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Leselupe.de > ErzÀhlungen
1. Kapitel Scharlatane, Schurken & Schamanen
Eingestellt am 20. 01. 2001 11:03


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Tobias
Hobbydichter
Registriert: Jan 2001

Werke: 7
Kommentare: 33
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1. Der Tröster und die fette Kröte

„Es ist, wenn ich zum Kern kommen soll, eine Art NervenentzĂŒndung, eine Autoimmunreaktion.“ „Und was bedeutet das?“ „Ihr Immunsystem greift sich selbst an, es zerstört ihre Nervenbahnen und schĂ€digt die Synapsen, ihnen winkt der Rollstuhl.“ Ich war wie gelĂ€hmt. Das also war es. Genau so fĂŒhlte es sich ja an. Ja, ich konnte es genau vor mir sehen, mein Hirn löste sich in Nichts auf. Ich raste unaufhaltsam in Richtung SenilitĂ€t und völlige Umnachtung. Ich kann mich nicht erinnern, je vor einem Fremden spontan in TrĂ€nen ausgebrochen zu sein. Ohnehin weinte ich sehr selten. Aber dieser Fettsack, der mir von Anfang an unsympathisch gewesen war, ausgerechnet er hatte mich geschafft. Wie Wasser rannen die TrĂ€nen meine Wangen herunter, ich atmete in tiefen, unregelmĂ€ĂŸigen HĂŒben, stockend beim Schluchzen. Autoimmun.
Viel verstand ich damals nicht von moderner Medizin, aber autoimmun, das klang nach einer KapitulationserklĂ€rung. Wir wissen nicht woÂŽs herkommt und können also auch nichts machen. Gedanklich verabschiedete ich mich von Skaten, Schwimmen, Wandern, Frauen. Reisen. Dem Leben an sich. Alles, was mir lieb und teuer war zog an mir vorbei in dieser katastrophalen Schocksekunde. Maiko. Ach Maiko! Ich schluchzte heftig und verschluckte mich. Ich wĂŒrde sie aufgeben mĂŒssen. Völlig unverantwortlich, einer so lieben jungen Frau die Pflege eines unheilbaren KrĂŒppels aufzubĂŒrden. Nein, das konnte ich mir nicht herausnehmen.- Oh Gott, was wird bloß aus mir werden?
„Haben Sie mal ein Taschentuch?“ Dieses fette Arsch saß die ganze Zeit völlig teilnahmslos in seinem Armstuhl. Oder genoss er etwa heimlich die Wirkung seiner fatalen Diagnose? Dem traute ich alles zu. VerstĂ€rkt noch durch den Eindruck, den seine Wiederwilligkeit auf mich machte, mit der er sich endlich bewegte und mit der Hand auf den Handtuchspender am SpĂŒlbecken deutete. Was sollte ich tun? Völlig undenkbar in meiner Situation auf die mögliche Hilfe zu verzichten, weil mein GefĂŒhl sagte, dass der Mann nicht koscher ist. Ich wollte ihn ja auch nicht heiraten. Er war eine KapazitĂ€t auf einem neuen Gebiet, mehr konnte ich nicht verlangen.
Heiraten, ach, je, heiraten wollte ich doch Maiko. Einen erneuten Heulkrampf versuchte ich durch krĂ€ftiges SchnĂ€uzen zu unterdrĂŒcken. Kraftlos ließ ich mich zurĂŒck auf den Stuhl sacken, sah, wie die hervorschießenden TrĂ€nen die Umgebung verschwimmen ließen und schließlich eine auf den Boden tropfte. Ich gab mir einen Ruck. Du weißt doch, sterben mĂŒssen wir alle, sprach ich mir selbst zu. Ich bemĂŒhte mich, den Kopf zu heben und die Kröte -oder erinnerte er doch mehr an ein Schwein- direkt anzublicken. Das gelang nach mehrmaligem Augenwischen. Ich schluckte zweimal heftig an dem Kloß im Hals -Frosch im Hals, Kloß vor Augen- ich schaffte es zu lĂ€cheln. Ich hatte mich wieder ausreichend im Griff.
„Und was kann man da machen?“ presste ich mutlos hervor. „Oh, wenn es gelingt, die Triggerfaktoren zu finden, dann bestehen Aussichten auf Heilung.“ Triggerfaktoren? Was war das nun wieder? Ich hasse diese Art Wissenschaftler. Viele Profs hatten diese großkotzige Tour drauf. Mit Fremdworten, die nur Spezialisten verstehen konnten, ihr Wissen zur Schau stellen (oder ihr Nichtwissen verbergen) und es nicht fĂŒr nötig erachten, dem unwissenden GegenĂŒber eine ErklĂ€rung abzugeben. Bei diesem arroganten Exemplar musste man Satz fĂŒr Satz betteln, bekam erneut unverstĂ€ndliches zur Antwort, mit herablassender Halbherzigkeit prĂ€sentiert, unweigerlich das GefĂŒhl erzeugend, man sei dumm es nicht zu wissen. Dreist auch noch die belĂ€stigende Frage gefragt zu haben.
Ich war ihm nicht gewachsen. Ich musste schleunigst das Weite suchen, mich irgendwo an den Rhein knallen und konzentrieren. Oder mich tierisch besaufen. Oder, egal, Hauptsache weg von dem Fettkloß. Der genoss, davon war ich jetzt ĂŒberzeugt, das menschliche HĂ€uflein Elend, das sich ihm da so jĂ€mmerlich darbot. Wie sonst ließ er mich jetzt bei der entscheidenden Frage wieder im Dunkeln sitzen? Triggerfaktoren. Ich verbot mir die Nachfrage. Es gab nur noch eines zu klĂ€ren, wie er sie suchen und finden werde. „Ja, ich sagte Ihnen ja, Stufendiagnostik. Da mĂŒssen weitere Bluttests gemacht werden. Finden wir sie nicht beim ersten Anlauf, dann vielleicht beim nĂ€chsten. Ich bedaure, sie auf die Folter spannen zu mĂŒssen. Aber ich muss Schritt fĂŒr Schritt vorgehen, sonst wirft mir ihre Kasse zu aufwendige Diagnostik vor. Das ist immer so, wenn man in neue Gebiete vorstĂ¶ĂŸt, da wird dann halt gebremst.“ Auf meine Kosten auch noch. „Aber so schnell sitzen sie ja noch nicht im Rollstuhl“ ich musste wĂŒrgen „das finden wir schon noch. Jetzt gehen sie nach unten und lassen sich wieder Blut abnehmen. In zwei Wochen sehen wir uns dann wieder.“ Stand wie vom Blitz geölt und hatte schon weisend die TĂŒr in der Hand. Ein fetttriefender Kugelblitz. Ich schaffte noch, ein mechanisches „Danke, Herr Doktor“ hervorzuzaubern, stĂŒrzte dann mit gesenktem Kopf an ihm vorbei in den Rezeptionsraum.
Die Sprechstundenhilfe erklĂ€rt gerade einer aufgebrachten Patientin, dass vier Stunden Wartezeit fĂŒr den Herrn Doktor wirklich nichts ungewöhnliches sei und sie ja schon die ÜbernĂ€chste. Ich schlĂ€ngle mich hinter der zeternden Ă€lteren Dame vorbei, hab die TĂŒr in der Hand und gehe wortlos nach draußen. Es ist hell und warm. Ich zittere vor dem Kontrast zu der gĂ€hnenden SchwĂ€rze in meinem Inneren. DĂŒsseldorf. Ich hasse diese Stadt sowieso. Wo war jetzt hier der Rhein? Kaiserswerther Straße, sinnlos in meinem Zustand zu versuchen, sich den Stadtplan zu vergegenwĂ€rtigen. Ein Wunder, dass ich es heute ĂŒberhaupt allein hergefunden habe. Weg, nur weg. Ohne viel nachzudenken gehe ich ĂŒber die Straße. Lautes Bremsen Quietschen, dann Gehupe „Blödes Arschloch“ brĂŒlltÂŽs aus weiter Ferne und hallt ohne Bezug in leeren GehirnhĂŒlsen eine Weile nach. Ich erreiche die andere Straßenseite, ein Zaun, ein Eingang, na, nicht gerade die Rheinwiesen, aber immerhin, ein Park. Irgendwo sitzen. Sammeln. Ich werde verrĂŒckt. Ist vielleicht auch besser so. Verdammt, das ist kein Park. Das ist ein Friedhof! Passt ja prima. ZufĂ€lle gibt es nicht. Mit bis an den Hals klopfendem Herzen stĂŒtze ich mich an einem bemoosten Grabstein ab und ringe nach Luft. Wo bin ich, wer bin ich, wie komme ich hier her, wo will ich hin? Ich versuche mich zu disziplinieren, Gedanken in ZusammenhĂ€nge zu ordnen. `Du bist im Arsch und gehst zum TeufelÂŽ schießt es mir durch den Kopf. Erneut fange ich an zu schluchzen, wĂ€hrend meine Beine nachgeben. Ich sitze, bevor ich weiß was mir geschieht. Und ohne noch einen klaren Gedanken fassen zu können holt er mich, mein Feind, der todesgleiche Schlaf, die ĂŒberwĂ€ltigende Ohnmacht, von der ich seit heute weiß, wie sie heißt, wo sie herkommt und was sie mit mir tun wird.

