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Leselupe.de > Krimis und Thriller
An diesem Tag
Eingestellt am 10. 04. 2012 12:13


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Claus Thor
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Claus Thor

Ich lud Mildred ins Ritz Carlton ein. Gern hätte ich ihr das River Dinner dort auf der schwimmenden Insel gegönnt, entsprechend dem Anlass, aber dazu war mein Budget zu klein.
Das Aqua war dann doch die richtige Wahl, denn Mildred klammerte sich verlegen an meinem Arm, als wir das Nobelhotel betraten.
Wir wurden sehr freundlich begrüßt und man führte uns in das Restaurant und gab uns einen Tisch am großen Panoramafenster. Wir hatten kaum Platz genommen, als man uns die Aperitifs nannte. Wir hatten einen faszinierenden Ausblick auf die Park- und Wasserlandschaft der Autostadt.
Ich streckte mein Arm über den Tisch aus und unsere Finger berührten sich sanft, da sie, wie auf einem geheimen Zeichen hin, das Gleiche getan hatte wie ich. Dann ergriff ich ihre ganze Hand und spürte ein leichtes Zittern und mir wurde bewusst, dass sie es wusste.
Ich schaute ihr in die Augen, schaute ihr feingeschnittenes Gesicht, schaute ihre vollen wohlgeschwungenen Lippen. Das war die Frau, die ich liebte. Dann spürte ich förmlich die Schatulle in meiner rechten Jackettasche wie eine Last, von der ich mich befreien musste.
Sie lächelte. Ich sah, dass sie darauf wartete. Ich hätte es ihr bestimmt gesagt, gleich hier und jetzt, aber dann ging mein Mobiltelefon, und der magische Moment zerstob, wie der Nebel in den ersten Sonnenstrahlen eines beginnenden Tages.
Ich schaute auf das Display, es war Jeff, wie ich es schon vermutete. Hatte ich nicht Jeff darum gebeten, mich nicht zu stören? Nein, ich hatte wohl eine Ausnahme zugelassen. Eine Ausnahme, die hier in dieser Stadt und Umgebung, ihren Namen Rechnung trug.
„Warum hast Du dein Handy nicht ausgeschaltet“, kam es vorwurfsvoll von Mildred.
Ja, warum hatte ich es nicht? Natürlich wusste sie genauso wie ich, dass das nicht ging. War ein Kriminaler nicht immer im Dienst? Nicht jeder, gewiss, aber ein Hauptkommissar der Mordkommission, wohl schon.
Ich sagte: „Entschuldige bitte, es ist Jeff.“, und klemmte das Handy ans Ohr. Das Gespräch war kurz.
Gerade brachte die Bedienung die Aperitifs.
„Dan“, ihre Lippen zitterten.
„Tut mir leid, Mill. Es geht nicht anders. Ich würde es gern anders wollen, aber weißt du es nicht genauso wie ich? Ich muss, so ist es nun mal!“
Mildred war sichtlich enttäuscht, als ich das Restaurant verließ. Ich fühlte mich scheußlich.

