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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Affentanz
Eingestellt am 07. 09. 2003 11:57


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Trippi
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2003

Werke: 4
Kommentare: 16
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12. Affentanz

...
„Na, dann kannÂŽs ja endlich losgehen“ ließ Melanie ungeduldig verlauten.
„Machen wirÂŽs gemeinsam? Doppelte HoffmĂ€nner, auch nicht zu verachten“ richtete sich Dieter fragend an mich, woraufhin ich zustimmend nickte. Er riss also die Papierchen in je zwei HĂ€lften. Dann ging er herum und legte die HĂ€lften der Reihe nach jedem vorsichtig auf die vorgestreckte Zunge, als sei er ein Priester bei der Verteilung des Abendmahls. Bei Maiko angelangt sah sie mich fragend an. Richtig, sie hatte ja keine Ahnung, dass LSD gewöhnlich auf Löschpapier aufgebracht wurde. „Nicht gleich schlucken. So lange wie möglich kauen“ gab ich ihr zur Anleitung. Ich trĂ€ufelte dann jedem vier Tropfen hinterher. Mir selbst zuletzt, was ĂŒbrig war: FĂŒnf.
Dann machten wir uns in gehobener Stimmung auf. Weiter die Stufen hinauf und zwischen den beiden kleinen HĂŒgeln hinein ins Phantasieland.
Der Blick von der Anhöhe dort oben war atemberaubend.
Vor uns erstreckte sich die majestĂ€tische Landschaftsformation in tiefen Grautönen, nur akzentuiert vom gespenstischen Glitzern des Flusses. Der Mond war gerade aufgegangen und hing tiefgelb nur ein StĂŒck weit ĂŒber dem Horizont. Die Zikaden um uns herum zirpten aufgeregt. Hier und da raschelte ein verdorrter Strauch im angenehm warmen Wind. Atemlos verharrten wir und ließen die Blicke schweifen. Mit der Zeit erkannte man Details. Undeutlich die dunkleren, unnatĂŒrlich rechteckigen Gebilde, wie sie sich schemenhaft von den weichen Linien der HĂŒgel abzuheben begannen. Zu unserer Rechten, den HĂŒgel hinauf bis oben zu seiner Kuppe ein kleiner Tempel, der sich bald deutlich vom Hintergrund abhob.
Ich fuhr mit dem Blick immer den linksliegenden Fluss entlang bis „da“ stieß ich hervor und zeigte in Richtung meines Blickes. Trotz der Entfernung deutlich erkennbar ragte die Spitze des Vittala Tempels in das strömende Lichtspiel des Flusses. „Da will ich heut noch hin“ verkĂŒndete ich. „Wie weit ist denn das bis da unten?“ fragte Dieter. „SchĂ€tze drei, vier Kilometer.“ „Dann gehen wir doch mal los“ rumpelte Stepan und marschierte mit großen Schritten vorwĂ€rts.
Bald schon waren wir so weit hinab gestiegen, dass uns der Lichtkegel des Bazars nicht mehr erreichte. Mit jedem Schritt vorwĂ€rts und mit jedem Höhenmeter, den der schnell aufsteigende Mond erklomm, wurden die Konturen deutlicher, traten einem plastisch entgegen. Schon begann sich die nĂ€here Umgebung in schwachen Farbnuancen zu zeigen. Wir hatten keine MĂŒhe den streckenweise extra angelegten Weg in die Ruinenstadt im Tageslichttempo entlangzuspeeden.
Ein kleines StĂŒck mussten wir durch eine enge Schlucht, die zu beiden Seiten dunkel und drohend auf uns herabsah. Aber als wir auf der anderen Seite wieder ins Mondlicht traten, hatte die Sicht nur noch den Horizont als Grenze, so hell kam es uns vor. Wir waren jetzt auf Höhe der Flussebene, aber selbst die HĂ€nge der entfernten HĂŒgel vor uns, die noch halb im Mondschatten lagen, ließen jeden einzelnen Fels erkennen, ihn wie in einem alten 3D-Film unwirklich hervortreten, als könne man ihn greifen.
„Ich hab voll die Optiks“ lachte Isabella „ich sehe die OberflĂ€che der Steine, jedes Detail!“ Sie deutete in die Ferne. Ich nickte mit offenstehendem Mund. „Castaneda? Kennt ihr?“ fragte Dieter ohne eine Antwort abzuwarten „Don Juans Fernsicht, der selbe Film.“ Isabella lachte wieder. „I am sorry, das habe ich nicht gelesen. Werde ich aber tun.“
„Was meint ihr eigentlich“ fragte ich unvermittelt in die Runde „wie das hier zu Stande gekommen ist? Diese ganzen Steinbrocken.“ Wie das Land da so im gespenstischen Licht vor uns lag, sahen die unregelmĂ€ĂŸig verstreuten HĂŒgel aus wie hilflose Überreste eines Berges, vor Urzeiten von Gottes Faust zertrĂŒmmert. „Nach der geologischen ErklĂ€rung darfst Du mich nicht fragen, aber die wirkliche, die kann ich Dir sagen“ meinte Frank. „Na, schieß schon los“ gluckste Isabella und auch Maiko lachte jetzt laut. „Das hier“ hauchte Frank und machte eine weit ausholende Armbewegung „ist der Schauplatz eines interstellaren Krieges.“ Isabella brĂŒllte vor lachen, warf den Oberkörper nach vorne und schlug sich auf die Schenkel. Maiko stand, den einen Arm auf Isabellas Schulter und leicht zu ihr gebeugt als wolle sie ihr helfen. Doch es hatte eher den Anschein, als mĂŒsse sie sich abstĂŒtzen, so sehr schĂŒttelte auch sie sich vor Lachen. Doch Frank setzte unbeirrt fort „waren die Laserkanonen, die haben den Stein zum GlĂŒhen gebracht, bis er zerbarst und die spritzenden Funken kĂŒhlten aus zu kleinen KĂŒgelchen, wie bei einer Wunderkerze.“ Ich sah es förmlich vor mir, ein Feuerwerk galaktischen Ausmaßes. „Das hier war eigentlich mal ein Gebirge“ endete Frank ungerĂŒhrt vom johlenden GelĂ€chter, das er jetzt von der ganzen Gruppe erntete. Eine Sekunde lang glaubte ich, er meinte das ernst, so schulmeisterisch hatte seine Stimme geklungen, doch mit einem Mal fing auch er an zu lachen. Wir grölten, dass uns die TrĂ€nen ĂŒber die Wangen rannen. Es dauerte eine Zeit, bis wirklich der letzte Stoßlacher herausgekitzelt war. „I am sorry“ sagte Isabella, als sei sie verantwortlich.
Dann marschierten wir weiter den Weg entlang, der mir jetzt wie eine voll beleuchtete Autostraße vorkam. Sylvia schlug vor, sich zunĂ€chst mal eine Basis zu suchen, am besten einen kleinen Tempel auf einem HĂŒgel. „Oder, was ist denn das da?“ sie deutete nach rechts. Wenige hundert Meter von uns entfernt war eine grĂ¶ĂŸere GebĂ€udegruppe zu erkennen, die auf einer offenbar von Menschenhand nivellierten FlĂ€che stand. „Das ist der andere Bazar“ erklĂ€rte ich „das selbe wie unten im Dorf, nur eben noch leer.“ Das Noch hatte sich völlig unbeabsichtigt eingeschlichen und hinterließ einen schwermĂŒtigen Beigeschmack. Noch leer. Ich konnte es schon vor meinem geistigen Auge sehen, wie eines nahen Tages auch hier in den alten Grundmauern SouvenirgeschĂ€fte und Fressbuden eingezogen sein wĂŒrden. Weltkulturerbe. Dazu musste man kein Prophet sein. „Da will ich hin“ jauchzte Sylvia aufgeregt. Im halben Dauerlauf sprang sie wie ein Rehkitz voran, wir anderen eilten fröhlich hinterher.
Und wenn ihr nicht werdet wie die Kinder.
Es ist faszinierend, Kinder zu beobachten. Kinder, wie sie stundenlang, allein, gĂ€nzlich in sich gekehrt ein Stöckchen betrachten oder zu mehreren, ausgelassen in einem Sandkasten umhertoben. Wie sie immer wieder irgendetwas Neues entdecken und nie aus dem Staunen herauskommen. Hier ein Riss im Lack der Holzumrandung, da ein kleiner Kieselstein, der offenbar nicht zum feinen Sand gehört. Ihn verwundert hochheben, wie einen unersetzlichen Schatz eingehend in der Hand rollend beĂ€ugen, um ihn schließlich achtlos fallen zu lassen, weil es wieder etwas anderes zu entdecken gibt. Kinder. Man könnte stundenlang darĂŒber schreiben und wĂŒrde doch nicht dem wunderbaren GefĂŒhl gerecht, das ein Kinderherz erfĂŒllt. Ganz im Hier und Jetzt. Wenn Aufmerksamkeit begeistert von Hölzchen auf Stöckchen kommt, ohne ein wirkliches Ziel zu verfolgen. Ein wunderbares GefĂŒhl, das man als Erwachsener vielleicht noch bruchstĂŒckhaft zurĂŒckerahnen kann, das sich aber hartnĂ€ckig der Beschreibung verweigert.
Einzig das Bild der spielenden Kinder, man hat es unweigerlich vor Augen.
So. Genau so.
Genau so ist es, wenn eine Horde Erwachsener völlig high in uralten Ruinen herumtollt.
Unbeschreiblich. Unbeschreiblich das „Ey, guck mal hier und guck mal da“. Unbeschreiblich das zeitfreie GefĂŒhl, wenn man vor einem behauenen GranitsteintrĂ€ger stehend andĂ€chtig dessen Geschichte lauscht. Wenn man mit jeder kleinsten Verwitterung der OberflĂ€che vordringt in eine Phantasiewelt, die sich so real anfĂŒhlt, wie fĂŒr ein Kind der Geist im Keller. Eine Welt, die vielleicht sogar real ist, aber was spielt real schon fĂŒr eine Rolle im kindlichen Zustand der Ungezwungenheit? Und, tell me, whatÂŽs real anyway?
SĂ€ule stehen-, Gedanken fallen-, Körper sacken gelassen, schwer atmend auf dem RĂŒcken liegend und mit unendlich geweiteten Pupillen in den Sternenhimmel starrend, fasziniert von den rhythmisch tanzenden Bewegungen der Gestirne, dem Puls des Universums. Der kosmische Tanz Shivas.
Ein Trip. So kann er sein.
Magisch auf ganz profane Weise. Einfach dadurch, dass er eine Gruppe von Leuten mental verjĂŒngt. Sie zu begeisterungsfĂ€higen Kindern macht, mit nichts Argem im Herzen, angetrieben von der Wonne reinen Spieltriebs. Heaven is not a place.
„Kennst Du den heiligen Gral?“ hatte mich Acid Erick im Beisein Anettes gefragt, als wir ihm bei Anettes erster Reise nach Indien in Anjuna vor seinem Haus begegnet waren. „ItÂŽs just Acid.“ Ja, Erick.
Losgelöste Kinder, Seifenblasen im Wind.
So war unser Trip. Es war der richtige Tag, der richtige Moment, die richtige Kombination von Leuten, die richtige Dosierung. GlĂŒck. Zufall.
GlĂŒcklich.
Wenn LSD sein wahres Potential entfaltet.
Die mystische Einheitserfahrung, von der die spirituellen Kreise aller Kulturen seit Anbeginn berichten. Zum Beispiel die taoistischen Höhlenmönche. Und nicht nur die kann man mit dem Konsum halluzinogener Drogen in Verbindung bringen.
Und?
Und wenn alles `nurÂŽ ein Trip ist? Eine Illusion?
Die Erfahrung wird dadurch doch nicht abgewertet, dass man sie psychologisch oder biochemisch erklÀrt. Das verstellt ja den Blick total. Die Erfahrung als solche hat ihren Wert. Spendet kindlich naives Vertrauen in tieferliegende ZusammenhÀnge, die nicht an Geld und Zeit gebunden sind.
Bei all unserem Getolle, wirbelnd zwischen den SĂ€ulen, versteckt hockend hinter alten Stufen, außer Atem auf den welligen Steinplatten liegend, sich gegenseitig fangend, ich war mir dennoch die ganze Zeit bewusst, dass ich hier erstmals willentlich eine FĂŒhrerrolle akzeptiert hatte. Mindestens Maiko gegenĂŒber sowieso, denn ich war der Bewanderte im Acidland. Aber ich war ja auch der einzige, der sich im `realenÂŽ GelĂ€nde auskannte. Damit war ich also fĂŒr allesamt der FĂŒhrer, eine Rolle, der ich jetzt endlich innerlich ein lebensfrohes `JaÂŽ entgegenbrĂŒllte. Insofern hatte ich die ganze Zeit ĂŒber immer ein Bein außerhalb von Acidland, auf dem Boden der sogenannten Tatsachen. Ich musste und wollte es so haben, beobachtete die Bahn des Mondes und verband seinen Stand mit der Uhrzeit. Das ging zwar auf Kosten meines AmĂŒsements, aber auf keinen Fall wollte ich die Chance verpassen, frĂŒh genug in den großen Tempel zu gelangen. Das wĂŒrde fĂŒr alle der absolute Knaller sein, denn im Vergleich zu ihm machten sich die Ruinen hier geradezu kĂŒmmerlich aus.
Allerdings war ich mir nicht so sicher, ob man diese ausgelassene Rasselbande je gezielt in eine Richtung lenken können wĂŒrde. Von daher war ich dankbar fĂŒr die Unterbrechung, als Maiko rief, sie werde nun den HĂŒgel erklimmen, um in dem Tempel „da, oben, dort, schau“ sagte sie und nahm Isabella fĂŒhrend am Arm, „ja, dort“ werde sie eine Runde verschnaufen. Damit war das kosmische Spiel mit einem Mal beendet. Wie eine Schar Vögel, die sich auf ein geheimes Zeichen zeitgleich in die Höhe erheben, griffen alle bereitwillig ihre Sachen und folgten den beiden.
Vor dem Himmel mit seinen funkelnden Sternen als Hintergrund zeichneten sich beim NĂ€herkommen deutlich die vielleicht vier oder fĂŒnf SĂ€ulen der Stirnseite ab, auf denen das Dach thronte. Das Tempelchen wirkte ein bisschen wie die Akropolis, allerdings erheblich kleiner. Stumm ragten die rundgeschliffenen SĂ€ulen gen Himmel. Ein um einige Stufen erhöhter Sockel aus schweren Steinquadern bildete das Fundament. Das spitze Dach war noch weitestgehend intakt, das Innere wirkte deshalb dunkel und verlassen, obwohl das Tempelchen zu allen Seiten offen war.