Das Gesicht an den feuchten Stein gelegt komme ich langsam wieder zu mir. Die Sonne blendet, sticht mir in die verquollenen Augen.
Wo bin ich? Ach ja. Scheiße. Ich schaffe es irgendwann, mich aufzurappeln, die Ampelanlage wahrzunehmen und schleppe mich, wie ein angeschossenes Viech zurĂŒck zur Praxis. Ein GlĂŒck, noch offen. Verdutzt schaut mich die Sprechstundenhilfe an als ich eintrete. „Herr Tripler! Ja wo waren Sie denn? Sind Sie gefallen? Ihr Gesicht ist ja ganz schmutzig.“ Hilfsbereit kommt sie mir entgegen und wischt mir mit irgendwas durchs Gesicht. War wohl der Grabstein. Vom Tode gezeichnet. TrĂ€nen dringen in die Augen, ich beherrsche mich. „Gehen Sie doch schon mal nach unten. Der Doktor sagte, Sie mĂŒssen das Formular noch unterschreiben, es liegt auf dem Tisch. Ich komme dann gleich.“ Ich taumle nach unten. Formular? Ich greife nach dem engbedruckten grĂŒnen Zettel. Versuche zu lesen, keine Chance. Sinnlos tanzen die Buchstaben vor meinen Augen. Bei dem musste man aufpassen, soviel war mir noch im Kopf geblieben vom ersten Besuch. Da sollte ich einen Zettel unterschreiben, dass er bis zum sechskommafĂŒnffachen Satz abrechnen könne. Gott sei Dank hatte mich mein Stiefvater damals hergefahren und als Versicherungsmensch gleich erkannt, dass das von keiner Kasse reguliert werden wĂŒrde. Ich unterschrieb es also nicht, ließ irgendwelche blödsinnigen ErklĂ€rungen des Fettklops ĂŒber mich ergehen, blieb aber dabei: Selbst konnte ich es nicht zahlen, ich hatte ja sogar schon den vierzehn Stunden Job in der Uni geschmissen. Woher nehmen, wenn die Kraft zum Stehlen fehlte? Letztlich lenkte er ein und zeichnete die AbĂ€nderung auf den ĂŒblichen zweikommafĂŒnffachen Satz widerwillig gegen.
Musste mir halt die Schwester erklÀren, was drin stand in dem Formular.
Tat sie auch, als sie nach endlos erscheinendem Warten herabkam. „Hat was lĂ€nger gedauert. Haben Sie schon unterschrieben?“ „Ich verstehÂŽs nicht. Was steht denn drin?“ „Dass Sie wissen, dass ihre Kasse das möglicherweise nicht zahlt. Aber das betrifft ja nur die normalen Patienten, Herr Tripler. Sie sind doch privat, da gibtÂŽs eigentlich keine Probleme. Reine Formsache.“ Warum sollte sie lĂŒgen? Bei den paar Mark fĂŒr den scheiß Job, kein Grund. Ich unterschrieb. Blut wurde abgezapft. Bald wĂŒrden die Einstichlöcher am Arm zu meinem geisterhaften Schattengesicht passen.
DĂŒster malte sich ein Bild: Der nĂ€chste Straßenbulle wĂŒrde mich auf harte Drogen filzen. Passierte eh schon oft genug, dass ich am Neumarkt von den Kaputtnicks angehauen wurde, ob ich nicht was kaufen wolle. Na, wĂŒrde bald aufhören, wenn ich verkrĂŒppelt und mit irren Augen im Rollstuhl sĂ€ĂŸe. Ein Schauer lief mir den RĂŒcken hoch und hĂ€mmerte an die SchĂ€deldecke. Wieder dieser betĂ€ubende Kopfschmerz. Aber das HĂ€mmern war kurz. Wie ein Spuk entwich es als TrĂ€nen durch die geröteten Augen. „Tschuldigung“ murmelte ich. „Das macht doch nichts, Herr Tripler, wir alle haben mal einen schlechten Tag.“ Sie klebte einige Schildchen auf diverse Röhrchen. Erst dann entnahm sie die KanĂŒle, drĂŒckte mir ein Pflaster in die Hand und entließ mich.
An der Rezeption machte ich einen Termin aus und ließ ein Taxi bestellen. An RĂŒckfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln war nicht zu denken. Ich musste dringend, am besten sofort schlafen. Schlafen! Warum hatte ich bloß darauf bestanden, alleine her zu fahren? Stolz, der blöde Stolz. Den konnte ich mir kĂŒnftig getrost abschminken. Ich musste niemand mehr beweisen, wie schlecht es mir ging. Jetzt, nach Jahren zunehmender QuĂ€lerei und ergebnislosem Hinz und Kunz Gerenne, endlich, jetzt gab es eine Diagnose. Jetzt hatte die Krankheit einen Namen: NervenentzĂŒndung. Rollstuhl. Davor konnte man Respekt haben. KĂŒnftig wĂŒrde ich mir mehr helfen lassen dĂŒrfen. Paradoxerweise war ich nach der endlosen Ungewissheit froh ĂŒber die fatale Diagnose. Da weiß man, was man hat. Gute Nacht.
Ich wankte nach draußen, setzte mich auf die Stufe am Eingang. Endlich das Taxi. Guckt erst misstrauisch durch grĂŒn getönte Scheiben, als wollte er mich nicht reinlassen, von wegen der ganzen ÜberfĂ€lle neuerdings. Wer saß auch schon leichenblass am Straßenrand und war noch als MitbĂŒrger ernst zu nehmen? „Wohin? Nach Köln?“ „Ja, kennen se dat ÂŽn nichÂŽ?“ erwidere ich sĂ€uerlich. DĂŒsseldorfer, alles Dorftrottel. „Över de A-nĂŒngefuffzich noh Kallek. Ich sach Ihnen dann wo et lang jeht.“ Ich legte meine ganze BAP-geschulte Kölschkenntnis in jedes Wort. Der Fahrer wusste ja nicht, dass ich selbst ursprĂŒnglich aus DĂŒsseldorf kam. Um so mehr genehmigte ich mir, die kĂŒhle HochnĂ€sigkeit der meisten seiner Bewohner zu verachten. Im Gegensatz zu den gĂ€ngigen Vorurteilen der Kölner gegen die DĂŒsseldorfer (und umgekehrt) wusste ich wenigstens, wovon ich sprach, bildete ich mir ein. Ich schloss die Augen und war Sekunden spĂ€ter wieder in bleiernes Koma gestĂŒrzt.
Irgendwann rĂŒttelte mich der Fahrer zurĂŒck in eine nur schemenhafte RealitĂ€t, lĂ€sst sich lotsen und hĂ€lt schließlich vor der schrottigen Behausung Markt 28, Köln Kalk. Sozialbau im sozialen Brennpunkt, Student mit Taxi aus DĂŒsseldorf. „Hundertsechunddreißigachtzig.“ Ich gab ihm einhundertfĂŒnfzig und ließ mir nur den Zehner zurĂŒckgeben. Noch eine ganze Woche bis zum nĂ€chsten ersten, das konnte sowieso nicht reichen. Irgend jemand wĂŒrde ich anpumpen mĂŒssen. Aber wie sollte ich je zurĂŒckzahlen? Ich war geliefert, fertig mit der Welt.
Ich fand, wie ein Besoffener viel zu lange am SchlĂŒsselbund tastend, den richtigen SchlĂŒssel, drĂŒckte mit allerletzter Kraft die HaustĂŒre auf, die mir vorkam, als wĂ€re sie aus Blei. Fuß um Fuß schlurfte ich mĂŒhsam nach oben. Der dritte Stock war unerreichbar weit, mehrfach legte ich Verschnaufpausen ein. Irgendwann fiel ich endlich wie ein Stein auf mein Bett, schaffte es noch die Schuhe abzustreifen, merkte, wie die TrĂ€nen ĂŒber meine Wangen rannen und starb. Jedenfalls fĂŒhlte es sich so an wie sterben. Und wenn ich schon nie mehr aus diesem Alptraum aufwachen konnte, so schien mir das jetzt der geeigneteste Ausweg. Einfach sterben. Wegtaumeln, hinĂŒber in dieses grauschwarze Nichts, das mir vertrauter denn je vorkam. Nicht mehr wiederkehren mĂŒssen in einen Tag, dessen Anforderungen beim besten Willen nicht zu bewĂ€ltigen waren.
Sterben verlor seinen Schrecken.