Man hatte den Tatort schon großräumig abgeriegelt, als ich eintraf. Ich ärgerte mich noch immer über dieses schlechte Timing, das ausgerechnet jetzt, wo ich einen neuen Lebensabschnitt einleiten wollte, dieses vermaledeite Verbrechen geschehen musste.
Ich sah Jeff mit zwei Beamten sprechen. Jeff, mein bester Freund und obendrein Mildreds Bruder. Als ich auf sie zukam, warf mir Jeff einen kurzen Blick zu in dem ich zu erkennen vermochte, dass er sich schuldig fühlte.
Die Experten von der Spurensicherung wuselten in alle möglichen Ausgänge. Fluchtwege und Plätze wurden untersucht. Es ging zu wie auf einem Flohmarkt.
„Wem gehört der beschissene Wagen in der Einfahrt“, rief jemand. Aus meinen Gedanken gerissen, die sich wieder um Mildred drehten, und was ich hätte anders – besser machen können, antwortete ich gereizt: „Das weißt du ganz genau, Buddy.“
„Hallo Danny“, sagte Jeff. „Beschissene Situation, was?“
„Das kannst du wohl laut sagen“, erwiderte ich mit saurer Miene. Angelte nach der Schachtel Fluppen in meiner Jackentasche und hatte plötzlich die Schatulle in meinen Finger. „Fuck!“
„Was?“, fragte Jeff und zog die Stirn runzlig.
„Mildred ist mächtig sauer. Ich sage dir, wie soll ich das wieder hinbiegen?“
Ich zog die Zigarettenpackung aus meiner andern Tasche und bot Jeff eine Import an. Dann fiel mir ein, dass er ja schon eine längere Zeit nicht mehr qualmte. War das nicht ein untrügliches Zeichen, dass meine Konzentration litt? Insgeheime verfluchte ich den Mörder, nicht wegen der Tat, sondern wegen des Zeitpunktes, den er dafür gewählt hatte. Was ist nur mit mir los? Bin ich jetzt völlig abgedreht? Wie kann ich denn überhaupt so etwas denken? Ich zählte im Geiste bis zehn, dann beugte ich mich weit vor, die Hände auf die Oberschenkel gestützt und atmete lang aus. Dann sagte ich zu Jeff: „Ehrlich Mann, es geht mir beschissen. Ich hätte bei Mildred bleiben sollen. Verdammt!“
„Sicher, das wäre das Beste gewesen. Aber du bist halt ein Bulle – durch und durch – pflichtbewusst bis in die Knochen.“
Jeff lies sein Zippo flammen und gab mir Feuer. Es roch leicht nach Benzin.
„Damit solltest du auch aufhören“, sagte Jeff und seine Stirn legte sich in nachdenklichen Falten. „Du weißt selber, was für ein Kettenraucher ich war. Es geht …„
„Und warum sollte ich dir nacheifern?“, unterbrach ich ihn, denn ich wollte mir nicht schon wieder seinen Sermon anhören.
„Na, ist doch logisch!“, erwiderte er und grinste, „meinst du etwa meine Schwester möchte stetig einen Aschenbecher küssen? Weiß du, wie ekelig das eigentlich ist?“
„Du spinnst doch!“
Aber hatte er nicht recht damit? Ich glaube irgendwie schon. Nur war das nicht so einfach mit dem Aufhören. Ok, ich hatte es ja noch nie versucht. Vielleicht sollte ich es doch mal wenigstens in Erwägung ziehen. Mildred zu liebe.
Er hätte noch vieles sagen können aber, er sprach es nicht aus. Es wäre ein tödlicher Stich in mein verwundetes Herz. Warum hab ich mich nicht einfach krankgemeldet? Urlaub! Irgendwas! Ha, es fehlte immer an Personal! Ich hatte so viel Anspruch auf Freizeit wie, wie eine Henne in einer Eierlegefabrik.
Jeff marschierte mit seinem Mörderkoffer ins Haus. Ich folgte ihm. Es war wie ein Déjà-vu, wie oft dackelte ich Jeff hinterher? Es war schon auf der Schule so. Er war der große Macher. Er hatte den totalen Durchblick, und obwohl ich mein Licht auch nicht gerade unter dem Scheffel stellen musste, war ich so etwas wie sein größter Bewunderer – sein Fan. Es verwunderte mich damals auch nicht, dass Jeff Medizin studierte und Gerichtsmediziner wurde, und ich nur – in Anführungsstrichen – Kriminalist.
Was hatte ich nur für verrückte Gedanken?
Ich blickte mich noch mal um und sah einen jungen Beamten durch den Garten stolpern, also rief ich: „Hey, du da! Ja … ganz genau du! Das ist doch wohl eine Reifenspur, trample bitte nicht drauf rum, und lass das photographieren – und Abdrücke machen, klar!“ Der Junge sah mich entsetzt an, nickte kurz und wendete sich dann an einen älteren Kollegen, der zu mir herüber schaute, ein Lächeln schickte und die Schultern zuckte. Ein Frischling halt wollte er mir damit sagen.
Jeff öffnete den Koffer und kramte zwischen Instrumenten und anderen Hilfsmitteln, die für gerichtsmedizinische Zwecke gebraucht werden herum. Dann hielt er mir seine Diagrammblätter mit den Tatortdetails unter die Nase.
„Ist schon gut“, sagte ich und warf einen flüchtigen Blick auf die Skizzen. Die ganze Arbeit hier interessierte mich doch gar nicht, denn meine Gedanken wanderten stets zu Mill.

