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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Aus dem Effeff
Eingestellt am 29. 07. 2002 21:36


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eufemiapursche
Fast-Bestseller-Autor
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Aufprall, Scheppern, Blech. Der Glassplitterregen hinter ihm verk├╝ndet, dass er vor dem Abbiegen seinen linken Arm h├Ątte ausstrecken sollen. Sorry, aber ich habe zu viel Schiss, den Lenker loszulassen. Hinter seinem R├╝cken nimmt die Lautst├Ąrke des Gezeters allm├Ąhlich ab. Heute nimmt er die Elisabethstra├če, schl├Ągt einen Haken am Schwanenspiegel vorbei, ├╝berquert beinahe vorschriftsm├Ą├čig die Ampel an der Graf-Adolf-Stra├če und radelt das letzte St├╝ck bis zum Verlag die Kasernenstra├če hinauf. Er braucht das um den Kopf f├╝r den Tag frei zu bekommen. Sommer wie Winter, ob es st├╝rmt oder schneit. Nachdem er das Alurad mit einem dicken U-f├Ârmigen Sicherheitsschloss an die Laterne gekettet hat verschm├Ąht er den Fahrstuhl und joggt die f├╝nf Treppen hoch ins B├╝ro.

<Aurora>!
Warum nicht gleich Aphrodite oder Lotusblume?
Diese erb├Ąrmlichen Schreiberlinge, diese schauerromantischen Knallk├Âpfe nehmen eine gemischte T├╝te Regenbogenpresse, M├Ąrchenb├╝cher, Seifenopern und die gro├če Weltgeschichte zu Hilfe um ihre gezuckerten und schmierigen Welten zu erschaffen. Ohne Unebenheiten oder ├ťberraschungen – alles, nur keinen Roman schreiben, alles, nur nicht ├╝ber das Leben und das Chaos sprechen, das sie umgibt!
Narren. Auf die Tr├Ąnendr├╝sedr├╝cker. Seelenlose Possenrei├čer.

<Aurora schmiegte ihre schweren Br├╝ste an die Wangen des Geliebten.>

Die Wirklichkeit macht ihnen Angst. Die Worte terrorisieren sie. Mit vollem Recht. Sollen sie doch schlafen gehen. Sollen sie doch ihren Kr├Ąutertee schl├╝rfen und brav arte glotzen! Nichts treibt sie wirklich zum Schreiben. Nur der einzige und erb├Ąrmliche Wunsch, ihresgleichen zu gefallen.

Frank F├Ârster ist w├╝tend. Wie immer, wenn er ein saft- und kraftloses Manuskript ├Âffnet. Dieser aufblitzende Affekt, Werk, Autor und sich selbst in der Luft zerrei├čen zu wollen. V├Âllig unvern├╝nftig so was.

