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    Juan José Millás: Meine Straße war die Welt

    Von Claudine Borries | 30.Oktober 2009

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    Wachsen aus materieller Armut zum Reichtum der Literatur.

    „Wer als kleines Kind gefroren hat, wird für den Rest seines Leben frieren—die Kälte der Kindheit verschwindet nie.“

    Diese Worte markieren den Beginn einer Kindheit, die nach Sommern und herrlichen Badetagen am Meer in Valencia zu Ende ging, als die Familie nach Madrid übersiedelte.
    Juan, der jüngste Sohn von vier Geschwistern, ist zu dieser Zeit sechs Jahre alt und erlebt den Gegensatz der beiden Städte als schmerzliche und verlustreiche Impression. Das Paradies seiner Kindheit bleibt danach nur mehr sehnsuchtsträchtige Erinnerung. Der kleine Icherzähler Juan lebt in einer Welt voll unheimlicher Wahrnehmungen. Er ist äußerst sensibel und hört genau auf die Zwischentöne, wenn Erwachsenen sprechen. Aus den Andeutungen der Eltern zwischen Zuversicht und negativer Erwartung spürt er im Voraus, dass Madrid kein glücklicher Ort werden würde. Und richtig: die Winter sind hart, kalt und bedrückend. Der Ofen heizt nur ungenügend, und das Wasser rinnt durch Dächer und Wände.
    Der Vater ist Erfinder, die Mutter wird als „ Naturgewalt“ geschildert. Nicht immer ging es zwischen den beiden friedlich zu.

    Aus der Perspektive des kleinen Jungen erlebt man den Niedergang einer Familie, die sich in Madrid in einem Viertel ansiedelt, das als vornehm deklariert ist, in Wirklichkeit aber zu den ärmlichsten Lebensbedingungen für die wachsende Familie führte.
    Der wache Blick führt Juan durch die weiteren Jahre, in denen ein schwächlicher und kränklicher Freund mit dem Spitznamen „Vitaminreich“ ihm aus dem Keller des Hauses, in dem sein Vater einen Lebensmittelladen betreibt, den Blick auf die Straße gestattet; es ist ihre Straße, in der sie Erfahrungen sammeln, und die sie zum Ort ihrer aufregenden und heimlichen Erlebnisse werden lassen. Durch Juans Augen erblickt man die Häuser und Plätze und sieht die Menschen; hier nimmt man an ersten unerlaubten Experimenten und Ausflügen in die weitere Umgebung teil und fühlt sich an die eigene Kinderzeit erinnert.

    Aus dem schüchternen Jungen wird schließlich ein Dichter, der oszillierend zwischen Traum, Fantasie und Wirklichkeit seinen ganz eigenen Weg als anerkannter Schriftsteller geht.
    In den Therapiestunden bei einer sanften Analytikerin spürt er den Schrecknissen seiner Kindheit nach. Zuletzt erwachsen geworden und in der Realität angekommen, gibt es drastisch- realistische Aussprüche, die zum Schmunzeln verleiten.

    Millás bestrickt mit der feinfühligen Wiedergabe frühkindlicher Verwunderungen, Ängste, Hoffnungen und mit seinem ehrlichem Erstaunen über die Welt der Erwachsenen. Selten erlebt man eine so intensive, empfindsame, von Ängsten und skurrilen Fantasien belebte Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit wie in dem autobiographischen Roman von Juan José Millás. Am Ende zeigt sich: wir alle bleiben, wo immer wir sind, der Straße unserer Kindheit verhaftet, in der wir uns überall auf der Welt wieder finden.
    Der philosophische Tiefgang der Erzählung ist unübersehbar, ohne die Geschichte dramatisch zu überfrachten. Gelegentlich enden Gedankengänge in einer Leichtigkeit, die den Leser beglücken und uns zeigen, wie reich das Leben ist!
    Juan José Millás schreibt anregend, klug, weise und höchst inspirierend. Seine Affinität zu Proust ist unverkennbar. Besser kann man sich einen autobiographischen Roman nicht vorstellen!
    Der Autor wurde in Spanien mit höchsten Preisen für sein Werk bedacht.

    Juan José Millás
    Meine Straße war die Welt
    Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
    Verlag: S. Fischer
    ISBN-10: 3100490134
    ISBN-13: 978-3100490131



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