Vor fünf Jahren lernte ich Jeffs Schwester Mildred in Wiesbaden kennen. Natürlich kannte ich sie schön länger, aber nicht richtig, sie war die Kleine mit den wippenden Zöpfen. Damals nahm ich sie gar nicht wahr, wenn ich mich mit Jeff traf, um mal wieder die Gegend unsicher zu machen, war sie nur ein nervendes kleines Balg, was galt los zu werden. Mill, so wurde sie gerufen, war fünf Jahre jünger als Jeff. Gottlob musste er nicht oft auf seine kleine Schwester achtgeben, aber wenn, dann war der Nachmittag nach der Schule für uns versaut. Wir hangen dann nur auf dem Spielplatz rum und sahen ihr zu, entnervt, denn was hätten wir wieder für Abenteuer erlebt.
Drei Jahre später zogen meine Eltern mit mir in eine andere Stadt. Es waren nur fünfzehn Kilometer, die wir locker mit dem Fahrrad überwanden, um uns zu neuen Abenteuern zu führen. Aber diese Distanz reichte aus, uns von Mill zu befreien. Und so sah ich sie erst in Wiesbaden wieder.
Ich hatte meine drei Monate des Hauptstudiums II fast zu Ende. Als sie mich auf der Straße ansprach. Ich hatte sie zu nächst gar nicht erkannt, denn sie hatte sich zu einer sehr hübschen und attraktiven Frau entwickelt. Aber Mildred erkannte mich auf Anhieb.
„Daniel Konstantin“, sprach sie mich an.
Da ich gerade tief in Gedanken versunken war, erschrak ich zu nächst und schaute entgeistert die junge Frau an.
Sie lächelte amüsiert und wiederholte: „Daniel Konstantin? Du bist es doch, oder?“
Ihre Frage war rein rhetorisch. Natürlich hatte sie mich sofort erkannt. Zwar war ich zu einem Mann gereift, aber der jungenhafte Ausdruck meiner Physiognomie war nicht wirklich von mir gewichen. Ergo stotterte ich leicht verwirrt, da mein Studium mich vollends vereinnahmt hatte: „Wa… wa... was? Ähm - ja, ja, der bin ich.“
Eigentlich bin ich nicht so trottelhaft und verlegen, doch sie hatte mich voll auf den falschen Fuß erwischt. Mein Prof hatte mich zusammengestaucht, weil ich ihm versprochen hatte, mit, in der von ihm initiierten Gesprächsgruppe, zu wirken. Ich hatte ihn versetzt. Böser Fehler. Er trug es mir sehr lange noch nach. Zu allem Überfluss glitten mir meine Unterlagen aus den Händen und landeten vor ihren Füssen. Was musste ich für einen Volltrottel abgegeben haben in diesem Moment.
„Okay“, sagte sie, wobei sie das Wort langsam und gedehnt aussprach. „Womit hab ich dich so erschreckt? Ich bin`s nur – Mill – Jeffs Schwester.“
„Oh“, erwiderte ich und diese Interjektion rundete das Bild nur noch ab, was ich ihr im Augenblick von mir zeigte. Klassisch, wie in einem Abklatsch einer Comedy, bückten wir uns gleichzeitig um die Papiere aufzuheben, wobei unsere Köpfe zusammenstießen.
„Autsch!“, gaben wir beide zum Besten.
Ich legte meine Hand an der Stelle meiner Stirn, wo wir kollidiert waren. Und sie tat es mir gleich. Ist wohl so ein kollektives Psychoding; wir sahen uns an und fingen lauthals an zu lachen. Ich sagte: „Mildred. Richtig. Das nervende Mädchen mit den Wippezöpfen.“
Nachdem wir fertig waren mit dem Gegackere und meine Unterlagen wieder unter meinem Arm klemmten lud ich sie auf einen Cappuccino ein. Das war doch ein guter Anfang. Wir mochten uns sofort.
Ich erfuhr, dass sie für einen Artikel einer Psychologiezeitschrift hier in Wiesbaden eine Fachtagung zur Psychologisch-psychiatrische Begutachtung in der Strafjustiz recherchierte. Das beeindruckte mich sehr und wir fachsimpelten bis mich die Zeit drängte und ich mich verabschiedete. Leider würde sie nur noch heute und morgen in der Stadt sein, also verabredeten wir uns für den heutigen Abend.
Ich sah Jeff die Skizzen einpacken und dachte mir, was für ein Glück ich doch mit Jeff habe, denn als angehender Kriminalist hätte ich mir keinen besseren Rechtsmediziner denken können, als ihn. Er war tatsächlich ein Eckpfeiler, was die Aufklärung von Tötungsdelikten betraf. Wir waren dicke Freunde. Es verging kaum eine Woche, in dem wir nicht unseren Männerabend hatten.
DVD glotzen, natürlich einen richtigen Action, wobei der halbe Globus in Schutt und Asche zerlegt wird. Oder Konsolenspiele. Männer wollen kämpfen. Fighten bis zu umfallen. Fressen und Saufen und mehr Saufen. Wow … wow … wow!
Ok. Ich weiß, das kling primitiv, ziemlich sogar, aber um den Alltagsstress abzubauen, der sich über die Woche angesammelt hat, bedarf es Spaß. Spaß und viel Lärm. Denn ruhig sind wir nicht, wenn jeder von uns versucht der bessere zu sein, zur Höchstform aufzulaufen, oder die Soundanlage das Äußerste abzuverlangen. Wir reden auch. Zwar nur ein wenig, haben dabei aber sicher so manches Weltproblem gelöst. Fast. Na ja, Frauen würden das, was wir dabei von uns geben sicher nicht als Reden bezeichnen – wohl mehr gestammelte Satzgefüge – urzeitliches Grunzen.
Gut, nicht jedermann kann sich so austoben. Einige Grundvoraussetzungen bedarf es schon, für das was wir veranstalten. Z. B.: Ein Eigenheim wäre da schon sehr hilfreich, oder eine Blockhütte im irgendwo. Naturgemäß wohnen die meisten ja in Mietshäusern, da würde so etwas nur bedingt funktionieren. Wie es bei mir der Fall wäre. Denn in meiner zweiundeinhalb-Zimmer-Butze mit sechs Wohnparteien, zwei Rentnerpaare, ein Yuppie Pärchen in den Anfängen, ein ein-Kind-Paar, ein Lehrer für die Behindertenschule und ich, ich glaube kaum, dass einer der Parteien so eine Randale aus meiner Junggesellen Bude geduldet hätten.
