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Monat: Juli 2012

Klaus Wallendorf: Immer Ärger mit dem Cello

Klaus Wallendorf: Immer Ärger mit dem Cello

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Hommage an ein Musikensemble!

Dass sich ein Musiker als gewiefter Literat entpuppt, erlebt man nicht alle Tage! Klaus Wallendorf zeigt sich als ein solcher, denn mit Schmiss und temporeich beginnt seine wie im Untertitel erklärte Liebeserklärung an das Cello und die Cellospieler, die ihre Ursprünge in der Liebe zu einer Cellistin hat. Zum 40 jährigen Jubiläum des zwölfköpfigen Celloensembles der Berliner Philharmoniker hat er eine fröhliche,humorvolle und geistreiche Hommage verfasst.

Hier geht es aber nicht nur um die Cellospieler sondern um den Konzertbetrieb insgesamt, in dem er als dritter Hornist der Berliner Philharmoniker keine ganz geringe Rolle spielt.

Mit seinem Musikwissen und seiner Kenntnis vom Dirigieren und Musizieren kann er dem einfachen Leser schon einiges erzählen.

Da spielen die Tempi und die Noten mit, da geht es um die Körpersprache und die Noblesse eines Instrumentes, das mit sonorem Klang und ruhigem Spiel so manches Herz im Leibe hüpfen lässt. Sätze wie diese „Wenn sich unter sehnigen Könnerhänden ein gezupftes Kontra-C vom Griffbrett löst, dann beben die Bühnenböden des Abendlandes“,- sind Ausdruck dieser lustigen Rede! In Stil und Ton gleichbleibend geht es weiter, und man strenge sich gefälligst an, das früh erlernte Wissen um Noten, Musikinstrumente und das Musikgeschehen hervorzulocken, denn ohne das geht es nun einmal nicht.

Die Cellisten sind der Vorwand, unter dem uns Klaus Wallendorf durch den Konzertbetrieb und seine Hintertüren führt. Übungsrituale und Geflogenheiten der Cellisten werden aufgelistet und dazu gehört auch, „es wird gespielt und nicht geredet“. Jeder einzelne Cellist wird in einer gesonderten Rede gewürdigt. Angereichert ist die Geschichte mit zahlreichen charakteristischen Gedichten und Reimen zu diversen Feiern und Ehrungen. Klaus Wallendorf erzählt munter, geistreich und gelegentlich leicht ironisch, so als nähme er das alles selber nicht so ganz ernst. Er zeigt die Mimik eines Komikers, der ja auch nicht über die eigenen Kalauer lacht.

Luftig leichte Zeichnungen von F.W. Bernstein ergänzen zusammen mit einer Reihe Fotos dieses inhaltsreiche und zügig geschriebene musikalische Lustwerk.

Wie alles einen Anfang und ein Ende hat so auch dieses Buch. Und es endet mit der Furcht vor dem Ruhestand und der tröstenden Gewissheit, das man „dann immer weiter machen kann, nun aber, was man will“,- und das scheint gar nicht so einfach.

Ob das Kabarett die Lösung ist?

Wir wünschen dem Autor mit vielen aufmunternden Impulsen, dass er uns noch viele denkwürdige Geschichten aus dem Konzertleben erzählen möge!

Klaus Wallendorf
Immer Ärger mit dem Cello
176 Seiten, gebunden
Galiani, 2. Auflage, April 2012
ISBN-10: 3869710551
ISBN-13: 978-3869710556
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Mirjam Beile: Brotbacklust – 222 Rezepte mit und ohne Brotbackautomat

Mirjam Beile: Brotbacklust – 222 Rezepte mit und ohne Brotbackautomat

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Brot mit dem Brotbackautomaten herzustellen ist ganz einfach. Nur als Anfänger braucht man Unterstützung, aber schnell stellt sich auch hier Routine ein. Geschmackliche Routine ist allerdings langweilig. Bei den Brotsorten möchte man Abwechslung haben und immer mal wieder Neues ausprobieren.
Die gelernte Bäckerin Mirijam Beile hat im Buch 222 Rezepte zusammengestellt, darunter natürlich Grundrezepte, aber auch sehr viele ausgefallene Kreationen. Und neben Brotrezepten gibt es auch süßes Gebäck.