Ich war froh, dass niemand eine Taschenlampe zĂŒckte, denn ich kann die Dinger nicht ausstehen. Man sieht dann nur noch das winzige bisschen im Lichtkegel, wĂ€hrend jede Wahrnehmung außerhalb vom umgebenden Schwarz einfach geschluckt wird. Fast bekommt man den Eindruck, auch GerĂ€usche wĂŒrden absorbiert von dem undurchdringlichen Schwarz. Der Eindruck ist nicht mal gĂ€nzlich falsch, denn um den Lichtschein herum verstummt ja die Natur. Aber hier, um den Tempel rum, an dessen schattiger Nordseite sich spĂ€rliches GrĂŒn gehalten hatte, hier wimmelte es nur so von Zikaden, die zirpten als gelte es uns zu vertreiben. Im Inneren bildete das Fundament eine ebene LagerflĂ€che, langsam kletterten wir hinein und ließen uns nieder. Mit der Hand strich ich ĂŒber den glattpolierten Stein des Bodens. So saßen wir eine Weile schweigend, schwer atmend, jeder in seine innere Welt horchend, mit dem Gezirpe der Zikaden als Begleitmusik.
Irgendwann, am nĂ€chsten Tag konnte keiner mehr so genau sagen wann, jedenfalls bezeugten wir uns gegenseitig alle einhellig folgende Begebenheit: Stepan und Isabella sprachen etwas auf Tschechisch. Ich weiß nicht mehr, was es war, aber ich verstand auf einmal jedes Wort. Lauschte einen Moment in gebannter Faszination. Ein Satz, hell und klar und noch ein Satz. Dachte kurz an Geschichten von Gurus, die ein sogenanntes Siddha besitzen, eine außerordentliche BefĂ€higung, erworben im Laufe ihrer jahrelangen Askese. Und ein mögliches Siddha war angeblich so eine Art Übersetzergeist, ein kleiner Mann im Ohr sozusagen. `Den hab ich jaÂŽ dachte ich noch und prustete „wieso versteh ich denn jedes Wort“ hervor. Nach bestem Wissen und Gewissen tat ich das auf Deutsch. Maiko, die neben mir saß, sah auf und zu den Tschechen und sagte, wie sie schwört auf Japanisch „das ist jetzt aber komisch, jetzt verstehe ich Tschechisch und Deutsch?“ Woraufhin aus der Ecke der vier Deutschen, die etwas abseits saßen, nur noch heilloses GelĂ€chter kam. Sie kugelten japsend ĂŒber den Boden und hielten sich die BĂ€uche.
Telepathie ist etwas völlig Reales.
Wenn es so was gibt, wie RealitÀt.
In der halben Stunde aufgeregtem Gequatsche, die dann folgte, stellte sich tatsĂ€chlich heraus, dass ich keiner Halluzination aufgesessen war. Zumindest keiner im herkömmlichen Sinne, denn die hat man doch gefĂ€lligst allein und nicht zu acht, oder? Alle waren sich einig, fĂŒr einen kurzen Moment waren wir zurĂŒckgereist in einen vorbabylonischen Zustand. RealitĂ€t ist, was glaubhaft funktioniert. Damit war das Geschehene also RealitĂ€t per definitionem. Es handelte sich jedenfalls mit Sicherheit nicht um eine berechenbare Verkettung von ZufĂ€llen.
ZufÀlle gibt es nicht.
`Wie real ein Konstrukt ist, lĂ€sst sich aus seiner Wirksamkeit schließen ... Wir mĂŒssten uns als in die Welt geworfene Wesen betrachten, die wissen, dass sie stĂ€ndig Illusionen erliegen und keine wirklich stimmigen ErklĂ€rungen ĂŒber ihr Sein ... abgeben können. Ich könnte mir vorstellen, dass dabei humanere Systeme entstehen ... Auch wĂŒrden all jene unglaubwĂŒrdig werden, die vorgeben, sie allein wĂŒssten, wie das Heil zu finden ist.ÂŽ Nein, das war nicht die Stimme in meinem Kopf. Noch war es der Nilli oder der Zufall. Es war der Spiegel. Der Spiegel von gestern, 01.01.01., Titel: `Das Universum im KopfÂŽ. Interview mit dem Hirnforscher Professor Singer.
Maiko war ganz an mich rangerĂŒckt. Ihre HĂ€nde krallten sich in meinen Arm, so dass ich zuerst befĂŒrchtete, sie habe es mit der Angst zu tun bekommen. Doch wie sich herausstellte, wollte sie nur sicherstellen, dass wenigstens ich greifbar und somit in erster NĂ€herung real war. Ich schmunzelte. Die grölenden Vier hatten sich beruhigt und kamen auch ganz nah zu uns herangerobbt.
So hockten wir eine Weile im Kreis, als wollten wir unsere Köpfe fusionieren.
Schließlich sagte Sylvia trocken „es ist kalt, hier ziehtÂŽs“, woraufhin alle einhellig grunzten. „Wir wollten doch noch zu Deinem Tempel“ meinte Frank „da gibtÂŽs noch irgendwas besonderes hast Du versprochen.“ „Oh ja, wirst schon sehen“ entgegnete ich und griff gleich nach meinem Rucksack. „Da können wir sogar drinnen sitzen, das GebĂ€ude ist intakt“ „Hört sich gut an, ich friere nĂ€mlich auch“ gab Melanie hinzu. „Also los.“
Mit ausgiebigen Stops, um beispielsweise herauszufinden, warum denn ausnahmslos alle Äste des knorrigen Baums ĂŒber Jahre so schief in nur eine Richtung gewachsen waren, als ob einzig sein Standort ununterbrochen einseitigem Sturm ausgesetzt wĂ€re oder, ob sich hinter dem Rascheln unter diesem Stein wirklich eine Schlange verbarg, eine Kobra vielleicht („Ey, bist du Banane? Lass das du Spinner, das ist gefĂ€hrlich“, schlenderten wir weiter dem Tempel zu. Ich frohlockte innerlich. Jetzt, nicht mehr so arg high durch die Bewegung und meine Gedanken an Raum und Zeit, war ich klar genug, mir zu ĂŒberlegen, wie ich die Gruppe an das sphĂ€rische Klangspiel des Vittala Tempels heranfĂŒhren sollte. Sollte ich vorher erklĂ€ren, was zu erwarten war oder auf den rechten Augenblick warten? Ich entschloss mich abzuwarten.
Endlich, nachdem ich schon geglaubt hatte, vom Weg abgekommen zu sein, umrundeten wir einen kleinen HĂŒgel und hatten freie Sicht auf das wuchtige GebĂ€ude des Tempels, kaum hundert Meter von uns entfernt. Es stand vor uns an der Spitze einer breiten Halbinsel, direkt am Fluss, der hinter ihm, noch außer Hörweite, dahinglitzerte. Man erkannte zunĂ€chst nur ein massiges Rechteck aus dessen linkem Teil eine mehrstufige Kuppel emporragte. In der Mitte schien ebenfalls ein höherer Teil zu stehen, im Gegensatz zur gerundeten Kuppel jedoch oben flach wie der Turm einer alten Burg. Nach rechts hin sah man nur undeutlich tieferliegende Schatten ohne klare Kontur.
Ich erinnerte mich nicht mehr richtig an die Aufteilung des durch eine Mauer abgegrenzten Tempelbezirks und auch beim NĂ€herkommen war nicht sofort erkenntlich, wo genau der Eingang lag. Doch schließlich fiel mir wieder ein, dass es jenes mehr und mehr in den Himmel ragende MittelstĂŒck war, durch das hindurch man eintrat. Ein festungsartiger Torbogen, der stumm an der vorderen Seite des Tempels stand. Er war Teil der gut zwei Meter hohen Ă€ußeren Ummauerung, hinter der die Kuppel mittlerweile kaum noch hervorragte. Schon standen wir wie angewurzelt vor dem Schatten des Turmes, der im Kontrast zum Mondlicht wie ein bodenloser Abgrund wirkte. Alle verharrten still und atmeten flach, wie in ehrfĂŒrchtiger Angst.
Erhobenen Hauptes, in der sicheren Gewissheit jetzt gleich fĂŒr alle den Trip zu einem unvergesslichen Höhepunkt zu fĂŒhren, sammelte ich all meinen Mut und schritt auf das dunkle Eingangstor zu. Ich erinnerte mich, das gut zehn Meter hohe GebĂ€udefragment Ă€hnelte einem Triumphbogen, der abweisend aus der Ummauerung des Tempelbezirks emporwuchs. Er fĂŒhrte nicht etwa in ein gruftiges GebĂ€ude, sondern entließ einen durch einen schmalen Gang auf der anderen Seite auf einen weitlĂ€ufigen, mit schweren Wackersteinen gepflasterten Vorhof.
Bei Anettes und meiner Stippvisite hatten wir uns bis hierhin durch die sengende Hitze gequĂ€lt. HĂ€tte nicht der Baba im Lakshmi Tempel uns den Tipp gegeben und bedrĂ€ngt, wir dĂŒrften X keinesfalls verlassen ohne den Vittala Tempel besucht zu haben, das Geheimnis wĂ€re uns glatt verborgen geblieben.
Dennoch hatte ich ein ungutes GefĂŒhl, als ich nach kurzem Zögern in den Mondschatten eintrat, als ob ich hier nicht willkommen sei. Als ob die Dunkelheit mich verschluckte, drehte ich mich Ă€ngstlich nach den anderen um, die mir angestrengt hinterher sahen. Kaum war ich einen halben Schritt zwischen die kalten WĂ€nde getreten, verdichtete sich der Schatten zu finsterster Nacht. Ungutes ahnend tastete ich mich nur schrittweise vor. Ich wurde vor Schreck stocksteif als ich etwa in der Mitte des Durchgangs mit der Hand tastend gegen ein kaltes Eisengitter stieß. Das war bei meinem ersten Besuch garantiert noch nicht hier gewesen, schoss es mir durch den Kopf. Gerade ĂŒberlegte ich, ob und wie man drĂŒber steigen könnte, da ertönte schon gedĂ€mpft das aufgeregte Bellen eines Hundes. Weltkulturerbe. Logisch, dass das nicht mehr unbewacht sein wĂŒrde. Ich Idiot.
Licht flackerte jetzt auf der Innenhofseite. Wurde grĂ¶ĂŸer, kam nĂ€her.
Ich sah mich um. Die anderen waren verschrocken am Rande des Schattens stehen geblieben, Isabella hatte sogar ein, zwei Schritte zurĂŒck gemacht und auch mein erster Impuls war Weglaufen. Doch mit dem Mut der Verzweiflung trotzte ich der Angst vor dem knurrenden Köter, der jetzt unmittelbar vor mir auf der anderen Torseite stand.
„Hello. What going? This no entry!“ rief es ĂŒber den Hof, drang zwischen den EingangswĂ€nden gespenstisch hallend an meine Ohren. Dann hatte ich den Lichtkegel der Taschenlampe mitten im Gesicht. SchĂŒtzend hielt ich die Hand vor die geweiteten Pupillen, Isabella kreischte. „Lass ma abhauen“ meinte Frank. „This no going“ rief die Stimme Ă€rgerlich „nighttime. No entry nighttime.“ Endlich senkte er die blendende Taschenlampe. Ich nahm die Hand herab und versuchte ein möglichst unschuldiges Gesicht zu machen. „Vollmond“ flehte ich, da sei doch dieser Tempel erst recht sagenhaft. Der Typ knurrte wie sein Hund. Wir seien weitgereiste Touristen, zu schade wĂŒrde er uns nicht einlassen, versuchte ich noch zu vermitteln, obwohl ich innerlich den Tempelbesuch schon abgeschrieben hatte.
„Mango?“ die Stimme ĂŒberschlug sich auf dem Weg von autoritĂ€rer Drohung zu kindlicher Überraschung. „You Mango, no?“ Endlich hatte ich mich an das gleißende Licht gewöhnt. Doch das Gesicht des hageren Schnauzbarts war mir völlig fremd. Dennoch brachte ich mĂŒhsam ein „Yes, but ...“ hervor. „Ich kenne Dich“ sagte mein GegenĂŒber jetzt mit dem Klang aufrichtiger Freude in seiner Stimme. „Die da“ die Lampe fuhr erneut blendend an mir vorbei „Japanerin, kennÂŽ ich auch. Wer sind die anderen?“ Diese Situation war zu real, als dass ich ihr in meinem Zustand hĂ€tte gerecht werden können. Mit weicher werdenden Knien taumelte ich fast, bekam aber kein Wort raus. „Freunde“ erklang hilfreich Maikos Stimme, die plötzlich neben mir stand. „Ich kenne Dich auch“ ergĂ€nzte sie. „Du warst neulich an der Busstation im Restaurant, stimmtÂŽs?“ „Yes“ piepste es schrill zurĂŒck, mit unverhohlener Freude, dass auch er erkannt wurde. „You good people. Good people and friends always welcome.“
Bevor ich verstand, schob er schon den immer noch knurrenden Hund mit dem Fuß zur Seite und entriegelte blitzschnell das Gitter. Ratlos stand ich regungslos wie eine uralte SteinsĂ€ule, doch Maiko machte zwei mutige Schritte nach vorn. Aber der Mann blieb ihr im Wege stehen, nötigte sie innezuhalten. Mit der Taschenlampe beleuchtete er ein brandneues Schild, das an der gewölbten Innenwand festgeschraubt war. Blau lackiertes, blendendes Metall mit weißer Schrift. Irgendwas von Einlass und Preisen stand da, mehr konnte ich auf Anhieb nicht erkennen. Schon war der Lichtkegel wieder auf den Boden gesunken. „Day time twenty Rupees, ticket“ erklang wieder die Stimme des WĂ€rters. „Night time twenty Rupees, no ticket.“ Er grinste ĂŒber beide Ohren. Isabella lachte im Hintergrund. „Acht Leute“ sagte Maiko bestimmt, zĂŒckte ihr Portemonnaie und hielt ihm schnell zwei hundert Rupeescheine hin. Es war mir ein absolutes RĂ€tsel, wie sie ihre Finger jetzt noch so sehr unter Kontrolle haben konnte, sie musste doch mindestens so abgespaced sein wie ich.
Der Schnauzbart bestand ausdrĂŒcklich darauf, ihr umstĂ€ndlich das Wechselgeld herauszugeben, obwohl sie es ihm bereitwillig als `NachtzuschlagÂŽ angeboten hatte. „Price is twenty Rupees, no more, no less“ wiederholte er wie eine Schallplatte mit Sprung. Erst dann trat er endlich zur Seite und ließ uns ein. Zögerlich brachen wir durch zur anderen Seite. Nacheinander blieb jeder ein paar Meter vom Eingang entfernt stehen und sah sich blinzelnd um. Break on through. Vor uns stand stumm und schwarz der Haupttempel, der irgendwie ganz schwach zu summen schien. Neben mir hockte der Hund und knurrte.
Ein paar Meter vom Eingang nach rechts in der Ecke stand ein weiteres, kleineres TempelgebĂ€ude. Von dort war schwach der Schein einer zweiten Taschenlampe zu sehen, die anscheinend auf dem Boden lag. Ebenso wie das GebĂ€ude, in dem wir zuvor gelagert hatten, ruhte sein Dach auf Stelzen, nur das die SĂ€ulen in kurzen AbstĂ€nden auch im Innenraum standen. Unwirkliche Schatten tanzten auf den schmalen Pfeilern, die angesichts des schweren Steindaches eigentĂŒmlich unterproportioniert schienen.
