Rezensionen, Buchbesprechungen und mehr… auf Leselupe.de!
  • Amazon Bestseller


  • Werbung




  • Facebook

  • Rezensionen abonnieren!

    Ihre Email-Adresse:

    Eine Abmeldung vom Newsletter ist natürlich jederzeit möglich!

  • Schlagworte

  • Kategorien

  • Rezensionen-Links

  • Thomas C. Boyle: Die Terranauten

    Von donkelmann | 29.Januar 2017

    Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
    Big Brother trifft auf das in Südengland beheimatete Eden Project gemischt mit Desparate Housewifes, so könnte man das Thema des Buches kurz zusammenfassen. Vier Frauen und vier Männer werden für zwei Jahre in ein geschlossenes Ökosystem unter einer riesigen Glaskuppel eingesperrt. Sie leben experimentell in einem Terrarium. Die Abgeschlossenheit und das Gefängnishafte gleicht einer Raumstation. So bauen sich Beziehungen auf, aber auch Konflikte.

    Boyle hat einen passenden Erzählstil für diese Geschichte, die Anfang der neunziger Jahre handelt, gefunden. Er lässt verschiedene drei Protagonisten in verschiedenen Phasen des Projektes erzählen: vor dem Einschluss in das Terrarium genannt E2 (Ecosphere 2), im ersten Jahr drinnen, im zweiten Jahr drinnen und nachdem sie das E2 verlassen haben. Wie in einem Tagebuch berichten diese Protagonisten, es sind Dawn und Ramsay von innerhalb und Linda, Crewmitglied außerhalb E2, die sich in ihren Erzählungen direkt dem Leser zuwenden und ihn ansprechen mit Sätzen wie: “Glauben Sie nur nicht, dass wir darüber nicht auch nachgedacht haben.“ Das schafft eine Nähe zu diesen Erzählern und lässt das Projekt wie eine Dokumentation wirken. Außerdem lernt man auf diese Weise nicht nur die Erzähler kennen, wie sie ticken, warum sie an dem Experiment teilnehmen, was ihre Motive sind. Der Leser lernt auch die übrigen Teilnehmern der Crew aus den Berichten der Drei kennen. Sowohl denen, die drinnen sind als auch denen, die von draußen das Projekt betreuen. So zeichnet Boyle einen Extrakt der menschlichen Gesellschaft mit allen Schattierungen. Die Leser können sich also auf ausgefeilte Charakterstudien unterschiedlichster Figuren freuen, wie der Boyle-Kenner von diesem Autor gewohnt sein dürfte.

    Doch es gibt eine Nachlässigkeit, die mir in diesem Roman nicht ganz so zugesagt hat. Hauptsächlich in der ersten Hälfte gibt es lange, ermüdende Strecken, in denen der Autor bemüht ist, sein bei den Recherchen erworbenes Wissen weiterzugeben. Das ist zwar verständlich, aber hätte nicht sein müssen. Eingebunden in den Kontext zur Erklärung des Lebens in einer abgeschlossenen Ökosphäre, ist dies meines Erachtens etwas zu viel des Guten. So erfährt der Leser zum Beispiel was eine hypothalamische Amenorrhoer ist oder was es mit dem Chadwick-Indikator auf sich hat. In seiner Fülle ausgebreitetes Wissen, was nicht zum Fortgang der Geschichte beiträgt.

    Ich kann aber beruhigen, denn in der zweiten Hälfte des Buches wendet sich das Blatt. Denn T. C. Boyle ist bekanntermaßen ein Meister des Showdowns, ein Meister der Zuspitzung. So verwundert es nicht, dass das Buch ab da so richtig Fahrt aufnimmt. Die Konflikte spitzen sich zu und scheinen auf eine Katastrophe zuzulaufen. Ausreichend Fäden und Konflikte wurden zuvor gelegt, die den Roman nun zu einem Pagerturner werden lassen.

    Besonders hervorzuheben ist die Übersetzung durch Dirk van Gunsteren, der nach einer adäquaten Sprache im Deutschen gesucht und für mich auch gefunden hat. So fließt an passenden Stellen typisch deutsche Umgangssprache ein, wo im amerikanischen Original amerikanische Umgangssprache vorgelegt wird. Dadurch macht das Buch besonderen Spaß.

    Wer die langen, belehrenden Phasen in der ersten Hälfte des Romans übersteht bzw. überspringt, der wird am Ende einen höchst spannenden Roman mit sehr viel Konfliktpotenzial genießen können. Das Thema gibt es allemale her und wurde offenbar noch nicht abschließend behandelt.

    Thomas C. Boyle
    Die Terranauten
    Aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren
    Hanser Verlag, München
    ISBN 9783446253865

    © Detlef Knut, Düsseldorf 2017
    -> Dieses Buch jetzt bei Amazon bestellen

    1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
    Loading...

    ... | Kein Kommentar » | Kategorie Belletristik |

    Alf Stiegler: WetGrave

    Von jon | 29.Januar 2017

    Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
    WetGrave ist die völlig überarbeitete Neuveröffentlichung eines älteren 80-Seiten-Buches von Alf Stiegler. Ob man die Story wirklich als 224-Seiten-Variante (der Rest im Buch ist Werbung für das weitere Werk des Autors) nochmal rausbringen musste, weiß wohl nur der Autor; immerhin bekam ich sie so in die Hand. Und: Die Idee, der Grundplot gefällt mir.