Der Schwerpunkt liegt auf den Rezepten, wobei es natürlich auch einige Basisinformationen gibt. Brotbackautomat, die grundlegenden Zutaten und die Teigarten werden erklärt. Dabei wird auch auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten eingegangen. Das kann sogar ein Grund sein, dass man sein Brot selbst backen muss. Der Vorteil ist, dass man dann jede einzelne Zutat kennt und tatsächlich nur Verträgliches im Brot ist. Wer keinen Brotbackautomaten hat, findet im Anhang erklärt, wie man den Teig ohne das Gerät zubereitet.

Helle Brote, dunkle Brote, Vollkornbrote, Milchbrote, süße Brote und glutenfreie Brote findet man in der Rubrik „Brot-Rezepte“. Besonders interessant erscheinen Schmelzkäsebrot, Holunderblütenbrot, Sojavollkornbrot, Rosinen-Nuss-Brot, Marzipan-Aprikosen-Brot und glutenfreies Kartoffelbrot.

Neben diesen Brotrezepten gibt es die „Variationen aus Teig“. Der im Brotbackautomat hergestellte Teig wird hier zu Blechkuchen, Pizza, Brötchen und Baguette weiterverarbeitet.
Verarbeitet werden Brotscheiben auch zu Salaten, wie dem Tomaten-Brotsalat oder zu Brot-Auflauf, wie dem Kirschen-Brotauflauf.
Selbst im Dessert kommt Brot unter, so zum Beispiel im Schoko-Brot-Pudding.

Gleich mitgeliefert werden auch Rezepte zu Aufstrichen, die süß oder pikant sein können, also Kräuter-Knoblauchbutter oder Schoko-Nuss-Aufstrich.

Die Rezepte sind teilweise sehr überraschend. Es ist doch sehr interessant, was man alles ausprobieren kann. Die Autorin ist, was die Zutaten betrifft, sehr erfinderisch. Dabei ist es tatsächlich ganz einfach, die Brote zu backen, weil ja der Automat den größten Teil der Arbeit übernimmt. Gut gefällt, dass die Rezeptzutaten für große und kleine Brote berechnet sind. Da kann man gut nach Bedarf backen.
Die Rezepte im Buch überzeugen also, die sehr schönen Fotos dazu ebenso. Etwas schwierig wird es allerdings zu entscheiden, in welcher Reihenfolge man die Rezepte ausprobiert, denn es sind einfach zu viele wirklich gute dabei.

Rezensionen von Heike Rau

Mirjam Beile
Brotbacklust
222 Rezepte mit und ohne Brotbackautomat
144 Seiten, Klappenbroschur
Verlag Eugen Ulmer, 2. Auflage 2012
ISBN-10: 3800177811
ISBN-13: 978-3800177813
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Tobias Lehmkuhl: Land ohne Eile

Tobias Lehmkuhl: Land ohne Eile

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Wenn man an Masuren denkt, an Nikolaiken oder Suleyken und Neidenburg so kommen einem träumerische Gedanken an ferne Tage. Auch Siegfried Lenz hat das Herz anrührende Schilderungen hinterlassen und die Sehnsucht nach dieser Gegend aus Natur, herrlicher Landschaft und heimatlicher Geborgenheit in seinen Romanen verewigt. Das Masuren Ostpreußens war Herkunftsgegend vieler berühmter Adelsgeschlechter wie den Dönhoffs oder den von Lehndorffs. Im Norden Polens gelegen gehörte Masuren einst zu Ostpreußen und später wie heute zu Polen. Kriege und Landverteilung haben Masuren immer wieder hier wie dahin verschoben.

