Rezensionen, Buchbesprechungen und mehr… auf Leselupe.de!
  • Rezensionen abonnieren!

    Ihre Email-Adresse:

    Eine Abmeldung vom Newsletter ist natürlich jederzeit möglich!

  • Schlagworte

  • Kategorien

  • Rezensionen-Links

  • « | Home | »

    John Irving: Letzte Nacht in Twistet River

    Von Claudine Borries | 24.Juni 2010

    Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
    Der große alte Mann der amerikanischen Erzählkunst hat mit diesem Roman erneut seine ausufernde Fabulierkunst unter Beweis gestellt.

    Er breitet seine Geschichten gerne langsam und mit vielen Vorläufen vor uns aus.

    So trifft man den Koch Dominic und seinen Sohn Danny hoch oben am Twistet River zwischen Holzfällern und groben Kerlen an. Woher Dominic stammt, wie es zu einer Verkrüppelung seines Beines kam, und wie er zum Koch wurde, das wird in der Erzählung erst später aufgeschlüsselt, denn zuerst geht es einmal um die Atmosphäre im Holzfällermilieu.

    Danny ist zwölf, und er ist neugierig. Er lebt bei seinem Vater, denn seine Mutter ist tot. Ihr Tod bleibt vorläufig ein Geheimnis. Langsam, beschaulich und wenig spektakulär verläuft das Leben von Vater und Sohn, in dem allenfalls der frühe Unfalltod des jungen Kanadiers Angel im Fluss für Aufregung sorgt.

    Mit sich steigernder Intensität nähert sich John Irving dem eigentlichen Plot: in dem wilden Milieu der Holzfäller kommt es immer wieder zu Sauf- und Sexexzessen. Zu karg und schwer ist das Leben, als dass das Wochenende nicht zu ausufernder Triebbefriedigung herhalten muss. Anlässlich eines solchen Abends geschieht ein Unglück bei Dominik im Haus: sein Sohn Danny verwechselt Indianer Jane beim Beischlaf mit seinem Vater mit einem Bären und erschlägt sie mit einer Bratpfanne! Zu allem Unglück ist sie die Geliebte des Dorfpolizisten, und seine Rache ist ihnen gewiss!

    So beginnt ein Leben auf der Flucht für Vater und Sohn, das sie weit herumkommen lässt von Boston nach Vermont, Iowa und zuletzt nach Kanada. In großen Zeitabständen nehmen wir an der jahrelangen Flucht der beiden teil.

    Danny will Schriftsteller werden; ist das als symbolische Annäherung an den Autor zu verstehen?

    Die geschilderten Typen im Holzfällerlager sind von markiger Herzlichkeit zugleich grob und rau, feinfühlig und  burschikos: die Palette ist breit, mit denen Irving seine Figuren agieren lässt. Die Abenteuer von Vater und Sohn auf der Flucht füllen Seite um Seite.

    Am Ende zeigt John Irving wieder einmal seine großartige Fähigkeit, stimmungsvolle Schilderungen über Land und Leute zu entwerfen, mit denen ihn die Komik des Augenblicks, die Liebe, der Humor und das Leben mit seinem ganzen Facettenreichtum verbindet. Teilweise melancholisch, weise und klug unterhält uns John Irving in alt bekannter Weise. Danny und Sixpack erinnern sich zuletzt an den alten Freund Ketchup mit den Worten: „Wir versuchen, uns unsere Helden am Leben zu erhalten; deshalb erinnern wir uns an sie“. Dieses Motto könnte vielen Werken von John Irving vorangestellt sein.

    Etwas breit angelegt und Geduld fordernd ist die ausufernde Schilderung. Irving-Liebhaber werden auf ihre Kosten kommen, wenn der Autor auch schon bessere Romane verfasst hat.

    John Irving
    Letzte Nacht in Twistet River
    736 Seiten, gebunden
    Diogenes, Mai 2010
    ISBN-10: 325706747X
    ISBN-13: 978-3257067477



    ... Kommentare deaktiviert für John Irving: Letzte Nacht in Twistet River | Kategorie Belletristik | Tags , , , , | Trackback: URL/trackback

    Kommentare geschlossen.



    Top Suchbegriffe:

    • john irving, letzte nacht in twistet river
    • sexexzess geschichten
    • john irving söhne
    • buchbesprechungen john irving
    • john irving kritiken
    • neustes buch John Irving
    • buchkritik john irving
    • rezension john irving
    • john irving kritik letzte nacht
    • kritik irving
    ";