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Leselupe.de > Erzählungen
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Eingestellt am 18. 11. 2002 09:13


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Markus Veith
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2000

Werke: 115
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Quadratischer Raum, ca. 6 x 6m. H√∂he ca. 2,5m. W√§nde tapeziert, wei√üe Raufaser. M√∂bel aus Holz, hell, unbehandelt, schlicht gezimmert: Schrank, Kommode, langer Tisch, 2 St√ľhle an den Schmalseiten. An einer Wand: 2 Bilder. Teppich wei√ü u. weich. T√ľr u. Fenster fehlen.
Jemand muss hier gelebt haben, un√ľbersehbar -> S√§mtliche Fl√§chen sind mit Worten beschrieben. Alle Ebenen voll mit Zeilen, hektische Schrift. Das Zimmer ist ein einziger Brief. Nirgends mehr Platz. Man kann nur lesen.
Auffällig --> 4 große Buchstaben, N, W, S + O. Windrosenanordnung, Wandmitte, direkt unter Decke gemalt
--> Wände wurden zwar (meist) von links nach rechts beschriftet, Texte passen aber nicht zeitlich hintereinander. Schreiber wechselte von Ort zu Ort)
--> Text an linker NWand wurde offenbar zu allererst geschrieben.
Plan: Rekonstruktion der Texte in chronologischer Reihenfolge
Warum? - Weiß nicht.

Wo bin ich?
Ich wachte auf und war hier. Das ist schon einige Zeit her. Tage oder Wochen? Ich wei√ü es so wenig, wie ich wei√ü, wie ich hier hereingekommen bin sein muss. Es gibt hier keine Zeit. Es gibt keine Lampe, dennoch ist es nicht dunkel. Keine Ahnung, woher das Licht kommt, doch es ist stetig. Ich kann nicht sagen, ob Tag ist oder Nacht. Die M√ľdigkeit kommt, wann sie will.
Als Erstes habe ich gerufen, aber niemand antwortete. Ich begann zu br√ľllen, tobte, schlug und trommelte gegen die Mauern - keine Reaktion. Nicht das geringste Anzeichen von Leben um mich rum. Ersch√∂pft gab ich mein Toben auf, legte mein Ohr an die W√§nde, an das Holz des Schrankes, an die Kommode, in der Hoffnung, Resonanzen aus einem Dahinter zu vernehmen. Stimmen, Ger√§usche, wenigstens das Nagen oder Kratzen von Tieren. Aber nichts. Nur die Stille ist hier und atmet mit mir im gleichen Takt. Ich sa√ü stundenlang am Tisch. Mag sein auch Tage, wenn es Tage in der mir bekannten Form noch gibt. Ich wartete, wusste aber nicht, auf was. Vielleicht darauf, dass sich in den verdammten W√§nden eine √Ėffnung bildet. Vielleicht darauf, dass ich pl√∂tzlich etwas entdecke, das mir vorher entgangen ist.
Ich durchmaß mein Gefängnis mit Blicken. Bis ich jede Handbreit, die Entfernungen, die einzelnen Punkte in und auswendig kannte. Doch jetzt kann ich nicht mehr nichts tun. Das Nichts wird mir zur Qual.
In der Kommode fand ich f√ľnf Bleistifte und einen Anspitzer. Und eine volle Schachtel mit Kerzen und einem Feuerzeug. Als w√ľrde erwartet, dass in diesem Zimmer einmal die Nacht hereinbricht. Sonst fand ich nichts. Keine Kleider. Keine B√ľcher. Nie! Die Schr√§nke sind und bleiben leer. Und es gibt keine Hinweise darauf, dass hier vor mir jemand gelebt haben k√∂nnte.
Aus einem seltsam irrationalen Antrieb heraus habe ich das Zimmer in Himmelsrichtungen eingeteilt. Sentimental, mag sein. Doch wei√ü ich schon nicht, wie lange ich hier sein werde und was das alles soll, so m√∂chte ich wenigstens einen Hauch Weltlichkeit sp√ľren. Papier habe ich nirgends gefunden. Drum schreibe ich auf den W√§nden. Wenn niemand hier ist, dem ich zuh√∂ren kann, so lasse ich eben die Mauern sprechen. Die Kunst des Mangels ist Akzeptanz.

Schrankwand, innen:
Ich darf nicht so viel nachdenken. Mein Kopf ist ein Durcheinander von all diesen Fragen, die sich mir v√∂llig ungeordnet stellen; stumm-verbale Gedanken, die st√§ndig auf mich einpr√ľgeln. St√§ndig habe ich das Gef√ľhl, im n√§chsten Moment wird irgend etwas geschehen, auftauchen und wieder verschwinden wie die Elemente eines verr√ľckten Bilderr√§tsels.
Ich habe noch einmal alles durchsucht und nichts gefunden. Mir w√§re lieber, es w√ľrde endlich etwas geschehen. Meinetwegen etwas, das ich nicht verstehe. Wundern ist besser als warten.
Wof√ľr stehen hier Schrank und Kommode, wenn es nichts zu verstauen gibt? Ich schreibe auf ihnen, um ihnen einen Grund zu geben. Vielleicht kann ich mein Durcheinander in ihnen verstauen.

Gegen√ľber:
Ich muss Notiz von mir nehmen. Mich notieren.
Es geht mehr schlecht als recht. Das Holz ist ein sperriges Papier und die Tapete grob. Ich gebe mir M√ľhe, klein zu schreiben, um Bleistiftmiene zu sparen.
Mein Kopf muss sich erst daran gew√∂hnen, die Gedanken einzeln auf B√ľgel zu h√§ngen und hintereinander zu ordnen. Die Pausen zwischen den S√§tzen sind lang. Ich √ľberlege, ob das, was ich hier schmiere, verst√§ndlich sein wird f√ľr jene, die es m√∂glicherweise nie zu lesen bekommen. Was soll man von mir denken, wenn alles so unordentlich an den Schr√§nken steht? Ungeb√ľgelt und zerknittert. Ich sollte aussortieren, Unn√ľtzes verwerfen.
Aber ich hänge an meinen altvertrauten, gammeligen Gedanken, auch wenn ich sie nicht mehr brauche und sie nur Platz wegnehmen.
Ich muss den M√ľll unterbringen. Irgendwie!!
Eine Wand werde ich frei lassen. Den S√ľden. Der S√ľden soll sch√∂n sein.

NWand:
Was soll ich √ľber mich schreiben? Ich wei√ü nichts. MEIN GOTT, ICH WEISS NICHTS √úBER MICH!

WWand:
Ich weiß nicht, wie alt ich bin!
Ich weiß nicht, wer ich bin.
Ich hatte es nie f√ľr wichtig gehalten, dar√ľber nachzudenken. Kann nicht jeder davon ausgehen zu wissen, wer man selbst ist. Aber meine Erinnerung besteht nur aus Ruinen. Als h√§tte ich mein Leben getr√§umt, sei erwacht und versuche nun, den zerrieselnden Traum zusammen zu puzzeln. Mir scheint nur so, als sei noch etwas gewesen, bevor ich hier erwachte. Sicher bin ich mir nicht.
Aber es muss doch etwas gewesen sein. Ich kann nicht erst in dem Moment zu leben begonnen haben, als ich die Augen aufschlug. Ich muss mir meinen k√∂rperlichen Zustand doch irgendwie erwachsen haben. Aber so sehr ich auch gr√ľble, die Erinnerung an eine Kindheit kommt mir einfach nicht in den Sinn.
Ich kann alles, was ich in diesem Zimmer sehe, benennen und mit allem etwas anfangen. Und ich wei√ü, dass ich noch mehr wei√ü. Ich kann reden. Wenn auch nur mit mir selbst, der ich sowieso wei√ü, was ich sagen will. Ich kann schreiben und kenne die Bedeutung jedes Wortes. Ich wei√ü, was M√ľdigkeit, was Schmerz, was Tag und Nacht ist. Auch mit abstrakten Begriffen - Liebe, Hass, Neid, Gier - kann ich etwas anfangen. Ich wei√ü, was T√ľren und Fenster sind und dass sie hier fehlen. Dass sie etwas mit einer Au√üenwelt zu tun haben, die ich kennen sollte. Oder gekannt habe. Aber ob diese Bilder und Informationen in meinem Kopf tats√§chlich stimmen ...?
Ob sie nun stimmen oder nicht: Wer hat es mir beigebracht?! Und weshalb, wenn ich sie hier nicht gebrauchen kann, verdammt?!?!

WWand:
Ich habe lange gegr√ľbelt, in der Hoffnung, dass mir eine Erkl√§rung f√ľr meine Unwissenheit einf√§llt. Aber es will mir nicht gelingen. Meine Fragen stehen wie Monumente in diesem Raum, nehmen allen Platz ein und atmen so heftig, dass mir die Luft wegbleibt.
Meine Kleidung besteht aus schlichtem Leinen. Da es keinen Spiegel gibt, kann ich mein Alter nur erahnen. Mein Gesicht ist weich und ohne Falten. Mein Haaransatz ragt recht hoch in die Stirn, die Haare, die ich mir aus den Schläfen zupfe, sind blond und zeigen Nuancen von Grau. Meine Hände sind groß, ohne Absonderlichkeiten. Meine Brust ist spärlich behaart und mein Bauch eben. - Ich schätze mich auf Ende zwanzig, vielleicht Anfang dreißig. Keine Ahnung, ob das stimmt. Vielleicht wissen es die Wände.
Meine Finger k√∂nnen mein Gesicht nur ungen√ľgend betrachten. Welche Farbe haben meine Augen? Ich rieche nach etwas, aber ist es mein Geruch oder der des Raumes? - Was bin ich, dass ich sagen kann: "Ich"?