Aber Jeff wohnte jetzt wieder bei seinen Eltern im Haus. Nicht wie es früher der Fall war in seinem alten Kinderzimmer, sondern in der unteren Wohnung, wo die Oma gelebt hatte. Ein trauriger Umstand, dass sie nicht mehr ist, aber darüber musste Jeff hinwegkommen. Er kam darüber hinweg, zwar nur schwer, aber es ging vorbei. Manchmal verfällt er noch in eine leichte Melancholie, aber auch das geht vorüber. Wenn wir dann und wann unseren Abend haben, sind seine Eltern außer Haus. Man könnte der Meinung sein, dass sich das für Respektpersonen wie uns nicht geziemt, leider muss ich dazu sagen: „Wir sind auch nur Menschen!“
„Also, Daniel“, sagte Jeff. Wir durchquerten das Wohnzimmer des Opfers und stiegen die Treppenstufen zum Tatort hinauf. „Das Opfer wurde vermutlich mit einem Nylonschal erdrosselt. Eine Schneiderschere und Blutspuren auf dem Boden …“
„Stammt das Blut vom Opfer?“ sagte ich und zündete mir eine weitere Zigarette an.
Jeff blickte mich vorwurfsvoll an.
„Nein, es sind keinerlei Stich- oder Schnittwunden an der Leiche zu finden; das Opfer hatte sich vermutlich mit dieser Schere, versucht gegen den angreifenden Täter zu wehren.“
„Hat das Opfer auch einen Namen?“ Unterbrach ich ihn. Und während ich das Schneidwerkzeug im Plastikbeutel betrachtete, hörte ich Jeff antworten: „Ja.“
„Sehr witzig“, erwiderte ich. „Ist ’n großes Ding, diese Schere …“
„Eine Schneiderschere. Frau Uljana Wladimirovna betreibt eine Änderungsschneiderei.“
„Hier im Haus?“
„Nein, sie und ihr Bruder Sergej haben einen kleinen Laden gemietet hier im Ort.“
Ich war erstaunt, wie informiert Jeff bereits war. Denn eigentlich stand ich ihm als Infosammler in nichts nach, außer heute. Also bemühte ich mich nicht mehr allzu sehr. Ja, ich weiß, wie sich das anhört, aber man muss sich auch mal auf seine Leute verlassen können. Und so konzentrierte ich mich auf Jeffs Ausführungen: „Die Unordnung des Schlafzimmers: Es deutet alles auf einen Kampf hin, der zwischen dem Bett, der Kommode und der Stelle stattfand, an der Frau Wladimirovna gefunden wurde.“
Stumm betrachtete ich die Leiche der Russin. Sie lag auf dem Rücken, wie eine achtlos weggeworfene Gliederpuppe. Es stimmte mich traurig und ich dachte an Mill und wie in Trance sagte ich: „Danke, Jeff. Ich werde mich mal ein wenig umschauen.“
„Tu das“, sagte Jeff und grinste mich breit an. Er wusste, dass ich bei diesem Fall nur mit halben Gedanken dabei war. Mildred – wie sollte ich ihr gegenübertreten? Frauen waren so kompliziert. Der letzte Abend mit ihr in Wiesbaden:
„Na, wie geht’s?“ ,sagte sie.
„Recht gut.“ ,gab ich zurück, „und selbst?“
„Jetzt geht’s mir auch gut.“
Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.
„Doch nicht etwa wegen meiner Gegenwart?“
Jetzt schickte sie ein Grienen zurück und ihr Augenaufschlag versprach vieles.
„Vielleicht.“
Ich hatte ein Tisch im Palast Hotel reserviert. Man hatte mir das Restaurant wärmstens empfohlen und als wir davor standen sah es ehr wie eine Bar oder Bistro aus. Aber ich wurde angenehm überrascht; es war sehr gemütlich drinnen und ich fand unseren Tisch in der Ecke, hinten rechts, mir schien es der beste Platz zu sein.
Das Personal war sehr freundlich. Ich studierte die Karte und sagte: „Die Speisekarte ist aber nicht sehr groß.“
Sie schaute mich an. Wieder mit diesem, ihr sehr eigentümlichen Augenaufschlag.
„Das könnte möglicherweise für Qualität sprechen“, sagte sie. Da ich nichts sagte, fuhr sie fort: „Ein gutes Restaurant erkenne man an eine kleinere Speiseauswahl auf der Karte.“
„Wollen wir über die Auswahl des Menüs plaudern, oder doch lieber über uns?“, sagte ich und ich sah, wie der Schatten der Verlegenheit über ihr hübsches Gesicht huschte.
„Noch immer so direkt wie früher“, sagte sie mit fester Stimme. „Wenn du so erpicht darauf bist, dann fang mal an, mit dir. Wie ist es dir ergangen?“
Ich merkte, dass ich zu forsch das Thema angegangen bin. Sicher wären wir dahin gekommen, aber auf ihre Weise wäre es besser gelaufen, glaube ich. Sie sollte das Tempo bestimmen, nicht ich. War das nicht eine Eigenschaft, die jeder vernünftigen Frau eigen war? Und nun saß ich in der Bredouille. Hatte nicht sie, sondern mich in Verlegenheit gebracht.
Der Kellner kam und bracht unsere Getränke. Hefeweizen hell vom Fass für mich und Mildred bekam ihre Apfelschorle. Ich prostete ich zu und nahm einen kräftigen Schluck. Mit Schaum auf der Lippe sagte ich: „Also wo beginne ich?“
Ich begann mit dem Umzug in die andere Stadt. Wie Jeff auf dem Fahrrad mich oft besuchen kam und wir, wie eh und je die Gegend unsicher machten. Jungenkram halt. Ich merkte, wie ich sie damit langweilte, und versuchte dieses Level zu halten. Natürlich wusste ich, was sie hören wollte. Schließlich hatte auch ich Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht. Und es war eigentlich immer dasselbe, über was sie reden wollten: die andere Frau. Oder Frauen, wenn es schon mehrere gab. Den Gefallen tat ich ihr aber nicht. Ich war schließlich zu meiner Volljährigkeit gelang und das Thema Bundeswehr. Sie war wirklich geduldig, doch zwischen den Tagliatelle mit den gebratenen Garnelen und der fruchtigen Tomatensauce, platze es aus ihr heraus.
„Stopp. Stopp. Stopp“, sagte sie. „Das ist ja alles sehr interessant – für Jungs – aber du weißt genau, was ich hören will.“
Ich schaute von meinen in Calvados flambierten Schweinelendchen auf: „Und das wäre?“
