu werden und sich um den Vermieter zu kümmern, entscheidet er sich für letzteres. Dieser Konflikt setzt sich fort. Mal bangt Antoine um den wissenschaftlichen Frotschritt zu Heilung für Herrn Brallaire, mal sorgt er sich, daß damit seine Finanzmisere offenkundig würde.
Um von seinem Verstand loszukommen, der ihn “ arm, ledig und deprimiert sein läßt“,versucht Antoine sich zuerst als Alkoholiker, besucht danach eine Schule zum Erlernen des Selbstmordes, um sich schließlich ganz der Aufgabe zu widmen, das eigene Denken aufzugeben und sich der Idiotie zu verschreiben. Ein Hilfsmittel bei diesem Vorhaben ist die von seinem Kinderarzt verordnete Medizin Heurozack. Damit gelingt es ihm , die Welt gelassener und ruhiger zu betrachten , und nicht alles und jedes Ding zu hinterfragen.
Er sucht ein Fitneßstudio auf, pflegt sein Äußeres und wird mehr und mehr zum Durchschnittsbürger, bis er zuletzt als Krönung seiner Laufbahn zum Börsenmakler wird.
Am Ende wirdwird die Geschiche ein wenig irreal. Der Autor kann die kultivierte und feinsinnig-skurrile Erzählung nicht bis zum Ende durchhalten.

In Ansätzen aber hat er uns die Welt gezeigt , wie sie ist: voller Widersprüche, Ungereimtheiten, Ungleichheit. Arm und reich und klug und dumm: beide Seiten des Lebens bestehen nebeneinander . Keine Seite ist ohne die andere denkbar.
Alles läuft darauf hinaus, den Sinn des Lebens zu ergründen, der aber nicht zu finden ist.

In wahren Gedanken-und Wortkaskaden und mit einem kunstfertigen Sprachgberauch wird die Welt von Antoine, und damit unsere Welt, in diesem Buch beschrieben. Nicht in gleichmäßigem Fluß verläuft die Erzählung, sondern versetzt mit den satirischen, überzeichneten Selbst-und Fremdbeobachtungen des Antoine erleben wir die Widersprüche und Irrwitzigkeiten, mit denen das Leben ausgestattet ist.
Das Buch ist heiter, voll spritziger Komik, philosophisch und hintergründig und bereitet einen großen Spaß beim Lesen.
Claudine Borries
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Die Feuerprobe

Die Feuerprobe

Anne Waverly ist Theologieprofessorin an einer Uni. Immer wieder sind ihre speziellen Kenntnisse über Sektenkriminalität gefragt. Und so taucht sie diesmal als Undercover Agentin Ana Wakefield in die Abgeschiedenheit der gefährlichen Change-Sekte ein.
Doch diesmal ist alles anders. Als sie Dulcie kennen lernt, wird sie wieder an ihre eigene kleine Tochter erinnert, die auf tragische Weise ums Leben kam. Ana kann sich nicht passiv und kontrolliert verhalten. Ihre Gefühle fahren Achterbahn. Die Geister der Vergangenheit kehren zurück.
Ana versucht mit Vorsicht und Vernunft gegen zu steuern, doch ihre panische Angst überwältigt sie fast.

Obwohl das Buch einige Längen aufweist, zieht es den Leser in seinen Bann. Langsam und mit Bedacht wird der Spannungsbogen aufgebaut. Die sympathische Heldin ist keine knallharte, durchtrainierte Agentin, sondern eine Frau mit Herz und Verstand, in deren Gedankenwelt man sich sehr gut hineinversetzen kann.

Laurie R. King
Die Feuerprobe
Eine Theologieprofessorin im Undercover Einsatz
ISBN:3499231301
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Baudolino

Baudolino

Nachdem ich 600 Seiten lang durchs Mittelalter gereist bin, sitze ich hier und frage mich: hat es sich gelohnt?
Die Idee ist gut, sie wird auch hervorragend mit Material gefüttert, doch es fehlt etwas:

Ich vermisse die Spannung der „Rose“ und die intelligenten Entwürfe des „Pendels“. Zudem bleiben die Charaktere sehr blass. Baudolino wirkt immer ein wenig distanziert. Die Schilderung der Reiseerlebnisse auf der Suche nach dem Reich des Priesters Johannes liest sich wie eine Odyssee des Käpt’n Blaubarts.

Baudolino erzählt zu viel und zeigt zu wenig. Die „story“ plätscherst vor sich hin. Gewiss, Baudolino ist ein mitreißender Erzähler, doch manchmal kann sich der Leser des Eindrucks nicht erwehren, er lese das Tagebuch eines mittelmäßigen Ministranten des Kaiser Friedrich Barbarossa.

Wir wissen, dass die „Geschichtsschreiber“ Geschichte mehr erfinden als beschreiben. Dass die Phantasien des „Lügenbarons“ Baudolinos zur Realität werden, ist ein Aspekt, den wir in etwas anderen Formen auch aus der modernen Physik und der Esoterik kennen. Das ist nichts Neues, doch Eco hat diese „Erkenntnis“ genauso witzig formuliert wie die „Erkenntnis“ über die ebenfalls bekannten Mogelgeschäfte der Reliquienhändler.

Die Suche nach dem Gral erscheint wie ein Aufhänger, der die Fäden des Buches zusammenhalten soll. Doch dieser „story-Halter“ ist stark angerostet. Die Figuren des Kyot (aus Eschenbachs Parzifal) oder des griechischen Heiligen Zosimos wurden aus dem Wachsfigurenkabinett geholt und für Ecos Werk neu abgestaubt.

Dennoch: das Buch ist ein „Muss“ für den Eco-Fan. Doch wer sich nach intelligenten Traumreisen durch die Geschichte sehnt und Ecos „Pendel“ bereits gelesen hat, der kann sich den Baudolino sparen und sollte besser „Das Montglane-Spiel“ (siehe rabexas Empfehlung) lesen.

Umberto Eco
Baudolino
Toller Entwurf – mittelmäßig umgesetzt
ISBN:3446200487
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