    Aber: Das Buch gefällt mir nicht, nicht richtig jedenfalls. Und das liegt weniger daran, dass ich so gar keinen Nerv für Horror und Grusel habe und das Buch zu zwei Dritteln aus genau sowas besteht – und zwar fast in Reinform. Schon eher daran, dass ich auf einen Lesemodus umstellen musste, bei dem nicht ständig mein Lektoratsradar ansprang. Zum Beispiel ertappte ich mich am Anfang immer öfter bei dem Gedanken, wann es denn nun endlich losgeht; vor allem die Redundanzen machten das erste Viertel recht behäbig. Dazu kamen zwei in Sachen Erzählerstandpunkt unpassende Kapitel, das zweite davon war zudem ausgesprochen überflüssig.

    Im ersten Drittel des Buches erfährt man als Leser von den Bases, einem umfangreichen System vom Raumstationen, die um die völlig verschmutzte und ausgelaugte Erde kreisen und die der Oberschicht und dem Mittelstand Heimstatt bieten. Die Menschen, die auf der Erde dahinvegetieren, werden Bürger genannt. Hauptreisemittel ist ein System vom Sprungtoren, die unter Ausnutzung von Dimensionswechseln funktionieren. Das alles – die Bases samt der Tore – wird als Basenet bezeichnet, dieses wiederum wird von einer Mega-Firma namens HypCon kontrolliert. Gegen diese Firma hat der Protagonist namens Pressure offenbar etwas; wie das kam, bleibt weitgehend offen. Wie die Sprungtore funktionieren, erklärt Pressure einem jungen Sicherheitsmann. Die Methode, Infodump in Dialogen zu tarnen, ist weit verbreitet und in dem Fall nur durch einen dabei fallenden Schlüsselsatz zu entschuldigen, der später im Buch noch von Bedeutung sein wird.

    Auch eine zweite Information wird über diesen Dialog an den Leser gebracht; weniger glaubwürdig diesmal, was mir die Infodump-Tarnung unangenehmer machte. Der Leser erfährt darin von einer Legende, die – aus nur sehr unzureichend nachvollziehbaren Gründen – als WetGrave in die Folklore der Bases eingegangen ist. Pressures Äußerungen legen nahe, dass er die Legende durchaus nicht als reines Schauermärchen versteht. Mittels eines speziellen Codes der Art, wie sie für die Dimensionsreisen nötig sind, macht er sich daran, das große Geheimnis zu lüften.

    Und was dann kommt, ist in allererster Linie ein Schwelgen in Grusel- und Horrormotiven: Stoffgewordene Schwärze, eklige Oberflächen, „ungute Gefühle“, Glibber, im Unsichtbaren bleibende aber spürbar werdende Wesen mit Totenkopf-ähnlichen Schädeln und gespenstigen Körpern, üble Gerüche, gifte Gase, Erbrochenes, Wände rohen Fleisches, Feuchte an allen Ecken und Enden, unsägliche körperliche Verstümmelungen, schreckliche Schreie und qualvolles Quieken … sogar das Motiv des Geisterhauses findet sich und auch der Typ, der einen Blick auf die andere Seite wirft und als seelisches Wrack zurückkommt, fehlt nicht. All das ist recht süffig runtererzählt und dank des oben erwähnten Lesemodus kam ich ohne größere Stolperer gut voran. Nur dass ich, wie ebenfalls schon erwähnt, so gar keinen Nerv für sowas habe und es eher als Ausbremsen des Plottes empfand. Die Frage „Was ist da los?“ wird in dieser gesamten Zeit in der Schwebe gehalten und zwar so sehr, dass sie dabei erstarrt. Es gibt nichts, was man als Annäherung an die Antwort oder als ein Vertiefen der Frage hätte lesen können – alles ist irgendwie nur Kulisse.

    Im hinteren Viertel zieht die Handlung dann aber wieder an und zum reinen Ekel- und Horror-Gemenge kommt nun auch echte, plotbedingte Spannung hinzu. Diese steigert sich in dramaturgisch geschickter Weise und mündet in einen gut konstruierten Höhepunkt mit Auflösung und passendem Ausklang. Das versöhnte mich mit dem langen Anlauf.

    Fazit: Fans des fantastischen Horrors sind mit dem Buch gut bedient. SF-Fans brauchen die Bereitschaft, sich in die Grusel-Ecke zu begeben, da der SF-Faktor doch über weite Passagen in den Hintergrund rutscht. Für Freunde richtig gut gemachter Erzählungen ist das Buch wohl eher ein Pausenfüller. Trotzdem: Ideen und Plot sind gut und auch lesen lässt sich das Ganze recht süffig – das reicht für dreieinhalb Sterne.

    Alf Stiegler
    WetGrave
    ASIN: B01HOE5XI8
    -> Dieses Buch jetzt bei Amazon bestellen

    1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Bisher keine Stimmen)
    Loading...

    ... | Kein Kommentar » | Kategorie Science Fiction |

    Christine Weidenweber: Mein Kräutergarten wie er mir gefällt

    Von hera | 24.Januar 2017

    Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
    Ein Kräutergarten ist wirklich eine gute Sache. Aber jeder hat andere Vorstellungen von diesem Projekt. Es dann tatsächlich umzusetzen, ist nicht einfach, vor allem, wenn man noch unentschlossen ist. Hier setzt die Autorin mit ihrem Buch an. Es geht nicht darum, perfekte Pläne zu präsentieren. Vielmehr geht es darum, zu inspirieren. Dazu wird Profi-Wissen geliefert. Es gilt also zu lernen und sich darüber klar zu werden, wie der zukünftige Kräutergarten aussehen kann oder wie ein bereits vorhandener verändert werden soll.