Wieder dieser Augenaufschlag.
„War du mal verliebt?“
Da war es – das Thema – ich wusste es doch und musste lachen.
Sie schaute leicht pikiert.
Ich wollte sie nicht verärgern oder beleidigen und noch bevor sie zeigte wie geringschätzig ihr das Lachen war sagte ich mit ehrlichem Tonfall: „Entschuldige bitte. Es war nicht so gemeint. Ich habe nur den dummen Jungen gespielt. Der mir nur darum so gut gelang, weil ich immer noch der dumme Junge bin.“
Sie schien die holprige Entschuldigung zu akzeptieren und fragte: „Warst du?“
Wie konnte man nur so hartnäckig sein? Sie sollte doch merken, dass das nicht grad etwas ist, über das ich gerne reden würde. Ich prustete die Wangen auf und versuchte ob meiner Verlegenheit nicht aus der Fassung zu geraten.
„Ich sehe schon“, sagte sie, „das Thema berührt dich peinlichst. So schlechte Erfahrungen gemacht?“
Langsam kam ich wieder runter und sagte: „Wie soll ich das sagen? Wie soll ich ohne zu diskriminieren einen Zustand beschreiben, in dem ich mich bewegte? Verliebt sein das hatte mir nie etwas gegeben. Wie drücke ich es aus? Kennst du die Band: Die Ärzte? Das Lied: Männer sind Schweine? Darin gibt es einen Satz, der so ziemlich auf meine damalige Einstellung passte: Liebe ist gleich Samenverlust. So war ich. So empfand ich.“
„Das ist aber sehr traurig“, sagte sie.
„Traurig? Damit kann ich nichts anfangen. Was meinst du?“
„Dann hattest du nie das Gefühl. Das intensive Gefühl der Zuneigung?“
Ich musste nachdenken. Forschte in mich hinein. Da war etwas, ja, aber es war nicht alt.
„Nein“, sagte ich nur, während ich nach dem etwas Neuerem in mir Fühlung aufzunehmen suchte.
„Du sagtest, dass es Früher so war. Und heute? Ist es jetzt immer noch so?“
Ich war ehrlich, als ich sagte: „Nein. Mein Studium nimmt mich derart in Beschlag, das ich gar nicht mehr dazu komme, mir Gedanken um Frauen zu machen. Aber ich spüre seit Langem schon eine Leere in mir, die ich unmöglich ausfüllen konnte. Mag sein, dass es das ist, was du meinst und was mir noch fehlt.“
„Mmmh. Fühlst du auch jetzt, in diesem Augenblick die Leere?“
Ihre Hand wanderte über den Tisch und legte sich auf die meine. Ein leichter Schauer durchlief mich. Da war es wieder. Es kroch empor und ich glaubte, dass es das war, was sie meinte: ein außerordentliches Glücksgefühl.
„Nein. Durchaus nicht. Ich – ähm – spüre eine starke Sympathie für dich.“
„Das ist doch schön oder?“
„Ja.“
„Auch für mich ist es mehr als das Kribbeln im Bauch“, sagte sie lächelnd. „Um der Wahrheit gerecht zu werden, muss ich sagen, ich war damals, als die Wippzopfige schon in dich verliebt. Und maßlos enttäuscht, dass du mich nicht wahrnahmst. Na ja, nicht so, wie du mich wahrnahmst, sondern wie du mich wahrnehmen solltest.“
„Das tut mir sehr leid, aber Mädchen interessierten mich da noch nicht.“
„Heute weiß ich es ja. Aber es war damals recht schwer für mich.“ Sie erfasste meine Hand und drückte sie sanft. „Ich bin sehr glücklich, dich wieder gefunden zu haben.“
„Ich bin es auch“, sagte ich leise. „Ich glaube, ich liebe dich.“
„Du glaubst es nur?“
„Nein. Ich liebe dich.“
„Ich dich auch.“
So begann es dann. Wir brauchten noch eine Weile bis zur körperlichen Vereinigung, aber die Briefe, ja, Briefe – nicht SMS – die wir uns schrieben offenbarten alles … Die Sterne leuchteten uns … Wir nahmen uns so, wie wir waren. Es war schön, verliebt zu sein.
Die Gedanken waren gedacht und ich war wieder am Tatort.
Ich schaute mir das Fenster an, durch das der Täter vermutlich ins Haus kam. Zwei Drittel der Splitter waren nach innen, der Rest in Richtung Täter gefallen. Das zeigte mir, dass es von außen eingeschlagen wurde. Unter Umständen hatte er Glassplitter an seiner Kleidung.
Ich machte mir einige Notizen, folgte den sternschnuppenartigen Blutspuren und betrat das Badezimmer. Hier im Bad waren reichlich Blut geflossen. Wenn Blut senkrecht fällt gibt es sternförmige Spritzer. Ich konnte mir nun ein Bild davon machen, wie der Täter sich bewegt hatte.
Sie hatte ihn wohl ordentlich erwischt, dachte ich. Als ich dann von einem der Spurensucher angequatscht wurde, der mich darüber aufklärte, dass der Täter einige Spuren auf Lebensmittel hinterlassen habe, – häufig essen Einbrecher am Tatort – war mir klar, dass es sich hier um Beschaffungskriminalität handelte.
Der Täter hatte nur einen Sekretär aufgehebelt, dabei musste das Opfer ihn erwischt haben. Ein nicht vorgeplanter Mord dachte ich, er würde seine Spuren nicht gründlich genug beseitigen haben.
Mein Blick erhaschte etwas Blaues unter dem Schuhschrank. Es schaute nur ein winziges Stück hervor und ich rief in den Raum hinein: „Hat einer der Herren hier nachgeschaut?“
Betretenes Schweigen.
Ein langer schlaksiger Typ löste sich aus der Gruppe der Spezialisten. Er förderte einen Briefumschlag darunter hervor und tütete es sorgfältig ein.
„Ihr habt hier sicher noch eine Menge zu tun“, sagte ich zu Jeff, der von der oberen Treppenstufe herunter schaute.
„Jepp“, sagte er und wandte sie einem Beamten zu. Ich konnte nicht hören was er dem Polizisten sagte. „Hast du was bestimmtes im Sinn?“
Ich sagte Jeff, dass ich mir die Person, deren Adresse auf den Sozialbescheid stand, genauer ansehen würde. Man sollte mir eine Streife hinterher schicken, denn es bestand dringender Tatverdacht.
„Warte. Du solltest nicht alleine fahren.“
„Passt schon, Jeff“, sagte ich und verließ die Wohnung.

