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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der eingefleischte Junggeselle
Eingestellt am 17. 08. 2012 18:17


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USch
???
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Der eingefleischte Junggeselle

Die Frau, die dort tanzt, scheint für die Welt verloren. Gerade das reizt ihn besonders. Er fürchtet, wenn er sie aus der Trance in diesem Moment durch Ansprache zurückholt, wird sie fallen. So beschließt er zu warten, kann seine Blicke aber nicht abwenden. Es gilt den richtigen Moment zu erfassen, um sich ihr zu nähern. Mit platten Anmachsprüchen, das spürt er, ist da nichts zu machen.
Nach einer Weile des Schauens wird er von einem Gefühl überflutet, so als würde auch er aus der Welt fallen. Bodenlose Angst bemächtigt sich seines Körpers, der droht zu versinken. Es gibt keine klaren Worte dafür. >Eine diffuse See reißt ihn mit und er kann sich nicht dagegen stellen< scheint es am besten zu treffen. Eigentlich will er sich auch nicht wehren, sondern für immer verschwinden. In die Finsternis hinein, der Angst sich hingeben. Ihm wird schwindlig und er muss sich am Tresen der Bar festhalten.

Die Musik bricht ab, die Frau kommt direkt auf ihn zu und fragt: „Ist der Platz neben Ihnen frei?“
„Ja,“ und sie setzt sich geschmeidig auf den Barhocker und bestellt einen Prosecco.

Wortlos beobachtet er die perlenden Schweißtropfen, die sich auf der hellen Haut ihres freizügig gekleideten Körpers bilden. Er verfolgt gebannt, wie sie von der Stirn über ihr Gesicht rollen und auf ihr Dekolleté tropfen. Der Duft ihres Parfums mischt sich mit Schweißgeruch. Das erregt instinktiv seinen Jagdtrieb auf Frauen. Der Taumel seiner Angst löst sich wie ein Regen, der auf von Sonne erhitztes Pflaster fällt und sich in Dunstschwaden verflüchtigt.
Jetzt kann er sprechen: „Ich habe Ihnen beim Tanz zugeschaut und war fasziniert von Ihrer Ekstase.“
„Ja“, sagt sie, „ich war woanders, in der Welt des Taumelns, doch mit klarer Struktur, ohne zu denken. Die Musik hat mich gelenkt, beschützt und getragen. Ich brauche das wie eine Droge in meinem stressigen Alltag.“
„Oh“, sagt er, „ich habe ganz ähnlich empfunden, obwohl ich nur hier an der Bar saß und Ihnen zusah.“
Sie antwortet: „Ich habe gefühlt, dass ich nicht allein war, durch Blicke gehalten wurde. Das also waren Sie.“
Er weiß intuitiv, dass jetzt sein Junggesellendasein gefährdet ist.

__________________
Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele (Pablo Picasso)

Version vom 17. 08. 2012 18:17
Version vom 19. 08. 2012 21:40
Version vom 20. 08. 2012 22:00
Version vom 21. 08. 2012 11:02

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eisblume
???
Registriert: Jun 2012

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Hallo Uwe,

ich schleiche ja jetzt schon eine Weile um deinen Text herum.
Die Idee mit dem Tanz gefällt mir, besonders den ersten Satz halte ich für sehr gelungen. Doch irgendwie hält dieser erste Satz nicht, was er verspricht. Die ganze Geschichte fällt zum Ende hin ab, besonders der letzte Abschnitt ist mir dann zu kitschig. Sprachlich ist es für mich stellenweise jetzt auch nicht so ganz rund.

Ein paar Anmerkungen:

Die Frau, die dort tanzt, scheint für die Welt verloren. Doch Gerade das reizt ihn besonders. Er hat das Gefühl fürchtet, wenn er sie aus der Trance in diesem Moment durch Ansprache zurückholt, wird sie fallen und andere Tänzer rempeln und verletzen. So beschließt er abzuwarten, kann seine magnetisierten Blicke aber nicht abwenden. Es gilt den richtigen magischen Moment abzupassen, um sich ihr zu nähern. Mit platten Anmachsprüchen, das spürt er, ist da nichts zu machen.
Nach einer Weile langen Schauens geht es ihm, als würde auch er aus der Welt fallen.
Die Aussage dieses Satzes gefällt mir, nur meine ich, dass der Satz unglücklich formuliert ist und seine Wirkung nicht entfalten kann.