Er schlie├čt die Augen, die H├Ąnde liegen flach ausgestreckt auf dem Deckblatt. Unter seinen Handfl├Ąchen brodelt eine virtuelle Welt. Es liegt nur an ihm, sie existieren zu lassen, sie in die Wirklichkeit zu holen. Das H├Ąndeauflegen: Vorspiel zur Lekt├╝re. Danach die Anspannung den Titel zu lesen. <T├╝rkise K├╝sse.> Ab in den Papierkorb. <Verzeiht uns unsere Kindheit.> Papierkorb. <Treffen im Park.> <Glanzvolle Erinnerungen.> <Laura in all meinen Tr├Ąumen.> <Tupfenbluse und Karorock.> Du lieber Himmel! <Nieder mit der Fantasie!> Na, das ist es doch vielleicht... <Thema: Ich.> Hm, schade! <Melanie, wo gehst du hin?> Es reicht. Ab ins Feuer.
Das Manuskript rutscht rechts den Schreibtisch hinunter, st├Â├čt auf seine Vorg├Ąnger und landet in einem gro├čen Drahtkorb. Nur einige erhalten Aufschub im Fegefeuer eines Regals.
F.F. ist ein cholerischer Leser. Es ist st├Ąrker als er. Er kocht, wettert, tobt, explodiert. Kann es einfach nicht lassen. Wie oft hat Britta ihn im Nebenzimmer schimpfen, fluchen und mit der Faust auf den Tisch hauen h├Âren: „Spinner! Mensch, so ein Idiot! Analphabet! Null! Pfuscher! Pfaffe! Witzbold! Federfuchser! Phrasendrescher! Klon!“
Frank entscheidet alleine. Delegiert an niemanden seinen Eifer, Entt├Ąuschung oder Gl├╝ck zu verteilen – viel vom einen und wenig vom anderen, wie das ├╝blich ist in dieser Welt. Er ist der einzige Kapit├Ąn am Steuerrad seines Verlages Effeff den er vor zwei Jahrzehnten mit erst 24 Jahren gegr├╝ndet hat. Zehn B├╝cher im Jahr. Keins mehr, keins weniger. Der blaue Einband mit den zwei gekreuzten wei├čen Federn ist mittlerweile als Effeff Sigel bei einem kleinen Kreis eingefleischter Liebhaber bekannt. So erscheint au├čer im Januar und August jeden Monat ein Werk in den Verkaufsregalen der Buchhandlungen. Nicht sonderlich beachtet ├╝brigens von der K├Ąuferschar. Effeff vegetiert mehr schlecht als recht dahin mit knauserigen Subventionen, ver├Ąchtlichen oder unterhaltsamen Kritiken und k├╝mmerlichen Verkaufszahlen. Nicht verwunderlich in diesem Land, wo jeder schreibt, aber keiner liest.
Aurora! Finito. Exitus. Er schlie├čt das Manuskript mit einer energischen Geste, l├Ąsst es rechts ├╝ber den H├Âllenrand rutschen und greift gleichzeitig mit der linken Hand nach dem n├Ąchsten.
<Prometheus am Bungee-Seil>. Also echt! Das darf doch wohl nicht wahr sein! Die lassen aber auch nichts aus um sich l├Ącherlich zu machen. Frank legt seine H├Ąnde auf den pistaziengr├╝nen Einband. Eh... irgend etwas vibriert unter seinem Handteller. Ein eigenartiges Grummeln, ein stummes Rufen... Er atmet tief ein.
Ein Befehl! Wie oft hat er es schon zu vernehmen geglaubt, dieses unterdr├╝ckte Murmeln das aus den Seiten hochsteigt? Dieses l├╝sterne Fl├╝stern. Dieses wage Klagen. Er beugt sich vorsichtig und mit Bedacht ├╝ber den rechteckigen Brunnen um die ersten Anzeichen von Entt├Ąuschung wahrnehmen zu k├Ânnen die dort emporsteigen.
Steckt wirklich etwas dahinter? Etwas wirklich Gutes? Oder ist diese Stimme wieder nur das kontinuierliche Echo der Wetterfahne die sich in jedem dieser K├Âpfe nach dem Wind der neusten Mode dreht? <Prometheus>. Aus welcher Schublade der Gute? Epikgeschwafel oder Lyrikges├╝lze? Oder gar das Werk einer dieser Essigpisser, die ihr lausiges Gekritzel f├╝r Minimalismus halten? Wom├Âglich gar mit Unterst├╝tzung staatlicher Stipendien! Buchstabens├╝ppchen Ausgabe Nouvelle Cuisine! Asketen garni! D├ęco Literatur! Petersilienstr├Ąu├čchenliteraten! Hobbyisten!
Die Literatur ist wie ein Hauptbahnhof. Man trifft dort alle Welt. B├Ącker, Staatsanw├Ąlte, Studenten, G├Ąrtner, Literaturkritiker, Verk├Ąufer, Politiker, Ingenieure, Makler, Bankangestellte, Penner und sogar ein paar Schriftsteller. Alle mit einer gro├čen Last auf dem Herzen, mit einem kostbaren Geheimnis, einer endg├╝ltigen Wahrheit - Apokalyptische Reiter auf dem Weg zum k├╝nftigen Leser.
Unverstanden. Das erstaunte genierte Schweigen von Familie und Freunden. Die mitleidigen Blicke, als ob sie an einer unheilbaren Krankheit litten. Lasst eure Mutter in Ruhe, Kinder. Mama schreibt, danach geht es ihr besser. Nein, es ist nichts Schlimmes... Die lieben Kollegen die das Messer in der Wunde umdrehen. Immer noch keine Antwort? Doch? Oh, du ├ärmster. HOFFMANN UND CAMPE auch nicht? Wenn du Journalist w├Ąrst, w├╝rden sie dir den roten Teppich ausrollen. Alles in allem sind es doch erst f├╝nf. Es gibt auch noch andere Verleger. Warum versuchst du es nicht mal mit Zeichnen? Das ist auch was Feines. Malen beruhigt... Und erst die Sticheleien! Was sagt denn unser Dichter dazu? Das Schulterklopfen – eh, kannst du nicht f├╝r meinen Chef eine Geschichte erfinden warum ich Montag nicht arbeiten war? Oh, etepetete der Herr Schriftsteller, ist Schreiben nicht dein Job? Apropos dein Job – da kenn ich mich aus... Und trotzdem schreiben sie weiter. Trotzig, gegen die Welt, gegen sich selbst. Entweder spartanische Leichtkost - fettreduzierte, kalorienfrei ges├╝├čte Dudarfstromane, oder sie treten im Gegenteil ihre schmerztriefenden Geschichten bis ins letzte Detail breit. Omas offene Geschw├╝re an den Beinen, der Magenkrebs des Nachbarn, der aidskranke Neffe. Da wird abgesondert, es zerl├Ąuft, wird rissig, bl├Ąttert ab, zersetzt sich, verfault, l├Âst sich auf. Aber bitte w├╝rdevoll. Dem Tod mit einem leichten L├Ącheln ins Auge blicken, mit Humor krepieren. Und dann die Liebe, Thema Nr.1 in der Hitparade des Grolls. Sie hat mich betrogen, er hat mich verlassen, wie sch├Ân, die menschliche Natur! Aber ja! Sie werden sehen. Auf sechshundert Seiten. M├Âge mein Kummer Sie erleuchten... Wirke ich an dieser Stelle leidend genug? Nicht zu verkrampft? Halten Sie durch. Ich erz├Ąhle Ihnen meine Scheidung. Ich warne Sie vor, es ist sehr sehr hart. Den n├Ąchsten Band schreibe ich ├╝ber Papa.

