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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Alles nur Erziehungssache
Eingestellt am 14. 08. 2001 21:36


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Aywa
???
Registriert: Aug 2001

Werke: 1
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Es liegt wohl in der Natur der Kinderseele, welche es eben dieser nicht erlaubt in einem Zustand des „Haben-Wollens“ eine humane Grenze zu finden. So erlebe ich es auch bei meiner Tochter.
Ein Wort hallt in den Windungen meiner empfindlichen GehörgĂ€nge wieder und sucht sich gewaltsam seinen Weg zu meinen plötzlich blockierten Gehirnzellen, bis es sein Ziel erreicht: ungeschĂŒtzte, sehr empfindliche Nervenenden.
„Eis!“
„Lea, Schatz, Mama hat jetzt gerade kein Eis“
„Eiis!“
„Lea, Herz, ich habe kein Eis. Das Eis ist alle.“
„Eiiisss!!“
„Lea, ich habe dir doch schon gesagt, das wir kein Eis haben. Es gibt kein Eis, weil Eis alle ist, verstehst du aaaalllleeee.“ und öffne theatralisch die TĂŒr des Gefrierschrankes, um ihr zu beweisen, dass ich nicht lĂŒge.
Sie blickt kurz hinein, nur um dann wieder mit ihren großen wunderschönen Augen zu mir aufzuschauen und mich durchdringenden Blickes medusengleich zu Stein werden zu lassen.
„AAAAAAIIIIIISSSSS! Lea Eis, Lea Eis!!“
„Lea, verdammt, ich habe kein Eis. Wie oft soll ich dir das noch sagen! Hörst du mir ĂŒberhaupt zu? Mama kauft spĂ€ter Eis, wenn Mama einkaufen geht! Jetzt ist Eis alle und damit Basta. Kapito? Alles verstanden? PrĂ€chtig. Dann ist ja alles geregelt.“
Kommt es mir nur so vor, oder werden ihre Augen immer grĂ¶ĂŸer?
Lea, warum hast du so große Augen? – Damit ich dich besser sehen kann!
Lea, warum hast du so große HĂ€nde? – Damit ich dich besser fassen kann!
Lea, warum hast du so große ZĂ€hne? – Damit ich dich besser fressen kann!
Uaahh!
Sie kommt auf mich zu, Schritt fĂŒr Schritt, ihre Gesichtsfarbe gleicht der jungfrĂ€ulicher Lava, ihr Gang hat etwas mechanisches, fern ab alles menschlichen. Sie drĂ€ngt mich zurĂŒck, immer weiter, bis ich wie ein verĂ€ngstigter Hase in der KĂŒchenecke kauere, mit bebenden Herzen der Erkenntnis ins Antlitz sehe, dass dieses hier mein Ende ist.
Schweißgebadet wache ich auf, wĂ€hrend sich die Schatten der Dunkelheit noch um mich drehen. Leichte Verwirrung bemĂ€chtigt sich meiner und ich schwinge mich, immer noch halbtrunken, aus dem Bett, gehe auf Zehenspitzen in den Flur und manövriere meine Schritte dann Richtung Kinderzimmer. Mit einem unangenehmen Kribbeln in der Nackengegend öffne ich lautlos und ganz langsam die TĂŒr. Stille offenbart sich mir, unterbrochen von den rhythmischen AtemzĂŒgen meines eigenen Fleisch und Blutes. Mein kleiner Engel schlĂ€ft tief und fest den Schlaf der Unschuldigen. Auch ich atme einmal tief ein, beruhigt und glĂŒcklich diese friedliche AtmosphĂ€re in mich aufnehmen zu dĂŒrfen.
Leise schließe ich wieder die TĂŒr und denke mir, dass AlptrĂ€ume einen garantiert schneller altern lassen, wobei ich fast einen Herzinfarkt bekomme als ich mich Garderobenspiegel erblicke. Das war mir eine Lehre, ich werde nie wieder in den Spiegel schauen, bevor nicht das geweihte Wasser des Duschkopfes mein Erscheinungsbild geglĂ€ttet hat.
Immer noch auf Zehenspitzen und leicht amĂŒsiert ĂŒber meine nĂ€chtlichen Traumkreationen, schleiche ich in die KĂŒche, öffne das Gefrierfach und finde meine Erleichterung: eine Familienpackung Schockoladeneis in der GrĂ¶ĂŸe super XXL. Zufrieden ĂŒber meine weise Voraussicht und mit dem sicheren GefĂŒhl mir noch ein paar Tage Aufschub hinsichtlich meines Ablebens erkauft zu haben, mache ich mich fröhlich lĂ€chelnd wieder auf den Weg in meine kuschelige Oase.
Alles nur Erziehungssache, denke ich mir, wobei sich mir fĂŒr den Bruchteil einer Millisekunde die Frage aufdrĂ€ngt: wer hier eigentlich wen erzieht. Doch bevor ich diesen Gedanken analytisch und pĂ€dagogisch ĂŒberprĂŒfen kann, entgleitet mein Geist und findet sich in den Armen eines wohlproportionierten, temperamentvollen Don Juan wieder, irgendwo auf einer noch nicht entdeckten kleinen Insel, in den Weiten des indischen Ozeans.

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Aywa

Mir gefĂ€llt die Leselupe, deshalb unterstĂŒtze ich sie... ... indem ich bereits regelmĂ€ĂŸig die Leselupen-Shop-Links nutze.
... indem ich die Leselupen-Shop-Links in Zukunft nutzen werde.

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Fee
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Sep 2000

Werke: 38
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Hallo Aywa,
sag mal, warst Du bei mir zu Hause? Kommt mir so bekannt vor
Schön flĂŒssig geschrieben, mit genau der Portion Humor wie ich ihn mag.

Liebe GrĂŒĂŸe von
Fee,
die auch schnell mal einen Blick in die KĂŒhltuhe wirft, sicher ist sicher
__________________
Wo die Natur am freiesten und wildesten ist, sind Feen und Elfen nicht weit.
Ted Andrews

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Aywa
???
Registriert: Aug 2001

Werke: 1
Kommentare: 9
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Hy Fee!

Vielen Dank fĂŒr Deinen herzerfrischenden Kommentar.
Nein, ich war leider noch nicht bei Dir zu Hause, aber es gibt mir ein gutes GefĂŒhl zu wissen, daß ich nicht die einzige im Universum bin, die von ihrer Tochter an der kurzen Leine gehalten wird
Liebe GrĂŒĂŸe
__________________
Aywa

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