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Leselupe.de > Erzählungen
"EXS" - Part III (Das vorläufige Ende)
Eingestellt am 02. 06. 2001 09:35


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Markus Veith
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2000

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Mittwoch, 9. Mai 2001 5 : 10 Uhr
Durch die blitzblanken und streifenfreien Fenster des Treppenhauses fiel erstes diesiges Morgenlicht. Auf der Ebene eine Treppe höher öffnete sich eine Tür und Ernst trat schlurfend in den Flur. Seine Augen waren gerötet, er wirkte abgespannt und träge, aber das Flackern in seinen weit aufgerissenen Augen machten alles andere als einen ermüdeten Eindruck. Seine Haut glänzte schmierig und das T-Shirt, das er trug, klebte ihm am Leib. Das stündliche Duschen forderte den Preis trockener Haut. Wenn er sich nicht stets sofort eincremte, würde sich bald Risse bilden.
In seiner Hand klimperten die Zweitschlüssel zu Sigrid Büschs Wohnung. Er schloss die Nachbartür auf und trat ein.

Verzeihen Sie mir, wenn ich hier den Ablauf schon wieder unterbreche.
Ernsts Nachbarin hielt ihre vier Wände in einem durchaus reinlichen Zustand. Doch ungeachtet früherer kleiner Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Gründlichkeit einer Hausflurreinigung, befand sich zu diesem frühmorgendlichen Zeitpunkt der Anspruch unseres Freundes hier in einem Zustand, dem Sigrids Sauberkeitsmaßstab, um einige Level unterlag.
Nun, ich denke, dass Sie keine Handlungswiederholungen lesen möchten, auch wenn diese mit geringfügigen Abweichungen in einem anderen Umfeld verlaufen. Darum lassen wir einfach den Blick auf diese offene Tür bestehen und spulen die Zeit ungefähr fünf Minuten vor.
Stop. STOP! - Hoppla, das wäre fast zu weit gewesen. Entschuldigung. Er war wohl schneller, als ich dachte.
Doch belassen wir es mal bei diesem Bild. Ernst kam gerade aus der Wohnung gestürmt, taumelte herum und ließ sich sodann auf die untere Stufe der Treppe zum Wäscheboden nieder. Sein Gesicht ist schweißüberströmt und noch schmieriger als vorher, abgekämpft und panisch, als habe ihn eine Meute Todesfeinde durch die ganze Stadt gehetzt. Einen kurzen, nun leider bereits überspulten Augenblick lang hat er schwer atmend auf seine grauen Fingerspitzen gestarrt. Jetzt klammert er sich mit der einen Hand kraftlos am Geländer fest, der andere Arm liegt schlaff auf seinem Knie, die Hand jedoch ballt sich immer wieder zuckend zur Faust zusammen, und er schüttelt heftig den Kopf, als ringe er verzweifelt mit einem inneren Gegner.
Weiter, bitte.
Jetzt springt er plötzlich auf. Schauen Sie, seine Augen; seine Hände, wie er sich die Innenflächen reibt und scheuert. Sein Blick, der nun beständig zwischen seinen Händen und seiner Wohnungstür hin und her pendelt, vielleicht wegen der rettenden Dusche, die er in seinem Badezimmer weiß.
Mit einem Male verharrt er. Schaut um sich wie ein Tier, das etwas wittert und mustert schließlich verbissen die Treppe auf der er saß, lässt den Blick hinauf gleiten, empor zu der Holztür, hinter der sich der Wäscheboden verbirgt.

Tja, der Wäscheboden. Ein im allgemeinen unbeachteter Ort. Grobe Balken, alte, vergessene Möbel und Schnurgespinste an rostigen Haken im porösen Altbaugemäuer. Seit Jahren rieselt Putz und Staub aus den Schindelzwischenräumen. Unbedacht geöffnete Dachluken hatten einst Tauben hereingelassen. Irgendein Mieter hatte sie später verscheucht und einen Zettel an die Tür geklebt. "Fenster bitte wegen der Tauben geschlossen halten!" Die Exkremente waren jedoch geblieben, da sich niemand dafür zuständig hielt, die schwarz-weißen Haufen von den Dielen zu spachteln. Keiner kümmert sich um die hässliche Räumlichkeit. Zum Trocknen reicht sie jedoch allemal, solange man darauf achtet, die Schnüre vor dem Aufhängen einmal abzuwischen, die klammen Kleidungsstücke nicht fallen zu lassen und mit dem Wäschekorb nicht zu viel Staub aufzuwirbeln.

