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Am Ende der Welt
Eingestellt am 12. 09. 2008 21:55


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LudmillaKulikova
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Der Ozean zerschlug sich auf der Erdkugel, warf Wellenberge an die Klippen und mit einer unglaublichen Kraft trieb sie zurĂŒck in sein HerzstĂŒck. Der Ozean bĂ€umte sich gegen sie auf, bĂŒndelte alle Kraft und warf die Wellen umgehend noch weiter fort, auf die Geröllmassen, zielte auf den Leuchtturm, berĂŒhrte ihn mit einem FĂ€cher von Spritzern, warf das Wasser zu dessen Granitfuß nieder. Das eigentĂŒmliche Spiel der Elemente zog sich schon den zweiten Tag hin, verlor weder am Tag noch in der Nacht an IntensitĂ€t. Das Dröhnen und Heulen, markerschĂŒtterndes WiederkĂ€uen, erfĂŒllte den Raum, wodurch er sich verengte und zĂ€h wurde. Sich in ihm fortzubewegen war beschwerlich. Der menschliche Körper, der sich durch den Sturm kĂ€mpfte, bezwang nur mit der MĂŒhe den physisch gespĂŒrten Widerstand des Raums, verstĂ€rkt durch die Windböen und knallendem Regenguss. Die LeuchtturmwĂ€rterin Nasta, die es wie einen Halm zur Erde beugte, drĂ€ngte stur zu den starken Scheinwerfern des Turmes voran.

Den Leuchtturm hatte sie schon vor dem Sturm verlassen, die rotierende Signalbeleuchtung eingeschaltet, das Schloss vor der EichentĂŒr verschlossen und war gegangen, ohne sich umzusehen, angetrieben von der aufkommenden Kraft des Windes. Sie lief bis zum Dorf, der Wind stĂŒtzte seine HandflĂ€chen in ihren RĂŒcken und schob sie unerbittlich voran. Die sieben Kilometer, die zwischen dem Leuchtturm und Familienhaus lagen, legte Nasta in ungefĂ€hr einer Stunde zurĂŒck, schweißnass und ohne GefĂŒhl in den Beinen. Die Muskeln in den Waden waren verspannt und steinhart. Nasta ging ins Haus, warf die Jacke ab, lief mit steifen Beinen zum Bett, legte sich auf die Decke und stöhnte bei Ausatmung. Ihre FĂŒĂŸe zuckten leicht. Borni kam ihr in Erinnerung. Wenn er schlief, bewegten sich seine Pfoten doch wie beim Laufen, er wimmerte und seine Lider zuckten. So wie der gehetzte Borni aus der Kindheit lief jetzt Nasta immer noch auf einem unsichtbaren Weg. Die GerĂ€usche im Kopf verstĂ€rkten sich. Vor dem Fenster spielte sich die Apokalypse ab, als beeile sich der Wind, es dem Fischerdorf heimzuzahlen.

*
Ich stand auf der Leuchtturmplattform unmittelbar vor den Scheinwerfern und schaute auf den Ozean. Wie ein wildes Tier lag die graue atmende Masse zu meinen FĂŒĂŸen, hielt den Atem inne, in Vorbereitung auf den unerwarteten Sprung. Mein Vater hatte mir eingeredet, der Ozean sei lebendig. Als ich ein Kind war, hatte ich keine Angst vor dem gewaltigen Naturelement verspĂŒrt. Aber im Jahr meiner ersten Menstruation pflanzte sich die Angst in meine Seele ein. Mein Vater begeisterte sich immer mehr fĂŒr den Ozean, verhielt sich zu ihm wie zu einem mystischen Wesen. Ich jedoch stellte mir vor, wie ein Riese sich nachts auf mich wirft und mich in seine dunkele Höhle schleift. Was ich auch tat, wo ich mich auch befand, immer spĂŒrte ich seine Anwesenheit.

AnfĂ€nglich nahm mein Vater mich oft mit zum Leuchtturm. SpĂ€ter zog er mit mir ganz dorthin um. Die Mutter, gleichgĂŒltig und in ihrem Wahnsinn suchend nach Genuss, blieb allein im Haus zurĂŒck. So verlor ich als zehnjĂ€hrige meine Mutter und mit dem Tag des Umzugs begann auch die Geschichte meiner Angst. Das UnertrĂ€glichste waren die StĂŒrme. Vater raste, tobte im Sturm, lief an den Klippen entlang und schrie den Wellen klĂ€ffende Beschwörungsformeln zu. Ich beobachtete ihn aus dem Fenster des Leuchtturms. Er spuckte die Worte genau in die Welle, die drohte, ihn zu verschlingen. FĂŒr den Bruchteil einer Sekunde hing sie ĂŒber der Klippe, um sofort in eine Unmenge von Spritzern zu zerfallen, nachdem sie den Vater nicht ergattert hatte, fiel sie ab, rollte zurĂŒck und warf sich mit erneutem GebrĂŒll wieder auf die Klippe. Der Vater frohlockte! Ich konnte dieses Spektakel nicht lĂ€nger ansehen und lief so weit wie möglich vom Leuchtturm fort. Ich lief nach Hause, doch dort fand ich eine mir fremde Frau vor. Wir sprachen nicht miteinander. Aus Angst vor dem Ozean musste ich die schweigsame, gleichgĂŒltige Mutter ertragen.