Offenbar später:
Ich habe mich geirrt. Ich wei√ü zwar, was Hunger und Durst sind und kenne diese Bed√ľrfnisse, versp√ľre aber weder das eine noch das andere. Ich gebe mir wirklich M√ľhe, mir den Mangel und das Erleiden in Erinnerung zu rufen, aber es will mir nicht gelingen. Ich bin st√§ndig ges√§ttigt und kann nie Mir fehlen die Worte.
Ich sollte froh sein. Es gibt keine Lebensmittel. Das Fehlen eines Abortes macht Sinn.

Tisch, OEnde:
Ich f√ľrchte Ja! f√ľrchte, ich mache mir immer mehr Gedanken. √úber mich selbst. √úber das, was ich √ľber mich vermute. - Was ich selbst bef√ľrchte, tats√§chlich zu sein. Ich denke. Ich bin. Aber bin ich einer oder der Einzige? Bin ich der Erste in dieser Gefangenschaft, oder ein weiterer? Vielleicht war alles vor mir, nur um mich zu erschaffen. Oder alle anderen sind fort, und ich soll jetzt die Lichter ausmachen, deren Schalter ich nicht finde?

√ľbergro√ü, mehr graviert als geschrieben:
Wer bin ich ?
Meine Hand. Der blöde Stift. Nur noch ein Stummel.

Weiterhin Tisch, OEnde, aber offenbar später:
Mein Verstand will mir von Menschen erz√§hlen, die es au√üer mir gibt oder gegeben hat. Viele. Andere. Warum bin dann aber ausgerechnet ich hier? Soll diese Einzelhaft Strafe sein oder sogar Erleichterung? Vielleicht war mein Leben so gut, dass ich es nicht wert war. Wenn das S√ľnde ist, bin ich mir ihr nicht bewusst. Welchem S√ľnder nutzt eine Strafe, wenn er seine S√ľnde nicht kennt und nicht wei√ü, was er zu b√ľ√üen hat? Wenn ich der Schmetterling war, dessen Fl√ľgelschlag einen Orkan ausl√∂ste, wo st√ľrmt dieser jetzt? Wo sind die Reste von meinem Leben? Mein Wissen, meine Eigenarten - ich bin mir ihrer bewusst, aber wie habe ich sie erlangt? Wie konnte ich mich "bilden"?

Schließt mit Tischecke rechts unten ab:
Der Tisch ist gedeckt. Mahlzeiten, zubereitet aus Fragen, deren Lösungen immer neue Fragen auftischen werden. Nahrung bis in alle Ewigkeit.

WWand:
Ich will, dass mir meine Zeit vor dem ‚ÄöHier' endlich als Ganzes erscheint. Was auch immer ich sein werde, ich muss mich vollenden. Denn obwohl ich nichts √ľber ein Leben vor dieser Zimmerhaft wei√ü und nicht die geringste Ahnung habe, wer oder was ich war, so habe ich doch eine genaue Vorstellung dar√ľber, wie ich gewesen sein muss, wenn ich immer war, wie ich jetzt bin. Schlimmer noch: Wenn ich immer war, wie ich bef√ľrchte zu sein, so zeigen sich mir unertr√§gliche Erkenntnisse √ľber mich.
Ich wei√ü, dass ich niemals aus eigenem Antrieb gelernt h√§tte, auf eigenen F√ľ√üen zu stehen oder mit ihnen zu laufen. Wie ein Welpe h√§tte ich aus dem Napf der gro√üen Hunde gekostet und √ľberall meine H√§ufchen gemacht. Ich w√§re von einem Schneeloch ins n√§chste gesprungen, ohne in meiner Zierlichkeit zu bemerken, dass ich mich in den Eindr√ľcken meiner gro√üen Vorl√§ufer bewegte. M√ľhevolle Spr√ľnge von einer Spur in die folgende, in jeder halshoch versinkend. Selbst h√§tte ich keine Spur hinterlassen k√∂nnen. Meine Spur w√§re nicht einmal unter mir geschmolzen.
Alles, was ich sagte, w√§re nachgeplappert gewesen. Ich h√§tte mich an Rockzipfeln aufgehangen und von fremden Tellern gegessen, mit L√∂ffeln, die f√ľr meine Augen zu klein, f√ľr meinen Hals aber viel zu gro√ü gewesen w√§ren. - Doch h√§tte ich so gleich geklungen, so leicht gehangen, so wenig gegessen, und w√§re trotzdem an den Bissen erstickt.
Kein Mehr, nur ein Weniger. Wenn ich vor dem Einlass in diesen Raum den Kopfwelttr√§gern in die F√§nge geraten bin, so endete ich auf dem Minimalschafott. Als Heckensch√ľtze des Geltungsbedarfs angeklagt.
Es ist paradox: Ich k√∂nnte stolz darauf sein, mit dieser Feststellung einigen Zeitgenossen einen Schritt voraus zu sein, wenn ich w√ľsste, dass es Zeitgenossen gibt.

NWand:
Ich habe geträumt!! Ich kann träumen und mich an meine Träume erinnern!! Und ich träume nicht von diesem Raum!! Oh, nicht existierender Himmel!! Mein Bewusstsein jubelt!!
Ich befand mich auf einem gro√üen Platz. Menschen standen dichtgedr√§ngt, ich mittendrin. Aber keiner von ihnen besa√ü ein Gesicht. Eine fleischfarbene Fl√§che √ľberzog ihre Kopffront, eine Maske aus Regungslosigkeit. Trotzdem wusste ich, wenn sie Augen h√§tten, w√ľrden alle Formen des Hasses aus ihnen blitzen. Dazu brauchten sie weder Blicke noch Stimme. Unwirsche Gesten, Rempeleien, Schroffheiten. B√∂se fuchtelnde Geb√§rdenmonologe √ľber die anderen, den Platz, den Himmel, √ľber die Welt im gemeinen Zorn um des Zornes Willen. Sie alle glichen gespannten Katapulten.
Und ich stand mitten unter ihnen und schwieg meine Fremdartigkeit in mich hinein, merkte aber bei jedem Anrempeln, wie ein Quentchen Wut auch in mich hineinschwappte. Meine Zornespf√ľtze wuchs, ein ungeheurer Drang mitzufluchen, zur√ľckzusto√üen, zu schlagen und zu pr√ľgeln. Ich sp√ľrte, dass jeder kurz davor war, die letzte H√ľrde zur Gewalt zu nehmen, aber keiner wagte den Sprung. Die Luft vibrierte wie √ľber einem brennenden Espenwald. Irgendwann musste ein Zorndamm brechen. Nur ein Haarriss, und sofort w√ľrde eine Wunde auseinanderklaffen, die eine Sintflut der Brutalit√§t √ľber uns herschwappen lie√üe.
Da flog pl√∂tzlich ein Vogel √ľber unsere K√∂pfe hinweg. Eine Taube. Und unter dem Flug des Vogels preschte alles panikartig auseinander, fl√ľchtete vor dem doch so friedvollen Tier. Als der Vogel zur Landung ansetzte, wich sofort ein Furchtkreis auseinander. Einige st√ľrzten, und es wurde auf ihnen herumgetrampelt. Von all dem v√∂llig unbeeindruckt setzte die Taube auf, gurrte leise, und pickte Zorneskrumen vom Kopfsteinpflaster. Die stumm-blinden Gesichtsfassaden verfolgten zitternd jede ihrer Bewegungen.
Doch pl√∂tzlich flog die Taube wieder auf, st√ľrzte sich auf einen der Umstehenden und hieb ihren Schnabel in dessen Maske, zerfetzte die Haut, riss sie in Lappen herunter. So schnell und √ľberraschend, dass niemand zu einer Verteidigung f√§hig war, √ľberfiel der Vogel noch einen Weiteren und einen Dritten und siehe da: Unter den zerrissenen Fassaden kamen menschliche Z√ľge zum Vorschein.
Daraufhin lie√ü sich die Taube auf meiner Schulter nieder und gurrte leise in mein Ohr. "Nun sieh, kleiner Denker, was passieren wird, wenn man ihre Nasen ins Offenbare dr√ľckt."
Die Befreiten blinzelten mit ihren hellblauen Augen, als m√ľssten sie sich erst aus ihrer Erstarrung l√∂sen und sich an die neue Wahrnehmung gew√∂hnen. Zaghaft betasteten sie die h√§ngenden Fetzen, zupften sie von ihren Gesichtern und starrten auf die Reste in ihren H√§nden. Sie schauten in die frischen Antlitze der anderen, ganz verdutzt und verwirrt, als h√§tte jemand einen Witz erz√§hlt, dessen Pointe sie nicht verstanden hatten.
Da begann endlich der Erste: Zuerst war es nur ein Zucken, das um seine Mundwinkel kroch. Die anderen glotzten ihn fassungslos an, als das Zucken zu einem Grinsen und immer weiter auseinander wuchs und schlie√ülich ein schallendes Gel√§chter aus ihm herausplatzte. Und als h√§tte er ein l√§ngst f√§lliges Gr√ľnlicht gez√ľndet, stimmten auch die anderen beiden mit in das Lachen ein.
Mir erschien diese Freude seltsam verkrampft. Unlustig. Als werde nur gelacht, weil sich jemand getraut hatte, die Zähne zu zeigen. Das war keine Freude. Das war Belustigung.
Die sich inzwischen vor haltlosem Geiern Kr√ľmmenden wandten sich den Flachgesichtern zu, zeigten mit den Fingern auf sie, prusteten und brachen in noch lauteres Hohngel√§chter aus. Die blinden Gesichter der Leute schauten verwirrt umher, ohne zu merken, dass sie selbst der Grund zur Erheiterung waren, was zu wild johlendem Nachge√§ffe f√ľhrte. Da rissen die Gr√∂lenden einigen Vermummten die Haut vom Kopf. Der Vorgang wiederholte sich und die Folge war ein euphorisches Massaker. Hautfetzen wirbelten durch die Luft und segelten zu Boden. Befreite Augen blinzelten und gafften. M√§uler stemmten sich auseinander zu einem impulsiven Gel√§chter, das wie eine Kettenreaktion weiterwucherte und bald den ganzen Platz mit albernem Gegacker erf√ľllte.
Ich sah zu und nickte zufrieden. Da stupste mich die Taube mit ihrem Schnabel an und gurrte: "Bist Du nun froh dar√ľber, erblicken zu d√ľrfen, was Du in den sicheren W√§nden Deines Zimmers zu vermissen glaubst? - Ja, alle lachen. Aber wor√ľber? - Willkommen im Leben, kleiner Denker! Dein Traum bringt es auf den Punkt."
Die Taube hatte Recht. Das Gelächter veränderte sich und eine Verwandlung rauschte durch die Menge:
Die Einen verstanden das Lachen der Anderen als Hohn, f√ľhlten sich beleidigt und provoziert. In der √úberzeugung, √ľber die Anderen richten zu d√ľrfen, die sp√§ter zur Erkenntnis gelangt waren, forderten die Einen entsprechende Achtung. Die Anderen wiederum forderten von den Einen Respekt daf√ľr, so schnell gelernt zu haben. Ohne sie, die Anderen, h√§tten sie, die Einen, es niemals geschafft, √ľberhaupt zur Erkenntnis zu gelangen.
Alle Kl√§ger klagten alle Angeklagten vor allen Richtern an. Sie begannen wieder zu r√ľpeln und Unfreundlichkeiten zu knurren. Und bald konnte ich beobachten, wie erneut Unmut √ľber die Gesichter zog. Wie eine formlose Hautschicht, die alles verdeckte und stumm und blind machte ...
Und die Taube auf meiner Schulter sagte: "!?"
Ich wei√ü nicht genau, wie sie es ausdr√ľckte, aber diese Zeichen waren ihre Worte.