Herrje, schauen Sie in Ernsts Gesicht.
Oh nein, liebe Leser, ich bin sicher, Sie wollen nicht im einzelnen wissen, was diesem erschreckend entschlossenen Blick folgte. Lassen wir diesen Tag besser schnell vergehen und schauen uns stattdessen eine Szenerie an, die am darauf folgenden Abend an diesem Ort begann.

* * *

Donnerstag, 10. Mai 2001 19 : 45 Uhr
Sigrid Büsch schleppte ihren Koffer die letzte Treppe zu ihrer Wohnung hoch. Sie war ziemlich geschafft, schnaufte und ächzte und unter ihren Schritte knarrten die Stufen. Ihr Gepäck war um einiges schwerer als vor drei Tagen. Es hatte sich um zwei Tonskulpturen vermehrt, mit denen sie ihre ehelichen Krise formgebend verarbeitet hatte. Eine stellte ein knautschiges, archaisches Etwas in Primatenhaltung dar, dem ein überdimensionaler, jedoch krankhaft deformierter Phallus anmodelliert war. Die Glupschaugen dieses Urviechs starrten deutlich entsetzt auf sein in Mitleidenschaft gezogenes Organ herab. Sigrid war sehr stolz auf ihr Werk. Die Seminarleiterin hatte sie gelobt und ihren Mut gewürdigt, ihrer Sichtweise auf solch, nun ... ausgeprägte Weise Ausdruck verschafft zu haben. Die Töpferschülerin plante nun mit genüsslicher Freude, die Statuette in der Küche als Trockentuchhalter zu missbrauchen.
Mit dem anderen Gebilde, ein in inniger Umarmung verschlungenes Pärchen, war Sigrid nicht ganz so zufrieden. Der Er sah deutlich jung aus, während die Sie etwas faltig wirkte.
Einerlei, das Seminar war für sie der Erfolg gewesen, den sie sich bei der Anmeldegebühr erhofft hatte, und die Leiterin hatte am Schluß allen Teilnehmern geraten, die drei Tage in weiteren Arbeiten aufzuarbeiten und sich in aller Ruhe daheim darüber klar zu werden, was Probleme ihnen wirklich bedeuteten.
In aller Ruhe. Daheim. Ja, und das hatte Sigrid nun auch vor. Sie sehnte sich danach, ihre Wohnungstür hinter sich zu schließen, ihre Sandalen von den Füßen zu schleudern, den Koffer unausgepackt in der Ecke stehen zu lassen und nur noch ihre ermattete Hülle aufs Bett zu werfen. Vielleicht würde sie sich noch ein wenig an den glatten Jünglingskörper des toskanischen Pizzeriakellners erinnern und sich in den Schlaf masturbieren. Aber das sollte es dann auch gewesen sein.
In ihrer Etage angekommen, den Wohnungstürschlüssel bereits in der Hand, hörte Sigrid vom Wäscheboden her ein scharrendes Geräusch, als würde etwas über den Holzboden geschoben. ‚Der Herr Sacher', dachte sie bei sich und lächelte erschöpft, während sie die Türe aufschloss. Frischer Zitronengeruch wallte ihr entgegen und verblüffte sie entsprechend. Sie runzelte die Stirn, schaute sich fassungslos in der kleinen Diele um. Irgend etwas war anders als sonst. Als sie den Lichtschalter betätigte, musste sie blinzeln.
Durch die Glaselemente der Deckenleuchte flutete gesäubertes Licht, reflektierte sich in der absolut staubfreie Fläche des großen Flurspiegels und zauberte kleine, gleißende Sterne auf die Messingriffe und -haken des Garderobenschrankes. Die Kleiderbügel, auf denen sich so leicht Kragenfett absetzte, hingen sauber und in akkurater Formation hintereinander. Das Holz der Konsole war poliert, das Gestänge der Lampe neben dem Telefon (und das Telefon selbst) gewienert, das Platzdeckchen darunter sogar gewaschen und gebügelt worden. Die Farben der Teppichläufer hatte Sigrid lange nicht so kräftig in Erinnerung und der Linoleumbelag des Fußbodens war von solch makellosem Glanz, dass die Heimgekehrte sich kaum traute, ihren Koffer darauf abzustellen. Schließlich musste sie es doch. Sie hatte mit Staunen und Umherschauen genug zu tun.
