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    Man gönnt sich ja sonst nichts …

    Von Fugalee Page | 24.April 2006

    Die Idee von Ulrike Jonack, dem Leser vor dem Vorwort erst einmal eine Praline zu reichen (Titelgeschichte), fand ich überaus gelungen. Achim Hildebrandts Appetithappen wird dem Leser in bleibender Erinnerung bleiben. (Das doppelte „bleiben“ soll diesen Eindruck noch verstärken)

    Und nach den Begleitworten ging‘s dann auch munter weiter.
    Wer bei dem Slogan drei …zwei … eins … Meins! daran denkt, dass er unbedingt noch eine Bewertung abzugeben hat, wird sich an Bernd Hutschenreuthers „Erde ersteigert“ ganz gewiss erfreuen. In der Kürze liegt die Würze.

    Im Anschluss Anna Rinn-Schads „Eine Woche ohne Stimme“ folgen zu lassen, war eine gute Entscheidung. Die Abwechslung macht’s. „Eine Woche ohne Stimme“ muss gerade für eine Frau eine furchtbare Vorstellung sein. So kann man sich die sympathische Protagonistin gut vorstellen und leidet gerne ein wenig mit ihr. Anna Rinn-Schad entführt den Leser in eine sorgsam „geplante“ Welt. Der Leser wird hier zum stillen Beobachter. Durch die Bilderflut nimmt man die Umwelt spürbar war. Nach dieser schönen Geschichte gleich weiterzulesen, wäre verkehrt. Man sollte sich eine Verschnaufpause gönnen und die Landschaften, die einem die Autorin mit dem Overhead ins Brain projiziert, erst einmal auf sich wirken lassen.

    Danach aber auf, zu Volker Hagelsteins „Der Defekt“. Es lohnt sich.
    Wenn Sie schon immer einmal wissen wollten, wie’s in der Zukunft in ihrer Küche zugeht, aber sich bisher nicht zu fragen getrauten. Hier steht’s! Nur soviel. In dieser Küche sind nicht nur die Gerichte köstlich. Die Küche selbst ist’s.

    Vom Titel her könnte Wolfgang Sendners „Jimmy verdaut Welt“ zum Thema Küche passen. Doch sollte man sich nicht täuschen lassen. Den Charakter der Story würde ich eher als „punkig“ bezeichnen. Weshalb? Das lässt sich ab Seite 37 nachschlagen.

    Ach, und da wir gerade beim Thema Musik sind. Dass Science-Fiction auch rockig klingen kann, beweist Edgar Güttges „Die E-Saite des Rickenbacker“.
    Obwohl Fugalee Page nicht mit dem Gitarrenhexer von Led Zeppelin verwandt ist, weiß er sich doch an ordentlicher Beschallung zu erfreuen. So lasset uns zum himmlischen Plektrum greifen, und die schwarzen Löcher als Lautsprecher missbrauchen. Yeah!

    „Vater werden ist nicht schwer“. Dass dieser Spruch in den Weiten des Weltraums nur bedingt zutrifft, lässt uns Ralf Steinberg hautnah miterleben. Selten hat man so Vergnügliches über diverse Möglichkeiten der Vereinigung gelesen. Am Ende gelangt man zu der Überzeugung: Die Phantasie des Autors muss schwerelos sein.

    Nun folgte Susanne Jaja mit „Vielen Dank für die Blumen“.
    Köstlich! Nachdem ich diese Story gelesen hatte, kam mir das Bild eines Showmasters in den Sinn. Da werde ich doch auch einmal wagemutig. Wetten dass …? Ich wette mit Ihnen, wenn die ewig gutgelaunte „Blondlocke“ in der nächsten Samstagabendshow, seinen weiblichen Gästen einen Blumenstrauß zuwirft, werden Sie sich ein Schmunzeln nicht verkneifen können. Vorausgesetzt, Sie haben Susanne Jajas Geschichte gelesen.

    Dann legt die Herausgeberin selber Hand an, und lädt uns zur „Kartoffelernte“ ein. Bei der Kartoffel bin ich ja immer recht froh, dass hier die Äpfel aus der Erde, und nicht vom Pferd stammen. So wissen auch die Weganener, eine ordentliche Knolle durchaus zu schätzen. Kein Wunder, bei den Rezepten, die „jon“ uns auftischt. Da läuft einem das Wasser im Munde zusammen. Leider liegt auch hier die Tücke im Detail. Also Vorsicht! Andere Welten, andere Sitten.

