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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Ansichtskarten
Eingestellt am 05. 03. 2005 15:52


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glasperlenspielerin
???
Registriert: Jun 2003

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Ansichtskarten


Eigentlich wollte ich nur in diesen Laden gehen.

Ich wollte nur in diesen Laden gehen, um eine Ansichtskarte dieses bezaubernden StÀdtchens zu kaufen.
Vielleicht mit einem lustigen Motiv, zum Beispiel dieses schreiend komische „Unsere schöne Stadt X bei Nacht”Motiv, auf dem ĂŒberhaupt nichts zu sehen ist. Oder notfalls auch eine mit tiefgrĂŒndigen philosophischen SprĂŒchen, die dafĂŒr sorgen,dass man erstmal stundenlang ĂŒber sein Leben nachgrĂŒbeln muss.
„Das Schilf, das sich im Sturm neigt, bricht nicht”.

Na ja.
Es sah auch wirklich nett aus.Nur einen Steinwurf vom alten Rathaus entfernt, lag dieser kleine BĂŒcher- mit Souvenirshop idyllisch vergraben zwischen zwei weißen FachwerkhĂ€usern.Schon beim Betreten des Ladens roch man diesen typischen Antiquariatsgeruch und spĂŒrte die Anwesenheit von Wissen und Kultur. Besonders vertreten durch die zahlreichen BĂ€nde großer, deutscher Denker. Hegel reihte sich an Schopenhauer, Goethes sĂ€mtliche Werke und jede Menge Kritik der reinen Vernunft.Zwischen den hochaufragenden Regalen deutscher Kultur befand sich ein hĂŒbsches hölzernes Regal mit tausenden von Postkarten.
Gut, vielleicht hĂ€tte ich hier stutzig werden mĂŒssen, denn im Gegensatz zu den praktischen DrehstĂ€ndern aus Metall, die einem normalerweise das Betrachten der Postkarten erleichtern,war es hier doch recht mĂŒhsam.

Die Postkarten waren nĂ€mlich in bester Massentierhaltung zu dutzenden in engen HolzkĂ€stchen zusammengepfercht. Dieses Bibliothekskarteikartensystem habe ich schon immer gehasst. Zu erkennen war so von den Kartenmotiven erstmal gar nichts, denn das BlĂ€ttern einzelner Karten war unmöglich. Wie Spargel in der Flasche standen die Karten eingepfercht und unverrĂŒckbar. Um also eine ĂŒberhaupt betrachten zu können, musste man mit spitzen Fingern und unter erheblicher Verletzungsgefahr, spitze Ecken,
eine rausfischen.
Irgendwie musste ich mir den Besitzer vorstellen, wie er jeden Abend mit diabolischem LĂ€cheln und mit Hilfe eines Brecheisens die neuen Postkarten in ihren Kasten quetscht.
Aber auch an diese Tortur gewöhnte ich mich. Bis dann, ja, bis ich Bekanntschaft mit den EigentĂŒmern dieses Ladens machte.

Es war ein Àlteres, nein seien wir ehrlich,ein uraltes Ehepaar, das sich auch im Alter noch liebt und mit Respekt behandelt.
„Wo sind die Rechnungen von gestern?!!!”
„Lass mich in Ruhe!”
Beneidenswert. Sie arbeitete an der Kasse, in dem Alter angemessenen Tempo, also pro Minute ungefÀhr drei Bewegungen und er spazierte im Laden umher und warf ab- wechselnd giftige Blicke auf seine Gattin oder auf mich.

Die Regale mit Postkarten waren gleichmĂ€ĂŸig ĂŒber den ganzen Laden verteilt, und da ĂŒberall große Regale mit BĂŒchern standen, konnte es schon mal vorkommen, dass man um irgendwelche Ecken gehen musste, um die restlichen Karten zu sichten.
Doch das war keine gute Idee von mir. Denn als ich in nicht fĂŒndig geworden war, und um die Ecke ging, um weiterzusuchen, bemerkte ich nach kurzer Zeit ein auf mich gerichtetes Augenpaar.
Der alte Mann war mir gefolgt. Jetzt blickte er mir, genau wie eben, auf die Finger. Vorhin hatte ich es noch fĂŒr Zufall gehalten, aber jetzt ließ sein misstrauischer Blick keinen Zweifel. Er beobachtete jede meiner Handbewegungen mit Argusaugen.

Vielleicht wird hier viel geklaut und er muss deshalb um seinen bescheidenen Lebensunterhalt fĂŒrchten?
Ich gestatte es ihm also, da ja auch er das Recht auf einen sorgenfreien Lebensabend hat. Ist ja wirklich alles voller Verbrecher heutzutage. Nur störte es mich irgendwie doch,dass er nur einen Meter von mir entfernt stand, seine Augen unbarmherzig auf mich gerichtet.

Ich begann, mich schuldig zu fĂŒhlen. Ob ich vielleicht wirklich aussah, wie eine Verbrecherin?

Gesteuert durch meine gute Erziehung und dem gebotenem Respekt vor dem Alter, drehte ich mich zu ihm um und sagte: „Iss irgendwas?”
Prompt kam die Antwort „Kann ich ihnen helfen?”
„Nein, mir ist nicht mehr zu helfen” erwiderte ich, scherzend.

Dummerweise hat er das wohl nicht so ganz verstanden und war jetzt endgĂŒltig davon ĂŒberzeugt, ich sei kriminell. Seinem bösartigen Blick folgte ein Knurren und dann eisiges Schweigen. Etwas irritiert ging ich ein Regal weiter. Ein Buch ĂŒber Tiere und ihre Symbolik ließ
mich diesen unangenehmen Zwischenfall und die Postkarten fĂŒr einen kurzen Moment vergessen. Als ich bei dem Ameisenlöwen angelangt war, geschah es.

„Kann ich ihnen helfen?” Da stand er wieder.
Seine Augen waren zugekniffen und aus seinen rechten Mundwinkel tropfte Speichel.
„Nein danke, suche nichts bestimmtes, wollte mich nur mal umsehen.”

Das unterschlagene Subjekt beeindruckte ihn offenbar. Schnell schlich ich mich Richtung Ausgang. Auf der Straße angekommen, drehte ich mich zaghaft um und erblickte ein bösartiges ans Schaufenster gepresstes Gesicht.

Seitdem sitze ich öfters im Café am Marktplatz und beobachte fasziniert, wie Leute als Touristen in den Laden gehen und als Verbrecher wieder herauskommen.

(c) g-ps-d
__________________
alles ist relativ

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Zarathustra
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2003

Werke: 108
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der Zeilenumbruch..

Servus Glasperlenspielerin,

tust du mir bitte einen Gefallen.
Die Geschichte ist so zauberhaft; - kannst du die ZeilenumbrĂŒche korregieren, sie erschweren das lesen so sehr..

L.G. Hans
__________________
Was sind das fĂŒr Zeiten, wo ein GesprĂ€ch ĂŒber BĂ€ume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen ĂŒber so viele Untaten einschließt! (Bertold Brecht)

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glasperlenspielerin
???
Registriert: Jun 2003

Werke: 40
Kommentare: 74
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Re: der Zeilenumbruch..

hi,

ok

habe mich bemĂŒht die zeilenumbrĂŒche zu korrigieren

danke
__________________
alles ist relativ

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