Tiefe und Bodenlose Angst bemächtigten sich seines Körpers, der droht zu versinken. Es gibt keine klaren Worte dafür. <Eine diffuse See reißt ihn mit und er kann sich nicht dagegen stellen> scheint es am besten zu treffen. Eigentlich will er sich auch nicht wehren, sondern für immer verschwinden. In die Finsternis hinein, der Angst sich hingeben. Ihm wird schwindlig und er muss sich am Tresen der Bar festhalten.

Nun will er ihn loswerden, den Schwindel im Kopf, und dass das Denken endlich aufhört.
Die Musik bricht ab, die Frau kommt direkt auf ihn zu und fragt: „Ist der Platz neben Ihnen frei?“
„Ja, setzen Sie sich doch gerne zu mir.“ Die Antwort klingt sehr gestelzt.
Sie bestellt einen Prosecco.

Ihr freizügiger, leicht bekleideter Körper bildet perlende Schweißtropfen auf der hellen Haut in der plötzlichen Ruhe nach dem ekstatischen Tanz.
Der Satz ist recht verschachtelt, da ist (mir) auch zu viel hineingepackt. Es würde z. B. reichen:
Wortlos beobachtet er die perlenden Schweißtropfen, die sich auf ihrer hellen Haut bilden. Er verfolgt gebannt, wie sie von der Stirn über ihr Gesicht perlen und auf ihr Dekolleté tropfen.
Damit könntest du auch den folgenden Satz hier schon mit einbauen.

Er spricht sie nicht an, obwohl er es gern tun würde, beobachtet, wie die glitzernden Tropfen von der Stirn über ihr Gesicht perlen und auf ihr Dekolleté tropfen. Der Duft ihres Parfums mischt sich mit animalischem Schweißgeruch. Das erregt instinktiv seinen Jagdtrieb auf Frauen. Der Taumel seiner Angst löst sich wie ein Regen, der auf von Sonne erhitztes Pflaster fällt und in Dunstschwaden aufsteigt.
Diesen Satz finde ich ein bisserl dick aufgetragen.
Jetzt kann er sprechen: „Ich habe Ihnen beim Tanz zugeschaut und war fasziniert von Ihrer Ekstase.“
„Ja“, sagt sie, „ich war woanders, in der Welt des Taumelns, doch mit klarer Struktur, ohne zu denken. Die Musik hat mich gelenkt, beschützt und getragen. Ich brauche das wie eine Droge in meinem stressigen Alltag.“
„Oh“, sagt er, „ich habe ganz ähnlich empfunden, obwohl ich nur hier an der Bar saß und Ihnen zusah.“
Sie antwortet: „Ich habe gefühlt, dass ich nicht allein war, durch Blicke gehalten wurde. Das also waren Sie.“

Er weiß in diesem Augenblick, das ist die Frau meines Lebens. Die gilt es zu halten, und von ihr will er gehalten werden.
Sie drehen sich zueinander hin und schauen eine Unendlichkeit in die Augen des andern, und wissen dann alles. Liebe entbrennt und ein Wiedersehen wird beschlossen.

Also der Schluss nun, der gefällt mir gar nicht, das ist mir zu trivial/banal/kitschig.

Soweit mal meine Gedanken dazu und mein persönlicher Eindruck.

Lieben Gruß
eisblume

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USch
???
Registriert: May 2007

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Hallo Andrea,
deine Tipps sind ja excellent. Ich habe das meiste übernommen. Das Ende fand ich auch zu banal. Ich hoffe so ist es besser, nimmt Bezug zum Eingefleischten (Junggesellen), das wohl verlassen werden könnte/müßte.
Liebe Grüße und herzlichen Dank für die intensive Beschäftigung mit dem Text.
Uwe
__________________
Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele (Pablo Picasso)

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