    Achim Hildebrand, die Zweite: „Tausend Banner im Sand“. Es soll ja Menschen geben, die im Urlaub in aller Herrgottsfrühe zum Pool watscheln, um mit einem Badetuch die Liege in Beschlag zu nehmen. Ob der innere Zwang, seinen bescheidenen Claim abzustecken, auch anderen Völkern bekannt sein mag?

    Zur nächsten Geschichte soll dieser Hinweis folgen: Lassen Sie erst einmal das Wasser einlaufen, und gönnen Sie sich diese Art von Wellness. Doch kann es Ihnen passieren, dass das Badewasser um einige Grade kälter geworden ist, nachdem Sie Lutz Schafstädts „Expedition“ gelesen haben.

    Wer hat nicht schon an einem Lagerfeuer gesessen, und sich von dem seltsamen Spiel der Flammen verzaubern lassen. Wie hypnotisiert sitzt man davor, und alles, was man in diesem Zustand verbal so von sich gibt, klingt irgendwie philosophisch. In diese wunderbare Stimmung wird Sie Ralf Steinbergs „Die Flammen von Flammarion“ versetzen.

    Noch ganz in pyromanischer Melancholie versunken, stoßen Sie auf Frank Lehmanns „Blinddate auf Titan“. Bereits im Zeitalter von internationalen Ehevermittlungen angekommen, ist es interessant zu beobachten, was dies für zukünftige Stilblüten auf dem Saturnmond treiben könnte. Sozialer Aufstieg entscheidet über die ehrlich gemeinte Zuneigung. Hmm … manchmal gar nicht so weit entfernt, oder?

    „Ach, wie klein ist doch der Mensch, und kann so Großes vollbringen.“ Mir fällt im Moment nicht ein, wer das gesagt hat. Vielleicht kommen Sie ja darauf, nachdem Sie Achim Hildebrands „… und alles wimmelnde Getier“ gelesen und sich an diese Rezension erinnert haben.

    Nachdem unsere Sinne durch philosophische Betrachtungen nun hinreichend geschärft sind, bereiten wir uns darauf vor, kriminalistisch tätig zu werden. Allerdings lassen wir die üblichen Romanfiguren außen vor, und schlüpfen statt dessen in die Haut eines gewöhnlichen Siedlers. Ob es ihm gelingt, den Fall zu lösen, steht schwarz auf weiß bei „jon“ in deren „Sabotage“ geschrieben. Ich kenne den Täter inzwischen, doch hilft Ihnen das nichts, schließlich können Sie meine Gedanken nicht lesen.

    Wie man eine Pointe behutsam herausarbeitet, und dem Leser dauerhaft in Erinnerung hält; so wie der Bildhauer in Stein, diese dem Leser förmlich in den Kopf meißelt, lässt sich bei Ralf Steinbergs „Schmerzen“ erlernen. Leider muss der Leser erkennen, dass, trotz sorgsamer Prophylaxe, sich manche Schmerzen einfach nicht vermeiden lassen.

    Nachdem uns Edgar Güttge in seinem ersten Beitrag mit dem Sound des Weltalls vertraut gemacht hat, lässt er uns nun mit „Das Fax des FlugEngels“ die Bürokratie der Zukunft miterleben. Wer an keinem Haftnotizblock vorbeigehen kann, ohne zwanghaft einen Vermerk darauf zu kritzeln, dürfte an dieser Geschichte seine wahre Freude haben.

    Und weiter geht’s. Dass Susanne Jaja nicht nur gut zeichnen kann (Titelbild) sondern ihre Phantasie auch beim Schreiben einsetzt, sieht man erneut an „Versiebt“ oder „Survival of the fittest“. Als Mann (und somit Profiheimwerker) griff ich bei dieser Geschichte instinktiv nach meinem Schweizer Messer, und blickte dennoch neidisch auf das Ultratool von Rogell. Für so ein Teil würde ein Testosteroni schon die ein oder andere Werkbank eintauschen. Aber was man mit dem Ding so alles anstellen kann, und ob es im entscheidenden Moment wirklich eine Hilfe darstellt, sollten Sie selber lesen.

    Im Anschluss, gleich der nächste Bohrhammer. Die „Nachrichten aus dem Wissenschaftsrat“ schlagen ein, wie eine Bombe. Ein wahres Eldorado für Verschwörungstheoretiker. Ein Angriff auf die „Lupe“? Mehr darf ich nicht verraten, Inge Lütt schon.

