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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Alte Liebe
Eingestellt am 06. 02. 2005 12:10


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Estella
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Registriert: Jan 2005

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Alte Liebe


Julius und ich wandern schon den ganzen Tag. Manchmal geht es steil bergauf, dann wieder streckenweise auf geraden Wegen durch den Wald. Wir sprechen nicht viel. Immer wenn der Weg zu schmal wird, um nebeneinander her gehen zu k├Ânnen, l├Ąuft Julius ein wenig voraus, so da├č ich seine muskul├Âsen Waden im Blickfeld habe. Ich beeile mich, ihm zu folgen, was nicht ganz leicht ist, denn Julius Beine sind nicht nur kr├Ąftig, nein,sie sind ellenlang.

Seit wir uns vor zwei Jahren das erste Mal begegneten, kommen wir nichtmehr voneinander los.
Wir verbringen viel Zeit miteinander. Ob beim Wandern, auf dem Golfplatz oder bei Konzertbesuchen, wir genie├čen jeden Augenblick des Zusammenseins. Ja,wir lieben uns.

Die Sonne steht schon tief, als wir uns dem Parklatz n├Ąhern, auf dem unser Auto abgestellt ist. Jetzt geht es steil bergab. Wir beschleunigen unser Tempo. Am Ende des Weges erreichen wir eine kleine Konditorei, in der wir einkehren. Hungrig und durstig stehen wir vor dem gro├čen Kuchenbufett, aus dem uns riesige Platten mit Torten anlachen.
Die freundliche Bedienung, hinter der Theke, fragt nach unseren W├╝nschen. Julius schaut mich an und meint:

" Apfelkuchen ? "Ja klar, "Apfelkuchen !"

W├Ąhrend die Kuchen auf Tellern seviert werden, schauen wir uns in die Augen und lachen. Julius legt den Arm um meine Schultern und zieht mich an sich.

Apfelkuchen ist ein magisches Wort f├╝r uns. Mit einem Apfelkuchen fing alles an.


Der Teig hatte nun lange genug geruht, befand ich und holte den, mit Folie abgedeckten Teller aus dem K├╝hlschrank.
Am Nachmittag erwartete ich meine Tochter, die Max, meinen kleinen Enkel, abholen wollte. Nach 14 Tagen, die Max mit mir zusammen verbracht hatte, wurde es nun langsam Zeit, den Jungen zu seinen Eltern zur├╝ckzuschicken. Wir unternahmen viel miteinander, besuchten den Zoo, das Schwimmbad und die Kirmes. Max spielte mit den Kindern in der Nachbarschaft und hatte Spa├č.Doch, so sch├Ân es mit Max auch war, nun freute ich mich auf die wieder einkehrende Ruhe.

Mit dem Nudelholz verteilte ich den Teig auf dem Kuchenblech. Ich wollte einen Apfelkuchen backen. Einen ganz leckeren, mit Mandeln und Rosienen. Die ├äpfel hatte ich bereits gesch├Ąlt und in St├╝cke geschnitten. Jetzt sollten sie auf dem Teig verteilt werden. Vergebens suchte ich die Sch├╝ssel mit den ├äpfeln. Ich suchte lange. Dann fiel mein Blick auf die beiden Kinder im Garten. Max und Sophie, das Kind der Nachbarn, sa├čen eintr├Ąchtig auf dem Rasen, meine Sch├╝ssel vor sich, aus der sie die Apfelschnitze a├čen.
Schon wollte ich losrennen, um ihnen die Sch├╝ssel zu entrei├čen, da wurde mir bewu├čt, da├č es nichts mehr zu retten gab.

Ich mu├čte neue ├äfel kaufen. Ich lief los. Den Gem├╝sestand erreicht ich in nur wenigen Minuten und die ├äfel waren schnell gekauft. Ich klemmte mir die T├╝te unter den Arm und rannte zur├╝ck, so schnell ich konnte.
Noch hatte ich mein Gartent├╝rchen nicht erreicht, da kam mir ein Kind auf dem Fahrrad entgegen.Der Kleine steuerte direkt auf mich zu. Entsetzt sprang ich zur Seite und entkam nur um Haaresbreite einem Zusammensto├č. W├Ąhrend der Junge frech grinsend weiter fuhr, sp├╝rte ich, wie mir die Apfel T├╝te aus dem Arm rutschte. Ich konnte sie nicht halten.