In die momentane Ratlosigkeit hinein fragte Maiko den WĂ€rter nach seinem Namen. Der Mann erwiderte UnverstĂ€ndliches zwischen seinen Beetlenuss kauenden Kiefern, war aber sichtlich ĂŒber Maikos Interesse erfreut. Grinsend bot er an, unsere Taschen wĂ€hrend der Besichtigung bei ihm abzustellen, zu viele Diebe trieben sich hier des Nachts umher. Aber bei ihm sei es sicher. Bereitwillig folgten wir ihm in den SĂ€ulenwald. Das reflektierende Licht erzeugte vage den Eindruck als betrĂ€te man ein Spiegelkabinett. Die Decke war bedrĂŒckend niedrig nach so vielen Stunden unterm Sternenzelt.
Das Lager des WĂ€chters bestand lediglich aus zwei dĂŒnnen Decken, etwas Alugeschirr und einem Kerosinkocher. „Chai?“ fragte der uns noch, doch wir ließen nur eilig unsere Sachen fallen, lehnten dankend ab und entrannen schnell dem Lichtkegel zum Fronteingang an der schmalen Seite des HauptgebĂ€udes. Lichtscheues Gesindel.
Auf dem Platz vor dem gĂ€hnenden Eingang stand ein riesiger Streitwagen. Obwohl aus dem selben Granit wie alles andere wie das ehrfurchtsvolle Betasten ergab, war er so naturgetreu nachgebildet, als werde er gleich davon fahren. In alter Zeit sollen sich seine steinernen RĂ€der sogar gedreht haben. Eingehend bestaunten wir das Wunderwerk von allen Seiten, um schließlich unsere Aufmerksamkeit dem Haupttempel zuzuwenden.
Drei flache, ausgetretene Stufen bildeten das Eingangsportal zur vordersten Tempelhalle. Die war der Grundstruktur nach dem WĂ€rtertempel Ă€hnlich, nur das hier das erheblich höhere Dach nur von wenigen, wuchtigen SĂ€ulen getragen wurde. Diese baumstarken Kolosse nahmen fast mehr Raum ein, als sie zwischen sich selbst erlaubten. Sowohl die SĂ€ulen, als auch der Dachfirst waren aufwendig verziert, so dass wir eine Weile mit offenen MĂŒndern staunend auf der letzten Stufe in die Halle glotzten. Die Reliefs, die man im Dunklen nur schemenhaft erkennen konnte, reichten bis unter die gewölbte Decke. UnzĂ€hlige Figuren unterschiedlichster GrĂ¶ĂŸen, Blumengirlanden, geometrisch exakte Ornamente, schmĂŒckten den Stein. Auf wundersame Weise entstand der Eindruck, alles stĂŒnde miteinander in Beziehung, wogte zĂ€h, aber stetig hin und her wie Äste im Wind. Ein organisches Ganzes, das uns auf seine Weise ebenso wahrnahm wie wir es. Einen Augenblick standen wir wie angewurzelt und mit angehaltenem Atem da.
„Kommt, hier geht es lang“ flĂŒsterte ich und schritt voran. Nachdem wir die ohnehin schon dunkle Vorhalle hastig durchquert hatten, kamen wir in einen zweiten Trakt, dessen plötzlich niedrige Decke dumpf herabdrĂŒckte, obwohl man sie kaum sehen konnte. Sie wurde von den gleichen engstehenden SĂ€ulen getragen, wie die im Tempel des WĂ€rters. Wie ich jetzt gewahr wurde, waren sie achteckig. Die SeitenwĂ€nde dieses hinteren Traktes waren offenbar geschlossen, bis auf einige eingelassene Luftschlitze, durch die spĂ€rlich Mondlicht hereinfiel. Insgesamt war es hier so finster wie im Gewölbe des Eingangstores.
Nur langsam und schemenhaft erkannte man in der Mitte einen breiten, sÀulenfreien Gang, der von uns aus direkt auf die Empore an der Kopfseite zulief. Hinter ihr verbargen sich einst die sakralen RÀume mit den Götterbildern, das eigentliche Heiligtum. Links und rechts von diesem Gang, unter den SÀulen war der Boden erhöht. Eine umlaufende Zwischenstufe erleichterte das Emporsteigen. Offenbar der Sitzbereich. Wie auf einer inneren Leinwand sah ich, wie dort einst die meditierenden Mönche ihre Gebete intonierten und dazwischen, ja dort hinten in der Ecke, ein paar hingebungsvolle Musikanten, mit ihren wippenden, roten Turbanen. Wie sie rhythmisch die Trommeln schlugen, das sonore Brummen der Mönche unterstreichend, den Weg des Pilgers zur Gottheit begleitend.
Exakt in der Raummitte angelangt wurde der Gang gekreuzt von einem gleichbreiten Weg, ĂŒber den man nach links und rechts durch zwei Aussparungen in den SeitenwĂ€nden wieder nach draußen gelangen konnte. Genau im Kreuzungspunkt war aus einem einzigen Felsblock eine kreisrunde Erhöhung gehauen worden. Ihre OberflĂ€che war so blank poliert, das sie das wenige Licht, das durch die TĂŒren hereinfiel, zu reflektieren vermochte. „Tanzplatz“ sagte ich, denn ich sah sie vor mir, die halbnackte TĂ€nzerin mit den großen Busen und dem eigenwilligen Bauchschmuck, wie sie sich auf vibrierenden FĂŒĂŸen zur Trommelmusik wiegte.
„Beamstation“ meinte Frank und erzielte damit ein paar unterdrĂŒckte Lacher. „Ehrlich Mann, zieh dir die Kuppel rein“ er entzĂŒndete ein Streichholz und hielt es hoch, man konnte jetzt den kreisrunden Raum ĂŒber der sonst klaustrophobisch niedrigen Decke erahnen. Das Streichholz erlosch mit einem feuchten Zischen, mit einem Mal standen wir geblendet in undurchdringlicher Nacht. Einzig der zurĂŒckgebliebene Geruch von verbranntem Schwefel verriet die Existenz des Raumes. „Sag gefĂ€lligst Bescheid beim nĂ€chsten Mal“ rĂŒgte Melanie Ă€rgerlich.
Endlich hatten wir uns vorsichtig die Treppen hoch bis auf die Priesterempore bewegt, in Reih und Glied, schweigend, als seien wir die Hohepriester bei einer Kulthandlung. Über uns konnte man nun das Aufragen der großen Kuppel förmlich spĂŒren, sie vermittelte das unbestimmte GefĂŒhl von Raum. Aus den sakralen Kammern, zu denen man hinter der Empore wieder hinabsteigen konnte, zog höhlenfeuchte Luft herauf. „Da geh ich aber nicht rein“ flĂŒsterte Isabella und hielt sich an Maikos Arm fest, aber niemand entgegnete etwas. Jeder verhielt sich ein bisschen gehemmt, versuchte möglichst gerĂ€uschlos Platz zu nehmen.
Bald hatten sich alle zu einem Kreis niedergelassen. Mehrfach musste ich noch versichern, dass die Götterstatuen, die einst in den katakombenartigen RĂ€umen hinter der Empore gestanden haben mussten, mit Sicherheit nicht mehr da waren, unsere Anwesenheit also keinerlei Affront bedeutete. Besonders Dieter schien darĂŒber besorgt, wollte dann aber auch nicht nachschauen gehen, ob ich Recht hatte. „Ist mir zu unheimlich.“
Jetzt ein Chillum! Als hĂ€tte er meine Gedanken gelesen fragte Stepan, ob der WĂ€rter weg sei. Irgendjemand bestĂ€tigte mit einem gespenstisch hallenden „Ja“ und Stepan machte sich gleich darauf daran, eine Mischung zu machen. Genau das Richtige, um jetzt den Kick einem neuen Höhepunkt entgegen zu puschen.
„Ich fĂŒhl mich hier nicht recht wohl“ meinte Isabella zaghaft „hier ist so dunkel und riecht nach FledermĂ€usen.“ Da hatte sie recht, jetzt wo sie es sagte, merkte man ihn unbestreitbar, den Muffgeruch, der modrig aus der Katakombe zu uns herausquoll. „DafĂŒr hast Du ja den Oberpriester“ brummte ich und kramte in meinem Rucksack. Mit feierlicher Miene stand ich auf und entzĂŒndete einige Dutzend RĂ€ucherstĂ€bchen, die ich dann wĂŒrdevoll, als wisse ich genau, was ich in meinem heiligen Amt zu tun hatte, in kleine Setzritzen zwischen den Steinen steckte. Im Nu waren wir eingehĂŒllt in eine blumige Wolke, die sich tatsĂ€chlich rosa anfĂŒhlte.
Dann entzĂŒndete ich eine Kerze, als sei die Handhabung des Feuers eine geheiligte Kunst. Der Schein blendete stark. Mit dem Bewusstsein des wiedergeborenen Oberpriesters versuchte ich mich daran zu erinnern, wo sie am besten zu positionieren wĂ€re, dass sie Licht spenden, aber nicht blenden konnte. Die Mitte der kreisrunden TanzflĂ€che bot den idealen Platz. Kurz zögerte ich bei dem Gedanken, der Luftzug durch die Seitentore könnte sie ausblasen, doch der Oberpriester versicherte, dass sie nicht ausgehen werde. Vorausgesetzt ich trĂ€fe exakt den Mittelpunkt des Kreises.
Als hinge mir eine lange Robe um, deren blaue SchĂ€rpe hinter mir ĂŒber den blanken Boden schliff, stieg ich von der Empore herab, gebannt verfolgt von den Augen meiner Priesterkollegen und den leichte Fingertrommelwirbel einstreuenden Musikern. WĂŒrde der Oberpriester es schaffen, das Orakel glĂŒcklich zu Ende zu bringen?
Ich stand nun schon vor der kreisrunden FlĂ€che und suchte angestrengt deren Mitte. Unmöglich, die genau zu treffen. Schon zweifelte ich am Erfolg. Doch schlagartig wurden drei Dinge klar, so klar wie die Sache mit der Banane: Erstens war Zweifel grundsĂ€tzlich abtrĂ€glich. Zweitens war ĂŒberall die Mitte. Drittens, am Anfang war die Tat. VornĂŒbergebeugt, die TanzflĂ€che nicht betretend, zwei schnelle Wachstropfen auf den kalten Stein, Kerze drauf und auf dem Absatz umgedreht. SchĂ€rpe ĂŒbergeworfen und erhobenen Hauptes zurĂŒckstolziert.
Auf der Empore wurde ich empfangen von trippigen Gesichtern, die den selben Film gesehen zu haben schienen, den ich gerade gespielt hatte. „Genau die Mitte“ bemerkte Sylvia anerkennend, deren Hakennase man in dem angenehmen Lichtschein deutlich ausmachen konnte. Ich drehte mich um und freute mich an der Kerze, die dort ohne zu flackern einsam stand. Zwar nur ein winziger Punkt, aber dennoch leuchtete sie die ganze Halle bis in den letzten Winkel aus. Go with the Flow. Ich nickte zufrieden. Dann setzte ich mich wieder in den Kreis.
Das anschließende Chillum katapultierte uns allesamt wieder mitten rein ins Acidland, wie beim Durchbrechen der Schallmauer mit einem spĂŒrbaren Ruck. Wenn die EindrĂŒcke derart forciert auf einen einprasseln, dass nur noch Lachen eine sinnvolle Reaktion darstellt.
Ich hatte mich als erster wieder einigermaßen beruhigt.
Niemand schien mich zu beobachten und so schlich ich unbemerkt von den anderen hinab, durchschritt die Halle, hastig am Kerzenschein vorbei in die vordere SĂ€ulenhalle. Hier war es jetzt deutlich kĂŒhler als auf der windgeschĂŒtzten Empore, es zog ein leichter Wind. Mich fröstelte. DafĂŒr war das Mondlicht angenehmer als der Kerzenschein. Mit angehaltenem Atem ließ ich meinen Blick schweifen. Man hĂ€tte wohl mindestens drei Leute gebraucht, um eine der wuchtigen SĂ€ulen zu umspannen. Etwas unschlĂŒssig griff ich an eine SĂ€ule. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich meiner eigenen Erinnerung trauen durfte, doch nach kurzem Tasten wusste ich, dass alles genau so war, wie ich mich daran erinnerte.
Die SĂ€ulen waren in ihrer Mitte um etwa ein Drittel verjĂŒngt, als hĂ€tten sie eine Taille. Doch um diese VerjĂŒngung hatten die Baumeister einzelne Stehlen stehen gelassen, vierkantig, von vielleicht knapp zehn Zentimeter Dicke. Diese verbanden nun freistehend den unverjĂŒngten oberen SĂ€ulenteil mit dem Unteren, wie Luftwurzeln eines Benjanbaumes, die sich rings um den Stamm in die Erde bohren. NatĂŒrlich war es das HerzstĂŒck der SĂ€ule, das die Last des Daches trug, aber den Stehlen war ja auch gar kein statischer Zweck zugedacht worden. Ich wusste vom ersten Besuch mit Anette bei Tageslicht, dass jede SĂ€ule aus einem einzigen Felsblock gehauen worden war. Die Stehlen hatte man nun so bearbeitet, dass jede einzelne einen klaren Ton von sich gab, wenn man daran klopfte. Ein Ton so klingend klar wie der einer metallenen Glocke, dass man seinen Ohren nicht traute. Und obendrein war jede Stehle anders gestimmt, wie bei einem gigantischen Xylophon. Schnell hatten Anette und ich damals herausgefunden, dass dieser wunderbare Effekt leider ĂŒberall dort verloren war, wo man das Dach behelfsmĂ€ĂŸig mit Beton unterfĂŒttert hatte oder wo es bereits ganz weggebrochen war. Daraus folgerten wir, dass das gesamte Deckengewölbe als Resonanzkörper dienen musste. Und nur so war die erstaunliche Tragweite des Klangs zu erklĂ€ren. Ein Geniestreich der Architekten, mittels der sich nahtlos ĂŒbertragenden Schwingung das gesamte GebĂ€ude zum Musikinstrument erhoben.
Vorsichtig, noch immer meiner eigenen Erinnerung nicht recht trauend, tippte ich mit den Fingerknöcheln an eine der Stehlen. Ein hauchzartes `PingÂŽ erklang, setzte sich fast unhörbar fort zur Decke und erfĂŒllte dann, schon wieder unterhalb der Hörschwelle, den gesamten Tempel mit einer feinen Resonanz. Noch mal. `PingÂŽ. Ich hatte diesmal etwas fester geklopft, so dass zusĂ€tzlich eine unterschwellige Schwingung innerhalb des Tons zum Vorschein trat. Ein wellenartiges, hauchzartes Wechselspiel von Ober- und Untertönen. `PingÂŽ die Welle rauschte durchs GemĂ€uer. Dann tippte ich noch drei oder vier Mal an die benachbarten Stehlen und erzeugte augenblicklich ein wahres Klanggewitter, das den Geschmack von erdfarbenen Lichtblitzen hinterließ. Dann drehte ich mich um und kehrte zurĂŒck.