Frank wirft einen Blick nach links auf den Stapel der harrenden Manuskripte. Jeden Morgen sorgt Britta, die ihren Job im Sternverlag vor acht Jahren hingeschmissen hat um als pers├Ânliche Assistentin das hektische Chaos von ihm fern zu halten, f├╝r Nachschub. Die treue und emsige Seele f├╝llt die leeren Reihen unverdrossen wieder auf, druckt im Akkord Absageschreiben und vereinbart obligatorische Termine.
Ein tiefer Seufzer, dann kehrt er zu <Prometheus am Bungee-Seil> zur├╝ck, w├Ągt mit der Hand ab, saugt den Duft ein und beginnt zu lesen. Die Geschichte von Stefan und Nadia. Sieh an, kein Krebs, kein Magengeschw├╝r, kein Ehekrieg. Eine Liebe ohne Wolken oder zumindest nur kleine dekorative Watteb├Ąuschchen. Das riecht schwer nach irdischem Zuckerwatteparadies. Trotzdem – hier und da ein verstohlener Lichtblick, eine leichte innere Unruhe, ein dumpfes Grummeln. Unleugbar. Er kehrt zum Anfang zur├╝ck, schn├╝ffelt, st├Âbert, geht mit sich zu Rate...
Britta?
Er hat die Stimme kaum erhoben. Wie ein F├╝chschen auf der Lauer taucht der rote Schopf sofort auf.
Es steht kein Name auf dem Manuskript. Wo kommt es her?
Jemand hat es in den Briefkasten gestopft. Ich habe den Absender vom Umschlag abgeschrieben und im System gespeichert. Das spricht nicht gerade f├╝r ihn, was?
Noch Termine heute Nachmittag?
Vier wie immer. Britta zuckt mit den Schultern, dreht sich auf dem Absatz um und st├Âckelt hinaus.