Das Telefon klingelte. Lange. Hört das denn nie auf? Mechanisch nahm ich den Hörer ab und krĂ€chzte ein heiseres „Ja?“ hinein. Nur schubweise materialisierte ich mich in dieser Welt, die gefĂŒhllos und abweisend war, wie das kalte Plastik des Hörers an meinem Ohr. „Hallo, Anette hier, gehtÂŽs Dir schlecht?“ dröhnte es vom anderen Ende der Leitung, wie aus einer anderen Welt. Durch pulsierende Nebelschleier, die mein Gesichtsfeld beengten, versuchte ich den Wecker zu erkennen. Es gelang mir aber erst nachdem ich mich schwer atmend aufgerichtet hatte, die Uhrzeit abzulesen. Die Welt um mich rum schwankte sacht, kaum greifbar, wie der Boden in der Kuppel eines barocken Schlosses, der an Stahlseilen hĂ€ngt. Mit zusammengekniffenen Augen erkannte ich einundzwanzig Uhr zweiunddreißig. „Tobias?“ drang Anettes Stimme zu mir durch. Ich hatte den Hörer in meiner Hand schon fast vergessen. „Ja, hast mich geweckt.“ Ich hatte wieder einigermaßen Orientierung gefunden.
BruchstĂŒckhaft kehrte blasse Erinnerung zurĂŒck, kulminierte in scheußlichem Alarmrot: Hilgens. Rollstuhl. Ich versuchte den anschwellenden Kloß in meinem Hals runter zu schlucken. „Soll ich rĂŒberkommen?“ fragte Anette besorgt. „Ja“ erwiderte ich matt, schon wieder kraftlos ins Bett zurĂŒck gesunken, in pelzige schwarze Schatten, die nach mir griffen, mich hinabzogen in die Ohnmacht.
Dann ein wohliges GefĂŒhl. Entspannung der Halsmuskulatur, mein Kopf fĂŒhlt sich ungewöhnlich leicht an, zu leicht, schwebend in Unendlichkeit, unendlich leer. Das Licht, das durch einen Liedspalt eindrang, blendet. Eine Hand streichelt meinen gemarterten Kopf, daher also die Entspannung. Bewusstsein flackert auf, wie bei einer altersschwachen Neonröhre, Anette. „Anette?“ „Ja mein Kleiner“ sagt sie in einem Tonfall, als spreche sie wirklich mit einem Kleinkind. Das Ă€rgert mich. Wenn schon umnachtet, so doch noch immer ein Ganzes! Wut steigt auf, bringt die zĂ€hen Gedanken in Fluss. Ach ja, Hilgens, der Fettsack. Blinzelnd öffne ich die Augen. „Kannst Du mal das Licht dimmen?“ bringe ich patzig hervor und schlucke an dem Kloß, der auf die TrĂ€nensĂ€cke drĂŒckt. KontinuitĂ€t ist wieder hergestellt, ich weiß wer, was, wo. Anette kommt zurĂŒck, setzt sich zu mir. Ich rĂŒcke ein Kissen zurecht, rapple mich auf, lehne mich an die immer kĂŒhle Betonwand und schau Anette schlaftrunken an. Sie lĂ€chelt. Das schmale Persönchen in ihrer unauffĂ€lligen grauen Baumwolljacke. Irgendwo im TrĂŒben leuchtet Freude auf, dass sie da ist, dringt aber nur als Ahnung durch, nur ein Schatten ihrer selbst. „Du siehst aus, als wĂŒrdÂŽste gleich krepieren, ganz grĂŒn.“ „FĂŒhl mich auch so.“ „Kann ich was tun?“ „Weiter kraulen.“ Anette lĂ€chelt, zieht die Beine hoch aufs Bett und rutscht nĂ€her an mich ran. Mit Mitleidsblick streicht sie mir durchs kurz geschorene Haar. Ich schließe die Augen, werde von einem Strudel erfasst, der mich tiefer in die Farblosigkeit saugt.
„Was war denn beim Arzt? Was Neues?“ Ich fasse mich, öffne die Augen. Ich ordne den wirren Gedankenwust, der mit aus der Tiefe hochgeschwemmt wurde, so gut es geht und erstatte Bericht. Als ich das Wort `NervenentzĂŒndungÂŽ ĂŒber die Lippen schiebe, breche ich in TrĂ€nen aus. Schluchzend vergrabe ich meinen Kopf an Anettes Brust. Ihr Arm umschließt meinen Kopf und versucht ihm halt zu geben. Zu dĂŒnn, zu schwach, es gibt kein Halten, ich huste mehr, als dass ich schluchze. Habe mich verschluckt, huste wie asthmatisch, kriegÂŽs nicht raus. Anette klopft mir auf den RĂŒcken, reicht mir wortlos ein Taschentuch, dann die Wasserflasche. Die angestrengten Falten, die sich wĂ€hrend meines Berichtes zusehends verstĂ€rkten, verharren wie versteinert auf ihrer Stirn. Was das bedeute, eine NervenentzĂŒndung, fragt sie, Unheil ahnend. „Rollstuhl. Matsche in der Birne, finito, kaputto.“ TrĂ€nen lassen meine Sicht verschwimmen. Die Erinnerung verblasst, der Faden reißt, gibt mich frei zum Fall durch eine schier endlose Leichenstarre, unfĂ€hig, Glieder zu bewegen, oder nur den Gedanken daran, Glieder zu haben, festzuhalten.