Am Lichtschein der Kerze vorbei fiel mein Schatten auf die Freunde, die regungslos auf der Empore harrten und mir entgegen sahen, als komme wahrlich der steinalte Hohepriester in seiner Robe. Den offen stehenden MĂŒndern nach zu urteilen obendrein von einem Heiligenschein umflossen. Noch bevor ich fragen konnte, ob sie den Glockenklang vernommen hatten, stammelte Stepan nur „What, what, what was that?“
Doch statt einer Antwort reckte ich den Kopf vor und beugte den RĂŒcken leicht, um meiner Rolle gerechter zu werden. Dann winkte ich wie die Hexe bei HĂ€nsel und Gretel nur kurz mit dem Finger der rechten Hand, wandte mich augenblicklich zum Gehen, die lange Robe mit einem Ruck wieder an meinen Körper ziehend. Ich spĂŒrte, wie die anderen mir auf dem Fuße folgten.
Auf leisen Sohlen schlich ich durch das Tor in die Vorhalle, als gelte es sich an ein scheues Wild anzupirschen. Dann trat ich einen Schritt zur Seite und ließ sie alle eintreten. Mit Ehrfurcht im Blick verharrten sie unmittelbar hinter der Schwelle, ich ließ sie einen Moment warten. Erst dann machte ich eine Art Diener und wies mit dem gebieterisch ausgestreckten Arm des Hohepriesters auf die nĂ€chststehende SĂ€ule, ging behutsam darauf zu und machte ein einziges leises Klopfen. `PingÂŽ.
Sieben Köpfe ĂŒber denen erst hellorange Fragezeichen aufleuchteten, die dann augenblicklich zu purpurroten Ausrufezeichen mutierten. Gleichzeitig machten sie nun alle beherzte Schritte nach vorne, zwei direkt zu mir, Maiko irgendwohin zur Seite, jemand anderes zu einer anderen SĂ€ule weiter links, ein anderer zu einer noch weiter entfernten SĂ€ule. Wir brauchten keinen Dirigenten. In zarten KlĂ€ngen vibrierte das ehrwĂŒrdige GemĂ€uer. Erst zögerlich, dann fordernd, schließlich donnernd trommelte der beschwörende Rhythmus, bis dass die Mauern zu neuem Leben erwachten. Bebend, als laufe ihnen ein Freudenschauer den alten RĂŒcken hinunter, bei der Erinnerung an lĂ€ngst vergangene jugendliche Pracht. Klangspiel, Lichtfunken, Feuerwerk, die Auflösung von Schwerkraft, Zeit und Raum, des Ich.
Ich weiß nicht wie lange. Ich weiß nicht wie lange ich getanzt, mich in einer unendlichen Explosion aus Licht und Klang im zeitlosen Raum gedreht habe. Ich weiß nur, das alle mystischen Unterströmungen aller Glaubensrichtungen einen Zustand kennen, der des tanzenden Derwisch, des von Gott besessenen Trancetanzes. Ich weiß warum das so ist. Wer mich tanzen gesehen hat in dieser Nacht, der weiß es auch.
Zumindest kam es mir so vor.
Ich weiß natĂŒrlich, das es unnĂŒtz ist, darĂŒber viele Worte zu verlieren. DarĂŒber, dass ich heute auch dann so tanzen kann, wenn keine Drogen im Spiel sind und der Platz nicht unbedingt diese sagenhafte Akustik bietet. `Der Mensch wird immer geritten, sei es vom Teufel oder von GottÂŽ. Martin Luther. Zu einfache Kategorien, Herr Doktor.
Aber ich kam mir vor wie geritten, fĂŒhlte mich eindeutig wie der Affengott Hanuman, der zwischen den SĂ€ulen herumtollte. Mit einem langen Schwanz, der mir beim Navigieren durch die SĂ€ulen und um Haaresbreite an den Freunden vorbei half. Wie ein Kind tobte ich, warf mich lĂ€ngs hin auf den nackten Boden, rollte ab, ĂŒberschlug mich und stand wieder, als hĂ€tte der Puppenmeister ruckartig am Hauptfaden gezogen, angefeuert vom sich wilder und wilder gebĂ€renden Rhythmus.
„No! No use stick“ drang plötzlich aufdringlich die Stimme des WĂ€rters durch zu mir, der Sound verebbte sofort, hallte nur noch unwirklich im GemĂ€uer und in meinen Ohren nach. Verlor sich. Der Funkenregen verlosch. Es gelang mir innezuhalten in meiner Drehung. Der fragende Blick des WĂ€rters richtete sich auf mich. Es war klar, er musste uns fĂŒr verrĂŒckt halten, besonders wohl mich. Er war sich vielleicht nur noch nicht klar, wie er uns loswerden sollte. Ich ging vorsichtig ein paar Schritte auf ihn zu, griff nach seiner klammen Hand. Wie eine Frage lag sie kraftlos und nach oben offen in meiner. Dass ich verstĂŒnde, wenn er sich sorgen um den Tempel mache, begann ich, schließlich sei das ja sein Job. Seine weit aufgerissenen Augen musterten mich skeptisch. Um ihn herum sah ich deutlich eine schwach schimmernde LichthĂŒlle, flackernd von grĂŒn nach blau. Aber er sagte nichts. Ich ließ seine Hand los. „Aber wir, wir benutzen doch nur unsere HĂ€nde. Nur HĂ€nde, wirklich, schau“ Ich klopfte vorsichtig an eine Stehle. `PingÂŽ. „Nur HĂ€nde, ehrlich. Das kann doch dem Granit nichts anhaben. Stein. Nur HĂ€nde.“
Mein GegenĂŒber runzelte ĂŒberrascht die Stirn, dass ihm sein Schnauzbart fast ĂŒber die dicke Nase gerutscht wĂ€re. „Only hands?“ fragte er unglĂ€ubig und umhĂŒllte sich mit einer dichteren Wolke orangenen Lichts. Ich griff wieder seine Hand, fĂŒhrte sie, klopfte vorsichtig zwei Mal vor eine Stehle. `Ping, PingÂŽ hallte es. FĂŒr mein VerstĂ€ndnis ĂŒberlaut, als trage das GebĂ€ude nun aktiv zu dem wunderbaren Klang bei. Mit einer ruckartigen Bewegung machte sich der WĂ€rter los von mir, trommelte nun selbst mit beiden HĂ€nden. Die Halle bebte, Lichtblitze zuckten durch das Gewölbe. UnglĂ€ubig schĂŒttelte er mit dem Kopf. Offenbar hatte er nicht gewusst, wie sphĂ€risch die KlĂ€nge waren in der Stille einer Vollmondnacht. Oder wie gut das Instrument reagierte, wenn man es zu spielen wusste.
Wieder riss er mit den Augenbrauen den Schnurrbart hoch und starrte mich an, machte dann einen halben Schritt zurĂŒck. Ratlos betrachtete er seine HĂ€nde, als zweifle er an deren Existenz. Schließlich zuckte er mit den Schultern und drehte sich um. „Only hands, no problem“ sagte er noch im Gehen, hielt aber dann, seine HĂŒlle jetzt feurig rot schimmernd, inne und sah sich noch einmal ĂŒber die Schulter um. Sein Blick fiel auf Stepan und Isabella, die wie gelĂ€hmt eine SĂ€ule weiter hinten standen. „You like to know the India story?“ fragte er unvermittelt. Isabella zog den Kopf ein, Stepan brachte ein halbes „No“ zu Stande. „I guide. This temple manymany stories.“ Stepan sah ratsuchend zu mir herĂŒber. Dieter antwortete intuitiv. Dass das jetzt bestimmt kein Nepp sei, wenn ihm jemand morgens um drei eine TempelfĂŒhrung anbiete. Da offenbare sich ein Lehrer. Da solle er ruhig mal mitmachen. Seine Stimme aus dem Hintergrund hallte gebieterisch zwischen den SĂ€ulen.
Ich hatte nur im Kopf schnellstmöglich wieder in den Klangregen einzutauchen und nahm kaum wahr, dass die beiden ohne Widerrede dem WÀrter folgten.
Das Konzert setzte wieder ein.
Runde um Runde tanzte ich, gelegentlich immer mal einen kurzen Blick der eifrig hĂ€mmernden Musiker erhaschend, Blicke zwischen Sorge, ich könnte irgendwo gegen knallen und ehrlicher Faszination. Ich tanzte scheinbar gegen die Regeln der Schwerkraft, wie die BĂ€lle eines Jongleurs, Runde um Runde. Nur langsam ließ der Rausch nach. Das Feuerwerk aus Klangblitzen ebbte ab, einhergehend damit, dass fast alle einer nach dem anderen nach draußen gedriftet waren, sich auf den Boden vor dem Wagen fallen ließen. Nur Frank musizierte unermĂŒdlich weiter, bis ich ihm erschöpft in die Arme fiel und wir Hand in Hand ins Freie schwankten.
Heaven is not a place, itÂŽs a feeling.
Neben Maiko sank ich auf die Knie. Bei ihrem Anblick erschrak ich augenblicklich, denn ihre GesichtszĂŒge waren steinhart. VerhĂ€rtet die Wangen, als kaue sie angestrengt auf etwas Unverdaulichem. Mit einem ganz leichten Kopfzucken hinderte sie mich daran, sie anzusprechen. Ratlos setzte ich mich neben sie und schwieg. War ich am Ende meiner Verantwortung nicht gerecht geworden in meinem selbstsĂŒchtigen Kreiseln? Erst nach einer Weile seufzte Maiko, rĂŒckte unruhig hin und her und signalisierte so GesprĂ€chsbereitschaft. Schließlich stieß sie hervor: „Tobias, ich habe einen Affen tanzen gesehen.“ Ich lachte erleichtert, fand das sei doch eine gelungene Halluzination. „Wie kann sich das so real anfĂŒhlen?“ presste sie zwischen den ZĂ€hnen angestrengt hervor „Ich habe Dein Fell gespĂŒrt, als Du mich gestriffen hast.“ Das sei doch das Entscheidende, die Essenz eines Trips, meinte ich, zumal ich mich ja auch gefĂŒhlt hatte wie der allererste Affe. „Das ist es ja eben“ Maiko blieb ganz ernst „was ist denn dann RealitĂ€t, wenn ich mich so tĂ€uschen kann?“
Jaqueline hatte Recht. Lennon hatte Recht.
Und ich hatte Recht, als ich Maiko jetzt mitteilte, dass RealitĂ€t nebensĂ€chlich war. Wenn das, woran man glaubte fĂŒr einen selbst funktionierte. Und die gemeinsame Hallu vom Affen, die sei doch nun wirklich nicht ... Sie unterbrach mich knapp. Sei ja mehr als das. „Der ganze Abend, das war ...“ doch ihre Stimme versagte. Regungslos starrte sie vor sich hin. Besorgt hakte ich nach, ob sie da eventuell ein Problem habe, doch sie versicherte glaubwĂŒrdig, dass ich mir keine Sorgen machen mĂŒsse. Im Gegenteil, sie habe sich bisher eigentlich blendend amĂŒsiert. Nur diese Erkenntnis, die sie da gerade nicht so ganz formulieren könne, die sei aber sehr, sehr wichtig. Das dĂŒrfe sie nicht so einfach wieder in Vergessenheit geraten lassen, dazu sei das viel zu kostbar. Und deshalb mĂŒsse sie sich jetzt konzentrieren.
Ich verstand, war zufrieden und wandte mich den anderen zu.
Einige Zeit spĂ€ter schien alles wieder in Ordnung. Maiko nahm bereits wieder lebhaft am GesprĂ€ch teil. Wir hatten gerade darĂŒber reflektiert, dass sich unser Trip wohl dem Ende zuneigte, da fragte auf einmal Melanie erschrocken „Wo sind eigentlich die Tschechen?“ Mit einem Mal flammte ĂŒberall ein wenig Panik auf, zerrte zĂŒngelnd zurĂŒck in die RealitĂ€t. Die zwei waren tatsĂ€chlich schon eine ganze Weile weg. Zu lange, als dass der Verantwortliche nichts ĂŒber ihren Verbleib zu sagen wusste. „Als wir raus sind aussem Tempel, da hab ich das erste Mal auf die Uhr geschaut, das war vor“ Frank ließ sein Feuerzeug kurz aufflackern „zwei Stunden.“ Alle schwiegen betreten. Meine Augen blieben auf Frank gerichtet. Hinter ihm blieb ein sonderbarer, rötlicher Schein in der Luft. Erst langsam kapierte ich, dass es nicht die Blendung des Feuerzeuges auf meiner Netzhaut war, sondern das erste Morgenrot.
„Hello, hello“ kam Stepans dunkle Stimme plötzlich fröhlich aus der anderen Richtung. Sylvia stieß einen unterdrĂŒckten Schrei aus. „Wo wart ihr“ fragten sie mit Melanie aus einem Munde. Hinter Stepan stand Isabella und krĂ€chzte „I am sorry.“ Gleich setzten die beiden sich zu uns und berichteten ohne Umschweife von ihrer FĂŒhrung. Von den ganzen Gottheiten, habe er erzĂ€hlt. Und zu jeder Geschichte gab es Abfolgen von Reliefs entlang der Außenwand. Der ganze Tempel sei eine Art plastisches Buch. Nach wenigen Minuten ĂŒberschlugen sich ihre Stimmen vor Begeisterung. Dass der WĂ€chter sie die ganze Zeit gefĂŒhrt hĂ€tte. Jede der Steinfiguren im Außenbereich habe er gekleidet in eine anschauliche Geschichte, jede einzelne zum Leben erweckt. Von Ganesh „wusstest Du, dass Shiva ihm den Kopf abgeschlagen hat“ fragte mich Isabella, ich nickte, sie „I am sorry, of course you know“, und Shiva und Parvatti und und und. Dass sie ihn zigmal gefragt hatten, wieso er das mache mitten in der Nacht, doch er habe immer nur grinsend „my duty“ entgegnet. Und dass er am Ende keinen Pfennig Geld habe haben wollen. Keinen! Und dass das einfach alles nicht wahr sei. „Mango, ich glaube jetzt an Dein Indien“ schloss Stepan den aufgeregten Bericht ab. (Und ich an Deine geheimen Lehrer, Norbert!)
Mein Indien! Ich hĂ€tte laut schreien mögen vor Freude. „Fast wĂŒnschte ich, ich hĂ€tte Dir das Versprechen nicht gegeben, Mango“ fĂŒgte Stepan noch lachend hinzu, doch ich hörte ihn kaum noch, so sehr hing ich meinen eigenen Gedanken nach. Mein Indien. Es war gelungen. Maiko. Und sogar die beiden begriffen. Go with the Flow.
Und dass der WĂ€chter gesagt habe, wir mĂŒssten vor Sonnenaufgang verschwinden, riss mich Stepan aus meinen sĂŒĂŸlichen Gedanken. Weil dann seine Ablösung komme. Eilig packten wir unsere Sachen zusammen, kontrollierten mit entzĂŒndeten Feuerzeugen, dass wir auch auf der Empore keinen groben MĂŒll hatten liegen lassen und verschwanden klammheimlich auf dem Weg, den wir gekommen waren. Nur dass wir nicht die Selben waren, die da zurĂŒckkehrten.
Reisen verÀndert.
„Welchem Gott war der Tempel denn eigentlich geweiht“ fragte Maiko unvermittelt. „Hanuman“ antwortete Stepan. „Dachte ich mir.“
Durch das langsam zurĂŒckkehrende Licht, andĂ€chtig schweigend.
Die wĂ€rmer werdenden Farben und die belebende Morgenluft. Zwar ausgepowert, aber bis in die Zehenspitzen glĂŒcklich. Eins mit sich und der Welt, wie sie wirklich ist. Unfassbar.
Acid Head.