In diesem Haus schlief ich nicht ruhig. Mir schien, dass die Mutter mich gewiss ersticken wĂŒrde. Sie alterte mit rasender Geschwindigkeit und verlor ebenso schnell ihren Verstand. Einige Jahre lebte ich zwischen dem Vater-Der-Leuchtturm und Mutter-Das-Heim. Keiner der beiden redete je mit mir, interessierte sich fĂŒr meine GefĂŒhle. Dem Vater genĂŒgte der Ozean, der Mutter - die Einkerkerung in den eigenen vier WĂ€nden. Wenn ich nach Hause kam, begannen meine HĂ€nde zu jucken. Es war ein unertrĂ€glich-sĂŒĂŸes Jucken! Ich kratzte beide HandflĂ€chen fast bis aufs Blut auf und in meinen Genitalien Ă€ußerte sich ebensolch sĂŒĂŸe Empfindung. Der Kreis hatte sich geschlossen.

Einmal erlangte die Spannung einen solchen Höhepunkt, dass ich es nicht mehr aushielt. In einer dieser stĂŒrmischen NĂ€chte sprang ich unerwartet aus dem Bett, lief zum Sofa, auf dem die Mutter schlief, und drĂŒckte mit unbĂ€ndiger Kraft das Kissen in ihr Gesicht. Hinter den Fenstern heulte es, die BĂ€ume schĂŒttelten sich und ich zitterte vor Weinen. Ich kam im Sturm, ging im Sturm, niemand hatte mich gesehen. Man fand die Mutter nach mehreren Wochen. Von ihr war eine halb verweste Masse an den Knochen geblieben. Es fand sich niemand, der Interesse bekundete, zu erfahren, woran die LeuchtturmwĂ€rtersfrau gestorben war. Man wickelte den Leichnam in eine Decke und vergrub ihn auf dem örtlichen Friedhof.
Von hier, vom Leuchtturm aus, konnte man beobachten, wie die Sonne im Horizont versank. So ungefĂ€hr versenkt man MĂŒnzen in den Fahrkartenautomaten. Die rote Sonne schob sich langsam in den Schlitz des Horizonts und auf das Meer schwappte die Nacht. Weiter als bis zu unserer Landspitze bin ich nie gefahren. Über Fahrkarten erzĂ€hlte der Vater. Ich besuchte die ersten sechs Klassen der Schule im Fischerdorf, dann sagte er hart: „Es reicht! Hier auf dem Leuchtturm brauchst du kein Wissen.“

Im Turm gibt es keinen Fernseher, nur ein Transistorradio mit einem Sender „Der Leuchtturm“. „Der Leuchtturm“ auf dem Leuchtturm.

Im oberen Raum befindet sich die Bibliothek. Oft schloss sich der Vater darin ein, kam lange nicht wieder daraus hervor. Vielleicht zauberte er dort? Ich hielt mich auch ziemlich oft in der Bibliothek auf, doch schließe ich mich nie ein. Der Vater „band“ mich an den Leuchtturm. Er selbst hatte seine eigene Rechnung mit dem Meer. Er hatte beschlossen, sich mit dem Meer zu beschĂ€ftigen, es zu locken, benutzte mich als Köder. Es war nicht schwer, hinter die PlĂ€ne meines guten Papachens zu kommen.

Ich erwartete einen Sturm. Ich stieg hinauf auf den Turm zu den Scheinwerfern und redete auf den Ozean ein. Er schwieg, wie einst meine Mutter geschwiegen hatte. Er war mir gegenĂŒber gleichgĂŒltig, wie die Mutter meinen fragenden Blicken gegenĂŒber gleichgĂŒltig gewesen war. Das Meer kann man nicht erwĂŒrgen, also fuhr ich fort, es zu hypnotisieren. Die Mutter um etwas zu bitten, war sinnlos gewesen, doch das Meer wĂŒrde sich irgendwann in einem Sturm entladen. Ich wollte den Tag schnell kommen lassen, denn es gehörte zu meinem Plan, auch noch meinen Vater loszuwerden. Dann wĂŒrde ich den Leuchtturm zerstören, danach wĂ€re das Meer dran. Es wĂŒrde vor Langeweile sterben. Bis dato hatte es seine Spielzeuge - die Klippen mit dem Leuchtturm am höchsten Punkt und mich. Der Vater Ă€rgerte den Ozean nur. Ich glaubte nicht, dass sein Getue dem Meer gefiel.

*

Das Haus erinnerte an eine leere Schachtel, in der sich, zwecklos wie sie war, nur Staub und Spinnennetze ansammelten. Es gab keinen anderen Ort, an den sie hĂ€tte gehen können. Das Dorf war zwischen großen Steinen gelegen, die sich um eine kleine Bucht erstreckten. Von hieraus stachen die Fischer ins Meer. StĂŒrmte es, wurden die Katen mit hölzernen FensterlĂ€den fest verriegelt, die TĂŒren verschlossen, die Riegel vorgeschoben. Jede Ritze, bis auf die Esse, wurde zugestopft.

