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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Abschied
Eingestellt am 27. 12. 2009 16:40


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balsam
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2004

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Teil 17 – Abschied

Der Abschied ist ein scharfes Schwert. So sagt man und diese Worte können nicht annĂ€hernd das GefĂŒhl beschreiben welches dabei gefĂŒhlt wird. Alles was sich in einem befindet, wird angeregt, weil etwas in einen ausgelöschten Zustand ĂŒbertreten will. Alles, was man eben noch erlebte, findet ihr baldiges Ende.
Jetzt. Gleich.
Kurz bevor steht das Ende, dem ich entgegensehe. Es verwandelt mich in einen andersartigen Zustand, den zu erleben auch zu meinem Erleben gehört, auch wenn ich diesen Zustand nicht gerade liebe. So liebe ich doch dieses GefĂŒhl, denn es ist ein unsagbar tiefes GefĂŒhl. Eine tiefe BerĂŒhrung die mein Wesen erlebt, eine BerĂŒhrung die sich in mir abspielt, ein GefĂŒhl, in dem ich mich aufhalten darf, etwas das ich erleben darf. Auch wenn es etwas ist, was nicht mehr wiederkehrt, etwas was sich umdreht und sich augenblicklich verĂ€ndert in ein nicht mehr Dasein, etwas was sich entfernt von meinem Erleben in ein Erlebtes.
Trauer umschweift mein Gewissen und mein Erleben in solchen Stunden die dem Ende nahen. Sie schweift und zieht nicht nur durch mein Gehirn, sie schweift und zieht durch mein GefĂŒhl, welches sich unabĂ€nderlich ausserhalb meines Verstandes befindet und nicht fassen kann wie die weitere Zukunft aussehen mag. Ein Loch. Dunkel und schwarz, mit Schwere belegt, mit Abschied nehmen beschĂ€ftigt bewegt es sich durch Raum und Zeit, gerade in solch einem konzentrierten Moment der unabĂ€nderlichen Haltbarkeiten, die weiterziehen wollen wie ein reissender Fluss. Aufhalten scheint ein unmögliches Verlangen zu sein, so stirbt es noch in diesem Moment in dem es auftauchte, wĂ€hrend die Schwere weiter nach unten drĂŒckt, weiter nach Bewegung strebt, weiter sich in einem neuen Erleben wiederfinden möchte, mit Unwissenheit belegt ob dieses eintreten wird. Abgesondert von den erlebten Erfahrungen drĂ€ngt es nach vorne und ein Stehenbleiben wird ungeduldig ausgemerzt. Es schiebt und drĂŒckt in eine Richtung die noch so weit entfernt scheint und die sich noch nicht vorstellen lĂ€sst. Es ist vorbei. Es scheint vorbei zu sein. Es wird bald vorbei sein. Eine unmögliche Unfassbarkeit durchzieht alles gleichzeitig und umkreist mein Verlangen und meinen Willen, welcher nicht mehr weiß was er tun wollte. Er ist ausgesetzt, abgesetzt, geradezu wie ausgenockt taumelt er von einer Ecke zur anderen um sich an den Seilen noch in einem Rahmen zu bewegen damit er nicht in die Tiefe abstĂŒrzen muss. Die Seile halten ihn noch in einer Fassung, in einer Haltung ohne den tiefen Schrei spĂŒren zu mĂŒssen, wenn er tiefer hinein in dieses dunkle Loch fallen mĂŒsste.
Es ist noch ein spĂŒrbarer Hoffnungsschimmer in dem Taumeln enthalten und kann mich in meiner Fassung belassen, kann sie noch aufrechterhalten, doch weiter und weiter zieht die Zeit nach vorne und geht nach Wechselhaftigkeit die bald eintritt. Bald. Bald ist sie da und es wird soweit sein. Es wird vorbei sein. Es wird beendet, was einmal da gewesen scheint. Der Schein wird gewandelt in gewesen Sein.
Die Existenz nimmt ihren Abschied und ich schwimme gefĂŒhlsmĂ€ĂŸig darin, unbeweglich. Mich dem Strom hingebend lasse ich mich umspĂŒlen von den gerade gefĂŒhlten Erlebnissen, wĂ€hrend sich die Erlebnisse in kurzer KĂŒrze auf Nimmerwiedersehen verabschieden.
Ich beende das ganze endgĂŒltig und nehme den letzten Schluck aus meiner Flasche Wein und hoffe, dass das Leben trotzdem irgendwie weitergehen wird. TrĂ€nen kullern ĂŒber meine Wange und mein GefĂŒhl rinnt mit dem letzten Tropfen durch meinen Hals. Ein letztes Erleben dieses Genusses durchdringt mein Innerstes und will ihn mit jedem Winkel aufsaugen um ihn zu einem unvergesslich gespĂŒrten Erleben hinzuzĂ€hlen zu dĂŒrfen. Es rinnt und rinnt tief hinab in einer besonderen Langsamkeit bei dem jeder Millimeter mit einer Tiefe feucht berĂŒhrt wird, bevor er seine Lebendigkeit in tote Vergangenheit verwandelt. Er hatte mich einst berĂŒhrt, dieser Tropfen, nun ist er entschwunden, verstorben. Das Erleben war ein Genuss und das Verschwinden wird zu einem Fluch der sich in meinem Inneren tummelt und sich ausbreitet und mich nicht in Ruhe einkehren lĂ€sst. In Stille trauere ich nach. Nach und nach empört mich diese Stille und spĂŒre sie immer deutlicher, wie sie sich breit macht in meinem gesamten Befinden. Kann mich nicht damit abfinden, kann mich nicht damit arrangieren, mit dem Verschwundensein des gerade Erlebten, weil die Empörung weitere Wellen schlĂ€gt und mich tiefer in mir zusammensacken lĂ€sst. So nervös und unabĂ€nderlich betroffen von diesem Vorgang, der Tag fĂŒr Tag irgendwo auf der Welt vonstatten geht, versuche ich mich in Überwindung zu ĂŒben, doch erkenne gleichzeitig meine KlĂ€glichkeit bei diesem Versuch und versuche sie mir einzugestehen. Nichts kann ihn aufhalten und ablenken. Er ist da. So prĂ€sent wie jeder Tropfen der in meiner Sehnsucht auftaucht, so prĂ€sent wie alle GlĂŒcksgefĂŒhle die ich einst erlebte und die genauso verstarben wie dieser. Keine Hoffnung kann es wieder zurĂŒckholen, keine Unternehmung kann es wiederbeleben. Es ist vorbei. Aus und vorbei. Geschehen. Beendet. Vernichtet. Verstorben.
Und, damit einhergehend sichtbar, wird auch die grausige Wahrheit, der ich mich nun stellen muss. Es ist keine nÀchste Flasche in Sicht.
Noch nicht.

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Schreibe, trinke und dichte und werde Dichter!

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