Jeder ist ein KĂŒnstler. Jeder ein Designer und jeder ein Gott.
Es handelt sich lediglich um unterschiedliche AusprĂ€gungen. Nuancenhafte Gewichtungen, die keineswegs lebenslang starr und unbeweglich bleiben mĂŒssen.
Ich hockte auf der am Boden liegenden Matratze in unserem Zimmer.
Maiko schlief seelenruhig neben mir. Zwischendurch schnarchte sie laut. Es war der Abend des Tages danach, der immer ein wenig fahrig daherkommt. Zwischen Nachgeschmack des Höhenflugs und abgrundtiefer ErnĂŒchterung. Wenn die phantastischen GefĂŒhle verloren gehen und selbst die schönsten Überzeugungen unbarmherzig mit sich in den Schlund des Zweifels reißen. Die gefĂ€hrliche Phase, in der ein instabiler Geist die Sucht entwickelt. Statt auszuhalten und das Geschehene solange zu verarbeiten, bis es integrierbar geworden ist. Bis die Balance wiederhergestellt ist. Bis es einen echten Grund oder wirklichen Anlass gibt. Bis alles wieder zusammenpasst.
Ich hatte mein Ziel erreicht.
Davon war ich ĂŒberzeugt. Ohne, dass ich mit ihr darĂŒber hĂ€tte reflektieren mĂŒssen. Zu viel war schon klar geworden in der Nacht, als dass nicht wenigstens Eckpfeiler herĂŒberzuretten gewesen wĂ€ren. Sie wusste jetzt, was ein `HeadÂŽ ist. Sie wusste, dass Telepathie möglich ist. Das war weit mehr als die banale Tatsache, dass Schalen nun mal grĂ¶ĂŸer sind als die Frucht, war der keimende Spross einer langfristigen Basis.
Dennoch, ich war nicht ganz zufrieden.
Meine Gedanken hasteten unruhig hin und her. Immer hĂ€ufiger tauchte Anette auf. Wie gern hĂ€tte ich auch sie, mit der ich so viel teilte, an unserer kollektiven Auflösung in Klang und Farben teilhaben lassen. Sie Maikos Initiierung spĂŒren lassen. Aber das war unmöglich. Mit all dem, was wir gemeinsam hatten, Worte wĂŒrden es niemals zu fassen vermögen. Es war einfach nicht möglich, ein GefĂŒhl in beschreibende Worte zu kleiden.
„Nichts ist unmöglich“ brummelte ich.
Und plötzlich war sie wieder da, die Muse. Stieg herab (oder herauf?) und kĂŒsste mich zart, auf dass ich ein kleines wenig mehr festzuhalten vermöchte von der weiten Reise. Mehr als nur Bananenweisheiten. Etwas, das helfen wĂŒrde, die Erinnerung wach zu halten und Anette eine Ahnung zu verschaffen. Etwas, an dem ich mich in den nahenden dunklen Stunden wĂŒrde festhalten können.
Ich kramte einen Zettel aus dem Kulturbeutel und schrieb mit ungelenker Hand:


Am Anfang war der SOUND
Und der Sound
schuf sich
Seinen RAUM
Und mit dem Raum
Kam die ZEIT
Und mit der Zeit
Kam
Alles Andere

Und
Im Sound
Lösen sich
Die GegensÀtze wieder auf. Mango, Februar 1997
Vielleicht nicht so richtig klasse. Zumindest wenn man es mit den MaßstĂ€ben eines Deutschlehrers messen wollte. Metrik und all die anderen Kategorien, in die so ein Gedicht zu passen hat. Kategorien.
Aber dennoch klasse genug, um mir zwei Mal eine freudig aufflackernde Erinnerung zu entlocken. Einmal wĂ€hrend der schweren Krankheitsphase der Zukunft, die damals noch unvorstellbar aber unausweichlich vor und jetzt, wie der fade Nachgeschmack eines nie da gewesenen Alptraums schon wieder hinter mir liegt. Erinnerung, als ich vor Maikos und meiner vermeintlich endgĂŒltigen Abreise aus Deutschland beim trĂ€nenĂŒberströmten Sortieren unserer Habe den Zettel in die Finger bekam.
Und Anette entlockte das Gedicht zwei Mal ein fröhliches LÀcheln.
Einmal, als ich ihr nach der RĂŒckkehr beim Bericht von dieser Nacht den Zettel zeigte. Also lange vor dem schweren Entschluss, mein von medizinischen Notwendigkeiten erstarrtes Heimatland notgedrungen zu verlassen. Wie ein Urlaubsphoto von einem schönen Strand hielt ich ihr das geknĂŒllte Papier entgegen und sie stieg lĂ€chelnd ein, als sei da in den geschwungenen Linien wirklich erfahrbar, was wir erlebt hatten. Als sei es ein Urlaubsphoto, das schließlich auch nicht mehr ist, als eine flache Vorstellungshilfe. Es half.
Ein weiteres Mal lĂ€chelte sie, nĂ€mlich als sie mir den Zettel neulich wieder unter die Nase hielt und damit fĂŒr mich zum zweiten Mal die Erinnerung wach wurde. „Kannst Du das gebrauchen?“ fragte sie. Meine liebe Wahlschwester hatte das vergilbte Blatt bei unserer Abreise mit ungewisser Wiederkehr vor dem Papierkorb gerettet.
Und was Du nicht noch alles gerettet hast ...