    Die Autorin präsentiert Kräuterwissen. Geschichtliches und Überliefertes kommt dabei zum Tragen. Es werden auch kleine Geschichten erzählt. Es wird eine Faszination für die Vielfalt an Kräutern geweckt. Hierzu gibt es auch ausführliche Kräuterporträts von Bärlauch über Knoblauch bis hin zur Zwiebel. Es werden Ideen geliefert und es werden Anregungen gegeben. Zum Schluss weiß der Leser, was für Möglichkeiten es gibt und welche Kräuter er anbauen, ernten und verarbeiten möchte. Hier werden direkt auch Rezepte zu Gerichten, heilenden Zubereitungen oder Pflegeprodukten gegeben. Denn manches Kraut ist nicht nur Würze, es hat auch eine heilende oder pflegende Wirkung. Hier spielen auch Wildkräuter eine Rolle, die man im Garten ansiedeln kann.

    Die Sprache im Buch ist modern gehalten. Der Unterschied zu einem normalen Gartenratgeber ist deutlich zu merken. Das Buch wirkt auch frisch und modern, was die Gestaltung betrifft. Es ist auch für Hobbygärtner geeignet die nicht viel Platz haben und die nur ein paar Töpfe auf den Balkon stellen möchten. Das Buch weckt Interesse an der Natur und am Gärtnern und es verhilft dazu, das Vorhaben mit dem Kräutergarten umzusetzen, ohne sich an Pläne halten zu müssen. Stattdessen geht es nach Lust und Laune und den eigenen Bedürfnissen, wobei das Buch durch das erlangte Wissen oder als Nachschlagewerk natürlich sehr nützlich ist.

    Rezension von Heike Rau

    Christine Weidenweber
    Mein Kräutergarten wie er mir gefällt
    160 Seiten, gebunden
    Verlag Eugen Ulmer
    ISBN-10: 3800108674
    ISBN-13: 978-3800108671
    -> Dieses Buch jetzt bei Amazon bestellen

    1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Bisher keine Stimmen)
    Loading...

    ... | Kein Kommentar » | Kategorie Garten und Natur |

    Tatjana Kruse: Glitzer, Glamour, Wasserleiche

    Von donkelmann | 22.Januar 2017

    Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
    Die Autorin präsentiert mit diesem Roman eine sehr amüsante Kriminalkomödie. Obwohl gleich zu Beginn eine Leiche im Bodensee versenkt wird, rückt der Kriminalfall über lange Strecken in den Hintergrund. Dafür stehen die Figuren, ihre Dialoge und Eigenschaften, im Vordergrund und amüsieren den Leser. Allen voran Pauline Miller, die als Opernsängerin in Bregenz spielen soll. Auf dem Weg zum ersten Gespräch mit der Festspielleitung und dem neuen Team hat sie ihren Vater im Schlepptau, der sie mit seinem Besuch überraschen wollte. Der und auch Ihr Hund Radames, ein Bostonterrier, haben keinen unwesentlichen Anteil daran, dass sie über zwei Stunden zu spät kommt und das Buffet schon fast abgeräumt ist.

    Die Ermittlungsarbeit von Polizisten oder Detektiven wird der Leser hier vergeblich suchen. Das passiert eher alles rein zufällig und nebenbei zwischen der Selbstfindung der sich als Diva gebärdenden Sängerin und den oberflächlich dahinplätschernden Dialogen. Der aufmerksame Leser jedoch wird schnell feststellen, dass das Lamentieren gar nicht so oberflächlich ist, wie es daherkommt, und dass daraus sehr viel Aktualität aus dem Alltag eines heutigen Menschen spricht. Zwar taucht die Leiche immer wieder mal auf, wird aber von der Entführung erst des einen Hundes Radames und anschließend des Nachbarhundes Pogo in den Hintergrund gedrängt. Bis dann plötzlich klar ist, wer die Leiche ist und von wem sie umgebracht wurde.

    Tatjana Kruse, die für schwarzhumorige und satirische Kurzgeschichten bekannt ist, hat für den vorliegenden Roman einen solchen geschwätzigen Plauderton entwickelt, dass es kaum aufzufallen scheint, dass gar nicht ermittelt wird. Dafür stehen alltägliche Situationen im Vordergrund, die jeder Leser in der einen oder anderen Weise schon erlebt hat. Auch scheinen die einzelnen Figuren in der Geschichte keine Unbekannten zu sein. Jeder Leser findet sie in seinem Bekanntenkreis.

    Das ist fantastisch und macht Spaß beim Lesen. Empfehlenswert nicht unbedingt für hart gesottene Krimifans, aber für Leser, die Witz, Humor und Satire mögen.

    Kruse, Tatjana
    Glitzer, Glamour, Wasserleiche
    Haymon Verlag, Innsbruck-Wien
    ISBN 9783852189789

    © Detlef Knut, Düsseldorf 2017
    -> Dieses Buch jetzt bei Amazon bestellen

    1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Bisher keine Stimmen)
    Loading...

    ... | Kein Kommentar » | Kategorie Humor und Satire |

    Leslie Jamison: Die Empathietests

    Von Claudine Borries | 22.Januar 2017

    Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
    Dieses in Amerika zum Bestseller erkorene Buch ist in seiner Substanz eindringlich.

