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    Jean-Luc Seigle: ich schreibe Ihnen im Dunkeln

    Von Claudine Borries | 31.Januar 2017

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    In einer subtilen Missbrauchsgeschichte zeigt uns Jean-Luc Seigle, welche Auswüchse der Krieg verursachen kann.

    Zu Beginn des vorliegenden Romans erleben wir eine junge Frau in Marokko. Sie hat ein nettes Haus und verkehrt mit einer Schar junger Leute. Eines Tages spricht man über einen aufsehenerregenden Film, in dem Brigitte Bardot die Rolle einer jungen Frau verkörpert.

    Niemand weiß, dass die Geschichte auf einer wahren Begebenheit basiert, die das Leben der jungen Frau darstellt.

    Von der ersten Seite an wird man in den Sog einer Geschichte hineingezogen, die im Vorwort zunächst als wahre Geschichte wie eine sachliche Nachricht abgehandelt wird. Dann erst beginnt die romanhafte Darstellung, die in ihrer Feinheit der Beobachtung und im Ablauf der Geschehnisse eine spannende Liebes-und Lebensgeschichte lebendig werden lässt.

    In Rückblenden und Gegenwartsbetrachtungen schält sich die Geschichte als trauriges Schicksal heraus.

    Es geht um die Liebe einer jungen Französin zu einem Deutschen während des Zweiten Weltkriegs.

    Die Folgen nach dem Krieg für Frauen und Mädchen, die sich mit deutschen Besatzern eingelassen hatten, waren hart und grausam. Angehörige der Resistance rächten sich auf bittere Weise an ihnen.

    Auch Pauline entging diesem Schicksal nicht.

    Pauline ist intelligent und studiert nach dem Krieg Medizin. Sie hat einen Verlobten, den sie innig liebt.

    In poetischen Bildern und realistischen Darstellungen folgt für die junge Frau jedoch wie nach einem geheimen Plan ein Drama dem anderen. Ihr Verlobter sagt sich von ihr los, als er von ihrer Vorgeschichte hört, in der sie als Deutschenflittchen bestraft und gefoltert worden war, und sie rächt sich an ihm. Dafür sitzt sie lange Jahre im Gefängnis und lässt sich schließlich unter dem Vornamen ihres Vaters Andrée in Marokko nieder.

    Jean-Luc Seigle versetzt sich emotional tief nachvollziehbar in ein Frauenschicksal, wie es ihrer ­sicher viele gab. Hass, Krieg, Grausamkeit, Folter und Schikane in dieser Art sind im Fall von Pauline verflochten mit dem besonderen Fall einer Familiengeschichte. Zwei Brüder sind im Krieg gefallen, und der Vater hatte nur einen Wunsch: seine Frau aus ihrem Trauerzustand zu befreien. Dazu ist ihm Paulines Verwandlung aus dem sehr jungen Mädchen in eine junge Frau gerade recht. Sie spielt das Spiel mit und kommt früh in Versuchung, sich mit Männern einzulassen. Sie ist begehrenswert und kann bei den Deutschen allerlei Nahrungsmittel hamstern, die der Mutter, die für ihr Leben gerne kocht, neuen Lebensmut geben soll. Man spürt bei Pauline eine tiefe Sehnsucht nach Liebe. Nach den Erfahrungen des Krieges träumt sie ständig von neuem Glück, weiß aber inzwischen, dass ihre persönliche Geschichte diesem Glück im Wege steht. Schließlich bringt sie ihre Erfahrungen in Form eines Briefes zu Papier. Ihre Sehnsucht nach einer erfüllenden Liebe zerbricht unweigerlich immer wieder an den Erlebnissen ihrer Vergangenheit. Männer verzeihen ihr diese nicht.

    Es ist sehr traurig und anrührend, wie Frauen in Krieg zu Opfern der schieren Wut, Obsession und der Männergewalt werden können. In diesem Fall ist die Geschichte besonders infam, als auch der Vater das Kind für seine Zwecke missbraucht. Bis heute noch kann man in den Nachrichten aus aller Welt hören, dass Frauen zur Waffe der Gewalt in den Händen von Männerhass werden. Sie können sich nicht wehren, weil die Phalanx der Männergewalt so viel stärker ist.

    Man ist umso tiefer berührt, da die ganze Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht.

    Mit leisen Tönen der Angst und Not seiner Protagonistin folgend berichtet Seigle von dem Innenleben seiner Heldin, die sensibel ist und immer wieder scheitert.

    Jean-Luc Seigle
    Ich schreibe Ihnen im Dunkeln
    207 Seiten, gebunden
    C.H.Beck; Auflage, Januar 2017
    ISBN-10: 3406697186
    ISBN-13: 978-3406697180
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