Darunter (in Klammern):
(Taube - Vogel ohne Falschheit - Symbol des Friedens - Frau - Geliebte - Bild sch√∂pferischer Gedanken - Sinnbild geistiger H√∂henfl√ľge - Heizrohrgurrer - Geist? - Oder nicht weichen wollender D√§mon? - Tauben - Wenn sie am Boden sind, fressen sie einem aus der Hand - Fliegen sie empor, beschei√üen sie einen ...
Das soll mir eine Lehre sein? Das soll mir eine Leere sein. Was ist wirklich wirklich? Wo ist ein Licht am Ende dieses Zimmers? H√§tte ich doch einige Brotkrumen. Ich k√∂nnte mir eine F√§hrte legen, die mich aus dem Dickicht dieses Gedankenwaldes f√ľhrt. Brotkrumen. Giftgetr√§nkt.
Soll'n sie's fressen und krepieren, diese Biester!!)

An OWand hängen jene 2 Bilder, schlichte Rahmen, exakt gleiche Augenhöhe: Schwindel erregendes, o-förmiges Muster, schlierige Farben: schwarz, blau, braun, beige, von innen nach außen heller, einander spiegelverkehrte Kopie, Mittelpunkte leicht nach innen.
Folgender Text auf Stuhlsitzfläche:
Lange Zeit habe ich vor diesen Bildern gesessen. Sobald ich sie anschaue, saugen diese Kreise meine Blicke in sich auf. Wenn ich den Blick durchs Zimmer schweifen lasse, kann ich nicht umhin, ihn in diesen Kreisen zu baden verweilen zu lassen.
Baden? - Wie kam ich darauf? Es gleicht tats√§chlich einem unfreiwilligen Bad in einem unergr√ľndlichen T√ľmpel. Ein Morast, den man durchqueren muss, um weiterzukommen.
Nun habe ich mich diesen Gem√§lden gestellt. Unvoreingenommen und objektiv. Wie man Bilder betrachten muss, wenn man erkennen will, was der unbekannte K√ľnstler mit seinem provozierenden Werke auszudr√ľcken gedachte. (Ha!Ha!Ha!) Ich habe meinen Sitz direkt vor sie gestellt, der zweite Stuhl dient als Schreibunterlage, der Bleistift ist gespitzt. Wenn diese Bilder schon so aufdringlich in meinen Verstand dringen wollen, so sollen sie es nun tun. Aber deutlich und gerade heraus, wenn sie den Schneid dazu haben.

Westliches Tischende, letzte Worte schwer zu entziffern. Schreibfehler.
Will nicht wissen, wer sie gemalt hat! Sie sind schrecklich! Und doch genial. Diese Farben, kr√§ftig und verschwenderisch aufgetragen, verwaschen - sie wirr sie wirken so verweint. Je langer ich den Blick auf den Kurven verharen lasse, um so runder, deutlicher, ... lebendiger werden sie. Sie ver√§ndern irre Form, schleichen ummeinander rum, um zu verschmeltzen, stulpen sich nach innen, nach hinten, wie ein Tunmel in die Wand hinein ein Loch ein Apgrund Schacht eine bodenlose Vertifung in die man hineinzuschl√ľpfen fahig wirt. Bei allen was mir wert ist - ich w√ľrde nicht selbst wenn ich konnte. Das sind keine Locker sind dies Nein sint Rachen Schlunde geifernde Kifer √∂fnen sie sich Sperangelweit schlingbereit nemen die ganze Breite der Wand ein und noch mehr und sei es nicht genuch krichen sie √ľber die Decke den Boden zu mir verschluken den Raum reiben sich an meinen K√∂rper manteln betten mich liebkoosen verbrennen umgaarn zerkwetschen mich zugleich Locken Apsto√üen Schlagen Streicheln Lecken Verrrenken Wiegen Beschw√∂ren Schweigen Lachen Weinen. Ich muss zu ihnen ich muss zur√ľk Weiterkucken ...

Kommodenoberfläche:
ES SIND AUGEN !!
DIESE STARRER
BLINZELTEN MICH AN !!

Schrank, innen, zittrig:
Mein Kopf schmerzt. Ich musste mich zwingen gegen die Wand zu rennen.
Ich habe versucht, diese grauenhaften Dinger zu entfernen, näherte mich ihnen mit zugekniffenen Augen, um nicht noch einmal einen Blick zu riskieren. Meine Hände zittern. Nur noch meine Hände; Herz und Atem haben sich beruhigt. Einigermaßen.
Ich wollte sie irgendwo verstauen. Endlich, so dachte ich, h√§tte der Schrank eine sinnvolle Aufgabe. Als Kerker f√ľr dieses Teufelswerk.
Aber es geht nicht. Sie sind in den W√§nden. Ich habe versucht, den Schrank davorzur√ľcken. - - - - - Er ist fest!! S√ĄMTLICHE M√ĖBEL SIND MIT DEM TEPPICH VERWACHSEN!!! Ich versuchte, den Stuhl - den ich schon so oft verschoben habe!! - gegen sie zu schmettern! Nichts!! Als w√ľrden sie sich gegenseitig sch√ľtzen. Weder mein Hemd noch meine Hose halten an den Rahmenkanten, sie rutschen immer wieder ab! Was ich auch vorhabe, das Zimmer scheint es zu erraten und dem entgegenzuwirken.
Ich habe mich in den Schrank geräumt. In meinen Schutzbunker vor dem Blitzblickgewitter da draußen im Zimmer.
Sie wissen, dass ich um sie weiß. Ich weiß, dass sie das wissen.

WWand:
NEIN! Der Wahn soll mich nicht kriegen! So schnell bekommen mich Leinwand, Farbe und Holz nicht klein.
Sie gaffen mich an. Es st√∂rt sie nicht im Geringsten, dass ich ihnen den R√ľcken zuwende.
Aber ich habe den Osten aus meinem Kompasszimmer verbannt. Ich werde nur noch durch den Drei-Viertel-Horizont schleichen, sorgfältig auf Zonenblindheit achten.
Macht euch zu!!
Geht schlafen!!

WWand:
Geduld. Nur Geduld.
Warten verlängert nur die Zeit.
Gr√ľbeln ist reine Nervensache.
Gedanken fahren Schnellstraße. Doch entweder auf der Überholspur oder auf dem Seitenstreifen. Kommen sie erst in die Gänge, werden Abfahrten zu Möbiusschleifen.
Ruhe. Nur die Ruhe, lieber leibeigener Freund. Jeder kann warten. Geduld muss man √ľben. Heute ist alle Tage. Ich muss diese Leere nur begreifen und lernen, Unendlichkeit einzuteilen? Jede Zeit muss mal ein Heute gewesen sein.
Muss meine Nerven beisammen halten. Meine Gedanken sprinten mir davon.

Gleich darunter, offenbar später:
Es könnte funktionieren. Ich fand es beim Starren heraus, aus reinem Zeitvertreib:
Ich muss meine Sinne in den S√ľden schicken, wo es sch√∂n ist und warm. Dazu muss ich aber erst zur Ruhe kommen. Erst die Ruhe bringt mich dort hin. Ich habe sie bereits gesp√ľrt. Sie ist hier. In diesem Raum. Sie versteckt sich nur meistens. Hinter der Stille. Ich muss die Stille erst durchqueren. Wie man einen Weg gehen muss, um an ein Ziel zu gelangen, muss ich zun√§chst all die wirren Gedanken in meinem Kopf loswerden. Wohin sie schweifen ist egal. Hauptsache, sie sind nicht mehr bei mir in diesem Augenzimmer. W√ľrde mich jemand fragen: "Wor√ľber denkst du nach?", darf ich es nicht beantworten k√∂nnen.
Es k√∂nnte funktionieren. Ich war ganz nah dran, an der Ruhe des S√ľdens.