Nasta erhob sich vom Bett und ging zum Ofen. Es gab kein Holz. Im Schornstein heulte es. Sie setzte sich auf den Hocker und schaute sich um. Hier war es immer leer. Es standen einige Möbel aus Pressspanplatten herum. Doch es gab keine Tischdecke, keinen Überwurf, keine Gardinen, nichts, was minimale GemĂŒtlichkeit verbreitet hĂ€tte. Nasta aber trĂ€umte von schweren und massiven Stoffen.
*

Sollten diese den Raum um mich herum, der groß, leer und kalt war, fĂŒllen. In ihm, wie im Vakuum, gab es keine BerĂŒhrungen, keine Blicke, keine Worte. Ich bin gekommen, mich mit der Mutter zu versöhnen. Den Vater habe ich erfolgreich in die Bibliothek gesperrt, nun muss ich ĂŒberprĂŒfen, ob ich mich richtig verhalte. Wenn ich mich von ihnen trenne, werde ich endlich frei sein. Die Mutter ist schon lange nicht mehr existent. In jener Nacht hatte sie die FensterlĂ€den nicht geschlossen, obwohl so heftiger Sturm fegte, der leicht die Fensterscheiben hĂ€tte einschlagen können.

Ich raffte alle Lumpen zusammen, die im Haus zu finden waren. Kleider, die die Mutter ĂŒber Jahre getragen hatte, zerrissene Strumpfhosen, abgetragene Höschen. Alles flog auf den Boden beim Ofen. Jetzt musste sĂ€mtliches Papier, was zu finden war, zusammengetragen werden. Es gab wenig Papier, ein paar alte Zeitungen und einen Notizblock. Mechanisch öffnete ich das Notizbuch und stieß auf Worte, von Mutters Hand geschrieben. „Ich hasse sie! HĂ€tte ich dieses Dummerchen besser schon im Leib getötet.“ Dies galt mir. „Sie ließ mich nicht eine Minute diesen furchtbaren Fall vergessen. Sie ist mein Schandfleck.“

Ich riss die Seite aus, faltete sie zusammen und steckte sie in die Tasche. Streichhölzer musste ich nicht lange suchen, sie lagen auf dem Ofen. Ich entzĂŒndete das Holz an der Schachtel und warf es auf den Berg von Sachen und Papier, der sogleich entbrannte, dessen Flammen sich vergrĂ¶ĂŸerten. Es entstand ein fröhliches Feuer. Irgendwo in der Ferne meines GedĂ€chtnisses flackerte der Glanz eines Schullagerfeuers auf, um sofort wieder zu verschwinden. Ich beeilte mich nicht, zu gehen. Ich musste sicher sein, dass das Feuer nicht verlischt. Ich legte den Stuhl mit den Beinen nach oben ins Feuer. Die Flamme griff sofort auf das Futter ĂŒber. Es zerschmolz, entblĂ¶ĂŸte eine Reihe Sprungfedern. Es wurde sehr heiß. Mutter, verzeih, dass ich geboren bin.

*
Die LeuchtturmwĂ€rterin Nasta war hartnĂ€ckig genug, den entgegenkommenden Wind zu bezwingen und bis zum Turm vorzudringen. Ihr feuchtes Gesicht brannte von den harten SchlĂ€gen der Regenstrahlen. Lange stand sie an der TĂŒr, versuchte das Schloss zu öffnen. Die Finger waren vereist und ließen sich nicht beugen. Die Kraft reichte nicht, den SchlĂŒssel im Schloss zu drehen. Sie behauchte die Finger, rieb ihre HandflĂ€chen aneinander und hauchte erneut. Schließlich gelang es ihr, das Schloss zu öffnen. Sie ging ins Innere des Turms. Das wilde Getöse der Wellen, das Prasseln des Regens und das Heulen des Windes blieben draußen. Hier was ein(getrennt)wenig leiser, doch ebenso kalt. Zuerst musste man den Ofen anheizen und sich wĂ€rmen.

