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Alles hat ein Ende
So auch das afrikanische Sommermärchen der deutschen Nationalmannschaft. Leider, aber nichtsdestotrotz kann die junge Truppe erhobenen Hauptes nach Hause fahren.
Vor der WM waren die Erwartungen gering.
Erste Baustelle war das Tor. Lange suchte man eine Nummer 1 und fand sie dann. Doch Enke beging Selbstmord. Schnell fand sich aber ein ebenbürtiger Nachfolger. Rene Adler wurde es und bestand die Feuertaufe gegen Russland. Doch welch ein Schock, er verletzte sich und die Baustelle war wieder geöffnet. Seine Stärke kann man an Leverkusen ermessen. Dort hütet er das Tor. Vor der Verletzung waren diese Tabellenführer in der Bundesliga, am Ende reichte es nur für Platz 4. Adler griff zwar noch mal ein, aber die Verletzung war zu schwer.
Sein Nachfolger wurde U21 Europameister Neuer. Insgesamt betrachtet spielte der Schalker eine gute WM, wenn er auch gegen England alles andere als gut aussah. Doch diese Baustelle wurde erfolgreich geschlossen und sollte es auch in den nächsten zwei Jahren bleiben. Für alle Fälle steht ja Adler bereit.
Der Sturm bot Anlass zu wilden Diskussionen. Klose, Ersatzspieler bei den Bayern und nach Verletzung außer Form. Kuranyi, der vor Jahren aus der Mannschaft flog, weil er wegen einer Nichtberücksichtigung Fahneflucht beging, wurde von den Medien gefordert, schließlich war er zweiter der Torschützenliste. Auch Kießling fand sehr viele Führsprecher. Sein Sturmpartner Helmes aus Leverkusen dagegen verpasste auf Grund einer langen Verletzung die WM. EM Versager Gomez, in München ebenfalls Bankdrücker, war überraschend dabei- Dazu kam der eingedeutschte Brasilianer Cacau, den alle liebevoll Helmut nannten. Cacau machte in der Vorbereitung dann den besten Eindruck.
Viel Geschrei, am Ende setzte sich wie gewohnt Klose durch. Ähnlich wie Völler 1990 startete er nach Formschwäche und Gelbroter Karte durch und wurde gefeierter Rekordtorschütze. 14 WM Tore erzielte sonst nur Gerd Müller, wenn auch mit einem Turnier weniger. Jetzt steht nur noch der Brasilianer Ronaldo vor ihm. Das kleine Finale kann diesen Umstand aber noch ändern.
Auch das Mittelfeld war eine einzige Baustelle vor der WM. Die verflixte 6 traf prominente Namen: Rolfes, Ballack und der vielseitig einsetzbare Westermann.
Auch die Jungstars waren umstritten. Einen Müller braucht man nicht bei der WM. Weit gefehlt. Müller, süddeutsch für Tore, stand seinem Vorgänger Gerd nicht nach. Thomas, 20 Jahre und vier WM Tore wird das Ausscheiden im Halbfinale angelastet. Eigentlich nicht ihm sondern dem Schiri, der ihm die unsinnige Gelbe Karte verpasste.
Ich glaube zwar nicht, dass wir mit Müller ins Finale gekommen wären, aber geschadet hätte es dem Spiel der deutschen Mannschaft auf gar keinen Fall.
Podolski, der zwischen den großen Fußballturnieren leider immer Vereinsfußball spielen muss, war ebenfalls Brennpunkt gegensätzlicher Meinungen und zeigte auch Licht und Schatten im Turnierverlauf. Trochowski, dessen Nominierung viele kritisch sahen, schaffte den Sprung in die erste Elf nicht. Vielleicht eine Bestätigung.
Das Mittelfeld machte, trotz all dieser Probleme, über das ganze Turnier einen guten bis sehr guten Eindruck. Doch im entscheidenden Spiel traf man auf die Ballartisten aus Spanien und verloren gerade dort das Spiel.
Die Abwehr begann schlecht und fand sich gegen England. Friedrich, der eine katastrophale Saison in Berlin spielte, überragte und steckte seinen Nebenmann Mertesacker an, der ab der K.O. Runde stärker wurde und gegen Argentinien und Spanien brilliant verteidigte.
Die Außenverteidiger dagegen waren wirkliche Schwachpunkte im deutschen Spiel.