WWand, letzter Text:
Ich habe ihn gefunden: Meinen rettenden Fixpunkt. Ich finde ihn immer wieder, kann ihn anschauen, seinen Inhalt, seine Umgebung studieren. Er ist nichts weiter als ein wei√üer Punkt auf einer wei√üen Tapete, kein sichtbarer Fleck, nur ber√ľhrbare Leere. Aber hinter ihm liegt der S√ľden.
Ich f√ľhle das Zimmer dort nicht mehr. Als sei ich auf links und meine Blicke zu Schwalben gefaltet, und ich schicke sie durch die kleine Punkt√∂ffnung in eine Welt, die mit diesem Albtraum nichts gemeinsam hat. Ich sehe... Land. Berge und Seen, W√§lder aus sattem Gr√ľn, mit Tieren, die nur ihren Trieben folgen und sich um nichts weniger k√ľmmern d√ľrfen. Himmel mit Wolken, wei√ü und wattig. St√§dte voller Menschen, strebsame Seelen, die miteinander sprechen, etwas Sinnvolles zu tun haben, leben und lieben. Die Kraft ihrer Herzschl√§ge erschlug mich fast. Ich sp√ľrte sie durch meinen vereinsamten K√∂rper pulsieren. Jedes einzelne Herz pochte mir zu.
Dabei ist es nur ein Punkt, eine Stelle auf einer schweigsamen Wand.
Und ich gab ihm einen Namen: Eden
Ich darf meine Hand auf diesen Punkt legen und wei√ü: Dort liegt mein Reich. - Und ich sp√ľre, ja: Meine K√∂nigin herrscht √ľber ihn, sch√∂n und m√§chtig und gn√§dig. Sie verspricht mir, mich jederzeit Willkommen zu hei√üen.
Ich habe Zeit. Ich kann den S√ľdpunkt noch oft besuchen.
Schriftänderung. Vorher fahrig, wellig, langgezogen, jetzt sachlich und hart. (Eingeschlafen und plötzlich aufgewacht?)
Zeit - was ist das? Warum klammere ich mich an ein Wort, f√ľr das ich in diesen W√§nden keine Best√§tigung finde? Zeit ist hier nichts weiter als ein Begriff f√ľr Ewigkeitssekunden.
Diese Mauer hat den Sinn erf√ľllt.

NWand, Schrift ungelenk und bröckelig:
Der zweite Bleistift ist verbraucht: Etliche Male habe ich ihn angespitzt, doch erst jetzt bemerkt, was es mit dem Spitzer auf sich hat.
Es ist ein kleiner abschraubbarer Beh√§lter aus gr√ľnem Plastik. Mich wunderte, dass er nie voll wird, warum man nichts h√∂rt, wenn man ihn sch√ľttelt. - Es ist nichts drin. Die Sp√§ne verschwinden.
Ich habe versucht, den Griffel ohne den angeschraubten Behälter in der Klingenkapsel zu spitzen. Aber so lässt er sich nicht drehen. Irgendein seltsamer Mechanismus, der nur funktioniert, wenn das Gerät zusammenmontiert ist. - Teufelsding! - Verschraubt ist es ein Schwarzes Loch, in dem alles verschwindet und keinerlei Reste hinterlässt.
Ich versuchte, meine Kleidung zu zerrei√üen, zerrte an meinen Hosenbeinen, bem√ľhte mich, sie auseinanderzurupfen, zu zerfransen, stellte mich drauf und zog, nahm eine Schrankecke zur Hilfe, h√§ngte mich mit ganzem Gewicht an den d√ľnnen Stoff. - Eher k√∂nnte ich die W√§nde zu Kurven lutschen.
Desgleichen mit dem Mobiliar: Kein Holzspan l√§sst sich absplittern, keine Kerze zerbrechen. Als ich vorhatte, die St√ľhle zu zertr√ľmmern, lie√üen sie sich nicht einmal bewegen. Nur wenn ich sie ohne Bedacht ansto√üe, verr√ľcken sie.
Es ist, als w√ľssten die Dinge √ľber meine Wut Bescheid. Wie kriege ich einen Stuhl zu packen, der so etwas ahnen kann? Ich k√∂nnte ihn nur aufnehmen, wenn ich seine Zerst√∂rung nicht geplant habe, um erst dann auf die Idee zu kommen, ihn zu zerschlagen, wenn ich ihn in der Hand halte, ihn von seinen Augenzimmerfreunden getrennt habe. - Wie soll ich das denn machen?
Noch etwas ist mir aufgefallen. Ich glaube, mich eigentlich rasieren zu m√ľssen. Aber ich kann es nicht. Mein Kinn ist und bleibt glatt wie die Haut eines neugeborenen Kindes. (WIE EINES NEUGEBORENEN KINDES!! DAS IST KOMISCH! DAS IST WIRKLICH KOMISCH, NICHT WAHR?!?!) (Nerven. Ich muss meine Nerven behalten.) Kein einziges Haar von mir w√§chst. Ich habe versucht, sie mir aus der Kopfhaut, aus den Achselh√∂hlen und aus dem Schambereich zu rei√üen. Doch keine einzige Str√§hne, kein Flaum, keine drahtige Borste will sich rupfen lassen. Und ich habe so lange so fest gezogen, dass Sterne in diesem Zimmer tanzten. Auch meine N√§gel wachsen nicht. Nicht einmal ein Span l√§sst sich abknabbern.
Es erscheint unmöglich, Spuren zu hinterlassen. Offenbar soll ich alles mitnehmen, was ich hab und bin. - Restlos. Und so lange ich keine Nahrung zu mir nehme, nehmen kann!, kann ich auch keine Exkremente ausscheiden.

NWand, an anderer Stelle:
Ich nagte gedankenverloren am dritten Bleistift, als er pl√∂tzlich unter meinem Biss zerbrach. Einmal entzwei, zerbricht offenbar auch die Unzerst√∂rbarkeit. Da √ľberkam es mich einfach.
Grafit und Holz schmecken nicht, trotzdem aß ich auch noch die beiden ersten; die Reststummel waren so klein, dass ich sie schlucken konnte.
In meinem Bauch rumort es. - Aber ich bin gespannt, was nun geschieht.

NWand, offenbar später:
Nichts. Vorbei. Resultat negativ. Keine Spuren möglich.
Ich kann diesen gottverdammten Ort nicht einmal bescheißen!!

Dito:
Ich laufe unsichtbar und unbemerkt an allem vorbei. Wenn es ein ‚Äöfr√ľher' gibt, habe ich dort Spuren hinterlassen?
Ich brauche eine Erinnerung von mir an mich. Etwas, woran sich nicht nur die stumme Zeit erinnert, sondern auch Menschen. Und seien es die Einen oder die Anderen. Ich will, dass jemand von mir sagen wird: "Ja, den kannte ich" oder wenigstens "Doch, der Name sagt mir was." Und wenn sie ein "Glaub' ich jedenfalls" hinzuf√ľgen, will ich auch zufrieden sein.
Ich mu√ü Spuren legen. Ich muss. Ohne Spuren ... was bleibt da? - Leergesp√ľlter Sinn. Hoher, ungest√∂rt gefallener Staub. Mit mir br√∂ckeln Krumen vom Gebirge. Ich bin ein Spurenelement! Ein Puzzleteil aus dem wolkenlosen Himmel eines Bildes. Zur Not wird man meine Stelle blau ausmalen.
Aber Spuren ... Woher mit ihnen? Wann ist der Zeitpunkt, eine Spur zu legen? Legt man Spuren fr√ľher oder sp√§ter? Fr√ľhe vertrocknen. Sp√§te laufen Gefahr, nie entdeckt zu werden. - Und f√ľr was? Erinnerungen? Erinnerungen sind auswendig gelerntes Leben. Was n√ľtzt Auswendiggelerntes, wenn niemand es abfragt? Meine Lebenszensur in diesem Ein-Sch√ľler-Klassenzimmer wird ‚Äöungen√ľgend' sein. 6 plus. Knapp am ‚Äömangelhaft' vorbei. Von ‚Äöbefriedigend' weit entfernt. Durchgefallen.
- Meine einzigen Spuren sind meine Wandworte. Aber ich f√ľrchte, bisher lassen sie nur W√ľnsche √ľbrig. Sie zerschreiben sich zwischen meinen H√§nden.
Meine Finger tun so weh.

NWand, knapp √ľberm Boden:
Wer sagt, dass gute Erinnerung länger währt als mangelhafte? Vielleicht sind schlechte Spuren viel deutlicher zu legen ...

Von Sprechblase eingefasst:
Ich piss eure Schneestapfenspurenlöcher gelb, ihr Scheisser !!!

Darunter:
Niemand kann behaupten, ich hätte es nicht versucht.

(Letztes Ausrufezeichen wurde offenbar ‚Äönachbearbeitet', fast eingraviert.) Weiterhin NWand:
Ein weiterer Triumph! Ich habe noch einen Stift zerbrechen können. Eigentlich ein Versehen. Die Mine brach. - Der Bann ist gebrochen! Sein Tabu dahin! Ich habe diesen Bastard zerbröselt! Auf den Tisch gerammt! (Kein Kratzer auf der Fläche.) Ihn zu einem jämmerlichen Häuflein zusammengefegt! Ein ergötzlicher Anblick!
Bald wird er brennen! Brennen soll er!! BRENNEN!!!

(Fortsetzung folgt)
__________________
"Ich wollte der Welt nur ein einziges Wort sagen. Da ich es nicht konnte, wurde ich Schriftsteller." - Stanislaw J. Lec

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Markus Veith
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Tisch, NSeite, gen S:
Ich bin zu dem Punkt gekommen. Zu meiner Königin.
Dir will ich mein Opfer bringen, Geliebte, Herrscherin √ľber Himmel und Erde, G√∂ttin meines Universums!
Nimm mein Opfer an! Lange will ich die s√ľ√üe Flut deines Scho√ües genie√üen.

NWand:
Ich bin ein Narr!! Zwei Stifte von f√ľnfen zum Teufel! Habe ich denn alles Material der Welt? - Nur noch einer. Was ist Niederschrift wert und was nicht?

