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    Der Jadepalast

    Von hera | 30.Mai 2005

    Im Jahre 1919 kauft ein Mädchenhändler die beiden Waisen Ma Li und ihre behinderte Schwester Lingling von ihren Pflegeeltern. Bao Tung hofft, dass ihm die Mädchen viel Geld einbringen werden. Ma Li und Lingling werden mit anderen Kindern, eingesperrt in kleine Käfige, mit dem Zug nach Shanghai gebracht. Zusammen mit einem weiteren Mädchen, Zhang Yue, werden sie Madam Lin, der Königin des Nachtlebens von Shanghai, und ihrem Mann, dem Gangsterboss Huang Li, übergeben. Ma Li und Zhang Yue bekommen schöne Kleider, während Lingling, die so klein wie ein Zwerg geblieben ist, in ein Affenkostüm gesteckt wird. Madam Lin schließt Ma Li und Lingling in ihr Herz und nimmt die Kinder in ihr Haus auf, während Zhang Yue einer Zukunft als Blumenmädchen entgegen geht. Doch Ma Li und Zhang Yue begegnen sich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder. Beide träumen vom Jadepalast, der in einer Geschichte vorkommt, die Ma Li’s Mutter einst, als sie noch lebte, erzählte, und die Ma Li auf der Reise nach Shanghai auch an Zhang Yue weiter gab.

    „Der Jadepalast“ ist ein beeindruckendes Buch. Von der ersten Seite an nimmt es den Leser mit einer unglaublich vielschichtigen Geschichte gefangen, die sehr raffiniert aufgebaut ist. Mit Staunen verfolgt man, wie Dinge, die zunächst nichts miteinander zu tun zu haben scheinen, sich schicksalhaft aneinanderfügen. Nichts ist zufällig, alle was geschieht hat einen Sinn, ist vorbestimmt. Ma Li und Zhang Yue folgen ganz unterschiedlichen Wegen und treffen doch immer wieder zusammen. Beide sind ehrgeizig, beide wollen den Traum vom Jadepalast verwirklichen und doch ist ihr Verständnis von Glück nicht das gleiche. Der Autor bringt dem Leser zudem 100 Jahre der wechselvollen chinesischen Geschichte auf eine sehr ergreifende Weise nahe und zeigt, wie historische Ereignisse das Leben der Figuren beeinflussten. Bei aller Dramatik schreibt der Autor dennoch mit einem feinen Sinn für Humor und erreicht damit noch mehr Tiefe und Lebendigkeit. Die Spannung wird, so scheint es, mit Leichtigkeit das ganze Buch über gehalten. Über 544 Seiten ist es ein einzigartiger Lesegenuss. Unbedingt Lesen!

    Über den Autor:
    Raymond A. Scofield ist das Pseudonym des ZDF-Korrespondenten Gert Anhalt. Er wurde 1963 geboren, studierte Sprachen und Geschichte und arbeitete lange Jahre in China.

    Rezension von Heike Rau

    Raymond A. Scofield
    Der Jadepalast
    544 Seiten, gebunden
    Rütten & Loening, Berlin
    ISBN: 3-352-00716-0
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