Dem Roman "Von Scharlatanen, Schurken und Schamanen" entnommen, erschienen bei Bohmeier.
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AM Ende des einundzwanzigsten Jahrhunderts wird die Welt in Frieden und Eintracht leben -
Wenn Du Dir das vorstellen kannst.

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kaffeehausintellektuelle
Guest
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lieber tippi

aha.
ich kenn mich ja nicht aus in der literatur, aber kurzgeschichte ist das glaub ich auch im weitesten sinne nicht.

ein lektorat erspar ich uns beiden, da das ganze ja schon in buchform erschienen ist und ich nicht denke, dass du auf textarbeit noch wert legst.
ich weiß aber auch nicht genau, worauf du wert legst. was erwartest du, wenn du das hier hereinstellst? eine diskussion? applaus? widerspruch?

ich hĂ€tte als lektorin vermutlich strengere sprachliche maßstĂ€be gesetzt als dein verlag.
ein paar beispiele:

„Na, dann kann®s ja endlich losgehen“ ließ Melanie ungeduldig verlauten.
„Machen wirÂŽs gemeinsam? Doppelte HoffmĂ€nner, auch nicht zu verachten“ richtete sich Dieter fragend an mich, ( satzstellung, die frage nach der feststellung, sonst richtet sich dieter nicht mehr fragend ...) woraufhin ich zustimmend nickte (kann man auch ablehnend nicken?). Er riss also die Papierchen in je zwei HĂ€lften. Dann ging er herum und legte die HĂ€lften der Reihe nach jedem vorsichtig auf die vorgestreckte Zunge, als sei er ein Priester bei der Verteilung des Abendmahls. Bei Maiko angelangt sah sie mich fragend an. (grad war dieter noch ein mann, jetzt ist sie eine "sie"? - ah, du meinst melanie? dann wĂŒrd ich das erwĂ€hnen, meistens haben leser kein so gutes gedĂ€chtnis)

...Vor uns erstreckte sich die majestÀtische Landschaftsformation in tiefen Grautönen, nur akzentuiert vom gespenstischen Glitzern des Flusses.
([fĂŒr mich sind so viele adjektive eher eine schreibschwĂ€che, denn eine stĂ€rke, aber das ist nur meine persönliche meinung.)