Auf der OWand ist ein großes Gesicht gemalt geschmiert, die Bilder als Augen. Drumherum wurde gesamte Wand mit Kerzenruß eingeschwärzt. Mund fehlte offenbar zuerst --> Kinnpartie freigelassen. Wachstropfen auf Boden und an Wand.
Chronologischer Text auf NWand:
So haben die Reste wenigstens einen Sinn. Ich habe sieverbrannt und die Asche verwendet. Wenn ER schon glotzt, dann soll ER es richtig machen, dieser stumme Wichser! Ich musste IHN kein einziges Mal anschauen. Habe mich von Norden her angeschlichen, mein Gesicht nur nasenlang von der Wand entfernt, habe ich um die Rahmen herumgeflammt, SEINE maulstumme Augen-Visage angeschwärzt.
ER nimmt mir den Verrat √ľbel, der Bastard!

2 Texte unter Tischplatte:
Spuren legen Spuren legen Spuren legen Spuren legen Ich muss Spuren legen Ich muss Ich muss Ich muss Spuren legen Spuren legen, werfen, verstecken. Spurenlegen. Meine Spuren legen mich rein. Meine Spuren legen mich ein. Ich bin eine Zeiteinlage. Mumifiziert in Zeit und Zimmer. Komisch. Wirklich komisch. Neugeborene Kinder sind gar nicht glatt, sondern schrumpelig wie kleine Mumien. Ha-Ha. Spurenlegenspurenlegenspurenlegenspurenlegenichmussspurenlegenichmussspurenlegenichmussspurenlegenichmussspurenlegenichmuss ...
Setzt sich wie Litanei √ľber (unter) ganze Fl√§che fort. Am Ende:
Gevatter Zeit schaut mir √ľber die Schulter. Er fl√ľstert mir ins Ohr, und betont √ľberdoppeldeutlich. "Na, kleiner Denker, was tust Du gerade? Wie geht es Dir jetzt? Wirst Du Deine Anwesenheit hier gut genutzt haben? Wirst Du alles getan haben k√∂nnen?"
Dieser Tattergreis f√ľhrt was im Schilde. Ich sp√ľre es.

NWand, Schrift zittrig und unregelmäßig. Bisher Anfangslinie haltend, nun wachsender Abstand:
Unbeschreibliches Grauen! Es nimmt kein Ende! Ich kann die Hand kaum zum Schreiben, kaum zum Halten des Stiftes √ľberreden. Zweimal brach die Mine bei dem Versuch, meine Schrift in die Wand zu rammen, diese verfluchten Mauern festzunageln!! Dabei wollte ich gar nicht, dass sie kaputtgehen!!
ER starrt mich mit seinen Bilderaugen an. ER vermag ohne Maul zu grinsen, dieser Bastard! Als hätte ER es gewusst!
Es gab hier nie Ger√§usche. Nur von mir. Mein Atem, den ich durch die Zeit presse. Das Rascheln meiner Kleidung. Das Streichen √ľber meine niemals schwitzende Haut, meine tr√§nenunf√§higen Augen, mein nie fettendes Haar. Meine hin und her pendelnden Barfu√üschritte. Und das Klappen der Schrankt√ľren, die ich immer wieder aufrei√üe, auf der Suche nach etwas, was endlich erscheinen SOLL. MUSS!! Und es gibt immer! noch! meine STIMME!, die mit MIR! SPRICHT!!
Ich schlief unter dem Tisch, um IHN nicht sehen zu m√ľssen. Es war ein Fehler, dem Holz √ľber mir meine Worte anzuvertrauen. Ihre Litanei rieselte auf mich nieder, direkt in mein Gehirn, und verformte sich mehr und mehr zu einem Schmatzen und Knirschen. Bis ich aufschreckte. Aber das fl√ľsternde Schmatzen blieb.
Ich schaute umher, lauschte, schrie zuerst vor Freude, weinte, wollte L√§rm schlagen, die St√ľhle an der Wand zerschmettern. (Bl√∂dsinniger Versuch!) Also br√ľllte ich Hallo-Hier-bin-ich!'s in die W√§nde, trat und trommelte, rannte mit aller Wucht gegen den Schrank.
Das Schmatzen hörte zwar nicht auf, wurde aber auch nicht lauter, oder kam näher, oder hielt wenigstens mal inne, um mich hören zu können.
Schließlich, nach Stunden (Tage? Sekunden? - Zum Teufel!) bemerkte ich den Ursprung des Schmatzens. Ich starrte gen Nord-West, wo ich der Wand meine Hoffnungsspuren hinterlassen hatte. Kälte und Hitze verbrannten meinen Verstand und ließen ihn erfrieren.
Voller Panik √ľberpr√ľfte ich meine Entdeckung, sprang nach Nord-Ost und fand den gleichen Schrecken: Sie bewegen sich. Diese Scheissw√§nde verschlingen meine Worte !!!
Unendlich langsam schieben sich die Mauern aufeinander zu. Nicht wie eine Schrottpresse, deren Mechanismus man vielleicht irgendwie aufhalten k√∂nnte. Die Mauern dieses Zimmers schmelzen! Ineinander! Gleichzeitig! Die M√∂bel bleiben unbeschadet. Sie werden nicht √ľber den Teppich geschoben, - der Raum zwischen ihnen wird nur kleiner. Es ist nicht anders zu beschreiben.
Zuerst hielt ich es f√ľr eine optische T√§uschung. Bl√∂dsinnig! Aber Verzweiflung erdichtet skurilste Erkl√§rungen, um Tatsachen nicht realisieren zu m√ľssen. Ich w√ľrde den Tisch zum Beichtstuhl erkl√§ren. Was hilft's? Die W√§nde bewegen sich.
Ruhe. Nur Ruhe. Jeder kann warten, Geduld √ľben, heute ist alle Tage.
Scheiße! Lasst mir meine Spuren!

Weiterhin NWAnd, offenbar später:
Mir fehlten die Worte. Tatenlos muss ich zusehen, wie sie in der Wand vergraben werden. Ich pr√ľgelte mir die F√§uste an den Westecken weh.
Will man mich foppen? Oder pr√ľfen? Sehen, ob ich reagiere wie eine Laborratte? Wenn sie - wer immer SIE sind - meine Angst bezwecken wollen, dann haben sie das geschafft. Dann kann das Experiment jetzt abgebrochen werden.

In riesigen Kerzenru√üschattenlettern √ľber gesamte Decke:
DER VERSUCH SOLL
ABGEBROCHEN
WERDEN!!

NWand, Schrift wirkt ‚Äögefasst', Linien aber zittrig:
Ich habe festgestellt, dass sie sich nicht bewegen, wenn ich schlafe. Nur bei wachem Verstand werden meine Worte verzehrt.
Was soll ich tun? Schreiben oder schlafen? Mit Schreiben verk√ľrze ich meinen Aufenthalt, was mir letztlich nicht schlecht erscheint, aber doch eine arg groteske Form der Kurzweil ist. Ich kann mir nur zu bunt die Folgen ausmalen, halten die W√§nde nicht inne.

Entlang sämtlicher Tisch- und Stuhlbeine:
Ich darf nur ein i-Punkt sein. i. muss sparsam sein, gut bedenken, was Schrift wert ist. Noch gibt's Raum, in den meine Gedanken fl√ľchten k√∂nnen. Aber nur 1 letzter Stift, u. der ist kurz, die Mine por√∂s. Womit soll i. schreiben, wenn mein Rest an W√§nden ist, deren Platz ebenfalls schwindet? Wohin mit dem Gedankenm√ľll? Muss raus.
Da ist die S√ľdwand. - Nein. Die leere Weite tut mir u. meiner K√∂nigin so gut. i. besuche sie. Sie empf√§ngt mich mit offenen Armen u. Sorgenblick. Ihr Punktk√∂nigreich ist bedr√§ngt. i. liebe sie. Spende Trost. Sie ist mein Alles, meine G√∂ttin. G.s Liebe ist gro√ü. Wie sch√∂n es ist, G. lustvoll zu lieben! Unsere Liebe darf nicht schwinden.
Der Osten? - SEINE Blicke sind √ľberall. ER schabt sich in meine Gesichtsh√§lfte. Schei√ü drauf! SCHEISS DRAUF!! SCHEISSE - K√ĖNNTE ICH DOCH NUR!!!
Da sind die M√∂bel. Noch bieten sie mir Raum. Den Oststuhl habe i. jedoch nie wieder anger√ľhrt. Auch der Weststuhl ist verdorben. Seine Position liefert mich SEINEN bundrundschlierigen Blicken aus, u. i. begebe mich nicht mehr unter diese Glotzfuchtel. Die St√ľhle haben Angst, i. k√∂nnte sie zerschmettern wollen. Dabei sind ihre Fl√§chen wertvoller Raum. F√ľr mich u. meinen Kopf. - i. schlafe nur noch auf dem Teppich. Er ist gut u. mir ein treuer Freund geworden. Doch das Liegen u. aufrechte Sitzen tut weh, denn i. wage nicht, mich an die W√§nde zu lehnen. Bei einer Ber√ľhrung hallt mir meine Mauerstimme durchs Hirn, als sei sie schriftl. ausgesprochen u. k√∂nne nicht mehr verklingen.
Wie gerne w√ľrde i. mich anlehnen, ausruhen. Doch SEIN Kreiss√§genblick macht Ruhe unm√∂glich!!
Oh, G., rette mich!

Schrankinnenwand, schwer zu entziffern:
i. kann nicht mehr. Zorn & Ohnmacht zittern durch meine H√§nde. i. wei√ü nicht, wo i. sinnvoll schreiben, wohin meine Gedanken verfolgen soll. Habe mich verkrochen, die Augen zugekniffen, i. will m√ľde werden. Angst! Was, wenn die W√§nde nicht stoppen? Angst! Im Kopf. Sie tut so weh, will raus. VERDAM___
Grafitschwarzer Druckfleck im Holz; darunter:
Der Stift. Holzverrammt.