    Es geht um die Verstehbarkeit von Leid und die Fähigkeit zum Mitfühlen im weiteren auch Empathie genannt. Es handelt sich um ein vielschichtiges, wichtiges und interessantes Sujet.

    Das Thema ist komplex und schwierig zu vermitteln. Wie weit können wir mitfühlen, und wo liegen unsere Grenzen?

    Jamison beginnt ihre Essays mit Tests von Studenten und Schauspielern, die angehende Mediziner auf ihr Mitfühlen überprüfen. Die Mediziner wissen nicht, dass sie nur Scheinkranken gegenüberstehen. Diese sind geschult, auf die Echtheit der Gefühle zu achten und die Kälte oder den Mangel an Gefühlen heraus zu spüren.

    Durch die Experimente wird dem Leser verdeutlicht, wie schwierig echtes Mitfühlen von der künstlichen Teilnahme oder der Übertreibung, womöglich gar dem Desinteresse, zu unterscheiden ist. Kann man Empathie überhaupt erlernen?

    Die Fähigkeit zur Empathie hängt von zahlreichen Variablen ab. Das eigene Gefühlsleben, das soziale Umfeld und die Herkunft, Beziehungen zu geliebten Menschen und soziale Kompetenz sind unabdingbare Voraussetzungen für die Fähigkeit zur Empathie. Wie soll man Empathie beschreiben? Es geht um die Sensibilität, sich in andere Menschen hineinzudenken und wahrzunehmen, wie es in deren Gefühlsleben und mit ihren Ängsten und Glücksmomenten aussieht. Die Selbstwahrnehmung über eigene Befindlichkeiten im Guten wie im Zweifel sind ebenso Bestandteil der Fähigkeit zur Empathie, wie die Bereitschaft, sich auf eine vorübergehende Nähe zu einem leidenden Menschen einzulassen. Das alles lässt sich bei entsprechenden Voraussetzungen und in Supervisionen verfeinern lernen. Die Reflexionen über die Konfrontation mit dem Leid anderer wird dazu führen, Selbst-und Fremdwahrnehmung zu differenzieren. Nur so lässt sich zwischen Kranken und Leidenden ein vorübergehendes Bündnis herstellen, das zur Heilung oder zum Ertragen des Mitleidens beitragen kann, gleichzeitig aber eine gewisse Distanz nicht überschreiten soll.

    Empathie aber wird nicht nur von Menschen in helfenden Berufen erwartet, sondern kann einen jeden im Alltag berühren und hervorragende Schriftsteller und Künstler zu sensiblen Darstellern in Politik und Gesellschaft befähigen. Sie erklären uns auf diese Weise die Welt mit allen ihren Widersprüchen.

    Was hat nun Leslie Jamison dazu beizutragen?

    In ihren folgenden Essays geht es um eingebildete Kranke, um Gangster und Überfälle und allerlei Übel, die uns Menschen wiederfahren können. Ist das erste Kapitel noch eingängig nachzuvollziehen, so folgen dann Kapitel auf Kapitel, die in ihrer Absurdität gelegentlich ermüdend sind.

    Zwischen Sachbuch und Literatur schwankend legt man das Buch nach einiger Zeit beiseite, um es bei passender Gelegenheit weiterzulesen.

    Leslie Jamison wird mit so bekannten Namen wie Joan Didion und Susan Sonntag in einem Namen genannt. In ihrer sensiblen Beobachtungsgabe kann man sie mit diesen Autorinnen durchaus vergleichen.

    Leslie Jamison
    Die Empathie-Tests
    336 Seiten, gebunden
    Hanser Berlin, September 2015
    ISBN-10: 3446249257
    ISBN-13: 978-3446249257
    -> Dieses Buch jetzt bei Amazon bestellen

    1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Bisher keine Stimmen)
    Loading...

    ... | Kein Kommentar » | Kategorie Psychologie, Sachbuch |

    Ulrike Dömkes: Pub der toten Dichter

    Von donkelmann | 22.Januar 2017

    Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
    Der Weinjournalist Boris de Beers und seine Begleiterin die Gianna Lerouge verbringen einige Tage in dem kleinen Wellnesshotel Rose Hill Manor in Kent. Es ist eigentlich ein Weingut, bei dem als Nebenprodukt die Vinotherapie für die Wellness sorgt. Nach dem Abendessen, bei welchem sie ungewöhnlich lange auf das Essen warten mussten, erfahren Sie vom aufgeregten Inhaber Lord Astilon, dass sein Freund soeben einem Herzinfarkt auf der Massagepritsche erlegen ist. Dabei handelt es sich um den berühmten Fantasy-Schriftsteller Jeremiah Hell. Das ist mal wieder eine Abwechslung für das Feinschmeckerpärchen. Doch sehr schnell stellt sich heraus, dass es kein Herzinfarkt war, den der Schriftsteller dahinstreckte. Vielmehr handelte es sich um ein Kontaktgift, welches sich in der Traubenkernpaste befand, mit der er massiert worden war. Zwar wird die Neugierde bei Gianna und Boris geweckt, doch die Ermittlungen werden im folgenden hauptsächlich von der Polizei aufgenommen.

