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    Ayana Mathis: Zwölf Leben

    Von Claudine Borries | 1.Mai 2014

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    Vom vergeblichem Aufwärtsstreben und Niedergang…

    Mit dem hier vorliegenden Roman gilt es, eine begabte amerikanische Erzählerin zu entdecken!

    Die Geschichte handelt von einer farbigen Familie, die sich aus bitterer Armut aus den Südstaaten der USA in der Hoffnung auf ein besseres Leben in den Norden begibt.

    Aus Georgia zieht es Hattie mit Mutter und zwei Schwestern nach Philadelphia. Hattie ist erst 15 Jahre alt, und die Jahreszahl 1925 steht über dem ersten Kapitel. Die Zeit des großen Aufbruchs farbiger Afroamerikaner aus dem Süden der USA in die Nordstaaten von Amerika war in vollem Gange. Dort im Norden hoffte man auf bessere Lebensbedingungen. Die Bürgerrechtsbewegung mit dem Ziel der Gleichstellung von Farbigen zog sich von 1910 bis 1970 hin und ist bis heute im Land der großen Freiheit nicht überall gelungen.

    In Philadelphia beginnt Hattie ihr Leben als Familienmutter mit zahlreichen Kindern.

    Doch das Glück ist ihr nicht hold. Ihre ersten beiden Kinder, ein Zwillingspärchen mit den hoffnungsvollen Namen Philadelphia und Jubilee, sterben an einer Lungenentzündung. Ihre weiteren Kinder gehen nach Jahren der Armut in die Welt, um ihr Glück zu versuchen. Hattie bleibt als immer währender Hort der Stärke für alle zurück. Liebe und Zärtlichkeit waren nicht ihre besten Seiten. Dazu musste sie sich zu sehr plagen, um alle zu kleiden und zu ernähren.

    Die Geschichten ihrer Kinder sind voller Widersprüche. Ihre Lebenskreise ziehen sich durch das ganze 20. Jahrhundert und bieten ein Stück amerikanischer Zeitgeschichte, die aufschlussreich ist.

    Wenn auch das Unglück überwiegt, so ist die Darstellung von Ayana Mathis’ atmosphärischen Geschichten so geartet, dass man sich mit den Menschen verbunden fühlt und an ihren Schicksalen Anteil nimmt. In weitem Bogen umspannt die Autorin von den frühen bis zu den späten Lebensjahren das Ergehen von Hattie mit ihren Sorgen und gelegentlichem Versagen, von ihrem Mann, ihren Kindern und ihrem einzigen Liebhaber.

    Farbig und belebend sind die Schilderungen der Milieus, in denen die Kinder ihr Leben gestalten. Man spürt die Kälte im Winter und die Hitze im Sommer. Und man erfährt einiges über die Lage der Schwarzen, die noch lange nicht rosig aussieht. Arbeitslosigkeit, Trunksucht und die Spielleidenschaft der Männer lassen in zahlreichen Familien ihre Mitglieder auf der Strecke. Die Liebe zwischen Hattie und ihrem Mann August verliert sich in Küchendunst, im Hunger und in der Not der Kinder. Hattie sieht die Hoffnungslosigkeit ihrer Lage, und alle Ausweichmanöver misslingen. Sie bleibt stolz und unbeugsam in den wenigen glücklichen Augenblicken und im Unglück. Doch sie kann auch böse, bitter und zornig sein.

    Ayana Mathis zeigt herausragendes Erzähltalent bei den Schilderungen dieses großen Familienromans.

    Ihre Figuren sind aus Fleisch und Blut. Man kann sie spüren mit allen ihren Emotionen und auf ihren verwinkelten Lebenswegen.

    Ayana Mathis wird in der Nachfolge von Toni Morrison gehandelt, die 1993 als einzige Amerikanerin in langen Jahren den Literaturnobelpreis erhalten hat. Ayana Mathis neuer Roman ist ein absolutes Muss für die Freunde gehobener Literaturgattungen.

    Ayana Mathis
    Zwölf Leben
    368 Seiten, gebunden
    Deutscher Taschenbuch Verlag, Mai 2014
    ISBN-10: 342328028X
    ISBN-13: 978-3423280280
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    ... 1.761 Aufrufe 1 Kommentar » | Kategorie Belletristik | Tags , , , , | Trackback: URL/trackback

    Ein Kommentar to “Ayana Mathis: Zwölf Leben”

    1. Beatrix Petrikowski meint:
      16.Juni 2014 at 09:55

      Für mich gehört dieses Werk auch zu den ganz großen, wobei es schwer ist zu erklären, was genau an dem Roman so fasziniert. Entweder lässt man sich darauf ein und ist begeistert, oder man ist von Anfang an dagegen. Wer Action sucht, ist hier nicht richtig.

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