Herausgerupfte Worte im Teppich, von N nach S:
lCH MUSS SCHWElGEN K√ĖNNEN - SCHWElGEN lST GOLD - MUSS GUT SEIN - GANZE WELT SCHWElGT - ODER SAGT SlE NUR NICHTS ? SCHWElGEN - STUMMSTlLLE - RUHE - SCHWElGEN lM K√ĖRPER
lST DER K√ĖRPER AN SCHWElGEN GEW√ĖHNT, DANN
Satzrest unleserlich --> erst ‚Äögeschrieben', dann komplett ausgerupft. Darunter:
lST DER K√ĖRPER RElCH - SCHWElGEN MACHT RElCH - lCH BIN RElCH DENN lCH KANN SCHWElGEN - lN DEN TEPPlCH - ABER GEH√ĖREN NlCHT WlE lN DER LlEBE ZUM SCHWElGEN 2 ? DER SCHWElGENDE MUSS DOCH JEMANDEN ANSCHWElGEN - WENN NlCHT - SCHWElGE lCH NlCHT - BlN NUR STlLL
K√ĖNNTE MlCH JA SELBST ANSCHWElGEN - WENN lCH MlR NlCHTS MEHR ZU SAGEN HABE
lCH M U S S NlCHTS SAGEN - NlCHT MlR - WElSS EH WAS lCH SAGEN WOLLEN W√úRDE
K√ĖNNTE + WERDE MlCH ElNFACH STUMM MElDEN + MlR NlCHTS MEHR SAGEN - WERDE MlCH SELBST MlT SCHWElGEN STRAFEN - HA ! - lCH SOLL SCHON SEHEN + NlCHT H√ĖREN WAS lCH DAVON HABE MlCH STUMM ZU lGNORlEREN - lCH K A N N SCHWElGEN WENN lCH WlLL - WAS DENKE lCH MlR ElGENTLlCH ? BlN lCH NlCHT VON MlR ABH√ĄNGlG ? FRECHHElT !
SO SlTZE lCH ALSO AUF DEM TEPPlCH + SCHWElGE MlCH ElNSElTlG AN - SlTZE - SCHWElGE - STUMMSTlLL - GOLDVERSCHWlEGEN - RUHlG

Von S nach N:
W E M SOLL M E l N SCHWElGEN AUFFALLEN ? - DEN W√ĄNDEN DlE lCH ANSTARRE ALS SElEN SlE DURCHSlCHTlG ? - DER DECKE DlE MlR DROHT AUF DEN KOPF ZU FALLEN ? - DEM FUSSBODEN DEN lCH TRETE ? - DEM TEPPICH ? - D E R SCHWElGT M l C H AN DER lCH lHN BESCHRElBE - RUPFE - MlT WORTEN F√úLLE DlE NlCHT F√úR lHN SlND - ER NlCHT VERSTEHT - lHM NUR WEHTUN - ER SCHRElT NlCHT ElNMAL
JA - DER TEPPlCH lST ElN GUTER SCHWElGER - MElNE WORTE SlND lN lHM GUT AUFGEHOBEN - K√ĖNNEN VlEL VON lHM LERNEN - DEM TEPPlCH KANN lCH MElNE WORTE WOHLSCHWElGEND ANVERTRAUEN
lCH SCHRElBE MElN GOLDSCHWEl GEN lN DEN TEPPlCH - M√ĖGE ES DORT RUHE FlNDEN
VlELLElCHT KANN lCH MlCH DAZULEGEN - lN DEN TEPPlCH - ZU MElNEN WORTEN - lN DlE RUHE - lN DEN WElT ENTFERNTEN + lMMER WElTER WERDENDEN PUNKT SCHAUEN - ZU MElNER K√ĖNlGlN - LlEGE lCH lM GOLDSCHWElGEN MElNER WORTE - FL√úSTERE BR√úLLEND :
RUHE!

NWand, blutrot:
Ich war das nicht! Es war meine Wut. Genau! Sie war das. Zermalmte einfach den letzten Stift. Und mich dazu. Ich wollte mich nicht kaputt machen. Wut schrieb: Stift ging kaputt: Ritzte mich auf: Ich kaputt.
Ich wusste, dass sie wach war. Sie tat nur so, als ob sie schliefe. Wie trunken und benommen lehnte sie sich schon die ganze Zeit gegen meine Stimmbänder, juckte mir unter den Zähnen, dass ich den Reiz lieber in Schmerz zerbeißen wollte, als weiterhin zu ertragen.
Fr√ľher oder sp√§ter musste sie sich austoben. Sie reizte mich bis aufs Blut, und das Blut presste sich durch mein Herz, walgte, rieb die weiterr√ľckenden W√§nde auf, schleuderte alle Gedanken durcheinander, schob den Wutdruck schon lange vor sich her. - Dudumm! Dudumm! Dudumm! - Immer weiter vor sich her. Alle Gedanken. Alles Aufgestaute. Der Druck zeugte Gegendruck und der Gegendruck, der ... ja, der Gegendruck knackste den letzten Stift, der mich kaputt ritzte. - Immerhin: Jetzt habe ich wieder Tinte. Reichlich und farbig.
Ich habe noch meine Schranken gezwungen, damit sie halten m√∂gen. Doch waren sie v√∂llig marode. W√§re ich gestorben, die Wut h√§tte mich wieder aus dem Grabe gehebelt. Jetzt tut mir die kaputte Hand so weh, dass ich sie zur Faust ballen muss. Meine Fingern√§gel vergraben sich in den Handfl√§chen, jagen eine Kompanie Schmerz als Ablenkungsman√∂ver in sie hinein. Aber die Wut ist unerbittlich, kennt Schmerzen zur Gen√ľge. Funken desertieren vor meinen Augen. Ich will Berserker rekrutieren! Mit ihnen den Hai in meinem Brustkorb ertr√§nken! Die Elefantenherde aus meinem Kopf befreien! Meine F√ľ√üe wollen die W√§nde zu Wei√üglut stampfen! In befreiter Stampede alles zertrampeln! Mein Atem ist gestohlen! Ich keuche nur die F√§uste voll! Meine Muskeln wollen rei√üen! Ich will einen Orkan in meinen Lungen! Einen Zyklon in meinen Augen! Ein Blizzard soll mir die Ohren zerfetzen! Mich in St√ľcke rei√üen und wieder zusammenpusten! Ich will W√§lder pflanzen, um sie herunterzubrennen! St√§dte bauen und sie dem Erdboden gleichmachen! V√∂lker zeugen, um sie niederzumetzeln! Welten erschaffen! Sie aus den Angeln heben! Die Luft aus ihnen herauslassen. Ich will wie ein praller, mit √úberfluss gefluteter Ballon zur Explosion treiben! Egal wie! Ich will ans Ende!! Ich will endlich sagen: "Ich bin am Ende!!"

NWand, Bodenn√§he, in m√ľden Linien geschrieben, dann mit blutigen Handabdr√ľcken √ľbertapst, kaum zu entziffern:
Dies ist das Leben, nicht wahr? Dieses Zimmer ist Start und Ziel. Meine Tr√§ume l√ľgen? Es gibt keine Menschen, weder die Einen noch die Anderen. Ich bin mit meinem Erwachen entstanden.
Ich bohre in dieser kaputten Faust nach Tinte, dabei ist es völlig nutzlos. Spuren, ... wohin mit ihnen? Etwas in nichts zu legen ist Schadensumkehrung. Plus-minus-null. Ich habe nichts zu verlieren, also bin Ich auch kein Verlust.
Vielleicht gar nicht so √ľbel. Die Weltgeschichte wird mir dankbar sein, dass ich ihre Zeit nicht verschwendet habe, um auf mich aufmerksam zu machen.

Daneben, deutlich zu lesen:
Das bin nicht ich! Das kann ich nicht geschrieben haben! Wer war das?! Ich muss Spuren legen. Und f√ľhren sie auch nur zu einem Ende.
Meine Hand tut so weh.

NWand, offenbar sehr viel später:
4 x 4
Lange nicht geschrieben. War lange mit Schlafversuchen besch√§ftigt, die die W√§nde stoppen sollten. Ich versuchte es mit 1x1. Erfand dann aber ein Z√§hl-Spiel: gerade Ziffern = Schreien, ungerade = Klatschen, durch 3 teilbare Ziffern = Tritt gegen den Schrank, durch 5 = Tritt gegen die Kommode, durch 7 = den Kopf gegen die Wand rammen. Bei Doppelung = alles gleichzeitig oder hintereinander. - 21, 42, 63 und 70 sind echt hart, aber unt√§tiges Wachen l√§sst sich schwer verk√ľrzen.
Meine Faust vernarbt, aber ich brauche wieder Tinte. Mit mir verh√§lt es sich wie mit den Stiften: Einmal kaputt ist der Bann gebrochen. - Mein Bleistiftstummel ist ein guter Kollege. Er hilft mir, nach Tinte zu bohren. Meine H√§nde brauche ich noch zum Schreiben. Meine Beine nur noch f√ľr mein Z√§hlspiel. In ihnen ist aber viel gute Tinte. In der Enge z√§hlen Priorit√§ten.
Ich habe Ich habe mir Ich habe!! SCHMERZ!!
Ich bin!! Ich lebe!!

SWand (!!!), in roter Blutpaste, dick und breit aufgetragen:
ICH LEBE!!

Darunter, klein:
Mein Leben. Mein Leben ist Theater. Was f√ľr ein Theater! Mein Theater. Und es ist voll. Alle Sitze sind besetzt von besitzenden, ganz versessen sitzenden Sitzern. Ich muss raus. Mein Leben hat Premiere.