    Ein sehr schön zu lesender Kriminalroman vor der Kulisse des malerischen Südenglands von Kent bis Cornwall. Ulrike Dömkes hat Attraktionen, Traditionen und Landschaften dieses Landstrichs so gut beschrieben, dass man sich sofort in eigenen Erlebnissen auf Reisen dorthin wiederfindet. Freunde des England-Tourismus werden ihre Freude an diesem Roman haben.

    Die Kriminalhandlung gibt sehr viele Rätsel auf. Zwar glaubt man als Leser immer gut im bilde zu sein, wird dann aber doch mit seinen Vermutungen öfters in eine Sackgasse geführt. Dabei nimmt das Tempo zum Ende hin zu, als sich die Ereignisse zu überschlagen scheinen. Bis schließlich kurz vor Schluss der tatsächliche Täter präsentiert wird. In einigen zusammenfassenden Sätzen werden alle losen Enden zusammen geknotet und ergeben ein rundes Bild.

    Schade fand ich, dass wohl die ursprüngliche Idee, die Ermittlungen durch Gianna und Boris durchführen zu lassen (siehe Klappentext), zugunsten zweier Polizisten verworfen wurde. Detektiv Chefinspektor Rail und Detective Sergeant Miller, ein Schelm wer dabei an die DCI Barnaby und DS Jones denkt, übernehmen die Ermittlungsarbeit. Sie erhalten gelegentlich kleine Hinweise von den Weinliebhabern. Doch auch diese beiden Ermittler können dem Leser ans Herz wachsen.

    Angereichert mit einem kurzen Überblick über die Geschichte des Weinanbaus in England und mit den Rezepten der in der Handlung verspeisten Gerichte ergibt alles in allem einen angenehmen und spannenden Ratekrimi für traditionsbewusste England-Reisende, inklusive vier Leichen wie in einigen Staffeln von „Inspektor Barnaby“ die Regel.

    Dömkes, Ulrike
    Pub der toten Dichter
    KBV Verlag, Hillesheim
    ISBN 9783954413188

    © Detlef Knut, Düsseldorf 2017
    -> Dieses Buch jetzt bei Amazon bestellen

    1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Bisher keine Stimmen)
    Loading...

    ... | Kein Kommentar » | Kategorie Krimi und Thriller |

    Ingeborg Gleichauf: Das Leben der Gudrun Enslin

    Von Claudine Borries | 16.Januar 2017

    Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
    Noch immer, auch nachdem so viele Jahre seit der RAF Zeit (Rote Armee Fraktion) vergangen sind, steht man dem Phänomen der Verwandlung von Gudrun Ensslin in eine militante Radikale ratlos gegenüber.

    Es ist das Verdienst von Ingeborg Gleichauf, der Biographie von Gudrun Ensslin nochmals in allen Einzelheiten nachzugehen.

    Bekanntermaßen stammte Gudrun Ensslin aus einem kinderreichen Pastorenhaushalt. Sie wuchs behütet und wohl versorgt an verschiedenen Wohnorten im Schwäbischen heran. Begabt und aufgeweckt konnte sie nach dem Abitur ein Studium in Tübingen beginnen. Fest verwurzelt in der Literatur war sie eifrig und intensiv bestrebt, ein Stipendium als Studienstiftlerin des Deutschen Volkes zu bekommen. Es dauert einige Zeit, bis die Gutachter sich zu einer Zustimmung durchringen konnten. Dabei fiel sie als fröhliche, kluge, analytisch denkende und fleißige Studentin auf. Nicht nur die Literatur auch die Philosophie haben es ihr angetan.

    Aus der Bahn geworfen wurde sie eines Tages durch den Kontakt zu Berliner Studentenkreisen, die sich avantgardistische Gedanken über den Staat und seinen Zustand machten.

    Sie lernte Bernward Vesper kennen, mit dem sie eine erste Liebe verband.

    Vesper war eine in sich zerrissene Persönlichkeit, die mit der Nazivergangenheit des Vaters nicht zurechtkam. Gudrun hatte mit ihm bald einen Sohn. Als dann Andreas Baader ins Spiel kam, begab sich Gudrun ganz unter dessen Einfluss. Es wird berichtet, dass Baader eine faszinierende Persönlichkeit war, der Menschen in seinen Bann ziehen konnte. Er studierte nicht, machte sich aber schon früh in subversiver Manier zum Sprecher einer außerparlamentarischen Opposition. Nach dem unglücklichen und unschuldig zu Tode gekommenen Tod von Benno Ohnesorg im Zusammenhang mit Demonstrationen gegen den Shah von Persien 1967 begann eine Zeit steter Unruhe und revolutionärer Gedanken unter den Studenten, zu deren Sprechern Rudi Dutschke gehörte. Damals war die Opposition noch nicht gewalttätig sondern stark intellektuell gesteuert.

    Andreas Baader verführte Gudrun und zwei andere zum Kaufhausbrand in Frankfurt, weil die Revolution von unten die einzige Waffe gegen den nach seiner Meinung verrotteten Staat sei.

    Damit endete Gudrun Ensslins Leben als bürgerliche Zeitgenossin.

    Es ist müßig, hier nochmals alle Taten der bekannten Outlaws aufzuführen. Jeder weiß, wohin diese Zeit in den siebziger Jahren mit hinterhältigen Morden, Erpressungen und Zersetzungsversuchen gegenüber dem ungeliebten Staat führte.

    Wichtig alleine scheint mir, wie Ingeborg Gleichauf sowohl die politische Entwicklung jener Jahre als auch die Besonderheit der Begegnungen aufführt, die fast schicksalhaft Menschen zusammenführte, deren Lebenswege dann in den Untergang mündeten.