In der WĂ€rme löste sich Nasta und schlummerte ein.
„Warum hast du mich eingesperrt?“
Sie öffnete die Augen und erblickte einen Mann vor sich. Sein Gesicht kam ihr nicht bekannt vor, doch die Stimme gehörte dem Vater. Nein, es musste der Vater sein, doch wo war sein Bart? Wie sehr er der Mutter Àhnelte. Oder die Mutter ihm. Nasta schloss erneut die Augen und rieb energisch ihre Knie.
„Erkennst du mich nicht?“
Sie schaute direkt in das bekannte unbekannte Gesicht. Eine akute Angst befiel sie. Sie saß im niedrigen Sessel, ĂŒber ihr erhob sich der Vater.
„Ich hatte genug Zeit zum Nachdenken, solange ich eingesperrt in der Bibliothek saß. Ich habe beschlossen, dir etwas zu erzĂ€hlen. Dann habe ich die TĂŒr eingeschlagen. Bist du nicht darauf gekommen, ein starker Mann könnte die ganz einfach aufbrechen? Nur die EingangstĂŒr des Turms ist aus dicker Eiche, die im Inneren sind alt, gehen an den rostigen Angeln aus dem Leim.“
Nasta saß da, ohne ihre Position zu verĂ€ndern. Der Vater ging einige Schritte zurĂŒck. Er nahm einen Hocker, kreuzte Arme vor der Brust und setzte sich breitbeinig hin.
„He, du kennst mich nur mit brustlangem Bart, zugewachsen bis zu den Augen. Nur Nase und Augen konntest du sehen. Aber nun schau hin. Sieh genau hin. Sieh in das glatt rasierte Gesicht! Und!.. Du schweigst. Einst war ich nicht der Ehemann deiner Mutter, ich war ihr Vater.“
„Und wo ist mein Vater?“
„Ich bin dein Vater. Hast du es nicht verstanden? Ich, ich bin dein Vater! Kapiert?!“ Er schrie beinahe.
Sofort erinnerte sich Nasta an den Zettel im Notizblock.
„Sie war vierzehn, als ich das Weib in ihr erkannte. Meine erste Frau, deine Oma, war plötzlich gestorben, ich blieb allein mit dem kleinen MĂ€dchen zurĂŒck. So wurde meine Tochter ab ihrem vierzehnten Lebensjahr meine zweite Frau. Ich vergaß, dass sie meine Tochter war, denn ich sah nur das Weib in ihr. Ich weiß nicht, ob sie sich erinnerte, dass ich ihr Vater war. Selbst wenn sie sich erinnert hĂ€tte, sie hĂ€tte dagegen nichts tun können - meine Faust war immer bereit. Damit uns die Leute aus dem Dorf nicht auf den Leib rĂŒckten, brachte ich sie hierher, ans Ende der Welt. Wir ließen uns hier als Mann und Frau nieder. Ich vergötterte ihren Körper. Er erregte mich so sehr, dass wir die meiste Zeit im Bett verbrachten. Wenn deine Mutter nicht bald begonnen hĂ€tte zu schweigen, hĂ€tten wir ein glĂŒckliches Paar werden können. Dann ist sie schwanger geworden.“
Nasta ahnte, dass der Ozean heute seine Mission erfĂŒllen wĂŒrde.
„Ich habe meinen Bart abrasiert, damit du mir Glauben schenken kannst. Wir sehen einander sehr Ă€hnlich
Und nun wirst du jetzt eine umwerfende Frau.“ Der unrasierte Vater zog die rechte Lippe hoch.
Dieses schiefe LÀcheln beÀngstigte Nasta am meisten, sie spannte sich noch mehr an und presste sich, wie eine zusammengepresste Sprungfeder, in den Sessel.
„Komm zu mir.“
„Warum? Was willst du mit mir machen!“
„Ich werde dich lieben.“
„Du hast mich nie geliebt.“
„Jetzt fange ich aber an, dich zu lieben. Komm her.“
„Ich bin deine Tochter.“
„Na und, deine Mutter war auch meine Tochter.“
„Ich bin deine Enkelin.“
„Bringe mich nicht zum Lachen, Nastele.“ Der Vater stand vom Hocker auf.
„Gut“, ließ Nasta schnell verlauten. „Lass uns auf den Felsen gehen.“
„Bei dem Wetter?“
„Du liebst doch den Sturm.“
Der Vater beÀugte die Tochter voller Begierde.
„Warum nicht? Keine schlechte Idee! Lass uns gehen!“

„Ich werde ihn umbringen! Ich bringe ihn um!“ Beschwörend wiederholte Nasta den Gedanken.
Von Windböen zermartert, kletterten sie auf die Felsenwand. Oben gab es nichts, woran man sich festhalten konnte - eine blanke Ebene, sie mussten sich aneinander festhalten. Es herrschte derartiges Getöse, dass man das eigene Wort nicht verstehen konnte.
„Zieh dich aus!“, schrie der Vater Nasta ins Ohr.
„Ich will dort unter die Gischt.“, schrie sie zur Antwort.
Sie gingen nĂ€her an die Wellen heran. Ein Gischtschauer stĂŒrzte ĂŒber ihnen zusammen. Der Vater zog schon Nastas Bluse aus, als sie ihn mit ganzer Kraft zum Rand der Felsen stieß. „Was machst du? Was machst du, Töchterlein?!!!“, schrie der Vater und wendete sich so, dass Nasta mit dem RĂŒcken zum Ozean stand.
Er löste sich von ihrem Griff und sprang einen Schritt zurĂŒck, Nasta rutschte aus, verlor durch den heftigen Ruck das Gleichgewicht und verschwand augenblicklich von den Klippen. Mit dem Körper die Wassermasse lochend, flog sie dem Tod entgegen und dachte dabei mit Erleichterung „Wie gut! Nun kann er mich nicht kriegen!“

*

Es gab GerĂŒchte, dass der LeuchtturmwĂ€rter den Verstand verloren hatte. Noch am Tag der Geschehnisse hatte er den Turm verlassen, war ins Dorf zurĂŒckgekehrt. Wochenlang strich er um die BrandstĂ€tte seines ehemaligen Hauses herum, schlief unter einem alten Boot und ernĂ€hrte sich von Almosen. Dann verschwand er, als sei er im Wasser versunken.



15. November 2007


Version vom 12. 09. 2008 21:55

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Raul Reiser
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Am Ende der Welt

Liebe Ludmilla,
versuch, Dir jemanden zuzulegen, der Deine Texte lektoriert. Da ist sehr viel drin, machmal erinnert es auch an gelesene Literatur, manchmal stimmen logische BezĂŒge nicht oder Kapiteleinteilungen.
Deine Texte sind wie Marmorskulpturen, die noch nicht richtig ausgehauen sind.
Was letztlich dahinter steckt, ist echt Literatur.
Viele GrĂŒĂŸe
Raul