Die Rahmen der naiven Bauernhochzeit-Wandbilder wiesen nicht mehr die Daumenabdrücke auf, die so oft im Vorbeigehen gestört hatten. Im Schlafzimmer - die Bezüge waren frisch gewaschen, das Oberbett gelüftet, die Ritzen des Radioweckers sogar entstaubt worden. Das Wohnzimmer - aufgeräumt und sauber, wie für eine Präsentation auf einer Möbelmesse vorbereitet. Die Küche erstrahlte in einem Weiß, so strahlend, dass sie es kaum für möglich hielt.
Sigrid erinnerte sich an die Mär der Heinzelmännchen und war für einen kurzen Augenblick lang bereit, alten Sagen Glauben zu schenken. Was war hier geschehen? Es hatte doch niemand einen Schlüssel zu ihrer Wohnung. Ausgenommen Herr Sacher, und der ...
Ja, sollte das denn möglich sein? Herr Sacher? Den sie stets zur Flurreinigung auffordern musste? Dessen Wohnung eher einem Pumastall, als einer menschlichen Behausung glich (, so weit ihr diese Beurteilung durch haschende Blicke während kleiner Türplauschchen vergönnt war)? Dessen Haushosen den Eindruck machten, man könne sie bald aufrecht hinstellen und sich mit ihnen unterhalten? Ihr Nachbar Herr Sacher?
‚Aber wer sonst?' fragte sich Sigrid. ‚Schau an, welch verborgene Qualitäten.' Sie ließ sich auf die Wohnzimmercouch nieder, deren Stoff so viel heller erschien, dass er wohl shampooniert worden war.
Über ihr bummerte etwas. Es hörte sich an, als sei etwas Schweres abgesetzt worden und etwas Längliches, vielleicht ein Besen, zu Boden gefallen. Sigrid schaute empor und ihr Gesicht erhellte sich zu einem liebevollen Ausdruck.
"Der Herr Sacher ...", sagte sie, diesmal laut, zu sich selbst. Plötzlich erwischte sie sich bei der Frage, wie alt ihr Nachbar wohl sei. Sicherlich nicht älter als der toskanische Pizzeriakellner. Nun gut, es fehlte dem Herrn Sacher sicherlich an südländischem Temperament, aber hässlich war er eigentlich nicht. Und immer freundlich, hilfsbereit, zuvorkommend, gesicherter Status ... Sigrid zählte in Gedanken noch weitere zutreffende Vorteile auf. Bei ‚humorvoll' zuckte sie unwichtig mit den Schultern und auch das ‚erotisch' tat sie mit einem etwas zweifelndem Mundwinkelzucken ab. Bei ‚doch-auf-gewisse-Art-sexy' lächelte sie jedoch wieder.
Warum hatte er wohl ihre Wohnung so gründlich auf Vordermann gebracht? "Nun, das liegt doch auf der Ha-haand", trällerte sie, glaubte plötzlich dieses gewisse Flattern in ihrer Bauchgegend und erst recht noch ein Stückchen weiter darunter zu spüren. Nur zu gerne erinnerte sie sich mit einem Male an das Flimmern in Herrn Ernsts Augen, als sie sich zuletzt gesehen hatten, an seine gehemmte Wortkargheit. Für Sigrid war das schüchterne Verhalten ihres verliebten Nachbarn nun ein klarer Fall. Sie erhob sich und begab sich mehr oder weniger melodisch summend ins Bad, fest entschlossen, dieses Zuneigungsbekenntnis des Herrn Ernsts nicht unerwidert zu lassen. Dazu wollte sie sich ein wenig frisch machen.
Im Bad herrschte eine beinahe sterile Hygiene. Das Chrom der Armaturen und die WC-Keramiken waren von TV-werbungswerter Sauberkeit, blitzten und glänzten um die Wette. Sigrid war entzückt und seufzte hingebungsvoll.