    Gudrun Ensslin, eine hoch begabte, intelligente, hübsche, empfindsame und nachdenkliche junge Frau aus gutem Elternhaus gerät wie durch einen Zufall in eine Falle des Abseits, in der sie jeden Halt und jede Vernunft ausschaltet. Ein Zurück gibt es nicht mehr, denn sie ist dem Gedankengut der Zersetzung und dem vermeintlich besseren Weg für ein demokratisches Deutschland verfallen. Handeln statt Denken wird zu ihrer Devise.

    Am Beispiel der Figur von Gudrun Ensslin kann man erfahren, wie unwahrscheinlich und wechselvoll Lebensschicksale verlaufen können. Die Entwicklung zu einer revolutionären Rebellin ist nur im Zusammenhang zu verstehen, den die Radikalisierung gewisser Studentenkreise mit sich brachte und der Begegnung mit dem anarchisch gesteuerten Andreas Baader. Ingeborg Gleichauf hat sich intensiv in das Leben von Gudrun Ensslin eingefühlt, Zeugnisse gesichtet und Zeugenaussagen herangezogen. Letztlich bleibt es rätselhaft, wie weit sich ein Mensch von seinen Wurzeln entfernen kann und alle guten Gaben in den Dienst einer Sache stellts, die über alle Beteiligten nur Unglück bringen konnte.

    Insgesamt ist das Buch eine lesenswerte Studie, die den Versuch macht, Motive und Handeln der betroffenen Personen verstehbar zu machen.

    Ingeborg Gleichauf
    Das Leben der Gudrun Ensslin
    350 Seiten, gebunden
    Klett-Cotta, Januar 2017
    ISBN-10: 3608949186
    ISBN-13: 978-3608949186
    -> Dieses Buch jetzt bei Amazon bestellen

    1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Bisher keine Stimmen)
    Loading...

    ... | Kein Kommentar » | Kategorie Biografie |

    Bérengère Abraham: Pizzablumen & Pinwheels – Das neue Partyfood aus dem Ofen

    Von hera | 15.Januar 2017

    Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
    Ab und an, etwa bei einer kleinen Party, einem Spieleabend oder einem Picknick, muss es etwas Besonderes zu essen geben. Brötchen, Muffin und Pizza werden ersetzt durch Pizzasonne, Pull-Apart-Bread und Rosenkuchen, denn das ist der neueste Trend. Als Basis dient ein Hefeteig, der entsprechend geformt, belegt oder gefüllt wird. Geformt ist das Gebäck so, dass es sich leicht teilen lässt und als Fingerfood verspeist werden kann. Der Aufwand hält sich in Grenzen, wenn man von der Zubereitung des Hefeteigs absieht. Er braucht eine Ruhezeit von einigen Stunden, die eingeplant werden muss.

    Zunächst werden im Buch die Grundlagen vermittelt. Hier sind die Grundrezepte für Hefeteig, Tomatensoßen und Pesto zu finden. Außerdem ist alles über die Schnitttechniken zum Formen der Zöpfe, Sterne und Sonnen zu erfahren. Dann geht es los mit den Rezepten. Es gibt herzhafte und süße Vorschläge.

    Den Anfang machen die Pinwheels. Hierzu gehören beispielsweise die „Schnecken mit Schinken, Emmentaler, Schnittlauch und Sahne“ oder die „Kleinen Schnecken mit Pistazien und Schokotropfen“.
    Die Sterne sehen auch sehr gut aus. Es gibt „Stern mit Kirschtomaten, Mozzarella, Schinken und Rucola“ und „Stern mit Schoko-Nuss-Creme und Bananen“.
    Nach den Sonnen und Sonnenblumen folgen die Zöpfe. Hier haben wir „Zopf mit Schellfisch“ sowie „Zopf mit roten Früchten und Zitronen-Mascarpone“.
    Zum Aperitif können „Pizza-Pops mit Zucchini, Comté und Leinsamen“ oder „Pide Pfirsich-Mozzarella“ gereicht werden.

    Die Autorin ist sehr fantasievoll was die Form und den Belag ihrer Hefeteigkreationen betrifft. Sie hat mich zum Staunen gebracht! Natürlich braucht man ein wenig Übung, um alles perfekt hinzubekommen, aber das Experimentieren macht Spaß. Die Vorstellungskraft wird durch die schönen Fotos, die es zu jedem Rezept gibt, angeregt. Zudem sind die Zubereitungsanleitungen sehr ausführlich und gut verständlich gehalten. Damit ist das Buch für kreative Hobbyköche, sehr zu empfehlen.

    Rezension von Heike Rau

    Bérengère Abraham
    Pizzablumen & Pinwheels – Das neue Partyfood aus dem Ofen
    96 Seiten, gebunden
    Jan Thorbecke Verlag
    ISBN-10: 3799511601
    ISBN-13: 978-3799511605
    -> Dieses Buch jetzt bei Amazon bestellen

    1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Bisher keine Stimmen)
    Loading...