.... Ich klopfte vorsichtig an eine Stehle. (erst dachte ich, ich kenne dieses wort einfach nicht. ich hab dann bei wissen.de nachgeschlagen. und die kennen das wort Stelle und Stele, aber keine Stehle. Was bitte ist eine Stehle? ich hab nicht ganz sorgfÀltig gelesen, muss ich gestehen. weil es mir zu lang war. und zu langweilig auch.
oder sollte hier das lektorat versagt haben?)



die k.
jo. aber das interessiert dich wahrscheinlich eh nicht.

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Trippi
Schriftsteller-Lehrling
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Was will ich?

Hi,

danke fĂŒr die ausfĂŒhrliche Mail.

Was das Lektorat anbetrifft, da hast Du recht, das ist ja schon durch. Wobei ich anmerken muss, dass dies die Version vorm Lektorat ist, denn nach dem Lektorat gab®s das ganze nur noch als PDF-Datei und die ließ sich nicht einkopieren.
Nichtsdestotrotz ist das Lektorat allerdings weit hinter meinen WĂŒnschen zurĂŒck geblieben ...
Stele, Stehle, keine Ahnung, hab ne OrthografieschwÀche, was gemeint ist, sollte allerdings herauskgekommen sein.
Vielleicht der Hinweis, dass Du es bei mir nicht mit einem Intellektuellen zu tun hast, Hauptschule abgebrochen, Schreinergeselle, Ergotherapie auf zweitem Bildungsweg. Zwischendurch eine Stoffwechselerkrankung, die mir mit 60% Behinderung einen Sitzplatz in der Bahn garantiert, ein Praktiker aus der Werkstatt also.

Nicht richtig ist, dass mich Dein Feedback nicht interessiert, womit ich bei den GrĂŒnden bin.

Einer ist Eigenwerbung, wer könnte es mir verdenken, aber der stht nur numerisch oben in der ;Liste.

TatsĂ€chlich suche ich Feedback zu ein paar Gedanken bezĂŒglich dem VerhĂ€ltnis von Psyche und RealitĂ€t, also letztlich Anschluss an ein Forum, wo offener Austausch möglich ist.
Von den Lesern- und die muss es irgendwie geben, weil ich bei Amazon im Ranking gelistet bin (wobei ich Null check habe, ob das nun 2 Exemplare, 20 oder 200 sind), habe ich kein Feedback erhalten, leider. Vielleicht hatÂŽs einfach keiner gelesen, weil es so schlecht ist, was ich natĂŒrlich nicht glauben kann und will.
Von den Leuten, die mich kennen (denn natĂŒrlich hatÂŽs autobiografische ZĂŒge), na DAS Feedback bringt mich nun echt nicht nĂ€her an einen Abgleich von Selbst- und Fremdwahrnehmung.
Na und die Leselupe?
Was mir scheint, hier liegt der Schwerpunkt wohl auf der Form, nicht auf dem Inhalt, zumindest ziehe ich das sowohl aus Deiner Reaktion als auch aus der Reaktion Travellers, die ich auf eine Story (nicht aus dem Buch) im Forum Freizeit erhalten habe. SOWAS hatte ich nicht gesucht, womit ich das in keiner Weise kritisiert haben möchte.
Na ja, danke nochmal, auch fĂŒrÂŽs Lesen.
Und wenn Dir inhaltlich was einfĂ€llt, schieß los.
Sonst weiterhin alles Gute beim Fliegen Lernen!

Tobi (or not to be!) Das ist fĂŒr mich KEINE Frage, sondern eine Antwort ...
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Trippi
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SORRY TIPPFEHLER

Liebe Kaffehausintellektuelle,

es muss natĂŒrlich heissen: "... dass Du es bei mir mit KEINEM Intellektuellen zu tun hast", sonst machtÂŽs ja nun ĂŒberhaupt gar keinen Sinn!!!

Sorry, hatte eigentlich Korrektur gelesen, aber offenbar nicht ausreichend konzentriert ...
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kaffeehausintellektuelle
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lieber trippi

tut mir leid, inhaltlich kann ich nicht viel dazu sagen. das ist nicht meine welt.
ich brauche keine drogen, um mich selbst zu finden. hin und wieder ein glÀschen wein zur entspannung, vielleicht.
insofern konnte ich inhaltlich einfach nichts damit anfangen. außerdem fand ich es halt einfach nicht wirklich gut geschrieben.
und fĂŒr besteht jede geschichte und noch mehr jedes buch aus inhalt UND form. eins vom anderen kann ich nicht trennen.

die k.

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pink_elb
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hi trippi!

will an dieser stelle mal loswerden, dass ich inhaltlich sehr viel damit anfangen kann!!
allerdings muss ich gleich dazu sagen, dass ich mich auch nicht als intellektuell bezeichnen darf -
durch die schulpflicht hab ich mich zwar durchgeboxt, danach aber lehre als "hotel- und gastgewerbeassistentin", wobei ich meine energie hauptsĂ€chlich dafĂŒr aufgebracht habe, gegen die engstirnigkeit diverser leute (wieÂŽs so ist in einem kleinen dorf) anzukĂ€mpfen und die lehrjahre dennoch zu ĂŒberstehen - naja und dann hat das leben einfach seinen lauf genommen...

so halte ich mich beim lesen einer geschichte einfach danach ob ich reinkippen kann oder nicht, ob sie mir etwas gibt oder nicht und dann sag ich gefÀllt mir oder nicht... -
naja und deine geschichte finde ich nunmal sehr interessant und an vielen stellen kam dieses "ja, genau" gefĂŒhl in mir rauf:-)

Ich finde es gibt grundsÀtzlich 2 Arten Drogen zu nehmen.
Die eine Art ist, sich mit Drogen zuzumachen - aus dem Alltag fliehen, weil der "normal-Zustand" nicht schön genug möglicherweise unertrÀglich ist.
Das funktioniert meiner Meinung nach mit jeder Art von Droge - und ganz Besonders gut mit Alkohol. (wahrscheinlich da erschwinglich, leicht zugÀnglich und mit dem gesellschaftsleben vereinbar...)
Die zweite Art Drogen zu nehmen ist die, einen angenehmen Zustand besser geniessen zu können - wie ein Glas Wein zur Entspannung dienen kann und ein Trip dazu dienen kann in einem Tanz völlig mit der Musik zu verschmelzen...usw...

NatĂŒrlich kann ich mich ohne Wein auch entspannen - aber zweifellos ist es eine andere Entspannung als mit.
NatĂŒrlich kann ich ohne einen Trip in die Musik reinkippen - aber klarerweise ist die Wahrnehmung mit Trip anders als ohne.

In einem Buch das ich schon ewig im Regal stehen habe "Grundlagen ĂŒber die Psychologie" (das zweifellos von sehr gÂŽscheiten Leuten geschrieben wurde) steht, dass sich LSD als hilfreich erweisen kann, wenn es in großen Intervallen, unter entsprechender Kontrolle und in Verbindung mit psychotherapeutischer Arbeit verwendet wird.... naja, da könnt ich jetzt ewig weiter drĂŒber philosophieren...
aber ich sag mal, die Dosis macht das Gift - einen LSD Rausch im Jahr ziehe ich wohl einem Vollrausch jedes Wochenende vor - und mein Körper auch :-)
Aber das ist insofern ein heikles Thema, da wir in unserer Gesellschaft (meiner Meinung nach) nicht zur Eigenverantwort erzogen werden.
Erst sagt uns die Kindergarten-Tante was richtig ist und was falsch, dann der Lehrer, dann der Boss (dann sollten wir es aber eh schon intus haben) wenn nicht, sind wir asozial, geistesgestört, freaks ... usw.
Wenn ich LSD konsumiere, sollte ich aber schon ein bissl davon besitzen, (Eigenverantwortung) denn wenn ich grad supermies drauf bin, wenn ich weiss, ich hab einen ganzen Berg schlechter GefĂŒhle in meinen hintersten Bewusstseinswinkel gedrĂ€ngt, dann ist es eben nicht so clever einen Trip zu nehmen....

Nun ja, das sind so die Gedanken, die mir beim Lesen deines Textes und den Reaktionen - oder der Reaktion - darauf durch den Kopf gehen.... eh alle schon allbekannt :-)

Und was deine Eigenwerbung betrifft, hm, wenn ich mal wieder ĂŒber ein bissi mehr Kleingeld verfĂŒge schau ich bei Amazon rein :-)

ganz liebe grĂŒsse,



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pink_elb
*der mensch kann zwar tun was er will, aber er kann nicht wollen was er will*

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