Tobias Lehmkuhl hat eine atmosphärisch reizvolle Reise und Wanderung durch das schöne Land Masuren gemacht. Angefangen von Osterode hin zum Nikolaikensee und zahlreichen weiteren Seen erkundet er die bekannten und auch weniger bekannten Ortschaften und gibt seine Eindrücke wieder. Er trifft Touristen und Einheimische, die heute vor allem Zugewanderte sind. In der Begegnung mit Gastwirten, Pensionswirtinnen und Anglern, die als „Menschen ohne Eile“ den Titel zu dem Reisebericht gaben, erkundet Tobias Lehmkuhl Land und Leute. Ihm erschließt sich auf diesem Wege die Geschichte Ostpreußens und seiner Bedeutung von einst und heute. Bei seinen Unternehmungen erlebt er nicht nur die Schönheit des Landes, sondern sie führen ihn auch an entlegene Orte mit verrottenden Schlössern und mit Marktplätzen, die unschöne Bebauungen aufweisen. Ihm gelingt die Verbindung von Natur und Ruhe mit dem heutigen Ambiente aus Eisdielen, Dönerbuden, Pizzerias und Bootsanlegestellen, Lärm und Läden aller Art. Skizzen ungewöhnlicher Weite und stille Naturbetrachtungen ergänzen die Erzählungen, mit denen der Autor seinen Empfindungen Ausdruck gibt.

Tobias Lehmkuhl hat sich auf eine Spurensuche begeben, die unter anderem auch auf die Reste der Nazizeit mit ihren schrecklichen Folgen verweist.

Dem Autor bleibt die Erfahrung einer ungewöhnlichen Landschaft, die bei jenen, die sie kannten und die daher kamen, unvergessliche Eindrücke hinterlassen hat.

In den bilderreichen und ausdrucksvollen Beschreibungen meint man sich selbst an Ort und Stelle zu befinden und sieht die alternden Touristen ihre Runden drehen. Eine unerklärliche Sehnsucht nach dieser Landschaft der Stille mit den vielfarbig herben und unnachahmlichen Naturerscheinungen und den ruhigen Seen ergreift den Leser, und man möchte dieses schöne Land gerne auch selber einmal erkunden.

Tobias Lehmkuhl
Land ohne Eile
224 Seiten, gebunden
Rowohlt Berlin, Mai 2012
ISBN-10: 3871347337
ISBN-13: 978-3871347337
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Ole Kristiansen: Der Wind bringt den Tod

Ole Kristiansen: Der Wind bringt den Tod

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Odisworth ist ein abgelegenes Dorf. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein. Jule Schwarz muss in diese Einöde, um ein Projekt durchzusetzen. Ein Windpark soll in Odisworth entstehen. Es gibt keine Bus- oder Bahnverbindung. Zum ersten Mal seit dem Unfall muss Jule sich wieder hinter das Steuer eines Autos setzen. Ihr Therapeut Lothar Seger ist zuversichtlich. Auch ihre Freundin Caro, die mit dem Therapeuten zusammen ist, spricht ihr Mut zu. Sie legt Jule sogar die Karten, lässt jedoch eine davon verschwinden. Es ist der Tod.

Jule übersteht die gespenstige Fahrt mit dem Firmenwagen und findet zu ihrer Professionalität zurück. Ihr Vortrag über die Vorteile erneuerbarer Energien wird allerdings von Gabriel Smolski unterbrochen. Der Ermittler berichtet von einem Leichenfund auf dem Grundstück eines Dorfbewohners. Die Tote muss dort allerdings schon länger gelegen haben.

Jule Schwarz wird direkt mit hineingezogen in den Fall. Fast ist es, als wäre sie eine Marionette in einem Theaterstück. Die Dorfbewohner haben etwas zu verbergen, so viel wird schnell klar. Doch der Zusammenhalt ist groß.

Der Krimi ist perfekt aufgebaut. Nichts wirkt konstruiert. Das Netz aus Lügen wird immer dichter und undurchdringlicher, auch für den Leser. Was sich da hinter den Kulissen abspielt und wer der Mörder ist, ist einfach nicht erkennbar. Kaum glaubt man, ihn zu kennen, wird der Verdacht auf einen anderen gelenkt. Aber dass er aus dem unmittelbaren Umfeld Jules kommen muss und dass Jule in sein Beuteschema passt, ist offenkundig.

