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    Nancy Richler: Dein schöner Mund

    Von hera | 20.April 2004

    Geboren wurde Miriam in einer jüdischen Kleinstadt, einem Schtetl, in den Sümpfen Weißrusslands. Ihre Mutter ist kurz nach ihrer Geburt in den Fluss gegangen. Miriam verbringt die ersten Jahre ihres Lebens bei Lipsa, die schon sechs Kinder hat. Als ihr Vater wieder heiratet, kehrt sie nach Hause zurück. Nun lebt sie bei ihrem Vater, der Schuhmacher ist und ihrer Stiefmutter Tsila, die Kleider näht. Im Schtetl lebt man nach festen Traditionen. Für die kleine Familie ist das Leben äußerst beschwerlich und von Entbehrungen und Ängsten geprägt. Miriam findet schwer Zugang zu anderen Kindern. Doch eines Tages freundet sie sich mit Sara an. Sara will Miriam mitnehmen zu einer Demonstration. Miriam überwindet ihre anfängliche Angst und ihre Vorbehalte, denn es fasziniert sie, dass eine Frau zur Menge sprechen will. Das will sie nicht verpassen. Miriam ist begeistert von Goldas Rede. Dabei sind es nicht einmal die Worte, die gesprochen werden, sondern die kraftvolle und unerschütterliche Ausstrahlung Goldas, die ihre Wirkung auf Miriam nicht verfehlt. Miriam beginnt noch unbewusst, sich der Revolution zu verschreiben.
    Der Weg, den sie damit zu beschreiten beginnt, zieht sie immer tiefer in die Strudel der Russischen Revolution und in die Gefahren, die damit verbunden sind. Am Ende ihres Kampfes wird die schwangere Miriam zu lebenslanger Haft in Sibirien verurteilt, weil sie in höchster Not einen Gardisten erschossen hat.

    Das Buch ist sehr beeindruckend und ergreifend. Geschildert wird der Lebensweg Miriams, die mehr durch das Zutun anderer in die Wirren der Russischen Revolution gerät. Auch wenn sie oft an ihrem Tun zweifelt, ein Zurück gibt es nicht.
    Vater und Stiefmutter erfüllen sich einen Traum, sie wandern nach Argentinien aus, dahin, wo Christen die Juden nicht hassen. Miriam soll nachkommen, doch sie ist fasziniert von Kiew. Hier ist das Leben noch viel mehr vom Aufbegehren geprägt. Obwohl Miriam arbeitet, kann sie sich nur ein Bett in einem Keller leisten. Doch anders als in ihrer kleinen Heimatstadt findet sie hier viel schneller Anschluss. Wieder ist es eine Freundin, die Miriam auf sehr drastische Weise dazu bringt, sich der sozialistischen Bewegung anzuschließen.
    Es ist spannend, Miriams Entwicklung zu verfolgen. Die Autorin schreibt sehr eindringlich, schildert die Verhältnisse und Lebensumstände im Russland vor und zur Zeit der Russischen Revolution aus der Sicht Miriams. Das Buch regt damit zu einer intensiveren Beschäftigung mit der Russischen Revolution und der Umstände, die dazu führten, an.

    Über die Autorin:
    Nancy Richler lebt in Vancouver. Sie veröffentlicht in verschiedenen kanadischen und amerikanischen Literaturzeitschriften. „Dein schöner Mund“ erhielt 2002 den Canadian Jewish Award.

    Rezension von Heike Rau

    Nancy Richler
    Dein schöner Mund
    446 Seiten, gebunden
    Kindler Verlag, Berlin
    ISBN: 3-463-40440-0
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