Die Waschmaschine neben dem Becken setzte zu einem nächsten Vorwaschgang an und säuselte verhalten. Ein sehr leises Modell. Sigrid hatte es sich erst vor kurzem erst neu zugelegt. Singlehaushaltklein und extrem sparsam im Wasserverbrauch. ‚Der Herr Ernst', dachte Sigrid. ‚Nutzt die Zeit des Wäscheaufhängens, um die nächste Maschine durchlaufen zu lassen. Und all das, damit er mir eine Freude machen kann. Wie süß er sein kann. Wer hätte das gedacht? Der Herr Ernst von nebenan.' Während sie den Klodeckel hochklappte und sich auf die sauberweiße Brille niederließ, spürte Sigrid ihre romantischsten Anwandlungen in sich aufblühen. Wie viele Jahre lebten sie nun schon so nah beieinander und hatten sich kaum näher kennengelernt? Die kurzen Gespräche, die sie gehalten hatten, wie lapidar und belanglos kamen ihr diese nun vor. Vielleicht hatte ihr lieber Nachbar sich ja schon des öfteren um ein Näherkommen bemüht, und ihr war es nur nicht aufgefallen. Ach! dachte sie, hätte sie doch eher geahnt, welch reizendes männliches Wesen da mit ihr unter einem Dach hauste und, sie insgeheim liebend, schmachtende Qualen litt. Gleich nach ihrer Toilettensitzung werde sie duschen, sich rein und sauber waschen vom Staub und Schweiß ihrer Reise; wolle sie sich ein wenig zurecht machen und ein Düftchen auftragen, bei dessen Aroma dem Ernst zweifelsohne Hören und Sehen und überhaupt alle Sinne vergehen würden. Genau auf die Stellen hinter ihren Ohrläppchen werde sie es sprühen, genau an jene Stellen, an denen sie sein liebkosendes Knabbern und Schlecken nun schon zu spüren glaubte. ‚Ach!' seufzte sie innerlich. ‚Was haben wir in den letzten Jahren alles verpasst? Wer weiß, wie oft er es sich vorgenommen und sich nicht getraut hat, mir all seine verliebten Fragen und Wünsche zu offenbaren; zu fragen: Sigrid, willst du mich dein liebes Heim säubern, deine Schublade putzen, dein Scharnier ölen, deine Nasszelle fluten lassen?' Doch nun, so beschloss Sigrid, sollten all diese unerfüllten Begehren ein Ende haben. Mit holdem Duft versehen, wolle sie ihrem Ernst auf dem Dachboden entgegengehen und ihm sagen, Ernst, so werde sie sagen, Ernst, willst du mich? Und er werde fragen: ‚Im Ernst, Sigrid? Mit Haut und Haaren?' ‚Ja, es ist mir Ernst, mein Ernst', werde sie ihm sodann antworten. ‚Mit reinlicher Haut, mit frisch gewaschenem Haar.' - Und er werde verstehen. - Und dann, ja dann, dann würden sie zu zweit auf dem Dachboden dem Himmel noch näher kommen. In Extase wolle sie den Putz aus den Fugen kratzen, die Tauben wollüstig schreiend von den Schindeln verscheuchen und so lange gewienert werden, bis schmutzig nicht mehr schmutzig sei.
Sigrid stöhnte erregt auf, als sie die Klospülung drückte. Dann beugte sie sich nieder, um in dem Schränkchen neben dem Waschbecken nach ihrer wohlriechendsten Duschlotion zu kramen. Erfreut stellte sie fest, dass selbst hier alle Schmierseifenrückstände entfernt und sogar die Flaschen abgewischt und die Lappen gewaschen worden waren.
Das Rauschen der Spülung verstummte und in diesem Moment hörte Sigrid neben sich ein leises Klicken.
Sie verharrte. Horchte. Da schon wieder der Klang. Ein klimpernder, gläserner Ton, schwach, fast ängstlich, als ticke immer wieder etwas Festes an eine Scheibe. Umherschauend suchte sie nach dem Ursprung dieses Geräuschs und entsann sich der laufenden Waschmaschine. Sie musste sich erst an diesen neuen Apparat gewöhnen. (Ihre alte, weitaus größere Schleuder hatte im Keller gestanden.)
Sigrid lächelte. Ein Reißverschluss oder Knopf musste wohl an das Sichtfenster gekommen sein. - Doch dann stutzte sie plötzlich.
Sie hatte kurz vor ihrer Abreise noch alle dreckige Wäsche gewaschen. - Wenn sie zum Spülen auch nicht mehr gekommen war, ihre Schmutzwäsche hatte sie noch erledigt. Irritierte Falten drückten sich in ihre Stirn und sie ging in die Hocke.
In diesem Moment tickte Puppis Schnabel noch einmal gegen das Bullauge der Maschine. Wie zum Abschied. Gleich darauf begann der energiesparende Schleudergang.