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flammarion
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Am Ende der Welt
Veröffentlicht von LudmillaKulikova am 12. 09. 2008 21:55
Der Ozean zerschlug sich auf der Erdkugel, warf Wellenberge an die Klippen und eine unglaubliche Kraft trieb sie zurĂŒck in dessen (ihr) HerzstĂŒck. Der Ozean bĂ€umte sich gegen sie auf, bĂŒndelt (bĂŒndelte) alle Kraft und warf die Wellen umgehend noch weiter fort, auf die Geröllmassen, zielte auf den Leuchtturm, berĂŒhrte ihn mit einem FĂ€cher von Spritzern, warf das Wasser zu dessen Granitfuß nieder. Das eigentĂŒmliche Spiel der Elemente zog sich schon den zweiten Tag hin, verlor weder am Tag noch in der Nacht an IntensitĂ€t. Das Dröhnen und Heulen, markerschĂŒtterndes WiederkĂ€uen, erfĂŒllte den Raum, wodurch er sich verengte und zĂ€h wurde. Sich in ihm fortzubewegen war beschwerlich. Der menschliche Körper, der sich durch den Sturm kĂ€mpfte, bezwang nur mit der MĂŒhe den physisch gespĂŒrten Widerstand des Raums, verstĂ€rkt durch die Windböen und knallendem Regenguss , ĂŒberwĂ€ltigen (ĂŒberflĂŒssig). Die LeuchtturmwĂ€rterin Nasta, die es wie einen Halm zur Erde beugte, drĂ€ngte stur zu den starken Scheinwerfern des Turmes voran.

Den Leuchtturm hatte sie schon vor dem Sturm verlassen, die rotierende Signalbeleuchtung eingeschaltet, das Schloss vor der EichentĂŒr verschlossen und war gegangen, ohne sich umzusehen, angetrieben von der aufkommenden Kraft des Windes. Sie lief bis zum Dorf, der Wind stĂŒtz (stĂŒtzte) seine HandflĂ€chen in ihren RĂŒcken und schob sie unerbittlich voran. Die sieben Kilometer, die zwischen dem Leuchtturm und Familienhaus lagen, legte Nasta in ungefĂ€hr einer Stunde zurĂŒck, schweißnass und ohne GefĂŒhl in den Beinen. Die Muskeln in den Waden waren verspannt und steinhart. Nasta ging ins Haus, warf die Jacke ab, lief mit steifen Beinen zum Bett, legte sich auf die Decke und stöhnte bei Ausatmung. Ihre FĂŒĂŸe zuckten leicht. Borni kam ihr in Erinnerung. War er mĂŒde gewesen und schlief fest, so bewegten sich seine Pfoten doch wie beim Laufen, seine Stimme (Wenn er schlief, bewegten sich seine Pfoten doch wie beim Laufen, er) wimmerte und seine Lider zuckten. So wie der gehetzte Borni aus der Kindheit,(kein Komma) lief jetzt Nasta immer noch auf einem unsichtbaren Weg. Die GerĂ€usche im Kopf verstĂ€rkten sich. Vor dem Fenster spielte sich die Apokalypse ab, als beeile sich der Wind, es dem Fischerdorf heimzuzahlen.

*
Ich stand auf der Leuchtturmplattform unmittelbar von (vor den) Scheinwerfern und schaute auf den Ozean. Wie ein wildes Tier lag die graue atmende Masse zu meinen FĂŒĂŸen, hielt den Atem inne, in Vorbereitung auf den unerwarteten Sprung. Mein Vater hatte mir eingeredet, der Ozean sei lebendig. Als ich ein Kind war, hatte ich keine Angst vor dem gewaltigen Naturelement verspĂŒrt. Aber im Jahr meiner ersten Menstruation pflanzte sich die Angst in meine Seele ein. Mein Vater begeisterte sich immer mehr fĂŒr den Ozean, verhielt sich zu ihm,(kein Komma) wie zu einem mystischen Wesen. Ich jedoch stellte mir vor, wie ein Riese sich nachts auf mich wirft und mich in seine dunkele Höhle schleift. Was ich auch tat, wo ich mich auch befand, immer spĂŒrte ich seine Anwesenheit.

AnfĂ€nglich nahm mein Vater mich oft mit zum Leuchtturm. SpĂ€ter zog er mit mir ganz dorthin um. Die Mutter, gleichgĂŒltig und in ihren (ihrem) Wahnsinn suchend nach Genuss, blieb allein im Haus zurĂŒck. So verlor ich als zehnjĂ€hrige meine Mutter und mit dem Tag des Umzugs begann auch die Geschichte meiner Angst. Das unertrĂ€glichste (UnertrĂ€glichste) waren die StĂŒrme. Vater raste, tobte im Storm (Sturm), lief an den Klippen entlang und schrie den Wellen klĂ€ffende Beschwörungsformeln zu. Ich beobachtete ihn aus dem Fenster des Leuchtturms. Er spuckte die Worte genau in die Welle, die drohte, ihn zu verschlingen. FĂŒr den Bruchteil einer Sekunde hing sie ĂŒber der Klippe, um sofort in eine Unmenge von Spritzern zu zerfallen, nachdem sie den Vater nicht ergattert hatte, fiel sie ab, rollte zurĂŒck und warf sich mit erneutem GebrĂŒll wieder auf die Klippe. Der Vater frohlockte! Ich konnte dieses Spektakel nicht lĂ€nger ansehen und lief so weit wie möglich vom Leuchtturm fort. Ich lief nach Hause, doch dort fand ich eine mir fremde Frau vor. Wir sprachen nicht miteinander. Aus Angst vor dem Ozean musste ich die schweigsame, gleichgĂŒltige Mutter ertragen. (Absatz)In diesem Haus schlief ich nicht ruhig. Mir schien, dass die Mutter mich gewiss ersticken wĂŒrde. Sie alterte mit rasender Geschwindigkeit und verlor ebenso schnell ihren Verstand. Einige Jahre lebte ich zwischen dem Vater-Der-Leuchtturm und Mutter-Das-Heim. Keiner der beiden redete je mit mir, interessierte sich fĂŒr meine GefĂŒhle. Dem Vater genĂŒgte der Ozean, der Mutter - die Einkerkerung in den eigenen vier WĂ€nden. Wenn ich nach Hause kam, begannen meine HĂ€nde zu jucken. Es war ein unertrĂ€glich-sĂŒĂŸes Jucken! Ich kratzte beide HandflĂ€chen fast bis aufs Blut auf und in meinen Genitalien Ă€ußerte sich ebensolch sĂŒĂŸe Empfindung. Der Kreis hatte sich geschlossen.