    Es folgt flammarions „das kann man gar keinem erzählen … aber es ist wahr!“
    Einbildung ist die skurrilste Bildungsvariante. Die verschiedenen Fächer werden auf der Phantasieschule gelehrt. Die Autorin dürfte diese Einrichtung besucht haben. Was sich so alles in den eigenen vier Wänden abspielt, wenn man zu den Augen auch noch die verborgenen Sinne öffnet. Das kann man gar keinem erzählen … das sollte man lesen.

    Gerhard Kemme „Gleis 10 oder Ankunft kann doch nicht so schwer sein.“
    Als Gepäckträger hat man’s in der Gegenwart schon nicht leicht. Werfen Sie einmal bei Ihrer nächsten Urlaubsreise einen Blick auf die dienstbaren Geister. Seien Sie bitte höflich zu ihnen. Geben Sie etwas Trinkgeld, und schenken Sie ihnen ein Lächeln. Wir sind ja schließlich nicht in der Zukunft.

    Zu anemones „Kriegsschauplatz“ fällt mir eine pervertierte Form der „Lust“ ein. Oft kann man diese bei Verkehrsunfällen beobachten. Nach der Formel: „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ soll es somit den unbeteiligten Schaulustigen gleich doppelt hart erwischen.

    In ihrem zweiten Beitrag zeigt uns Inge Lütt mit „Oculi mei“ die ganze Vielfalt ihres Könnens. So ganz nebenbei bringt sie es auch noch fertig, dem Leser, eine amüsante Lektion in Sachen Religion zu erteilen. Für jemanden wie mich, der die Schokoladenstücke des Adventskalenders schon immer im Voraus herausgestohlen hatte, war diese Geschichte natürlich ein besonderer Leckerbissen.

    Es folgt Christian Savoys „Die Angst, stets gleich in unseren Seelen“. Diese Geschichte stimmt einen wieder sehr nachdenklich. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Man kann nur hoffen, sollte es tatsächlich einmal zu der beschriebenen Situation kommen, dass alle Beteiligten einen kühlen Kopf bewahren.

    Zu Michael Schmidts „Geliebte Maid“ will ich nur soviel verraten. Wenn Sie auf dem Roten Planeten Ihr Blaues Wunder erleben wollen, sollten Sie schleunigst das Grüne Büchlein kaufen.

    Oh ja – kein anderer Planet hat die Phantasie des Menschen so sehr beflügelt, wie der Mars. Er musste sowohl für kleine grüne Männchen, als auch für Schokoladenriegel mit zähflüssiger Karieszahnspachtelfüllung herhalten. Achim Hildebrand bringt den Stein erneut ins Rollen, mit „Sand in den Augen“ gibt er den Gerüchten neue Nahrung.

    Dass Criss Jordan mit „Sonnenuntergang“ das Ende dieser Anthologie einleitet, lässt hoffen.
    Nach der geschätzten Meinung der Autorin rückt das Ende des zukünftigen Menschen in weite Ferne. Gerade in Zeiten, in denen sich die Mundwinkel eines „Smilies“ immer öfter nach unten verziehen, ein wichtiges, ein optimistisches Emoticon.

    Tja, das war’s leider schon, und schließlich folgt da noch:

    „Wir über uns …“
    Da erfährt man etwas über die Autoren

    In „Noch mehr von uns …“
    Da erfährt man noch etwas mehr über die Autoren.

    Fazit:
    Die Herausgeberin bereitet dem Leser mit dieser Anthologie ein kurzweiliges, amüsantes Vergnügen. Hier führt der literarische Geschlechterkampf zu einem eindeutlichen Remis. Was zweifelsfrei beweist, dass auch in der Zukunft männliche und weibliche Humanoiden überhaupt nicht voneinander lassen können, und unbedingt voneinander lesen sollten.
    Gut – in einer Anthologie wird es immer einzelne Geschichten geben, die einem besser gefallen, doch eine schlechte konnte ich hier wirklich nicht finden.

    Fugalee Page sagt: „Yeah!“. Dieses Büchlein kann getrost empfohlen werden. Der Leser darf sich mal schmunzelnd, mal nachdenklich zurücklehnen und unterhalten lassen. Und sollte jemand bereits zu der Generation gehören, wo Mensch und Gebiß sich des Nachts an verschiedenen Orten aufhalten, so wird‘s diesen zusätzlich erfreuen. Der Schriftsatz ist angenehm zu lesen, und macht die Leselupe (das Gerät, nicht die Bücherei) damit überflüssig.

    Ulrike Jonack (Herausgeber)
    Man gönnt sich ja sonst nichts …
    27 amüsante Geschichten, die zum Nachdenken anregen
    ISBN:3935982283
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