Das Haus, vor dem ich stand, war die reinste Bruchbude. Ich klingelte. Einmal. Zweimal. Nichts.
Dann hörte ich Geräusche.
Die Tür wurde geöffnet.
Ein unrasiertes Gesicht fragte: „Jaaa, Mann ... was ’n?“
Ich zückte meinen Dienstausweis und wollte den Standartspruch sagen, doch dazu kam ich gar nicht mehr. Die stieren Augen hatten kaum meinen Ausweis erblickt, als mich der Kerl wie wild ansprang.
Meine Gegenwehr war unzureichend, und so hatte mich der Typ im Griff. Die Luft wurde mir knapp. Sterne tanzten vor meinen Augen. Ich schlug um mich. Doch da half alles zappeln nichts. Der Typ würde mich erwürgen.
Ich dachte an Mildred.
Ich dachte an Jeff.
Ich dachte daran, wie dumm ich doch gewesen bin.
Dann begann, alles sich um mich zu drehen. Die Gedanken zerstoben wie Nebel, wie wenn ein flüchtiges Tier durchraste. Das Tier war mein Leben. Das Herz hämmerte. Schlieren vor den Augen.
An diesem Tag würde ich also sterben. Scheiße!
Die Sonne spiegelte sich auf winzige Glasstücke. Stach mir in die Augen.
Es begann, sich alles zu verdunkeln. Wie wenn man eine Blende von einer Kamera langsam schließt.
Das Rauschen in meinen Ohren schwoll an. Wurde lauter und lauter. Wie das tosende Rauschen eines Wildbaches in einer Bergklamm.
Mir wurde kalt.
Und unter all dem Tosen und der Kälte und der kommenden Dunkelheit gewahrte ich die Stimme des Würgers.
„Du verdammter Bulle“, keifte der Typ. „Ich mach dich platt. War grad dabei abzuhauen ... scheiße ...“
Diese Stimme zog mich aus dem Untergang. Ich sah das Gesicht von Mildred vor mir schweben und dachte, wie so sieht der Typ wie Mill aus.
Ich spürte den Asphalt unter mir. Ich spürte die Schachtel im Jackett. Mill dachte ich nur noch, Mill!
Ich weiß nicht, woher ich die Kraft nahm, aber ich schlug zu. Ohne Ziel. Einfach so.
Irgendwie gelang mir ein Treffer. Denn der Würgegriff lockerte sich und er stöhnte mir seinen Schmerz ins Ohr. Ich wiederholte den letzten Hieb und das gewünschte Ergebnis war da, er ließ von mir ab. Stöhnte. Schrie.
„Verdammte Schlampe – verdammte“, stöhnte er. „Die hat mich verdammt noch mal scheiße erwischt ...“
Ich rang nach Luft. Drehte mich mühsam in seine Richtung. Meine linke Hand patschte in seinem Blut. Ich zog meine Waffe aus dem Holster. Und feuerte.
Der Schuss krachte ohrenbetäubend Laut. Mir war nie bewusst, wie laut so eine Knarre sein konnte. Aber es klang nach Befreiung.
Der Typ ging in die Knie. Jammerte.
Ich wollte nicht mehr schießen. Aber meine Finger verkrampften sich und des donnerte ein weiterer Schuss.
Der Typ schrie. Er schrie wie am Spieß, ich solle aufhören zu schießen.
Dann heulte er nur noch.
Auch mir liefen die Tränen. Sie strömten aus mir heraus und dann waren sie da. Endlich.