Irgendwann wache ich schweißgebadet auf, wende mechanisch die Bettdecke.
Igitt, auch die andere Seite ist völlig durchgeschwitzt. Wer weiß, wie oft ich das Teil heute Nacht schon von einer auf die andere Seite gedreht habe. Weiterschlafen. Keine Chance, viel zu nass, auch die Matratze.
Aufstehen, duschen, T-Shirtwechsel, Bettzeugwechsel, HandtĂŒcher unterlegen. Routine meiner pechschwarzen NĂ€chte, schlaflos im Koma, ohne Aussicht auf einen erholten Morgen, jetzt endlich wissend, was es ist, eine NervenentzĂŒndung. Dem Wort folgt keine Emotion, ich bin stumpf. „Rollstuhl“ sage ich testweise halb laut. Nichts, außer Groll, der dumpf angedonnert kommt. Ist mir doch scheiß egal, spricht es irgendwie aus mir raus.
Unter der Dusche frage ich mich nach der Uhrzeit. Muss schon morgens sein, murmele oder denke ich, habe irgendwie registriert, dass es draußen schon hell ist. Stolpere dann halb nackt in die KĂŒche, um Kaffee zu kochen, bleibe einen Moment wie vor den Kopf geschlagen stehen. Anette sitzt am FrĂŒhstĂŒckstisch. „Na, endlich wach?“ sie versucht ein unbeschwertes Gesicht zu machen, es missrĂ€t ihr zur Grimasse. „Warst du die ganze Nacht hier?“ Nein, als sie schließlich einsah, dass mit mir nicht mehr zu rechnen war, sei sie nach hause gegangen. Jetzt warte sie seit elf. „Elf?“ Herr Gott, wo war die Zeit geblieben? „Nein, jetzt ist es fast eins.“ korrigiert sie mich. Ihre hellbraunen Augen folgen mir traurig, als ich mich auf den Stuhl fallen lasse. „HabÂŽ schon mit Rene und Moni gesprochen“ erzĂ€hlt sie. „Weiß schon Bescheid, jedenfalls ungefĂ€hr. Kaffee?“ Ich nicke. Wieso, Rene und Moni, mit denen hatte ich doch noch gar nicht gesprochen. „Doch, die haben dich irgendwann abends angerufen und ausgequetscht, aber auch nicht viel mehr erfahren, als was du mir gestern Abend vorgebrabbelt hast. Sie sieht mich mitleidig an, fĂ€hrt dann im Referatsstil fort: „Wir haben natĂŒrlich heute sofort mit dem Arzt gesprochen. Der meint, so schlimm sei das alles nicht und hat vorgeschlagen, jetzt schon mit der Behandlung anzufangen.“ Ich versuche, mir zu vergegenwĂ€rtigen, was der Kloß gesagt hatte.
Irgendwas schien widersprĂŒchlich, aber ich kann es nicht greifen. Statt dessen greife ich nach der Kaffeetasse, verschĂŒtte aber mit zittriger Hand unweigerlich einen Teil auf dem schĂ€bigen PVC-Boden. „Tschuldigung“ haucht Anette „ich sollte die Tasse nicht so voll machen.“ Wut wallt in mir hoch, fasst springe ich auf, brĂŒlle: “Noch bin ich ich! Verdammte Scheiße! Als ob ich ÂŽne Schnabeltasse brĂ€uchte ...“ der Rest geht undeutlich in TrĂ€nen und Seufzen unter, die Wut entschwindet in den schwach rötlich glimmenden, gedankenleeren GehirngĂ€ngen. „Der Arzt sagt, die Behandlung sei ohnehin fĂŒr alle gleich“ knĂŒpft Anette an mit dĂŒnner Stimme, in der deutlich fĂŒhlbar Verunsicherung mitschwingt. Ein Gedanke leuchtet auf und meldet: Widerspruch, Achtung. Wenn ich mich doch nur kurz richtig konzentrieren könnte. „Hörst du mir zu?“ fragt sie. Jetzt fĂ€llt mir auf, dass ich zusammengekauert auf meinem Stuhl hocke, zusammengeklappt, wie eine Stoffpuppe ohne RĂŒckrat, den Oberkörper an die Beine gepresst, den Kopf zwischen den Knien. Ich richte mich auf, sehe durch feuchte TrĂ€nenschleier auf Anette, die mir viel zu blass und schwĂ€chlich erscheint, mein Leid zu teilen. „Rene sagt, da gibt es Probleme. Die Medikamente wird die Kasse wohl nicht zahlen. Moni hat im Brockhaus nachgesehen, bei NervenentzĂŒndung stehen ganz andere Sachen, als du hast. Ich finde, du musst noch zu einem anderen Arzt. Aber schnell.“ Ich stimme nickend zu, ohne die Einzelteile zu einem Bild verknĂŒpfen zu können. Was das fĂŒr Medikamente seien, will ich wissen. Der Hilgens habe gesagt, die seien zur StĂ€rkung deines Immunsystems. „Der Arzt von Deiner Mutter, wie heißt der noch, hat gesagt, in dieser Kombination und Dosierung nicht ungefĂ€hrlich. Da kommt der Vorschlag her, einen Neurologen aufzusuchen.“
Ach, Anette, Engel meiner schwarzen HandlungsunfĂ€higkeit. Dankbar versuche ich ein LĂ€cheln. „Habt ihr ja schon wieder alles gecheckt, ihr SĂŒĂŸen, was wĂ€re ...“ „Lass mal stecken“ fĂ€hrt sie mir abwehrend ĂŒber den Mund. Anette ist mit mir weder verwandt, noch bin ich ihr Lebenspartner. Das war mal. Aber seit es mir so richtig dreckig geht sorgt sie fĂŒr mich, wie eine treue Schwester. Ohne ihr aufopferungsvolle Bereitschaft auf Kosten ihres Studiums fĂŒr mich einzukaufen, zu kochen, meine Korrespondenz zu erledigen, waschen und was weiß ich noch alles, ich wĂ€re bereits erledigt. Dabei weiß sie genau, dass wir deshalb nicht wieder zusammen kommen werden, denn da gibt es ja die kleine Maiko, meine sĂŒĂŸe Japanerin, die mich bald besuchen kommt. Und die von nichts eine Ahnung hat. Ich sehe TrĂ€nen ĂŒber mein ausdruckloses Gesicht rinnen, dass sich schemenhaft im KĂŒchenfenster spiegelt. Draußen frĂŒhlingsgraues Nieselwetter. Mich fröstelt es, ich taste nach der Heizung, die ist aber bullig heiß, meine Hand zuckt schnell zurĂŒck. Die KĂ€lte ist in mir. „Habt ihr schon ÂŽnen Termin?“ frage ich. „Nein“ entgegnet Anette. Tilge, der Arzt meiner Mutter, habe zwar die Neurologische der DĂŒsseldorfer Uni empfohlen, „aber Moni meinte, das sollen wir besser dir ĂŒberlassen, ob du noch mal so weit fahren willst.“ Was soll das heißen `noch malÂŽ? Ich Ă€ußere den makaberen Gedanken nicht. Wie er denn hieße, der Prof dort, will ich wissen.
Eines hatte ich bereits ĂŒber Ärzte begriffen: Ärzte waren sehr unterschiedlich, was ihre Willigkeit anbelangte, dem Patienten ĂŒberhaupt zu zuhören. Allzu oft standen materielle ErwĂ€gungen im Vordergrund, simple SachzwĂ€nge. FĂŒrs Reden gab es nicht viel abzurechnen, aber die großen, teuren Maschinen, die mussten unbedingt laufen. Am besten besetzt mit Privatpatienten, denn da bekam man den zweikommadreifachen Satz vom Normalsterblichen. Sprich: einmal die Kiste angeworfen und zweieinhalb Untersuchungen abgerechnet. Das machte sich bezahlt. Wen interessierten da schon Vorergebnisse oder was der Patient zu sagen hatte? In meinem Fall gab es aber viel zu erzĂ€hlen. Von all den Voruntersuchungen, der jahrelangen wellenförmigen AbwĂ€rtsbewegung, meiner Sorge, man werde mir mangels klinischen Befundes eine Geistesstörung anhĂ€ngen. Kaum ein Arzt war da bereit zu leisten, was nötig war, man war diesen Apparatschicks hilflos ausgeliefert. Und Empfehlungen fĂŒr Ärzte taugten im allgemeinen so wenig, wie die Empfehlung eines guten Restaurants durch einen Mensafraß gewöhnten Studenten. Also betrieb ich seit einiger Zeit eine Art willkĂŒrliche Namenskunde. Assoziierte ich mit dem Namen etwas Positives oder wenigstens nichts eindeutig Schlechtes, dann kam der Spezialist in Betracht. Höchst unwissenschaftlich, wie mir mein innerer Logiker immer wieder vorhielt, aber es war ohnehin ein Spiel mit dem Zufall. Anette kannte das Spiel mit den Namen, sie wusste auch sonst alles von mir. „Ich check das, frĂŒhstĂŒck du erst mal.“ Anette verschwindet ins Wohnzimmer, wĂ€hrend ich auf einem faden KĂ€sebrot kaue und mich versuche zu erinnern, was alles gegen den Fettsack spricht. In jedem Fall musste eine Zweitmeinung her, das war ohnehin klar. Vor allem, wenn wir die Medikamente selber zu tragen hĂ€tten. „Wie viel sollen die Pillen denn kosten?“ rufe ich ins Wohnzimmer, stelle dann aber fest, dass Anette bereits jemand an der Strippe hat und spricht.
Nach einer Weile kommt sie zurĂŒck in die kleine KĂŒche, die gerade so eben einem Tisch fĂŒr zwei Personen Platz bietet. Sie bleibt neben mir stehen, streicht mir sanft durchs Haar. „Siebenhundert etwa. Nicht Pillen, Injektionen, jede Woche drei. Siebenhundert im Monat, Bezahlung des Arztes und Kontrolluntersuchungen nicht mitgerechnet.“ Ich sehe sie erstaunt an, Anette zuckt ratlos mit den Schultern und schlĂ€gt die Augen nieder. Siebenhundert-Mark-im-Monat. Das war viel Geld, wenn man wie ich nicht arbeiten konnte. „Tröster. Professor Tröster. Der Neurologe in D-doof.“ wechselt sie das Thema. „Tröster in der Not, trifft sich gut. Nomen est Omen. Den nehme ich.“ sage ich erleichtert. Das vereinfachte die Dinge, hĂ€tte ja auch Schelm oder so heißen können. „Dachte ich mir, habÂŽ gleich ÂŽnen Termin fĂŒr morgen um eins gemacht. Nimmt nur privat. HabÂŽ es tierisch dringend gemacht. Ist es ja wohl auch.“ sie verschluckt den letzten Satz halb. „Meinst Du, du kannst alleine hin, ich habÂŽ morgen Nachmittag ÂŽne wichtige Vorlesung. Dat darf ich einfach nicht verpassen, der Schwachkopf fĂŒllt selbst `ne Anwesenheitsliste aus.“ Ich nicke kraftlos. Ich will nur wieder ins Bett. Lieber die Leere, als dieses nicht zu verarbeitende Informationschaos. Dunkelheit umfließt mich zĂ€h.