Einmal erlangte die Spannung einen solchen Höhepunkt, dass ich es nicht mehr aushielt. In einer dieser stĂŒrmischen NĂ€chte sprang ich unerwartet aus dem Bett, lief zum Sofa, auf dem die Mutter schlief, und drĂŒckte mit unbĂ€ndiger Kraft das Kissen in ihr Gesicht. Hinter den Fenstern heulte es, die BĂ€ume schĂŒttelten sich und ich zitterte vor Weinen. Ich kam im Sturm, ging im Sturm, niemand hatte mich gesehen. Man fand die Mutter nach mehreren Wochen. Von ihr war eine halb verweste Masse an den Knochen geblieben. Es fand sich niemand, der Interesse bekundete, zu erfahren, woran die LeuchtturmwĂ€rtersfrau gestorben war. Man wickelte den Leichnam in eine Decke und vergrub ihn auf dem örtlichen Friedhof.
Von hier, vom Leuchtturm aus, konnte man beobachten, wie die Sonne im Horizont versank. So ungefĂ€hr versenkt man MĂŒnzen in den Fahrkartenautomaten. Sie (Die) rote Sonne schob sich langsam in den Schlitz des Horizonts und auf das Meer schwappte die Nacht. Weiter als bis zu unserer Landspitze bin ich nie weggefahren (gefahren). Über Fahrkarten erzĂ€hlte der Vater. Ich besuchte die ersten sechs Klassen der Schule im Fischerdorf, dann sagte er hart(Doppelpunkt) „Es reicht! Hier auf dem Leuchtturm brauchst du kein Wissen.“ (Absatz)Im Turm gibt es keinen Fernseher, nur ein Transistorradio mit einem Sender „Der Leuchtturm“. „Der Leuchtturm“ auf dem Leuchtturm. (Absatz)Im oberen Raum befindet sich die Bibliothek. Oft schloss sich der Vater darin ein, kam lange nicht wieder daraus hervor. Vielleicht zauberte er dort? Ich hielt mich auch ziemlich oft in der Bibliothek auf, doch schließe ich mich nie ein. Der Vater „band“ mich an den Leuchtturm. Er selbst hatte seine eigene Rechnung mit dem Meer. Er hatte beschlossen(Komma) sich mit dem Meer zu beschĂ€ftigen, es zu locken, benutzte mich als Köder. Es war nicht schwer(Komma) hinter die PlĂ€ne meines guten Papachens zu kommen.
Ich erwartete einen Sturm. Ich stieg hinauf auf den Turm zu den Scheinwerfern und redete auf den Ozean ein. Er schwieg, wie einst meine Mutter geschwiegen hatte. Er war mir gegenĂŒber gleichgĂŒltig, wie die Mutter meinen fragenden Blicken gegenĂŒber gleichgĂŒltig gewesen war. Das Meer kann man nicht erwĂŒrgen, also fuhr ich fort, es zu hypnotisieren. Die Mutter um etwas zu bitten, war es (ĂŒberflĂŒssig) sinnlos gewesen, doch das Meer wĂŒrde sich irgendwann in einem Sturm entladen. Ich wollte den Tag schnell kommen lassen, denn es gehörte zu meinem Plan, auch noch meinen Vater loszuwerden. Dann wĂŒrde ich den Leuchtturm zerstören, danach wĂ€re das Meer dran. Es wĂŒrde vor Langeweile sterben. Bis dato hatte es seine Spielzeuge - die Klippen mit dem Leuchtturm am höchsten Punkt und mich. Der Vater Ă€rgerte den Ozean nur. Ich glaubte nicht, dass sein Getue dem Meer gefiel.

*

Das Haus erinnerte an eine leere Schachtel, in der sich, zwecklos wie sie war, nur Staub und Spinnennetze ansammelten. Es gab keinen anderen Ort, an den sie hĂ€tte gehen können. Das Dorf war zwischen großen Steinen gelegen, die sich um eine kleine Bucht erstreckten. Von hieraus stachen die Fischer ins Meer. StĂŒrmte es, wurden die Katen mit hölzernen FensterlĂ€den fest verriegelt, die TĂŒren verschlossen, die Riegel vorgeschoben. Jede Ritzen (Ritze) , bis auf die Esse, wurden (wurde) zugestopft. (Absatz)Nasta erhob sich vom Bett und ging zum Ofen. Es gab kein Holz. Im Schornstein heulte es. Sie setzte sich auf den Hocker und schaute sich um. Hier war es immer leer. Es standen einige Möbel aus Pressspanplatten herum. Doch es gab keine Tischdecke, keinen Überwurf, keine Gardinen, nichts, was minimale GemĂŒtlichkeit verbreitet hĂ€tte. Nasta aber trĂ€umte von schweren und massiven Stoffen.
*

Sollten diese den Raum um mich herum, der groß, leer und kalt war, fĂŒllen. In ihm, wie im Vakuum, gab es keine BerĂŒhrungen, keine Blicke, keine Worte. Ich bin gekommen, mich mit der Mutter zu versöhnen. Den Vater habe ich erfolgreich in die Bibliothek gesperrt, nun muss ich ĂŒberprĂŒfen, ob ich mich richtig verhalte. Wenn ich mich von ihnen trenne, werde ich endlich frei sein. Die Mutter ist schon lange nicht mehr existiert (existent). In jener Nacht hatte sie die FensterlĂ€den nicht geschlossen, obwohl so heftiger Sturm fegte, der leicht die Fensterscheiben hĂ€tte einschlagen können.

