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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Am Angelfall
Eingestellt am 15. 10. 2002 11:55


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die jutta
???
Registriert: Oct 2002

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Liebe Freundin!

Vom Orinoco willst Du h├Âren, vom Angelfall? Ach. Zum Orinoco reichte die Zeit nicht, ebenso nicht f├╝r Caracas. Denn Manuels Freund Antonio, den ich immer mitnehme auf unsere Reisen, lebt inzwischen in La Paz und mu├čte von dort nach aus Margarita. Da er seinen Anschlu├čflug verpa├čte und zwei Tage in einem einsamen Hotel in was wei├č ich wo in Bolivien verbringen mu├čte, waren wir einmal vergeblich am Flughafen, um ihn abzuholen, einmal mit Erfolg. Jedenfalls blieben uns nur ein paar Tage f├╝r unsere Ausfl├╝ge. Keine Piranhas gejagt, keine Fahrt mit dem Einbaum. Aber wird noch, wird noch. Tja, der Angelfall ÔÇŽ Ich hatte Angst vor diesem Ausflug schon von dem Tag an, an dem ich die Reise gebucht hattee, bin aber eigentlich nur deshalb nach Margarita gefahren (und weil es noch preiswert ist, wenig Tourismus ÔÇô Hotel all inclusive. Pi├▒a Colada schmeckte nicht, daf├╝r aber Cuba libre, gut gegen jede Art von Infektion, Medizin gar, alle Magenschmerzen und Bauchschmerzen bek├Ąmpft mit Cola mit Rum, um es auf gut Deutsch zu sagen).

Ach, schon wieder ach. Ich war mit drei h├╝bschen jungen M├Ąnnern unterwegs, ein anderer Freund von Manuel war auch mitgekommen. Das hat Spa├č gemacht. Im Hotel nette Leute kennengelernt. Alles Weltenbummler, au├čer die, die unbedingt Schweinebraten mit Sauerkraut essen wollten und entt├Ąuscht waren, weil es das nicht gab. Die fahren n├Ąchstesmal wieder in den Harz oder so. Nichts gegen den Harz, ich mag ihn sehr.