    ... | Kein Kommentar » | Kategorie Kochbuch |

    Peggy Weber (Herausgeber): Im Licht von Orion: 2015 Collection of Science Fiction Stories

    Von jon | 13.Januar 2017

    Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
    Ich habe nicht viel Zeit und Muse, außerhalb des Jobs noch etwas zu lesen. Eine Geschichtensammlung kam mir da gerade recht. Science Fiction aus deutscher Feder verspricht „Im Licht von Orion“ aus dem Verlag für Moderne Phantastik. Warum der Untertitel („2015’ Collection of Science Fiction Storys“) englisch sein musste, wissen wohl nur der Verleger und die Herausgeberin Peggy Weber-Gehrke. Dass das Cover-Motiv sehr Fantasy-artig wirkt, störte mich hingegen überhaupt nicht. Außerdem kann man durchaus einen Bezug zum Inhalt herstellen – aber dazu später.

    Zur Sammlung also …

    Die Güte der Texte spannt sich über fast die gesamte Qualitätsbreite. Ganz dicht an „Das geht gar nicht“ bewegte sich zum Beispiel „Das Symbol“ von F. Anderson. Die eher krude Wüsten-Abenteuer-Story ohne nennenswerten Spannungsbogen, dafür mit emotionsloser, aber kitschig formulierter Love-Episode und wie abgehackt wirkendem Ausgang, der eine Weiterführung fürchten lässt, ist in einem Stil erzählt, wie ich ihn eigentlich nur von Erst-Schreibern (und welchen, die in dem Stadium steckenbleiben) kenne. Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Es gibt noch eine zweite Story von F. Anderson in der Anthologie und diese ist zwar auch nicht perfekt – insbesondere die sehr unoriginelle Idee enttäuscht – aber doch um Längen besser erzählt.

    Das betrifft auch die anderen Storys, die ich eher an der Nicht-so-überzeugend-Seite ansiedeln würde. Mal erreichte mich die offenbar beabsichtigte Stimmung nicht, mal fehlte mir bei aller Technikerklärung die Story, mal waren die Dialoge unglaubhafte Infodump-Vehikel. Einmal ärgerte ich mich über die verpatzte Pointe, die eine an sich witzige Wendung ins Kitschig-Alberne überdehnte. Dazu kommt, dass vor allem am Anfang so viel Setz- und Korrektoratsfehler enthalten sind, dass der Einstiegseindruck nicht eben überzeugend war.

    Und jetzt das Aber: Das alles ist nur ein Teil der Anthologie – ein Sechstel oder Fünftel vielleicht. Der „Rest“ der Geschichten ist gut bis sehr gut. Also sprechen wir lieber über einige dieser Geschichten …

    Cliff Allisters Story rund um Wells’ Zeitmaschine ist stimmig gemacht, kam mir aber sehr vertraut vor. Sicher, dass der Text 2015 das erste Mal veröffentlicht wurde?

    Die „Flitterwochen“ von Matthias Falke hatten eine ausgesprochen nette Idee in Sachen „fremde Gebräuche“, spielen erzählerisch aber nicht ganz oben mit.

    „NNT 275“ von Galax Acheronian bot beides: eindrucksvolle Ideen, die mich voll und ganz ansprachen, und Erzählkunst. Auch „Harmonice mundi“ von Regine Bott überzeugte mich in dieser Hinsicht. An beiden Texten gefällt mir vor allem, dass Themen aufs Tapet kommen, die in allen Zeiten zu den eher problematischen oder zwiespältigen Aspekten des Menschseins gehör(t)en. In gewissem Sinne gehört auch „Reha 2.0“ von Michael Stappert dazu, wobei hier der Bogen zu den Niederungen wirtschafts-politischer Entscheidungen schon sehr deutlich geschlagen wird. In „Der Gebühreneinzugbevollmächtigte“ von B. C. Bolt geht es ebenfalls ums Finanzielle, allerdings wird hier ein richtig schön schwarzhumoriger Tonfall angeschlagen.

    An der Stelle ein kleiner Rückgriff in die Schublade der grenzwertigen Story: „Spätes Erwachen“ ist die Geschichte, die den oben erwähnten Bezug zum Cover-Motiv herstellt. Michael Thiele erzählt in einem durchaus süffigen Ton von einem Amazonen-Abenteuer. Leider sind einige Erotik-Elemente eher albern (Lieber Herr Thiele: Soooo groß ist das weibliche Interesse an der männlichen Brust nicht, vor allem nicht, wenn da was anderes ist der Gegend rumsteht.) und die eigentliche Geschichte (Was ist das für ein Typ, was macht er da und was bedeutet dieses Erlebnis für ihn?) wird nicht hier erzählt.

    In „Zilie“ führt Christopher Dröge andererseits vor, dass dieses „Worum geht es eigentlich“ gar nicht immer in eine Geschichte hineingepresst werden muss. Er entfaltet im Hauptteil der Story ein farbiges Bild von einem unter wirtschaftlicher Knute Chinas stehenden Afrika, kombiniert es mit einer glaubhaften Außenseiter-Story und einem spannenden Seltsame-Ereignisse-Plot. Das war richtig, richtig gut geschrieben. Leider konnte er sich nicht verkneifen, im Ausklang noch ein Haufen Hintergrundinfos für diese Ereignisse zu liefern – das ist zwar auch süffig gemacht, zerdehnt aber den Spannungsbogen nach hinten raus etwas zu sehr.

    Die Highlights der Anthologie sind für mich „Fehler im System“ von Oliver Koch und „Die Verführung der Mona Lisa“.