Als die Beamten den Täter abführten, kam Jeff mit seinem verbeulten Ford Mustang vorbei.
„Mein Gott, Dan!“, schrie er. Sprang aus dem Wagen und beugte sich über mich. Er betastete mich von oben bis unten. Stellte mir ein halbes Dutzend fragen. Zum Schluss fragte obligatorisch: „Na, wie geht’s?“
„Überflüssige Frage. Geht so“, krächzte ich. Mein Hals schmerzte und meine Kehle brannte wie Feuer.
Ich richtete mich auf und sagte: „Ich mach mal Feierabend. Was dagegen?“
Jeff sah mich mitleidsvoll an und nickte.
„Moment noch“, sagte er.
Er ging zu seinem Wagen und holte etwas aus dem Fond.
„Ich hab dir was mitgebracht“, sagte Jeff und hielt mir einen Blu-menstrauß vor die Nase. „So, den nimmst du jetzt und bringst in meiner Schwester, und erledigst, was du zu erledigen hast. Klar?“
„Klar“, erwiderte ich. Denn das hatte ich sowieso vor. Ich nahm den Strauß und bedankte mich. Jeff war einfach ein Genie.

Ich kam mir ganz schön albern vor, als ich so, mit dem Strauß, vor Mill stand.
„Oh, sind die für mich?“
Sie sah erstaunt aus. Doch dann sah sie genauer hin und sagte: „Meine Güte, Dan, was ist passiert?“
Ich schaute in ihr erschrockenes Gesicht. Nahm sie in die Arme, wobei die eingepackten Blumen, ihre eigene Meinung kundtaten, ihr Protestierendes knistern, interessierten mich herzlich wenig.
„Nichts, Mill. Es ist nichts passiert. Nichts Schlimmes jedenfalls.“ Log ich.
Nun ging es ans Eingemachte. Meine Gedanken waren wieder paralysiert. Reiß dich zusammen Dan, dachte ich. Los sag's. „Also Mildred, was ich dir heute, im Restaurant sagen wollte ... verdammt ... ich liebe dich. Aber das weiß du ja bereits. Nun willst du meine Frau werden?“
Jetzt war es raus. Endlich. Ich fühlte mich, als stünde ich auf dem Empire State Building. Und der Stein fiel und fiel und fiel.
Sie sah mich an, als hätte sie es schon längst gewusst. Sie grinste, genau, wie Jeff es konnte. Sie nahm mir den Blumenstrauß ab und gab mir einen langen Kuss.
„Ja,“ hauchte sie, „ich will.“


