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Leselupe.de > Ungereimtes
Alltägliche Geburt 22. 3. 82
Eingestellt am 15. 09. 2001 17:16


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murmeltier
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Registriert: Jan 2001

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Alltägliche Geburt 22. 3. 82

Weiß jemand den genauen Termin
für die Wiedergeburt, weiß
keiner die genaue Uhrzeit,
wie spät ist es wirklich?
Wann passiert es, das Ereignis
oder soll ich vorher aufspringen, die paar
Sachen in eine Tüte packen und ins Freie stürzen,
um wegzulaufen vor den anderen
mir selbst entgegen
um mir am Stadtrand zu begegnen
inmitten einer wild wachsenden Wiese
mit einem irren Lachen über gestern
schau ich mich in der Pfütze mit
dem Ölfilm an
und denke an gestern,
auf dem Weg durch die Fußgängerzone
mit dem Wegguckblick an dem
hinguckenden Bettler vorbeigegangen
bin ich wirklich so,
wie ich mich verhalte?
Nicht schon wieder die Frage
nach dem, was man so macht, nicht
schon wieder die alten Geschichten
erzählen, nicht ins Gestern
zurückkehren, als wenn es kein
Heute geben würde
warum soll ich denn
verdammt noch mal dazu
verdammt sein, besser als mein
Nachbar auf Schau zu machen
Kumpel, schieß mir wenigstens
nicht in den Rücken, sondern schau
mir in die Augen, wenn du abdrückst
die Sterne liegen im Pfandhaus
und ich habe den Schein verloren
und stehe schutzlos im Licht
als zivilisierter, verständnisvoller Mensch
verstehe ich natürlich selbstredend, daß
an meiner Ermordung gearbeitet wird
morgens mit der Frage im Kopf wachwerden
"Wo bin ich denn hier, und was
hab ich hier getan, und was will
ich hier und was kann ich tun?"
Das Weiterträumen ist tagsüber
nach dem Aufstehen ja möglich,
wenn man zwischen dem Ganzen und
den Menschen herumläuft
und die eigene Erfindung des heutigen Tages
muß an keinem Patentamt angemeldet werden
was den Vorteil hat, daß
das Leben billiger ist, als es
gesetzlich vorgeschrieben gelebt werden darf
Ich muß doch gar nicht
so oft in den Spiegel glotzen
um mein Schweinegesicht zu erkennen
um nach der Hautcreme zu tasten
um ein Bild von mir zu machen
Wer ist der Magnet
das Geld oder der Mensch
wer zieht was mehr an
als unbedingt notwendig
Kannst du dieser schrillen Ton nicht hören?
Soll ich deshalb zum Arzt gehen?
Was soll ich bloß heute essen?
Gibt´s wichtigere Fragen?
Der Wald mußte dem
Menschen weichen, der dem
Stein ausweichen wollte
Daß die Leute so viel erzählen
von dem, was sie getan haben
in der Vergangenheit
von dem, was sie tun wollen
in ihren Plänen
wo bleibt denn da der lebendige Moment?
Angst, daß der Augenblick
gelebt werden will?
wer mordet die Gegenwart?
wer macht das Jetzt
zum Geschprächsgegenstand ohne Leben?
und sie sprechen über Geld
und sie sprechen über Sachen
und sie beschäftigen sich
mit der Nichtwahrnehmung des Augenblicks
man kann doch nicht in anderen
suchen, was man finden will
wenn man eigene Vorstellungen
nicht der Wirklichkeit unterwerfen will
um weiter abgenutzte Träume zu träumen
aus Angst vor neuen, unbekannten Träumen
stillhalten ist wie
die andauernde Verdauung zu bestreiten
alles Lebendige mit hastigen Worten erstickt
keine Zeit, den echten Kern wirken zu lassen
keine Fähigkeit, im Schweigen wahrzunehmen
das Ursprüngliche
in Worte gepreßt
verstümmelt zu
Mißverständnissen
verzerrenden Erklärungen
leerem Gerede
will keiner mit klaren Worten
für Klarheit sorgen
oder hindert die Unfähigkeit
die Fratzen selbst
zu erkennen

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