    In ersterer Story überraschte mich zuerst die sehr schlicht gehaltene Sprache: Es „hörte“ sich an, als erzähle ein Kind. Dann wurde klar, dass es um einen erwachsenen Mann ging. Geistig zurückgeblieben vielleicht. Dazu passten – so merkwürdig das auch klingen mag – die wunderschönen, hochkreativen Formulierungen, wenn es um tiefe Gefühle des Protagonisten geht. Da hat jemand mal so ganz und gar nicht auf Standards zurückgegriffen – vielleicht der Held aus Unwissen um diese Konventionen, der Autor vermutlich, um sehr wirksame Akzente zu setzen. Dass sich diese so spezifisch eingeschränkte Sprachfähigkeit auch ganz anders erklären lässt, wird erst am Ende klar. Ich neige beim Lesen wirklich nicht zu Gänsehaut – hier hatte ich so einen Moment.

    Ganz anders die Wirkung von „Die Verführung der Mona Lisa“ von Rico Gehrke. Hier herrscht von Anfang an eine sehr gekonnte und dabei völlig natürlich wirkende Sprache vor. Der Mann, der da von seiner irritierenden, ihm aber durchaus angenehmen Begegnung mit einer bildschönen jungen Frau spricht, ist bis in die Haarspitzen hinein glaubhaft. Beide Figuren sind ausgesprochen sympathisch, obwohl sie Dinge tun und denken, die in anderer Verpackung wohl eher Naserümpfen auslösen würden. Man versteht aber, warum sie es tun, und dass es in gewissem Sinne die natürlichsten, die menschlichsten Reaktionen der Welt sind. Die Story kommt ohne Effekthascherei aus und entwickelt sich doch nach allen Regeln der Kunst zu einer schönen Überraschung.

    Nun könnte ich sicher noch über die anderen Geschichten sprechen – hier und da reizt es mich sogar –, aber für einen Eindruck soll das hier mal genügen. Alles in allem: „Im Licht von Orion“ ist nicht die perfekte SF-Story-Sammlung, aber eine durchaus lesenswerte mit richtig schönen Perlen. Kaufempfehlung!

    Peggy Weber (Herausgeber)
    Im Licht von Orion: 2015 Collection of Science Fiction Stories
    Verlag für Moderne Phantastik, 2016
    ISBN-10: 3981692985
    ISBN-13: 978-3981692983
    528 Seiten
    -> Dieses Buch jetzt bei Amazon bestellen

    1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Bisher keine Stimmen)
    Loading...

    ... | Kein Kommentar » | Kategorie Anthologie, Science Fiction |

    Süßkartoffeln – Rezepte für gesunden Genuss

    Von hera | 11.Januar 2017

    Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
    Süßkartoffeln bereichern noch nicht lange meinen Speiseplan. Meine Rezeptauswahl ist daher noch etwas begrenzt. So freue ich mich über das vorliegende Kochbuch, denn hier spielt die Süßkartoffel die Hauptrolle in den Rezepten.

    Es gibt „Süßkartoffelchips mit Kokosraspeln“, „Süßkartoffel-Pommes“, aber auch „Süßkartoffel-Kichererbsen-Stampf mit Chorizo und Zwiebeln“, also Klassiker, die man sonst mit Kartoffeln zubereitet.
    Oftmals sind es die Gewürze bzw. Gewürzmischungen, die ein Gericht zu etwas Besonderem machen. Bei den „Süßkartoffeln aus dem Ofen mit indischen Gewürzen“ ist es das Biryani Masala und beim „Süßkartoffelgratin mit Kokosmilch“ das Ducca-Gewürz.

    Sehr fantasievoll ist die „Pizza mit Süßkartoffelcreme“, die belegt ist mit Berglinsen, Tomaten und Mozzarella.
    Auch Süßes lässt sich mit der Süßkartoffel zaubern, wie beispielsweise der „Süßkartoffelkuchen mit Vanilleeis und Himbeeren“ beweist.

    Die Auswahl an Rezepten gefällt also sehr gut. Es gibt abgewandelte und auf die Süßkartoffel zugeschnittene Kartoffelgerichte, Suppen und Salate, Ofengebackenes, Kuchen und mehr. Dei Süßkartoffel wird also gekocht, gebraten und frittiert. Von klassisch bis exotisch ist alles dabei. In der Mehrzahl sind die Gerichte vegan oder vegetarisch. Es gibt aber auch einige Rezepte mit Fleisch, beispielsweise mit Pute, Hähnchen, Entenbrust, gemischtem Hackfleisch oder Lamm.

    Das Buch ist in seiner Gestaltung schön anzusehen. Es gibt zu jedem Rezept ein passendes Foto. Hier sieht man das fertige Gericht mit perfektem Foodstyling. Die Rezeptanleitungen sind übersichtlich gestaltet. Die einzelnen Schritte sind gut nachvollziehbar. So ist dieses Kochbuch für alle empfehlenswert, die Gerichte mit der Süßkartoffel ausprobieren wollen oder die nach weiteren Rezepten suchen. Auch zum Verschenken an Hobbyköche ist es gut geeignet.

    Rezension von Heike Rau

    Süßkartoffeln – Rezepte für gesunden Genuss
    64 Seiten, gebunden
    Jan Thorbecke Verlag
    ISBN-10: 3799511792
    ISBN-13: 978-3799511797
    -> Dieses Buch jetzt bei Amazon bestellen

    1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Bisher keine Stimmen)
    Loading...

    ... | Kein Kommentar » | Kategorie Kochbuch |

    « Vorangehende Artikel Nachfolgende Artikel »