Ernst begann, sich Gedanken zu machen, was er von der Reaktion seiner Nachbarin halten sollte.
Mit wildem Stufengetrampel hatte sich Sigrids Ankunft auf dem Wäscheboden angekündigt. Dann war sie durch die Holztür förmlich auf ihn zu gesprungen, Mordlust in den heulenden Augen, Zeter und Mordio kreischend, hatte Ernst für einen kurzen Moment irritiert angegafft, als könne sie seine Tätigkeit, den Wäscheboden zu wischen, nicht ganz nachvollziehen und war sodann, laute Schimpftiraden flutend, mit einer Tonstatuette auf ihn losgegangen.
Ernst konnte flüchten und während der Verfolgungsjagd zwischen den Wäschebehängen keifte Sigrid unverständliche Verwünschungen. Ab und an glaubte der Verfolgte die seltsamen, von plärrenden Tönen verwaschenen Worte ‚Puppi' und ‚Murkel' heraushören zu können und schloss auf die Kosenamen der ‚Kleinen' seiner Nachbarin.
In der Hektik der Situation fragte sich Ernst nur flüchtig, was es mit dieser ersichtlichen Erregung wohl auf sich hatte. Er hatte doch nur dafür gesorgt, dass dieses Haus von all diesen unausstehlich aufdringlichen Blicken gesäubert wird. Dass diese auch in Tiergefieder und -haaren saßen und glotzte, war nur einer der Schocks gewesen, mit denen er in Sigrids Wohnung konfrontiert worden war. Der Vogel dürfte wohl inzwischen sauber sein und die Meersau, nun, Ernst hatte versucht, ihn in der Badewanne abzuduschen. Aber das Geräusch von über Email kratzender Krallen hatte so seine Nerven malträtiert, dass es kaum auszuhalten gewesen war. Glücklicherweise hatte sich seine Idee mit dem Einmalrasierer als besser und auch gründlicher erwiesen. Das Zappeln hatte er mit einem Gürtel und der Stuhllehne etwas unterbinden können. So ein dummes, kleines Biest! Der Ritzer am Rücken war nicht Ernsts Schuld. (Ein weiterer Vorteil der Rasur. Auf dem Fell hätte das Pflaster nie gehalten.) Und sich dann auch noch so beim Aftershave anzustellen. Er hatte es doch nur gut gemeint. Womit also hatte er diese Undankbarkeit verdient? Er hatte sie doch alle befreit von diesen allgegenwärtigen Blicken! Sicherlich waren sie ebenfalls von ihnen bedroht worden! Das mußte doch alles sein!
Das letzte, was Ernst für die nächste Zeit registrierte, war der staunende Gedanke, welch ungeahnt pantherähnliche Agilität und Vehemenz menschenweibliche Wesen durch pure Wut entwickeln konnten. Na ja, und dass der irdene Riesenpenis durch die Wucht des Schläfenschlags abbrach.


Vorläufig Ende
(Der nächste Teil "Lieben" ist in Mache.)

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