Ich raffte alle Lumpen zusammen, die es im Haus zu finden gab (im Haus zu finden waren). Kleider, die die Mutter ĂŒber Jahre getragen hatte, zerrissene Strumpfhosen, abgetragene Höschen. Alles flog auf den Boden beim Ofen. Jetzt musste sĂ€mtliches Papier, was zu finden war, zusammengetragen werden. Es gab wenig Papier, ein paar alte Zeitungen und einen Notizblock. Mechanisch öffnete ich das Notizbuch und stieß auf Worte, von Mutters Hand geschrieben. „Ich hasse sie! HĂ€tte ich diese (dieses) Dummerchen besser schon im Leib getötet.“ Dies galt mir. „Sie ließ mich nicht eine Minute diesen furchtbaren Fall vergessen. Sie ist mein Schandfleck.“ (Absatz)Ich riss die Seite aus, faltete (sie) zusammen und steckte (sie) in die Tasche. Streichhölzer musste ich nicht lange suchen, sie lagen auf dem Ofen. Ich entzĂŒndete das Holz an der Schachtel und warf sie (es) auf den Berg von Sachen und Papier, der sogleich entbrannte, dessen Flammen sich vergrĂ¶ĂŸerten. Es entstand ein fröhliches Feuer. Irgendwo in der Ferne meines GedĂ€chtnisses flackerte der Glanz eines Schullagerfeuers auf, um sofort wieder zu verschwinden. Ich beeilte mich nicht, zu gehen. Ich musste sicher sein, dass das Feuer nicht verlischt. Ich legte den Stuhl mit den Beinen nach oben ins Feuer. Die Flamme griff sofort auf das Futter ĂŒber. Es zerschmolz, entblĂ¶ĂŸte eine Reihe Sprungfedern. Es wurde sehr heiß. Mutter, verzeih, dass ich geboren bin.

*
Die LeuchtturmwĂ€rterin Nasta war hartnĂ€ckig genug, den entgegenkommenden Wind zu bezwingen und bis zum Turm vorzudringen. Ihr feuchtes Gesicht brannte von den harten SchlĂ€gen der Regenstrahlen. Lange stand sie an der TĂŒr, versuchte das Schloss zu öffnen. Die Finger waren vereist und ließen sich nicht beugen. Die Kraft reichte nicht, den SchlĂŒssel im Schloss zu wenden (drehen). Sie behauchte die Finger, rieb ihre HandflĂ€chen aneinander und hauchte erneut. Schließlich gelang es ihr, dass (das) Schloss zu öffnen. Sie ging ins Innere des Turms. Das wilde Getöse der Wellen, das Prasseln des Regens und das Heulen des Windes blieben draußen. Hier was ein(getrennt)wenig leiser, doch ebenso kalt. Zuerst musste man den Ofen anheizen und sich wĂ€rmen.

