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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Angie II
Eingestellt am 26. 02. 2002 13:25


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Gagamello
Hobbydichter
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© by Gagamello
Angie oder../ Fortsetzung

Er sah die Putzfrau aus dem Lokal kommen und betrat den Gastraum. Ein Geruch nach abgestandenem Bier und kaltem Rauch schlug ihm entgegen. Er setzte sich an einen Tisch und zog den Parka aus.Die Bedienung kam und er bestellte sich RĂŒhreier mit Speck und zwei Brötchen. Dazu eine Portion Kaffee.
Es dauerte eine Weile bis sie das gewĂŒnschte brachte und er ĂŒberlegte sich in der Zeit, was er heute zu erledigen hatte.
Gegen spĂ€ter konnte er ja ins Quasi-Modo gehen oder bei Trude vorbei schauen. Allerdings machte Trudes Grill nicht vor elf Uhr auf und das Quasi nicht vor halbzwölf. Irgendwie mußte er die Zeit totschlagem.
ZunĂ€chst sollte er vielleicht seine Kleidung aus der Reinigung holen gehen. Es wurde mal wieder Zeit fĂŒr einen Garderobenwechsel. Ab neun war dort geöffnet.
Er hatte sich schon vor lĂ€ngerer Zeit eines der SchließfĂ€cher im Bahnhof gemietet um die paar Habseligkeiten die er besaß, nicht ĂŒberall hin mitschleppen zu mĂŒssen. Ein PĂ€ckchen Einwegrasierer mit einer Dose Schaum, ein Kamm, ein StĂŒck Seife und eine ZahnbĂŒrste mit Zahnpasta befanden sich in der PlastiktĂŒte.Außerdem eine Badehose und zwei HandtĂŒcher. Diese dienten fĂŒr den Besuch des Hallenbades.
Dort war die einzige Möglichkeit zu duschen. Die UnterwĂ€sche wurde immer wieder neu gekauft und landete nach Gebrauch in einem MĂŒlleimer. Dasselbe galt fĂŒr die Socken.
Bevor es so kalt wurde, hatte er gelegentlich eine dieser Kaufhaustoiletten aufgesucht und sein Zeug im Waschbecken mit Handwaschcreme kurz durchgespĂŒlt, die abfĂ€lligen Bemerkungen und geringschĂ€tzenden Blicke der Klo-Besucher ignorierend.Doch wo sollte er die Sachen bei dieser KĂ€lte trocknen?
Sicher, er hĂ€tte die Kleidung auch seiner Mutter bringen können. Allerdings hĂ€tte es dann wieder eine dieser unendlichen Debatten ĂŒber Sinn und Unsinn seines Lebenswandels gegeben. Diese Fragerei, wo er sei, was er mache und wie er sich sein weiteres Leben vorstelle.
Doch das waren Fragen die er ihr nicht beantworten konnte. Sein Aufenthaltsort war mal hier, mal da. Was er machte? Na jeden Tag so gut es ging ĂŒber die Runden zu kommen. Und PlĂ€ne fĂŒr die Zukunft? Es gab ganz einfach keine PlĂ€ne. Nix Bausparvertrag..nix Lehrstelle..nix Kohle..nix Future..nix... nix ..einfach garnix.. Das Ergebnis dieser Unterhaltungen war meist ein Streit gewesen.
Er war sich bei ihr nie sicher, ob sie ihn nur auszuquetschen versuchte, um ihre Neugier zu befriedigen oder ob es sich dabei um wirkliches Interesse handelte. Es war eine wirklich herliche Mutter-Sohn bezeihung zwischen ihnen. Manchmal fragte er sich, ob MĂŒtter wohl einfach so sein MUSSTEN wenn sie so viele Kinder gebaren. FĂŒr ihren Hund hatte sie mehr Tiefgang... dachte er. Sein Gesicht verfinsterte sich. Kann ich was dafĂŒr das ich existiere?..hĂ€tte der Alte nicht ins Gras spritzen können?..welchen Unterschied hĂ€tte das gemacht? ..keinen...fĂŒr niemanden..
Was ihn eigentlich noch veranlasste, sie sporadisch zu besuchen, war ihm selber nicht so ganz klar. Vielleicht weil es normal war. Bei dem Wort “Normal” mußte er grinsen. Was war denn normal? Wenn er in Gedanken seinen bisherigen Werdegang Revue passieren ließ, gab es im Vergleich zu anderen Menschen die er kannte ,nicht viel, das man als “Normal” hĂ€tte bezeichnen können. Keinen Job..von ein paar Tagelöhnerarbeiten abgesehen..Beschissenes Abgangszeugnis, abgebrochene Lehre.. Familie..die keine war und als Freunde nur die Kneiper die sich freuten, wenn er sein Geld bei ihnen lies..

Die Bedienung kam und brachte das Bestellte. FĂŒr den Augenblick schob er die trĂŒben Gedanken zur Seite und widmete sich seinem FrĂŒhstĂŒck.

Das Lokal fĂŒllte sich allmĂ€hlich. Der große Stammtisch, der gegenĂŒber der Schanktheke stand, war im Nu vollstĂ€ndig belegt. Es war erst halb sieben. Aber den Leuten schien das Bier schon recht gut zu schmecken.

Es waren eigentlich immer die gleichen Gesichter, die um diese Uhrzeit hier zu sehen waren. Witzigerweise waren einige “Angestellte” darunter, die sich jeden Morgen ĂŒber ihren imaginĂ€ren Job aufregen konnten. ImaginĂ€r deshalb, wie sonst ließe sich erklĂ€ren, das sie bis gegen elf Uhr ein Bier nach dem anderen bestellten, dann angesoffen das Lokal verließen und nach einem Imbiß an der nahegelegenen Frittenbude wieder auftauchten.