Nachmittags wache ich auf und rufe Rene, meinen Stiefvater, an. Ich erklÀre ihm eindringlich, wie wichtig es ist, dass gerade er mitkommt zu Professor Tröster.
Denn es gab eine große Gefahr bei der Feststellung von CFS, dem chronischen MĂŒdigkeitssyndrom, die Erkrankung, an der ich möglicherweise litt: Konventionelle Ärzte verharmlosten das oder behaupteten gar, es gĂ€be gar kein CFS. Und das, obwohl ich es kĂŒrzlich sogar schriftlich von der Weltgesundheitsorganisation bestĂ€tigt bekommen hatte. Die Welt wusste, es gab diese schwere Erkrankung ohne erkennbare Ursache, die die Betroffenen schlichtweg Schach matt setzte. Die Krankheit war international anerkannt, hatte eine Indexnummer und einen klar umrissenen Kriterienkatalog. Aber bis in die Köpfe der Ärzteschaft war dies freilich noch nicht vorgedrungen. Allzu gern verlief die Diagnose so: Organisch gesund, dann muss der Patient eine psychische Erkrankung haben. Was sonst? Eine gefĂ€hrliche Tautologie, wie mich ein Forscher von der Uni-Hamburg in einem Telefonat aufgeklĂ€rt hatte. Da gehe es gar nicht um den Kranken, hatte er erlĂ€utert, sondern um eingefleischte BesitzstĂ€nde. Man stelle sich mal vor, ein Teil der angeblich Depressiven (die man meist mit stimmungsaufhellenden Pillen sĂŒchtig machte, damit sie funktionstĂŒchtig blieben), wenn da massenhaft Fehldiagnosen dabei wĂ€ren. Nicht auszudenken! Die waren vielleicht gar nicht an der Psyche erkrankt, sondern hatten CFS. Unvorstellbare Folgen, Schadenersatz und so. Deshalb werde da gemauert ohne Ende. Das klang einleuchtend. Ärzte wie Hilgens, die an eine behandelbare Ursache glaubten, wurden von dieser eingeschworenen Interessengemeinschaft um so mehr verspottet. Summa Summarum, es war also nicht ganz ohne, mit einer von Hilgens diagnostizierten NervenentzĂŒndung als Ursache fĂŒr meine chronische Erschöpfung zu einem Neurologen zu gehen.
Rene gab schließlich nach. Obwohl er eigentlich im BĂŒro hĂ€tte sein mĂŒssen, stimmte er zu, mich zu fahren und mein Zeuge zu sein. Ich erwischte ihn zwar mit keinem der wissenschaftliche Argumente, dafĂŒr aber mit einer persönlichen Sache. Er sei doch der geborene Zweifler. Und er sei es schließlich, der am tatsĂ€chlichem Vorliegen meiner Erkrankung zweifle, das hatte er mal deutlich geĂ€ußert. Ob ich nicht einfach ĂŒberarbeitet sei, hatte er nahegelegt, denn schließlich machte ich ja ein anstrengendes Studium. Und so ganz jung sei ich ja auch nicht mehr. Damit lag auch Renes Denke auf der Psychoschiene. Wenn, so argumentierte ich ihm gegenĂŒber, der Professor Tröster nun Hilgens Diagnose fĂŒr Unsinn erklĂ€rte, da wĂŒrde das Rene ihm doch abnehmen. Sollte aber selbst er den Professor fĂŒr fragwĂŒrdig halten, das wĂ€re so gut wie ein Beweis. Und deshalb sei er mein bester Zeuge dafĂŒr, ob der Mann vertrauenswĂŒrdig war oder nicht. Und schließlich sei er es, an dem die finanzielle Last meiner Behandlung letztlich hĂ€ngen bleiben wĂŒrde, bei Monis schmaler Rente.
Meine Sorge war nicht unbegrĂŒndet. Mir waren auf der jetzt bei sich stetig verschlechterndem Gesundheitszustand bereits zwei Jahre dauernden Odyssee Ärzte untergekommen, die gehörten an den Pranger gestellt oder am besten gleich zur Zwangsarbeit in den Steinbruch. Einer hatte nach endlosen Blutuntersuchungen, die ausnahmslos alle normwertige Befunde gebracht hatten, gemutmaßt, da ich doch so oft nach Asien gereist sei, hĂ€tte ich vielleicht ein `Chronisches JetlackÂŽ und mich dabei schĂ€l durch seine verschmierte Brille angegrinst. Es hatte eine Weile gedauert, bis ich mir das Wort zum wiederholten Male auf der Zunge hatte zergehen lassen: Chronisches Jetlag und endlich begriff ich, dass mich da jemand fĂŒr dumm verkaufte.
Na ja, aber wenn Rene den Tröster als vertrauenswĂŒrdig einstufen sollte, dann wĂŒrde ich mich auch nicht lĂ€nger weigern einen Seelenklempner aufzusuchen. Damit hatte ich ihn, er erklĂ€rte sich sofort bereit, mich am anderen Tag nach DĂŒsseldorf zu fahren.