Groß:
Meine nicht im geringsten verehrten Herrschaften! Das St√ľck "Man lebt nur einen Sommer g√∂nnt ihr vielen Gewaltigen lebt doch gewaltiger nichts als der Menschheit ganzer Jammer fasst mich schuf aus gr√∂berem Stoffe die Natur l√§sst sich nicht zwischen heut und morgen liegt eine lange friss, Vogel, oder jeder stirbt f√ľr sich allein der Vortrag macht des Redners gl√ľcklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu √§ndern ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode" f√§ngt in K√ľrze an!
Wir m√∂chten Sie bitten, faule Eier, sowie Ihre Unschuld und sonstige Ach-Sie-wissen-schon's an der Garderobe abzu- und sich in den hermetisch verriegelten Vorf√ľhrraum zu be-geben! Wir danken Ihnen in Ihrem Interesse. It's Showtime!

Wieder kleiner:
Ich sehe keine Lampen, aber es ist fiebrig hell. Ich kann meine Worte nicht mehr erkennen. Sie haben sich aufgelöst in pulsierendes Blut. In meinem Kopf ist ein Wasserfall, Rauschen und Brausen, um Riffe und Kanten in einen Abgrund. Aber Aber Da ist nix - nix zu sehen in meinem Publikum. Alles glänzt nur durch Abwesenheit. Mein Leben ist eine Mengenleere.
Werbeunterbrechung.

Verbliebene Stuhllehne:
3 x 3
Sie sind zu dritt. Sitzen wie Geister an meinem Tisch. Diskutierten, disputieren, vertreiben meine Zeit mit nichtsnutzigen Verhandlungen. Ich setze mich zu ihnen. In meinem Kopf jagen so viele Stimmen umher, da machen drei mehr keinen Unterschied.
Schlaumer f√ľhrt den Vorsitz.
Kontrollala spricht f√ľr mich.
Zyntia narrt sie an den Nasen.

Tischplatte, 3 verschiedene Schriften:
Dem Angeklagten wird zur Last gelegt zu sein. Dem hiesigen Gesetz sämtlicher Daseinsformen steht diese Tatsache zuwieder, und ist daher als inakzeptabel zu werten. Ich bitte um Stellungnahme. - Nein, Angeklagter, Ihnen ist das Wort entzogen.

Wie den geehrten Anwesenden bekannt sein d√ľrfte, ist es dem Angeklagten nicht m√∂glich, eine andere Daseinsform - sprich: die unsere, wohltuend imagin√§re - k√∂rpergerecht zu gew√§hrleisten oder in Anspruch zu nehmen. Er ist in dieser R√§umlichkeit gefangen und in seinem K√∂rper. Sein Zustand ist daher als h√∂chst bedauerlich und unzul√§nglich anzusehen und mit unseren Gesetzen kaum zu vergleichen.

So steht nun im Raum die Klage. Präsent und doch abhanden. Stellen wir uns drum die Frage: Wie ist, was ist, entstanden?

Durch Himmel , Hölle oder Eltern. Einerlei. Hauptsache, jemand trägt Schuld nach Richterspruch.

Zank, Zwist und Uneinigkeit spart man nicht durch Einsamkeit.

Gut. Stellen wir uns also stattdessen folgende Frage: Wer sind seine Eltern, wenn sie f√ľr seinen Zustand verantwortlich sind? Wer tr√§gt die Anfangsschuld? Wer hat diese armselige Wurzel gez√ľchtet?

Man kann sie aus Mangel an Anwesenheit nicht zur Rechenschaft ziehen.

Der Vater starb beim Jagen und Sammeln. Die Mutter sah niemand im Bett vergammeln. Mich d√ľngt, hier schwelt der Luntengeruch: Schuldig aus Mangel an Elternzuspruch!

Eben! ALLE haben ihn verlassen!

Falsch! In diesem Kontinuum hatte er niemals alle, außer sich selbst. Er kann nicht von jemandem verlassen worden sein, wenn er sich in niemandes Gesellschaft befand.

Sind Menschen auch die Schlimmste aller Strafen, kann mit Nachbars Schnarchen man besser schlafen.

Das beweist, dass wir keinen Schuldigen f√ľr die Schuld haben!

Nein! Das beweist, dass er selbst die ganze Verantwortung trägt.

Ich pl√§diere f√ľr Freiheit auf Bew√§hrung!

Er käme gar nicht zurecht in seinem Draußen!

Das soll er beweisen!

Sämtliche Beweise sprechen gegen ihn.

Gibt es Geschworene, die f√ľr ihn sind?

Es gibt niemanden!!

Danke. Die Verteidigung hat keine weiteren Fragen.

Das Gericht zieht sich in Ruhe zur√ľck.

Es erscheint mir erstaunlich, mag man bedenken, dass drei Geister sich hier die Hirne verrenken, √ľber die Frage - die wohl sinnvoll erscheint - : Ob ein Mensch als Mensch auch Leben vereint, so er doch ahnt, dass er Mensch ist und dass sein Blut rot, der Himmel blau und sein Angstschwei√ü nass. - Verstehe, wer will, wenn in ihm der Zweifel keimt, ob in seiner Sprache sich nichts auf Mensch allein reimt.

Der Angeklagte h√∂re den Richterspruch: Er ist gewogen und f√ľr zu leicht befunden worden. √úberf√ľhrung vom Ende in den Anfang, nach Ablauf des Verfalls. M√∂ge die G√∂ttin seiner armen Seele gn√§dig sein.

Schließt letzten Platz der Tischfläche ab:
Nun sitzen die drei da. Perfekte Schweiger. -
Der letzte Punkt. Meine G√∂ttin, es stimmt, nicht wahr? Ich bin nah an meinem Satzende. Es wird bald Zeit f√ľr meinen letzten Punkt.
Aber, Göttin! Ich habe nie geliebt!! Und die Angst vor dem letzten Punkt frisst in meinem Innern.
Ich muss rein sein. Rein und sauber. Meine Haare löste ich in Flammenluft auf. Nackt und bar will ich bereit sein.
Ich will lieben, geliebte Göttin! Beflecke mich!

Folgende Zeilen √ľber die ganze SWand:
"Hab keine Angst vor den Wänden."
"Es gibt einen Weg, kleiner Denker."
"Sei klein. Denk' nicht dr√ľber nach."
"Gute sterben fr√ľh."
"Dein Weg ist schlimmer als Dein Ziel."
"In der Zwischenzeit geschieht jederzeit alles zu seiner Zeit."
"Quittiere: ‚ÄöLass!' Aber meine: ‚ÄöVersuch!'"
"Du musst, du darfst keine Angst haben."
"Komm, Geliebter!"
"Sei klein. Denk' nicht dr√ľber nach."
"Bei mir wirst du Ruhe finden."
"Ich lege f√ľr Dich Spuren zu mir."
"Komm, Geliebter!"

Gelb u. bröckelig:
SIE empfing mich beim Eichelbaum, gro√ü und fleischig der Stamm, kronenlos und doch voller Triebe. Sie f√ľhrte mich in den Stalagmitensaal. Maschinen stemmten Milch aus dem Boden. Blut pulsierte durch ein Netz aus Adern, fest gespannt √ľber halbdurchsichtige W√§nde, die sich nach oben dehnten und wieder herabsanken.
SIE klaubte die M√ľnzen von meinen Augen, entbl√∂√üte mich und nahm mich bei sich auf. In ihrem Gemach f√ľhlte ich mich wie ein rohes Ei, um das gierige Schlangen kreisten. Ihre Leiber vibrierten; jede wollte mich als erste verschlingen. Schwei√ü gl√§nzte auf allen Fl√§chen, tropfte von der Decke auf mich herab, rollte mir in gl√ľhenden Perlen √ľber die Stirn, bis die Font√§ne endlich gen Himmel sprudelte und ranziger Klumpenregen ihren Garten w√§sserte.
Sie k√ľsste mir z√§rtlich auf die Stirn, so hei√ü, dass alle L√ľsterkerzen schmolzen und sich nach unten bogen. Nun stehe ich im Schlamm, klamm bis an die Knie. Meine Zeilen knirschen mir durch den Sch√§del wie geschliffene Murmeln in einer Glasschale.

Die L√ľcken der OWand sind mit Zeichnungen ausgef√ľllt, mit spitzem Gegenstand in Ru√üschatten geritzt worden. --> verzerrte Figuren, kaum zu deuten.
Weitere Zeichnungen verdichten sich zum Bilderaugengesicht in der Mitte (sieht dadurch aus wie Kriegsbemalung, wage keine Kopie): Wirre Formen u. Strichf√ľhrungen, meist sinnlose Schmierereien.

NWand:
2 x 2
Der Tisch konnte die Wände nicht aufhalten.
Schlaumer, Kontrollala, Zyntia. Sie blickten mich noch einmal mitleidig an und zerrieselten in der Wand.
Ich male Bilder, um nicht an der Wand zu lehnen. ER ist mir ganz nah und ich bin allein mit IHM. Angst!
Schrei nicht so mit keiner Stimme!
Ich geb dir ja nen Mund!


Göttin, hilf! Ich bin's: Mein Feind.

OWand, ungleichmäßige Schrift, wie von jemand anderem:
Du w√ľrdest Spiegel lieben, nicht wahr, kleiner Denker? Sie w√§ren so ehrlich zu dir. Du w√ľrdest es lieben, dich st√§ndig vor dir zu haben, und immer mehr Gefallen an dir finden.
Ein Spiegel ist wie eine Maske. Ja. F√ľr uns selbst. Wu√ütest du das nicht? Er ist der einzige, der dir etwas √ľber dich erz√§hlt, l√§sst dich immer wieder neue Seiten an dir entdecken, damit nicht nur die ganze Welt alles von dir sieht.
Du liebst den im Spiegel. Nun gib es doch zu. Du willst ihm nahe sein. Man sollte ihn hegen und pflegen, ihn verehren, ihm ein Denkmal setzen. Und alle, alle m√ľssten sich vor ihm verneigen, ihn anbeten, preisen und jubeljauchzen, bis ihnen die Gesichter aus den K√∂pfen in den Staub fallen. Warum schaust du sonst immer in unsere Augen? Du verehrst uns. - Schau genau hin.

Das ist nicht Ich.

Nein? - Wer ist dann Ich?

Das ist Du.