In der WĂ€rme löste sich Nasta und schlummerte ein.
„Warum hast du mich eingesperrt?“
Sie öffnete die Augen und erblickte einen Mann vor sich. Sein Gesicht kam ihr nicht bekannt vor(Komma) doch die Stimme gehörte dem Vater. „(kein AnfĂŒhrungszeichen)Nein, es musste der Vater sein, doch wo war sein Bart.(besser Fragezeichen) Wie sehr er der Mutter Ă€hnelte. Oder die Mutter ihm.“(kein AnfĂŒhrungszeichen) Nasta erneut schließ (schloss erneut) die Augen und rieb energisch ihre Knie.
„Erkennst du mich nicht?“
Sie schaute direkt in das bekannte unbekannte Gesicht. Eine akute Angst befiel sie. Sie saß im niedrigen Sessel, ĂŒber ihr erhob sich der Vater.
„Ich hatte genug Zeit zum Nachdenken, solange ich eingesperrt in der Bibliothek saß. Ich habe beschlossen, dir etwas zu erzĂ€hlen. Dann habe ich die TĂŒr eingeschlagen. Bist du nicht darauf gekommen, ein starker Mann könnte die ganz einfach aufbrechen? Nur die EingangstĂŒr des Turm (Turms) ist aus dicker Eiche, die im Inneren sind alt, gehen an den rostigen Angeln aus dem Leim.“
Nasta saß da, ohne ihre Position zu verĂ€ndern. Der Vater ging einige Schritte zurĂŒck. Er nahm einen Hocker, bekreuzigte (kreuzte) Arme vor der Brust und setzte sich breitbeinig hin.
„He, du kennst mich nur mit brustlangem Bart, zugewachsen bis zu den Augen. Nur Nase und Augen konntest du sehen. Aber nun schau hin. Sieh genau hin. Sieh in das glatt rasierte Gesicht! Und!.. Du schweigst. Einst war ich nicht der Ehemann deiner Mutter, ich war ihr Vater.“
„Und wo ist mein Vater?“
„Ich bin dein Vater. Hast du es nicht verstanden? Ich, ich bin dein Vater! Kapiert?!“ er (Er) schrie beinahe.
Sofort erinnerte sich Nasta an den Zettel im Notizblock.
„Sie war vierzehn, als ich das Weib in ihr erkannte. Meine erste Frau, deine Oma, war plötzlich gestorben, ich blieb allein,(kein Komma) mit dem kleinen MĂ€dchen,(kein Komma) zurĂŒck. So wurde meine Tochter ab ihrem vierzehnten Lebensjahr meine zweite Frau. Ich vergaß, dass sie meine Tochter war, denn ich sah nur das Weib in ihr. Ich weiß nicht, ob sie sich erinnerte, dass ich ihr Vater war. Selbst wenn sie sich erinnert hĂ€tte, sie hĂ€tte dagegen nichts tun können - meine Faust war immer bereit. Damit uns die Leute aus dem Dorf nicht auf den Leib rĂŒckten, brachte ich sie hierher, ans Ende der Welt. Wir ließen uns hier als Mann und Frau nieder. Ich vergötterte ihren Körper. Er erregte mich so sehr, dass wir die meiste Zeit im Bett verbrachten. Wenn deine Mutter nicht bald begonnen hĂ€tte zu schweigen, hĂ€tten wir ein glĂŒckliches Paar werden können. Dann ist sie schwanger geworden.“
Nasta ahnte, dass der Ozean heute seine Mission erfĂŒllen wĂŒrde.
„Ich habe meinen Bart abrasiert, damit du mir Glauben schenken kannst. Wir sehen einander sehr Ă€hnlich
Und nun wirst du jetzt eine umwerfende Frau.“ Der unrasierte Vater zog die rechte Lippe hoch.
Dieses schiefe LÀcheln beÀngstigte Nasta am meisten, sie spannte sich noch mehr an und presste sich, wie eine zusammengepresste Sprungfeder, in den Sessel.
„Komm zu mir.“
„Warum? Was willst du mit mir machen!“
„Ich werde dich lieben.“
„Du hast mich nie geliebt.“
„Jetzt fange ich aber an, dich zu lieben. Komm her.“
„Ich bin deine Tochter.“
„Na und, deine Mutter war auch meine Tochter.“
„Ich bin deine Enkelin.“
„Bringe mich nicht zum Lachen, Nastele.“ Der Vater stand vom Hocker auf.
„Gut.“(Komma) ließ Nasta schnell verlauten. „Lass uns auf den Felsen gehen.“
„Bei dem Wetter?“
„Du liebst doch den Sturm.“
Der Vater beÀugte die Tochter voller Begierde.
„Warum nicht? Keine schlechte Idee! Lass uns gehen!“

„Ich werde ihn umbringen! Ich bringe ihn um!“ beschwörend (Beschwörend) wiederholte Nasta den Gedanken.
Von Windböen zermartert, kletterten sie auf die Felsenwand. Oben gab es nichts, woran man sich festhalten konnte - eine blanke Ebene, sie mussten sich aneinander festhalten. Es herrschte derartiges Getöse, dass man das eigene Wort nicht verstehen konnte.
„Zieh dich aus!“(Komma) schrie der Vater Nasta ins Ohr.
„Ich will dort unter der (die) Gischt.“(Komma) schrie sie zur Antwort.
Sie gingen nĂ€her an die Wellen heran. Ein Gischtschauer stĂŒrzte ĂŒber ihnen zusammen. Der Vater zog schon Nastas Bluse aus, als sie ihn mit ganzer Kraft zum Rand der Felsen stieß. „Was machst du? Was machst du(Komma) Töchterlein?!!!“(Komma) schrie der Vater und wendete sich so, dass Nasta mit dem RĂŒcken zum Ozean stand.
Er löste sich von ihrem Griff und sprang einen Schritt zurĂŒck, Nasta rutschte aus, verlor durch den heftigen Ruck das Gleichgewicht und verschwand augenblicklich von den Klippen. Mit dem Körper die Wassermasse lochend, flog sie dem Tod entgegen und dachte dabei mit Erleichterung „Wie gut! Nun kann er mich nicht kriegen!“

*

Es gab GerĂŒchte, dass der LeuchtturmwĂ€rter den Verstand verloren hatte. Noch am Tag der Geschehnisse hatte er den Turm verlassen, war ins Dorf zurĂŒckgekehrt. Wochenlang strich er um die BrandstĂ€tte seines ehemaligen Hauses herum, schlief unter einem alten Boot und ernĂ€hrte sich von Almosen. Dann verschwand er, als sei er im Wasser versunken.



15. November 2007


Ein sehr beeindruckendes Werk.
lg

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Old Icke

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Lieber Raul, FrĂŒhe habe ich fast klassisch geschrieben, es hat mich aber sehr gelangweilt. Dann fand ich spontan eine neue Form, ungewöhnlich fĂŒr die Leser, aber gut fĂŒr die Spannung.
Hingegen, die Fehler im Text, die ich auf Grund meinen schlechten Deutschkenntnisse mache, mĂŒssen natĂŒrlich korrigiert werden.
Ich danke Dir!
lg
Ludmilla


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Liebe flammarion, danke-danke-danke! Tausendmal Danke!
Sofort werde ich den Text Àndern.
lg
Ludmilla

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