Da blieb fĂŒr Arbeit gar keine Zeit. >>Na Hauptsache ihr glaubt selber an den Scheiß, den ihr da erzĂ€hlt<<... dachte er oft.

Die Bedienung kam und fragte eher aus Gewohnheit, denn aus wirklichem Interesse, ob es geschmeckt habe. Er antwortete mit der Frage nach der Rechnung.

Als er bezahlt hatte, zog er sich seinen Parka wieder ĂŒber und verließ das Lokal.

Draußen war die Dunkelheit einem grauen DĂ€mmerlicht gewichen.

Nebelschwaden zogen vom nahen Fluss herĂŒber. Auf dem Vorplatz des Bahnhofs befanden sich die Haltestellen der verschiedenen Buslinien. Einige SchĂŒler standen in Gruppen herum und warteten auf den Schulbus.

Als er auf dem Weg ĂŒber den Vorplatz an einer dieser Gruppen vorrĂŒber ging, sprach ihn einer der Jungs an: ”Hey Mann, haste mal ne Kippe fĂŒr mich?” Er nickte und kramte die Schachtel aus seiner Brusttasche, fischte eine Zigarette heraus und gab sie dem Jungen. Der nickte mit dem Kopf und fragte: “Haste Feuer auch?” Er reichte ihm auch noch Feuer und meinte in freundlichen Ton: “Aber rauchen kannste alleine, ja?“ Der Junge grinste ihn an und sagte : “Klar Mann, ....danke Mann”. In einem Anflug von Sarkasmus dachte er bei sich: “ Meine gute Tat ist fĂŒr heute getan“.

Er setzte seinen Weg fort und erreichte nach einer viertel Stunde Fußweg die Reinigung. Es war erst halb neun und der Laden hatte noch geschlossen. Neben der Reinigung war eine Sitzbank fĂŒr BusfahrgĂ€ste angebracht. Dort lies er sich nieder. Mit klammen Fingern fischte er sich eine Zigarette aus der Packung und zĂŒndete sie an. Tief inhalierte er den Rauch.

Seine Gedanken schweiften zurĂŒck zum gestrigen Tag. Eigentlich war nichts besonderes gewesen gestern. Vielleicht doch, ja.. Er hatte am spĂ€ten Abend noch etwas GlĂŒck im Spiel gehabt. Als er gegen dreiundzwanzig Uhr noch kurz auf einen Schoppen Rotwein in einer Pizzeria einkehrte. Dort hatte er aus lange Weile eine MĂŒnze in den Spielautomaten geworfen und Fortuna war ihm hold gewesen. Nach dem zweiten Spiel klingelte der Kasten und zeigte an, das er fĂŒnfzig Sonderspiele gewonnen hatte. Nach deren Ende zeigte der Automat ein Guthaben von HundertfĂŒnfzehn Mark an . Bei sparsamen Umgang mit dem Geld wĂŒrde es mindestens sechs Tage fĂŒrs Essen reichen, wenn nicht sogar lĂ€nger. Ein kleiner Lichtblick war das schon. Wer weiß schon, was in sechs Tagen ist... dachte er. Bei dem Gedanken an den Gewinn lĂ€chelte fĂŒr er einen Moment.Dieses LĂ€cheln verstand eine gerade vorrĂŒbergehende Frau wohl als Gruß, denn sie lĂ€chelte zurĂŒck und wĂŒnschte einen guten Morgen. In Momenten spontaner Freundlichkeit wie diesem, vergaß er gelegentlich den unterschwelligen Neid, den er den anderen, den “normalen” Menschen gegenĂŒber Empfand. Ein Neid, der manchmal ĂŒbermĂ€chtig wurde, obwohl er sich oft fragte.. bin ich nicht selber Schuld an meiner Situation?...


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Gagamello
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Eine Frage hÀtte ich..

Könnte jemand so nett sein und mir sagen, was die Kennzeichnung mit einem roten H bedeutet .. sie ist mir aufgefallen als ich auf die Liste der veröffentlichten Werke geschaut habe..
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liveforever
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hallo

also Deine Frage mit dem roten H kann ich Dir nicht beantworten, aber zu Angie II spreche ich mein zweites großes Lob aus. Finde Du schreibst sehr ergreifend. Die Characterdarstellung Deiner Hauptperson ist sehr gut gelungen. Allein durch seine Gedanken wird deutlich, was fĂŒr ein Mensch er ist und was ihn ausmacht. Und trotzdem bleiben noch viele Fragen offen, und dieser Mensch ist sehr geheimnisvoll, was die ganze Geschichte sehr spannend macht.
Ich hÀtte da auch eine Frage: Hast Du Angie schon fertiggestellt oder ist es noch in Arbeit?
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LG, liveforever

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Gagamello
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hallo liveforever

..find ich echt toll wenn Dir die Geschichte gefÀllt.. ich habe im Moment ca. ein Drittel fertiggestellt .. zu Beginn war ich nicht sicher, ob ich den richtigen Weg gehe, doch nach all der positiven Resonanz bin ich mit Feuereifer am Werk :-)
liebe GrĂŒĂŸe
Achim
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Liese
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hi

hallo gagamello.. auch mir hat die geschichte bisher sehr gut gefallen.. bin auf die fortsetzung gespannt
gruß
liese

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Gagamello
Hobbydichter
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hi liese

dankeschön :-) schön wenn es dir gefĂ€llt.. ich werde die geschichte auf meiner homepage weitererzĂ€hlen.. fĂŒr einen ganzen roman wĂ€re dieses forum der falsche platz.. das kann aber ne weile dauern..
lg
gagamello
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