Zur├╝ck zum Angelfall. Angst gehabt, noch Angst gehabt, als ich in der 767 sa├č und nach Venezuela flog. Der Flug zum Angelfall sollte mit einer Cessna stattfinden, ach herrjeh, wo die Dinger doch immer abst├╝rzen. Zuhause aber noch Karten gelegt, da stand nichts drin von Absturz. Ein l├Ąngerer Marsch durch die Savanne und den Dschungel war geplant, und das ich, unsportlich wie ich bin, aber Tour de France schaue ich im Fernsehen und jedes Abfahrtsrennen und Skispringen und alle Arten von Wintersport ÔÇô da sehne ich mich ja fast schon wieder nach dem Winter ÔÇô. Und was ist, wenn man zwischendurch aufs Klo mu├č? Also auf Margarita gewesen, f├╝r uns vier den Ausflug gebucht. Unter einem Wasserfall sollten wir entlanggehen, sollten vorher einen Bikini anziehen. Ich im Bikini. Im Badeanzug genauso ungl├╝cklich.
Kurz vor sechs Uhr morgens an diesem denkw├╝rdigen Tag schmi├č ich die Jungs aus dem Bett, es gab keinen Kaffee im Hotel, nichts zu essen. Zum Flughafen gefahren, eingecheckt bei einem richtigen Abenteurer, ein ├Ąlterer Herr, aber gest├Ąhlt von Wind und Wetter und Sonne. "Wir fliegen mit einer Dakota aus dem Jahr 1936", verk├╝ndete er fr├Âhlich. Ich das Manuel erz├Ąhlt "Da kriege ich Panik, ich schlafe die ganze Zeit", er erkl├Ąrt. Auf dem Rollfeld gestanden, die Maschinen angeschaut, die dort herumstanden, war doch nur ein Scherz, dachten wir, die annehmbaren Flugzeuge flogen alle ab, ├╝brig blieb nur ein vorsintflutlicher Kasten.
Wir stiegen ein, machten vorher ein Abschiedsfoto f├╝r die Nachwelt von uns, am Propeller war eine Schraube locker, starrten (fast) unentwegt auf die lose Schraube, st├╝rzten nicht ab. Wurden keine Engel. Sah den Orinoco wenigstens von oben, nach drei Stunden Flug endlich die Tafelberge. Da sind Turbulenzen, hatte im Reisef├╝hrer gestanden, sind da wirklich Turbulenzen, hatte ich die nette Dame gefragt, bei der ich gebucht hatte. Ach was, ist nicht schlimm, hatte sie gemeint.
Um den Angelfall zu sehen, mu├čten wir durch Schluchten fliegen (deshalb auch die kleine Maschine), und rauf ging es und runter. Herrlich warÔÇÖs. Dem Torsten wurde schlecht, war ├╝berhaupt das erste Mal im Leben geflogen, gab aber keine Toilette im Flugzeug. T├╝te reichte. Und dann sahen wir den Fall, alles rannte auf die rechte Seite im Flugzeug, wennÔÇÖs ein Schiff gewesen w├Ąre, w├Ąren wir gekentert. Meistens sieht man ihn n├Ąmlich nicht, weil er in den Wolken ist, oder weil er zu wenig Wasser f├╝hrt. Ein schmales W├Ąsserchen ist es, das einen Kilometer tief von einem Tafelberg st├╝rzt. Ergriffen war ich, mu├čte schlucken, ich, ja ich, sah ihn mit meinen eigenen Augen, hatte nicht im letzten Augenblick den Ausflug abgesagt.
Auf einer Dschungelpiste landeten wir, unsere Sachen wurden auf einen Laster geladen, erst hie├č es, Indianer w├╝rden unsere Sachen tragen, das fand Manuel ganz schlimm, war aber nicht so, mu├čten sie nicht ausbeuten. Erstmal machten wir eine Einbaumfahrt (also wenigsten dort ein Einbaum) auf einer Lagune, marschierten ein bi├čchen, standen vor dem sch├Ânsten See, den ich je gesehen habe, st├╝rzten uns in das Wasser, ein klares Wasser, du ahnst es nicht, so mitten im tiefsten Venezuela an der Grenze zu Brasilien und Guyana, ich mit Shorts und T-Shirt, meine drei Jungs schwammen auf die andere Seite des Sees, waren nicht mehr gesehen. Unser F├╝hrer (dieser Wind-Wasser-Sturm-Sonne-Gest├Ąhlte in einem entz├╝ckenden Badeh├Âschen) scheuchte uns weiter, ich schnappte mir drei Rucks├Ącke, drei Paar stinkende Turnschuhe und kraxelte ├╝ber Stock und Stein entlang des Sees, aber da es ja nette Menschen gibt, ein Frankfurter war es in diesem Fall, nahm er mir ein Teil der Sachen ab, und dann ging es hinter dem Wasserfall entlang, aber ich suchte doch noch immer meine Jungs, und dann sah ich Manuel, und ich stand in dem Augenblick genau dort, wo der Wasserfall ├╝ber die Klippe donnerte, und ich wurde nochmal pitschna├č. Hatte aber meine Jungs wieder, ach, war ich gl├╝cklich.
Eine Landschaft, man kann sie nicht beschreiben, selbst im Reisef├╝hrer steht, da├č man sie nicht beschreiben kann. Immer wieder Wasserf├Ąlle und hin und wieder eine giftige Ameise oder eine Orchidee. Und wir hatten doch die ganze Zeit kaum was gegessen und nur eine Cola getrunken. Aber das machte nichts, die Landschaft war so eindrucksvoll.
Schlie├člich kamen wir zu einer Lodge, und es gab H├╝hnchen und Kartoffelsalat (mu├č man sich mal vorstellen, mitten in der Pampa), soviel man wollte, und Cola, soviel man wollte, und glaube mir, selten hat mir etwas so gut geschmeckt (na ja, bei dem Essen, das Du gibst, w├Ąr ich ja wirklich gerne gewesen, schon alles Drumherum, der Mil├▓, die Bibel, meine G├╝te, was kennst Du Leute, da w├╝rde ich mich ja gar nicht trauen, Dir mein bescheidenes Heim zu zeigen), aber zur├╝ck, H├╝hnchen satt, Cola satt, Kartoffelsalt satt, ein Papagei, nein, nicht satt. Na gut, wieder zur├╝ck zur Dakota, auf die lockere Schraube gestarrt, kurz vor dem karibischen Meer in Luftl├Âcher geraten. In die Hotelanlage gefahren, Cuba libre getrunken. Gl├╝cklich gewesen. Habe es doch geschafft. Nun schaffe ich alles, habe ich gedacht. Na ja, war vielleicht ein bi├čchen zu euphorisch.
Und n├Ąchstes Jahr? Mein Traum w├Ąre mit den Jungs auf einer S├╝dseeinsel, das hat was, aber wie kommt Antonio von La Paz dorthin, also etwas, was n├Ąher liegt, Afrika, ach Afrika. Obwohl, die karibischen Inseln sind so bunt, so sinnlich. Aber Afrika. M├╝├čte wegen Antonios Fluges Westafrika sein. S├╝dafrika vielleicht. Obwohl ich es mir viel zu europ├Ąisch vorstelle. Mitte August gibt es die neuen Reisekataloge, werde in Gedanken um die ganze Welt reisen, liebe Freundin, auch zu Dir.

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