Rechts schwankte Lahm zwischen offensiver Weltklasse und Defensivschwäche, war aber deutlich besser als die linke Seite. Dort spielte erst ein glanzloser Badstuber, der eigentlich ein starker Innenverteidiger ist. Linksverteidiger ist nicht seine Position und das sah man schon im Champions-League Finale. Nach hinten solide, aber auch nicht überragend, fand er in der Offensive nicht statt. Folgerichtig wurde zum dritten Spiel getauscht. Boateng, der schon als Rechtsverteidiger manche Probleme hatte, ist ebenfalls ein sehr starker Innenverteidiger. Den linken Fuß hat er aber nur zum Laufen und so war in der Offensive auch nicht so viel los. Besser als Badstuber, aber nicht gut genug.
Alternative Jansen war verletzt und sprang in letzter Minute auf den WM Zug. Löw traute dem Braten nicht und so wurde er nur in der K.O. Runde eingewechselt. Gegen Spanien zu spät, hat er doch nach seiner Einwechslung das Spiel belebt.
Die linke Seite wird aber wohl eine Schwachstelle bleiben. Jansen ist eher Linksaußen als Verteidiger, das haben auch starke Spiele im Verein gezeigt. In der Defensive ist, vielleicht auch auf Grund der offensiven Ausrichtung, noch Luft nach oben. Sein HSV Pendant Aogo schlägt tolle Flanken und Ecken und erinnert ein wenig an Manfred Kaltz, sein Defensivverhalten reicht aber auch nicht für höhere Weihen. Und auch der verletzte Westermann ist eher ein zentraler als ein Außenspieler.
Nun zum Spiel gegen den Europameister. Der Gegner wurde vor dem Spiel ausreichend gelobt. Das Trainerteam hatte keine Schwächen ausgemacht. Dazu kam das Trauma des verlorenen EM Endspiels.
Spanien ist eindeutig der aktuelle Angstgegner. So erstarrte unsere Mannschaft wie das Kaninchen vor der Schlange. Man schaute begeistert zu, wie der Ball zirkulierte und wurde von dem Geschiebe dermaßen eingelullt, dass man vergaß, selbst am Spiel teilzunehmen. Selbst Neuers Glanztat gegen Villa weckte die Mannschaft nicht, zu groß war der Respekt vor dem Gegner.
Aber auch Spanien erlangte kaum Chancen gegen die tief stehende und gut gestaffelte Defensive der Deutschen. So entwickelte sich ein an Höhepunkten armes Spiel. Kurz vor der Pause wurde dann Özil im Strafraum gelegt, doch der Pfiff blieb aus. Klarer Elfmeter, doch ein Tor hätte den Spielverlauf auf den Kopf gestellt.
In der zweiten Halbzeit wurde unsere Elf nicht besser, trotzdem hätte der eingewechselte Kroos für die Entscheidung sorgen können. Stattdessen nutzten die Spanier eine der wenigen Unsortiertheiten der Deutschen beim Eckball und Puyol köpfte den Siegtreffer.
Dabei blieb es. Die Schlussoffensive der Deutschen fiel mager aus und so fügte sich Stolper-Mario nahtlos ins Geschehen ein.
Spanien siegte verdient. Den Deutschen fehlte es an Mut und Zuversicht.
Insgesamt spielte die deutsche Mannschaft aber ein hervorragendes Turnier. Schade, dass die Mannschaft sich erst spät fand. Den Spaniern merkte man an, dass sie eine eingespielte Truppe waren und wahrscheinlich machte das den Unterschied aus. Und Müller, süddeutsch für Tor, glänzte durch Abwesenheit.
Im kleinen Finale treffen wir jetzt auf Uruguay, die eine wirklich beachtliche Leistung zeigten. Eine starke Defensive krankt leider am Spiel nach vorne. Dort sorgt Forlan allerdings für Tore und am Samstag gibt es das Duell mit Klose. Beide brauchen zwei Tore, um die führenden Villa und Sneijder zu überholen.
Die Holländer haben eine starke Mannschaft mit einem starken Mittelfeld. Van Bommel und de Jong sind kernige Typen, die dem spanischen Kreisel mit weniger Respekt als die Deutschen begegnen werden. Eine sehr körperbetonte Mannschaft aus Holland schlug Brasilien in der zweiten Hälfte, nachdem sie sehr körperlos begann und hinten lag.
Holland hat auch unangenehme Gegner wie Uruguay in Schach gehalten. Und Robben, Sneijder, Kuit - oder auch van der Vaart oder Eliah als Einwechseloptionen – können ein Spiel alleine entscheiden.
So wird es am Sonntag bestimmt ein Geduldsspiel zweier starker Mannschaften, denen ich beide den Weltmeistertitel zutraue.
Vor der WM habe ich auf Holland getippt. Mal sehen, ob ich Recht behalte.
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DerErnstFallMichaelSchmidt
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Version vom 08. 07. 2010 16:58
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