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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Alle Adler sind frei
Eingestellt am 17. 06. 2001 12:36


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mountainhope
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2001

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Es war wider erwarten ein sch├Âner Tag geworden. Das Wetteramt hatte Regen und Sturm vorausgesagt. Doch die Sonnenstrahlen erw├Ąrmten die Luft auf ├╝ber 20 Grad und Wind sp├╝rte man auch keinen.
Langsam liess ich mich und mein Gewehr in das frische Gr├╝n der fr├╝hlingsbl├╝henden Wiese fallen, streckte alle Viere von mir und atmete tief durch. Ich saugte die frische, saubere Luft in mich hinein und lie├č sie dort einige Sekunden auf meinen m├╝den K├Ârper wirken. Dabei schloss ich die Augen und spannte meine Muskeln bis fast zum Zerrei├čen an.

Es war friedlich.
Ich f├╝hlte mich wie neu geboren, wie ein kleines Kind, das diese Welt gerade entdeckt. Wie ein ausgetrockneter Bach, durch den wieder frisches Wasser flie├čt.
Langsam ├Âffnete ich die Augenlider ein St├╝ck. Erst das Linke, dann auch das Rechte. Sie formten sich zu kleinen, schmalen Schlitzen. Langsam lie├č ich mehr und mehr Sonnenlicht hindurch.
Direkt ├╝ber mir breitete ein Adler seine Schwingen aus. Ohne mit den Fl├╝geln zu schlagen trieb er im Aufwind dahin.
Er ist frei.

So frei wie ein Mensch, der auf einer Wiese mit einem Gewehr neben sich liegt und einen freien Adler beobachtet. Niemandem ist er eine Erkl├Ąrung schuldig f├╝r etwas was er tut, tun wird oder getan hat.
Niemand sagt ihm: " Nimm┬┤ diese Waffe und erschie├č den, der gesagt hat alle Adler mit schwarzen Federn sind genauso gut wie die Adler mit wei├čen Federn. Denn alle Schwarzen stehlen uns nur die Luft zum fliegen und sind es nicht w├╝rdig im Aufwind frei durch die Luft zu schweben."
Aber alle wissen doch: "Alle Adler sind frei und gleich, ob sie schwarze, braune, rote, gelbe oder wei├če Federn haben. Alle d├╝rfen im gleichen Aufwind friedlich durch die Luft schweben. Genauso wie alle auf einer fr├╝hlingsbl├╝henden Wiese liegen, frische Luft atmen, Muskeln zum Zerrei├čen spannen, sich wie neu geboren f├╝hlen, langsam die Augenlider ├Âffnen und das Licht hindurch lassen, einen Adler beobachten und sich frei f├╝hlen k├Ânnen."

Maschinengewehrfeuer riss mich aus meinen Gedanken. Ich ertastete mein Gewehr, es war noch warm, nicht nur von der daraufscheinenden Sonne. Vorsichtig fasste ich es am Kolben und stand auf. Langsam ging ich in den Regenwald zur├╝ck und folgte meinen Kameraden, das Gewehr im Anschlag.

Bald darauf zogen dunkle Gewitterwolken auf. Es begann zu regnen und zu st├╝rmen.
Der freie Adler war verschwunden.

__________________
Stephan Berghoff

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