Schmerzlich wurde ich des GefĂŒhls seiner geschĂ€ftsmĂ€ĂŸigen Distanziertheit gewahr. Ich verstand ihn ja. Ihn und all die anderen, bei denen das Vertrauen in meine geistige Unversehrtheit unaufhaltsam bröckelte. Irgendwann wĂŒrden die alle glauben, ich hĂ€tte einen am Rad, malte ich mir aus. Selbst meine Mutter hatte neulich mal im besoffenen SchĂ€del eins und eins zusammengerechnet, wie sie sich ausdrĂŒckte. Die ganzen Asienreisen. Drogen und immer was anderes sein wollen, nur nicht normal. Und dieses furchterregende Götzenbild, was das denn da solle?
Rene schoss mit ĂŒber zweihundert die dreispurige A 46 lang. Er war der einzige, bei dem ich mich bei solchem Tempo sicher fĂŒhlte. Ich kannte ihn lange, seit ich zehn war. Er hatte mir das Fahren, das richtige Fahren, wie man es in der Fahrschule nicht lernt, beigebracht. FĂŒr hohes Tempo bedurfte es einer gewissen fließenden Vorausschau, das hatte ich von ihm gelernt und war nach wie vor der einzige, von dem er sich gelegentlich chauffieren ließ. Heute hatte er meinen Wunsch, den neuen BMW fahren zu dĂŒrfen, schroff abgelehnt. BegrĂŒndet damit, dass es mir nicht gut gehe, aber zu deutlich schwang das Misstrauen gegen den möglichen Psychopathen im Hintergrund mit.
Oder redete ich mir all das etwa nur ein? Wie lange wĂŒrde ich diese innerliche Anspannung noch aushalten, bis es mich tatsĂ€chlich zerriss? Auch an mir nagte der Zweifel, am Selbstbewusstsein, an dem Vertrauen auf die eigene Wahrnehmung. Mir fiel Goa wieder ein, Indien, das Shivabild, das meine katholische Mutter so abschreckte. Dabei hing es da unbeachtet an der Wand ohne eine weitergehende Bedeutung. Der kann mir auch gestohlen bleiben, ich scheiß auf alle Götter. Und die Menschen. Und erst recht Ärzte. Aufs Leben. Ich war ĂŒbel aufgelegt an diesem Vormittag.
Der Wagen rauschte in den Tunnel, Rene war vom Gas gegangen, so dass wir mit ausreichend reduziertem Tempo Richtung Uniklinik ausfahren konnten, dann mit guten sechzig ĂŒber die grĂŒne Ampelkreuzung rollten. Ohne einmal zu Bremsen von Hilden bis hier her, alles nur mit Motorbremse. Er hatte es einfach drauf. Wenn man die Augen zu machte und nicht heimlich die GĂ€nge mitzĂ€hlte, es war kaum das hohe Tempo zu bemerken, so reibungslos konnte Rene durch den Verkehr gleiten. Ein Blick zur Seite auf den Mann mit der großen Nase, den ich wirklich schĂ€tzte und gern mochte, da ĂŒberfiel es mich wieder, die Distanz und ihre Einsamkeit.
Rene suchte bereits einen Parkplatz. Mein Puls begann zu rasen. Panik breitete ihre zappelnden FlĂŒgel aus, mein Bauch rumorte. Wie sollte ich denn in dieser Stimmung einen Arzt davon ĂŒberzeugen, dass ich ein völlig normaler MitbĂŒrger bin? Ich fĂŒhlte mich, wie vor einem letztinstanzlichen Urteilsspruch, der bereits unumstĂ¶ĂŸlich feststand, lediglich mit der Galgenfrist der letzten Worte des Angeklagten um Minuten aufzuschieben.
Am Pförtner vorbei, quer ĂŒber den von roten Backsteinbauten dominierten trostlosen Innenhof gingen wir schweigend zur RĂŒckseite des Gesundheitsmolochs. Am anderen Ende markierte ein Monstrum von Hochhaus aus Stahl und Glas das Ende des Klinikbereiches, dahinter begannen schon die schlichten VerwaltungsgebĂ€ude der UniversitĂ€t. Irgendwas von Nuklear- und Strahlenmedizin stand auf einem Schild, das mir ins Auge gefallen war, aber ich war zu sehr mit mir selbst beschĂ€ftigt, um intensiv auf meine Umwelt zu achten. Es ging ĂŒber Aufzug und feindliche Korridore zunĂ€chst in die falsche Richtung, zurĂŒck in einen anderen Trakt, dann endlich saß ich bei der Vorzimmerdame von Professor Tröster, um ihr meine Daten zu diktieren. Rene wartete draußen und las Zeitung, als ich wiederkam und mich zu ihm setzte. Dann ging er mit mir zusammen durch eine schwere, von Innen gepolsterte TĂŒr in das Arbeitszimmer von Professor Tröster.
Ich war mit Herzklopfen als erster eingetreten und streckte ihm meine Hand entgegen. Er, etwa Mitte fĂŒnfzig, grauhaarig, GesichtszĂŒge Marke Wissenschaftler, wich an mir vorbei und begrĂŒĂŸte meinen Stiefvater. „Setzen sie sich“ forderte er uns höflich auf, nachdem er bereits wieder halb hinter den gewichtigen Aktenbergen seines Schreibtisches verschwunden war, mich dabei weitestgehend ignorierend. Steif setzte ich mich auf den ungepolsterten Plastikstuhl neben Rene und bereitete mich darauf vor, wie ich möglichst knapp und strukturiert mein Leiden schildern sollte. „Ich habe ihrer Tochter ja schon am Telefon gesagt“ setzte der Mann mit Richterstimme ein „ein CFS gibt es nicht.“ „Habe ich ja auch nicht“ fiel ich ihm ins Wort „ich habe eine NervenentzĂŒndung.“ „Sie haben keine NervenentzĂŒndung.“ erwiderte er etwas sĂ€uerlich. „Wie können Sie das denn feststellen?“ fragte ich gereizt, es kotzte mich an, wie da jemand wider besseren Wissens behaupten konnte, es gĂ€be kein CFS und jetzt, quasi per Augendiagnose, noch die mĂŒhsam erhobene Diagnose von Hilgens kippen wollte. „HĂ€tten Sie eine, dann wĂŒrden Sie nicht so aussehen.- Und das hier“, er kramte in den Untersuchungsbefunden, die ich vorher seiner SekretĂ€rin ausgehĂ€ndigt hatte, „das ist alles Unsinn.