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Das Ganze klingt ziemlich wie "vom Plot gejagt". Selbst wenn ich im Nachhinein einräume, dass das Beiläufige des Falles wohl Absicht ist, fühlt es sich viel zu hastig und runtergesagt an. Mir gefällt die Sprache in der Rede, die klingt echt, aber alles andere bleibt durch dieses Hindurchhasten leblos.

Ein Beispiel: Wie LyrIch Jeff kennenlernte oder was LyrIch von dessen beruflichen Qualitäten hält, ist für die Story unerheblich. Statt es deshalb skizzenhaft runterzurattern, würde ich es lieber ganz weglassen und mich eher darauf "einschwingen", wie sich diese Beziehung anfühlt, und das dann abzubilden versuchen (Tonfall, Gesten – oder auch einfach ein paar persönliche Worte mehr).

Ähnliches gilt für Mildred. Wie sie sich kennenlernten, ist sicher ein nettes Dekor, viel wichtiger wäre aber, nachfühlen zu können, wie LyrIch mit Gedanken und Gefühlen bei ihr ist. Die Behauptung über Jeff "Er wusste, dass ich bei diesem Fall nur mit halben Gedanken dabei war." bleibt blutleer und unglaubwürdig, wenn der Leser nicht auch selbst sehen kann, dass es so ist.

Schon der Anfang jagt übrigens: Statt die Situation auszumalen, LyrIchs Nervosität und/oder die romantische Stimmung (der sicher extra ausgewählten Umgebung) und/oder das besondere Band zwischen den beiden (Blicke, Gesten, Berürhungen) zu zeigen, um das Rausreißen nachfühlbar zu machen, deutest du alles nur an. Oder: LyrIch „zuckt“ nicht zusammen, als es klingelt (oder man merkt sonst irgendwie, dass es unverhofft kommt), schaut nicht auf das Display ("Wer zum Teufel stört!" oder "Muss ich da jetzt rangehen?") oder zögert ("Geh ich jetzt wirklich ran?")

Ok, das Sofort-ran-Gehen kann auch heißen, dass LyrIch sich tief im Innern unsicher ist und deshalb (unbewusst) dankbar für die Ausrede. Aber das müsste sich im Rest des Textes widerspiegeln. Das, oder eben das andere (dass er die Unterbrechung bedauert).

Der Eindruck des Durchhetzens wird nicht zuletzt auch durch die "Auflösung" des Mordes bedient. Das ist zu simpel, geht zu schnell, ist zu sehr auf "nun werd endlich fertig, damit die Pointe kommen kann!" hingetrieben. Es gibt auch keinen "literarischen" Grund, dass LyrIch dabei noch mal so in Gefahr gerät. Zumal es offenbar gar keinen Einfluss auf den Schluss hat – Mildred merkt nicht mal, dass ihr Liebster ganz schön was abgekriegt hat.

„Witz" hätte z. B. eine mehr oder weniger deutliche Anspielung darauf, dass Jeff vor der Gefahr des Rauchens warnt, LyrIch in Wirklichkeit aber druch seinen bereuf viel häufige rin viel konkretere Gefahr gerät. Auch andere Vorlagen versickern einfach (das mit den Glassplittern an der Kleidung des Opfers oder das mit dem Essen am Tatort (übrigens eine bizarre Behauptung, die ich noch nie gehört habe und deren psychologischer Hintergrund mir auch völlig unklar ist). In einer richtig guten Geschichte werden solche Elemente nicht "mal so" eingestreut, sondern spielen (wenn auch vielleicht nur für „Neben-Pointen“) eine Rolle.

Also:
Du müsstest MINDESTENS die Mildred-Story ausbauen (also sichtbar machen, dass LyrIch in Gedanken bei ihr ist) und dabei den Fall "nebenbei" behandeln. Besser wäre natürlich, wenn beides Leben bekäme.

Das ist das größte Problem des Textes. Über Tipp-Fehler und Fluss-Stolperstellchen zu reden, wäre, wie mitten in einer Feuersbrunst über das Ausblasen eines Streichholzes zu diskutieren
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Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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jon
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Die Idee ist nicht schlecht, aber man sieht halt die Ablenkung nicht. Normalerweise schauen sich Ermittler doch genauer um. Dabei kann LyrIch an Mildred erinnert werden. (Mein Blick fiel auf dem Schuhschrank. Sowas könnte Mildred auch gebrauchen, ihre Neigung, die Schuhe kreuz und quer im Flur stehen zu lassen, hatte mich schon so manches mal zum Stolpern gebracht.) Andere Dinge dagegen übersieht er (ganz gegen seine Gewohnheit). (Während ich ins Wohnzimmer trat, überlegte ich, ob ich das nächste mal die gleichen Blumen nehmen oder doch lieber Fantasie beweisen sollte. Ein „Pass auf!" riss mich aus den Gedanken. Jetzt sah ich es auch: Um ein Haar wäre ich die Blutlache getreten.)
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