Eine unheimliche Stimmung beherrscht das Geschehen, das bestimmt wird von undurchschaubaren Charakteren und einer Dorfidylle, die nur Schein ist. Die Lage spitzt sich zu, als klar wird, dass der Mörder ein Serienkiller ist.
Der Krimi ist raffiniert gemacht, hochspannend und unterhält ausgesprochen gut. Damit hat er zu Recht eine Empfehlung als „Krimi des Monats“ verdient.

Rezension von Heike Rau

Ole Kristiansen
Der Wind bringt den Tod
Thriller
496 Seiten, broschiert
Dtv – Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423213760
ISBN-13: 978-3423213769
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David Foster Wallace: Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich

David Foster Wallace: Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich

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Jedermanns Freud und Leid!

Was für ein ergötzliches Buch! Allen jenen, die den Massentourismus verabscheuen, sei es ans Herz gelegt!

Mit Witz, Ironie und Sarkasmus beschreibt David Foster Wallace eine Kreuzfahrt, die er im Auftrag von Harper’s Magazine angetreten hat. Er soll einen möglichst positiven Bericht abgeben, der nichts anderes als eine verkappte Werbung für die Schiffslinie sein soll.

Wie er das Abenteuer seiner Reise angeht, das ist unübertroffen! Voller Staunen sieht er die Reinlichkeit, die Freundlichkeit, den Service und die vor Freude überbordenden Mitreisenden, die sich zu dem Massenabenteuer entschlossen haben.

Man stelle sich einen Mann vor, der Stille liebt, der Individualist ist, der alle Gleichmacherei hasst, und der nun plötzlich in diesem Trubel landet. Mit beißendem Humor beobachtet er das „Volk“, das sich diesem Spektakel ausliefert und auch noch Freude daran hat! Er kann es kaum fassen. Animateure sorgen die ganze Zeit dafür, dass niemand zur Besinnung kommt. Jeglicher freie Moment wird mit Spiel, Spaß und Wellness vollgepfropft und wehe, einer entzieht sich dem allgemeinen Freudentaumel. Das gibt es nicht! Man hat sich dem Programm zu fügen, und die meisten tun das ja auch. Nur unser Autor erlebt fast so etwas wie die Dantesche Hölle, als er sich in diesem Event wiederfindet. Auch geißelt er das „Professional Smile“ der Bediensteten, das wie  eingefroren wirkt. Es treibt ihn zur Verzweiflung, weil niemand sicher sein kann, was hinter dieser Dauerfassade der Freundlichkeit in Wirklichkeit lauert. Mit ausdauernder Komik trägt er seine Beobachtungen vor und bringt den Leser zum Lachen. Man amüsiert sich wahrhaftig großartig über die Erlebnisse eines, wie er es nennt, „agoraphobischen“ Individualisten, als der er sich selbst bezeichnet.

Hinter dem Essay steckt eine ausnehmend kluge Kulturkritik, die mitreißend und amüsant zu lesen ist. David Foster Wallace ist ein begnadeter Schreiber. Wie er die Menschen und Situationen beobachtet und seine Gedanken dazu formuliert, zeigt einen kritischen, überlegenen und hintergründig denkenden Menschen. Seine Beobachtung über die Vermarktung des Menschen, mit der dieser möglicherweise keine Leere aufkommen lassen will, und die offensichtliche Angst vor dem Tod, dem die Teilnehmer einer solchen Massenreise zu entkommen trachten, ist denkwürdig. David Foster Wallace durchschaut alles und alle. Ihm entgeht die Freude, und er sieht den Überdruss und auch die Komik in allen diesen Erscheinungen. Doch das ist der Preis, den einer zahlt, wenn er zu kritischem Denken befähigt ist und ja ganz andere Ziele und Lebensvorgaben hat.

Der früh durch Suizid geendete David Foster Wallace hat ein herausragendes Schreibtalent. Sein Tod 2008 wurde von Freunden und Bewunderern tief betrauert.

David Foster Wallace
Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich
185 Seiten, broschiert
Kiepenheuer & Witsch, 2004
ISBN-10: 3462033883
ISBN-13: 978-3462033885
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