Aber du magst doch Du, oder?

Mögen? Nein. Mögen ist zu wenig. Ich liebe Du.

Und du willst so sein wie Du.

Ja, ich will sein wie Du. Ich will Du sein.

Ja. Denn Du ist besser als du. Du wird groß geschrieben.
DU NARR!!
Du kannst die Finger noch so tief in die Ohren quetschen!
WIR sind ICH !!!
WIR sind erstes Einatmen und letztes Auskeuchen. WIR sind ICHs Pfiff aus dem finalen Loch.
ICH steht!
Vor dem letzten!
Punkt!

OWAnd:
Punkt. -Der letzte Punkt. - Er ist nicht weiter schlimm. -Punkt. - Der letzte Punkt. - Er muss, kann, darf nicht schlimm sein. - Punkt. - Der letzte Punkt. - Schlimm ist einzig die Stelle davor. - Punkt. - Der letzte Punkt. - Der Druck wird unertr√§glich. - Punkt. - Der letzte Punkt. - Ich bin alle Arten von ‚Äöm√ľde'. - Punkt. - Der letzte Punkt. - Endlich unendlich m√ľde. - Punkt. - Der letzte Punkt. - Meine Augen streiken. - Punkt. - Der letzte Punkt. - Dunkelheit lullt mich ein wie eine liebevolle Mutter. - Punkt. - Der letzte Punkt. - K√ľss deinem Kind die Augen zu, Mutterg√∂ttin. - Punkt. - Der letzte Punkt. - Wiege mich in den Schlaf. - Punkt. - Der letzte Punkt. -M√ľde. - Punkt. - Der letzte Punkt. - Bitte. - Punkt. - Der letzte Punkt. - Nur noch Schlafen ...

SWand:
1 x 1
Am Anfang war ein lauter Knall. Konfusion, die sich ausweitete. Der Himmel war helllichter Tag und tiefste Nacht, schien in Str√∂men und schneite in Strahlen, sengte eisig und st√ľrmte hei√ü. Die Welt wechselte in stetigem Auf und Ab. Berge schoben sich zusammen, t√ľrmten sich auf, wurden vom Wind zernagt, rieselten nieder. W√§lder wuchsen heran, wucherten zu Dschungeln, schmiegten sich in die Erde zur√ľck. Flie√üender √úbergang von Zeit zu Zeit, Einzelheiten unwichtig. Bakterien koppelten, formten ungestalte K√∂rper aus Haut & Z√§hnen, Trieb & Wille, Zorn & Liebe. Echsen wechselten mit Primaten. Menschen wimmelten herum. Geb√§ude stachen in den Himmel. Gleich darauf waren sie fort, besiegt von Ratten. Die Sonne wurde gr√∂√üer. Die Nager bildeten Staaten, verknoteten ihre Schw√§nze zu K√∂nigen, bis jeder regierte und regiert wurde. Einzeller waberten aus den Kadavern. Und die Sonne wurde noch gr√∂√üer. Eine Fischart erhob sich zur Sch√∂pfungskrone, ging dann an Altlasten zugrunde. Und die Sonne nahm den Himmel ein.
Meine Mutterg√∂ttin ruft mich vom Spielen heim. Beim Abendmahl muss ich dem Gottvater beichten: Dass die Welt nichts weiter ist als ein Lehmklumpen, der auf einer T√∂pferscheibe liegt. Mein Gottvater ist sehr angetan von meiner Theorie. Er sperrt mich auf dem Dachboden ein, damit ich meine Beichte nicht weiter vers√ľndigen kann. "Das tut mir mehr weh als dir", sagt er zu mir. Ich h√§nge meine nasse, zerrissene Hose an einen Nagel am Dachbalkenkreuz und setze mich. Ich beginne Figuren zu schnitzen, um sie anzuatmen.

Letzter Text, SWand:
Als ich erwachte, war ER tot.
Seit Stunden sehe ich meine F√ľ√üe nicht mehr.
Das Schmatzen ist direkt an meinem Ohr.
Mir wird heiß.
Meine Tinte l√§uft mir √ľber die Arme. √úber meine Stirn. In meine Augen.
Mein Herz klafft auf.
Oh, Gottkönigin.
Mein letzter Punkt. Ich wei√ü ihn nicht zu f√ľllen.
√Ėffne deinen S√ľden f√ľr mich!
Lass mich schl√ľpfen!
Diese Welt ist zu hei√ü f√ľr mich. Es kann nur noch die H√∂lle sein. In der H√∂lle m√ľssen meine Spuren verbrennen. Ich kriege keine Luft.
Was sagst du?
Dein S√ľden fl√ľstert.
Aber ich muss doch ... meinen letzten Punkt ...
Ich gehorche. - Ich kom .

Seite 1:
Als ich erwachte, fand ich mich in diesem Raum. Papier und Stifte sind genug vorhanden. Nun sind alle Wandtexte abgeschrieben und geordnet. -- Ich habe √ľber mich nachgedacht. Aber wer bin ich?
Die Wände. - Sie bewegen sich.



ca. 1997 bis April 2002
M.V.:"Und dann gibt es diese Geschichten, an denen man als Autor zu verzweifeln droht, da man zwischendurch die Vision hat, man werde beim letzten Punkt zu Staub zerrieseln.
Bis zum Ziel quälte ich mich durch Dutzende Anläufe und Kapitulationen. - Gut möglich, dass ich ‚.' einige graue Haare verdanke."


__________________
"Ich wollte der Welt nur ein einziges Wort sagen. Da ich es nicht konnte, wurde ich Schriftsteller." - Stanislaw J. Lec

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Zefira
???
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Hallo Markus,

puh! Das ging unter die Haut!

Volle Punktzahl von mir! Phantastisch, visionär, aufregend und verstörend, souveräner Umgang mit der Sprache. Das gehört in die Bestenliste.

Kleiner Tip von mir:
Du hast da in der Mitte ein Wortunget√ľm, das den Bildschrmausschnitt so breit zieht, da√ü man beim Lesen st√§ndig hin- und herscrollen m√ľ√üte.

Ich habe mir damit beholfen, da√ü ich die "ausdruckbare Version" aufrief - dann f√§llt das Lesen leichter. Besser w√§re es aber, Du w√ľrdest das Wort trennen. So, wie es jetzt ist, f√ľhlen sich vielleicht einige Leser abgeschreckt.

Ich werde mal versuchen, ein paar Leute hier vorbeizuschicken; diese Geschichte verdient jede Menge Aufmerksamkeit.

Gl√ľckwunsch! *begeistert applaudier*

Zefira


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Gegge
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Hallo Markus,
Hallo Zefira,

Die Geschichte ist von der Idee sehr gut, vielleicht sogar hervorragend ( nein, streicht das "vielleicht")

Aber sie ist ZU wirr, ZU ansstrengend, ZU lang.
Der Autor hat es meiner Meinung nach √ľbertrieben, man wird M√ľde beim Lesen und verliert Stellenweise die Lust √ľberhaupt weiter zu lesen. (eventuell geht es auf Papier besser)

Ausser dem viel zu langen Wort (Mitte 2. Teil) sind mir auch noch die Wörter in LETTERN unangenehm aufgefallen.
(Es schreckt mich als Leser ab, wenn mich ein Text auf weite Strecken anschreit!)
Des weiteren gibt es noch kleine Fehlerchen.
( z.B. 1.Teil , 2. Absatz: "hereingekommen bin sein muss.")


Gruß Gegge

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Markus Veith
Routinierter Autor
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Vielen Dank!

Zun√§chst m√∂chte ich mich f√ľr euren Lob und eure Kritik ganz herzlich bedanken. Zu letzterer denke ich, kann ich einiges sagen. Auf dieser Seite ist es schade, dass man gewisse Formatierungskniffe nicht √ľbernehmen kann. So ist es im Originaltext zum Beispiel so, dass das von dir, Gegge, kritisierte "hereingekommen bin sein muss" ganz so beabsichtigt, das Wort ‚Äöbin' allerdings durchgestrichen ist. Die Formatierung der Leselupe l√§√üt das nur leider nicht zu. Auch mu√ü ich leider zugeben, dass der Text hier gerade wegen der ungen√ľgenden Formatierung sehr schwer voll und ganz zu begreifen ist. Im Original gibt es zum Beispiel sechs verschieden Schriftsarten, wobei ich in der Gerichtsverhandlung (Schlaumer, Kontrolalla und Zythia) bereits drei verwendet habe, ebenfalls f√ľr den ‚ÄöDu' und den schriftf√ľhrenden Rahmenerz√§hler. Als ich an ‚ÄöPunkt' noch schreib wurde ich gewarnt, so viele verschiedenen Typen und Formatierungstricks zu verwenden, doch nach der Fertigstellung gab man zu, dass es durchaus √ľbersichtlicher wird.
Das die Geschichte ZU lang sei und anstrengend - nun gut, es ist nun mal Geschmackssache. Ich bin der Meinung, dass man einem Leser ruhig etwas abverlangen darf und dass es Geschichte gibt, die einfach geschrieben werden wollen und m√ľssen.
√úbrigens: "Punkt" ist der Hauptext meines selbst herausgebrachten Buch "Pandaimonia" und soll, sofern alles klappt, voraussichtlich n√§chstes Jahr als Solo-Theaterst√ľck inszeniert werden. Ich glaube, ich k√∂nnte ein wenig Daumendr√ľcken brauchen.
Mit literarischen Gr√ľ√üen
Markus Veith

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Gegge
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Markus,

ein paar Möglichkeiten der Textformatierung gibt es hier durchaus:
Hier klicken

fett . kursiv . unterstrichen . durchgestrichen

Gruß Gegge

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Markus Veith
Routinierter Autor
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Hallo, Gegge!

Oh. Danke. Das wu√üte ich noch gar nicht. Ich f√ľrchte, ich probiere hier viel zu wenig herum. Vielen Dank f√ľr den Tip.
Markus
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