“ Dann wandte er sich wieder Rene zu, sah ihm eindringlich in die Augen. Seine Augenbrauen bewegten sich stĂ€rker als seine Lippen, als er weiter sprach „Herr Tripler, Sie sind der Vater, nicht wahr?“ „Stiefvater, Schulz, mein Stiefsohn heißt Tripler.“ „Herr Schulz, ihrem Sohn fehlt organisch nichts. Das legt nahe, dass es sich um eine Störung des Geistes“ er betonte das Wort eigenartig „handelt. Das kann man heute sehr gut mit Medikamenten behandeln.“ „Ich nehme keine Rosapillen“ warf ich genervt ein, schließlich ging es hier um mich. „So?“ mit sĂŒffisantem LĂ€cheln strahlte mich der Weißkittel an und schob den Oberkörper nach vorne. „Und wie wollen Sie dann mit den Anforderungen fertig werden?“ Sie Idiot, hatte er zwar nicht gesagt, aber mit einem pikierten KopfschĂŒtteln und verstĂ€rkt lĂ€chelnder Fratze dennoch klar genug ausgedrĂŒckt. „Gar nicht“ erwiderte ich so gelassen ich konnte. „WennÂŽs gar nicht geht, dann verzieh ich mich auf meinen Berg in Indien und werde Mönch.“ Das war mein voller Ernst. „Jedenfalls nehme ich keine Happypillen, die nur das Symptom, aber nicht die Ursache ...“ Die merklich zuckenden Augenbrauen unterbrachen mich. Wie er denn heiße, mein Berg, hakte er nach. TatsĂ€chlich wusste ich das nicht. Es war eben der Berg am Ende des P.-Tales, wo es auf viertausendsiebenhundert Meter Höhe eine heiße Schwefelquelle gab, die gemĂ€chlich in einen Granitsteinpool plĂ€tscherte.
An diesem idyllischen Platz hatte ich mal zusammen mit Anette ein paar Tage im Pilgerhaus in Gesellschaft der indischen Wanderasketen verbracht. Wir haben seit damals immer scherzhaft gesagt `wennÂŽs gar nicht mehr weiter geht, dann wissen wir, wo wir hinmĂŒssenÂŽ so ĂŒberirdisch ĂŒberwĂ€ltigend hatte dieses Kleinod der Naturgewalten auf uns gewirkt. Ich weiß nicht, wie der heißt“ sagte ich wahrheitsgemĂ€ĂŸ. Frech fĂŒgte ich hinzu „Das muss ich auch gar nicht. Und wenn ich es tĂ€te, wĂŒrdÂŽ ich Ihnen das nicht sagen.“ „Er hat eine Psychose, schon nach der Schilderung der Symptome durch ihre Tochter, eine Schwerste.“ Im Ton seiner an Rene gerichteten Worte klang ein hĂ€nderingender Appell an. Die Augenbrauen wippten wie verrĂŒckt. „Man sollte ihn am besten sofort einweisen.“ Mir stockte der Atem, regungslos hockte ich mit verkrampftem Nacken auf dem ungemĂŒtlichen Plastikstuhl. „Aber ich halte mehr von Bonn. Venusberg, die Uniklinik dort. Der Professor dort ist ein guter Bekannter von mir. Sehr erfahrener Kollege. Kennt sich aus mit so was.“ Ein mitfĂŒhlender Seitenblick huschte ĂŒber mich hinweg, mied aber Kontakt mit meinen Augen.
Ich fasste es nicht. Der sprach zu Rene, als wĂ€re ich derart verrĂŒckt, dass man mit mir keinen vernĂŒnftigen Satz mehr sprechen konnte. Ich drehte fast durch. Der Wahnsinn, den mir dieser Mann unterstellte, tatsĂ€chlich regte sich etwas BeĂ€ngstigendes in den Tiefen meiner Seele. ErwĂŒrgen, ja, ich hĂ€tte ihn anfallen und erwĂŒrgen können. Fieberhaft ĂŒberlegte ich, was zu erwidern sei, ich meine, immerhin, der hatte doch gar nicht mit mir geredet, wusste doch gar nichts, der Berg, den gab es ja, wie konnte er da so eine bodenlose Scheiße vom Stapel lassen, mir aus einem Satz eine Psychose drehen, der glatte Wahnsinn war das.
Etwas zog ungeduldig an meiner Schulter, waren etwa die MĂ€nner mit den weißen AnzĂŒgen schon da? Ich drehte mich Ă€ngstlich um und sah Rene hinter mir stehen. Er sagte gerade „Vielen Dank, das werden wir sofort tun“ und zog mich sacht aber bestimmt nach oben. Spinnte der denn auch total? Sah der nicht, was hier ablief, dass das hier direkt im Kuckucksnest endete? Und er wollte noch den Zubringer spielen? Der Mann mit seinen grauen Haaren und seinem unvermeidlichen weißen Kittel stand ebenfalls auf. „Soll ich gleich einen Termin fĂŒr Sie arrangieren?“ fragte er Rene bedeutungsvoll, vorbei an meinem immer noch schreckstarren Gesicht. „Danke, nicht nötig“ sagte Rene kĂŒhl. Förmlich, wie bei einem misslungenen GeschĂ€ftsbesuch, fĂŒgte er ein gefrorenes „Auf Wiedersehen“ an und zog mich nach draußen. Bevor ich mich fassen konnte, den Protest formulieren, dass ich wohl kaum jetzt mit ihm nach Wolkenkuckucksheim fahren wĂŒrde und das ich am besten mich nach weit, weit weg verpissen wĂŒrde, noch bevor die AdrenalinĂŒberdosis mich richtig zum Kochen bringen konnte, vor all den möglichen Überreaktionen, die in meinem Innern zusammenbrodelten und Gestalt annehmen wollten, hatte sich Rene vor mir aufgebaut und beide HĂ€nde schwer auf meine Schultern gelegt, als wolle er mich am Abheben hindern. „Wir gehen jetzt ganz schnell hier weg. Ich habe was gelernt.“ traurig sah er mich an. „Der soll sich trauen, uns eine Rechnung zu schicken.“ Kurze Pause, prĂŒfender Blick aus dem Gesicht, das mir mit einem Mal sehr alt vorkam. „Hast Du mich verstanden?“ fragte er und setzte „das ist nĂ€mlich ein Riesenarschloch“ hinzu, ohne meine zögerliche Antwort abzuwarten. „Klar?“ Mit einem Ruck wandte er sich zum Gehen. Hastig, halb laufend verließen wir ĂŒber die endlosen Treppen und drĂŒckende GĂ€nge fluchtartig das nach Ammoniak stinkende UngetĂŒm.