Die T├╝te plumpste auf die Erde, sie platzte. Die ├äpfel kullerten ├╝ber den B├╝rgersteig, weiter den Bordstein hinunter und direkt auf die Stra├če. Hilflos mu├čte ich mitansehen, wie sich ein Auto bedrohlich schnell meinen ├äpfeln n├Ąherte.

Das Auto stoppte seine Fahrt. Ein wei├čhaariger, ├Ąlterer Herr stieg aus. Temperamentvoll fuchtelte er mit den Armen.

" So ein Pech ! Warten sie, ich helfe ihnen ! "

Er wartete nicht lange auf eine Antwort, schon hatte er den ersten Apfel aufgelesen, den er mir freudig entgegenhielt.

" Das ist aber wirklich nett, da├č sie mir helfen wollen " rief ich etwas aufgeregt, w├Ąhrend ich beim Aufsammeln fast unter dem Auto lag.

" Sie backen wohl Kuchen ? " Seine Stimme klang belustigt. Mein Kreuz schmerzte, als ich mich aus der Hocke aufrichtete. Mit zwei Äpfeln in der Hand stand ich vor ihm.

" Ja, richtig, wie kommen sie darauf "

Er lachte : " Sie haben Mehl in den Haaren " Sein Lachen klang so jungenhaft, da├č ich aufmerksam wurde.

W├Ąhrend ich mit der freien Hand in meinen braunen Locken wuschelte, sah ich seine schimmernd wei├čen Z├Ąhne.

Jetzt erst wurde mir bewu├čt, da├č ich weder einen Korb, noch einen anderen Beh├Ąlter zur Hand hatte, um die ├äpfel ins Haus zu tragen. Einen Moment lang standen wir uns, jeder die H├Ąnde voll ├äpfel, gegen├╝ber. Er lachte zuerst. Ich stimmte ein. Unsere Blicke trafen sich. Einen Herzschlag lang schauten wir uns in die Augen. Jetzt lachten wir nicht mehr.

" Ich wohne hier.Wollen sie nicht einfach mit in meine K├╝che kommen ?" Dabei versuchte ich so unbefangen wie nur m├Âglich zu erscheinen.

" Gerne, ich mu├č nur meinen Wagen abschlie├čen."

Tats├Ąchlich gelang ihm das Kunstst├╝ck, mit den ├äfeln in seinen H├Ąnden, den Wagen zu sichern, bevor er mir ins Haus folgte.

Wir legten die ├äpfel auf dem K├╝chentisch ab. Ich blickte zu ihm hoch. Er ├╝berragte mich um L├Ąngen.

Wortreich versuchte ich mich zu bedanken. Schon wollte er gehen.

" Ich backe jetzt den Kuchen f├╝r heute Nachmittag. Wollen sie nicht vorbeikommen ? " Er drehte sich um und strahlte mich an.

" Wirklich ? Meinen sie das im Ernst ?"

" Ja, ganz im Ernst, sie d├╝rfen auch ihre Frau mitbringen. "

" Meine Frau ist vor drei Jahren gestorben. " Er sagte es etwas monoton und schaute zu Boden.

" Das tut mir leid. " Einen Moment lang standen wir unschl├╝ssig zwischen den wei├čen K├╝chenm├Âbeln.

" Ja, dann will ich mal. "

" Ich w├╝rde mich wirklich freuen, wenn sie k├Ąmen. Wohnen sie denn weit weg ? "

" Nur zwei Stra├čen weiter." Er z├Âgerte einen Augenblick.

" Ich warte auf sie ! "

" Das ist ja nett ! Entschuldigen sie, ich habe mich noch garnicht vorgestellt. Straub ist mein Name."

Meine kleine Hand verschwand in seiner, fast bis zum Ellenbogen. Einen Augenblick zu lange, hielt er sie fest.

" Marlene Sommer "

Ich begleitete ihn hinaus bis vor die T├╝r. Meine Wangen gl├╝hten, mein Herz klopfte. Ich f├╝hlte mich so unbeschreiblich jung.

__________________
"Es macht die W├╝ste sch├Ân", sagte der kleine Prinz, "dass sie irgendwo einen Brunnen birgt."

(Saint-Exup├ęry)

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