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Tobias
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Is there anybody out there?

Falls mal jemand bis hier hin lesen sollte, wĂ€re ich fĂŒr einen kurzen Kommentar ja echt dankbar!

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Herzlichen Dank.
Ich rechne mit Deinem Kommentar.

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Suneye

Hey, Suneye,

hĂ€tte nicht mit so wenig Durchhaltevermögen gerechnet. Im Kapitel 6 (auch in der Liste), wird es irreal, zumindest fĂŒr Leute mit beschrĂ€nktem Vorstellungsvermögen ...
Sonst: Lies mal die Fantasy-Sachen von Donaldson. Auch dort laviert der Held zwischen zwei Welten, wie Tobias bei den Schamanen.

Trotzdem, herzlichen Dank.

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Tobias
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Sollte sich jemand wundern, wo die anderen Kapitel geblieben sind, ich habe sie gelöscht. Aus Frust und beleidigtem Stolz, dass trotz nicht weniger Aufrufe nie mal irgendeiner einen Kommentar geschickt hat, was der Sinn der Veröffentlichung war.
Dieses Kapitel bleibt stehen, weil man die Hoffnung nie aufgeben sollte und ich nach KrÀften versuche, mich dieser Maxim anzunÀhern.
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tstauder
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Hallo Tobias,

daß niemand lĂ€ngere ErzĂ€hlungen im Internet lesen mag, liegt in der Sache der Natur, so glaube ich. Viel zu viel Zeit muß investiert werden. Zeit ist Geld, das Motto der Moderne. Mach dir nichts draus.

Es ist ganz gut geschrieben. Doch ich möchte Dir einige Fragen stellen, welche sich mir beim einmaligen Durchlesen aufgedrÀngt haben. Er hat diese CFS diese Schlafkrankheit schon seit mehreren Jahren. Die Ursache kann nicht ausfindig gemacht werden. Wieso ist er so schockiert, wenn einer der vielen Doktoren eine neue Diagnose erstellt? Er wird doch schon einige gehört haben auf seiner Odyssee, so vermute ich.
Sein Verhalten kann ich nicht ganz nachvollziehen. Er ist Ärzten gegenĂŒber sehr mißtrauisch. Ich kann mir nicht vorstellen, daß eine solche Person aufgrund einer nicht bestĂ€tigten Diagnose so die Beherrschung verliert (außer es ist eine psychisch schwache Persönlichkeit. Gesucht wird nach einer körperlichen Ursache, eine psychische Ursache schließt die Hauptperson aus. Warum?
Es wird angedeutet, daß er Geldprobleme hat. Wie kann er sich dann FlĂŒge in den Orient leisten? Sein Stiefvater fĂ€hrt einen neuen BMW.
Die Beschreibung der Ärzte ist nach meinem Geschmack viel zu vordergrĂŒndig, ihr Verhalten fast schon unglaubwĂŒrdig. Könnte man ihre Inkompetenz nicht etwas subtiler rĂŒberbringen?

GrĂŒĂŸe
Thomas

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Thomas

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