Also so was! Da geben Leute ihre Manuskripte ab wie ein Kind im K├Ârbchen an der Babyklappe einer Klinik oder eines Klosters. Andere geb├Ąren ihre Werke anonym als XY. Warum so eine Geheimniskr├Ąmerei? Um vom Gro├čonkel zu erz├Ąhlen, der Bahnhofsvorsteher in Grevenbroich-Kapellen war? Von ihrer ungl├╝cklichen Kindheit? Oder noch schlimmer, von ihrer gl├╝cklichen? Und all das vertrauen sie dem wei├čen Blatt aus Papier oder auf dem Bildschirm heimlich nachts an. Bis zu dem Tag, da sie den Entschluss fassen, es der gro├čen weiten Welt vorzustellen... Um es, bitte eiligst, in gr├Â├čtm├Âglicher Auflage unter die Leute zu bringen. Die Menschheit wartet bereits seit Ewigkeiten darauf!
Manuskripte wimmeln ├╝berall. Man sieht sie nicht, aber sie umkreisen uns, belagern uns heimlich, bewegen sich in unterschiedlicher Tarnung fort, im Inneren von Gucci-Handtaschen, Rucks├Ącken, Aktenkoffern, Posts├Ącken, Intercitywagons, ParcelService-Lieferwagen. Sie gelangen in die geheimsten Briefk├Ąsten, in B├╝ros, K├╝chen, Schlafzimmer auf der F├Ąhrtensuche nach dem professionellen Leserauge.
Ihre Verfasser sind perplex ├╝ber eine Zur├╝ckweisung. Ich habe es meiner ganzen Umgebung gezeigt. ├ťberall nur positive Reaktionen! Ich kann nicht glauben, dass Sie es nicht wollen! Im Falle einer Ver├Âffentlichung meckern sie ├╝ber mangelnden Enthusiasmus und schleppende Kritiken. Verr├Ąter! Faulenzer! Mafiosi! Und die Buchh├Ąndler? Was machen die Buchh├Ąndler? Sie hocken an ihrer Kasse, das machen sie! ├ťbrigens habe ich mein Buch nicht in der B├╝cherstube am Markt gefunden. Sie treten denen doch wohl unverz├╝glichst auf die F├╝├če?
Was ist heute nur los? Dieses Manuskript... Frank geht in die Defensive. Er muss den Verfasser von <Prometheus> herbestellen. Ihm klar machen, dass es im gro├čen Haus der Literatur keinen Platz f├╝r ihn gibt, nicht mal das kleinste K├Ąmmerchen. Er wird ihn herbestellen wie all die anderen, deren Texte zumindest ein Kribbeln hinterlassen, einen winzigen Hauch. Er wird es ihm offen und brutal ins Gesicht schleudern. H├Âren Sie auf um Himmels Willen! Warum wollen Sie sich selbst weh tun? Sie riskieren, sich die Finger zu verbrennen. Warum schreiben, wenn man nicht das Messer an der Kehle hat? Bevor das Manuskript ihn umstimmen kann, klappt Frank es entschlossen zu, packt seine sieben Sachen und macht sich auf den Heimweg.

Auf dem K├╝chentisch liegt ein Zettel. Ein Wort von Rita. Vielmehr zwei W├Ârter. <Ich gehe>.
Frank ├Âffnet den K├╝hlschrank. G├Ąhnende Leere. Bis auf die Flasche Champagner Mo├źt&Chandon Cuv├ęe Dom P├ęrignon, 1993. Eine Legende, ein Mythos! Zu trinken bis 2005. Nein, genau jetzt! Sich f├╝hlen wie James Bond, wenn er mit seinem unzerst├Ârbaren Begleiter Dom P├ęrignon durch seine alten Filme rast.
Nichts Besonderes in der Post. Rechnungen, Kontoausz├╝ge – tolles Online Banking! Wieso schicken diese Deppen die immer noch nach Hause? – und die Tageszeitung. Er f├╝llt ein Glas, schnappt die Zeitung und haut sich auf das Sofa. Rot-Gr├╝n im Umfragetief. Am Montag startet der Sommerschlussverkauf. Heimliche IQ-Tests bei Pisa Studie. Jugend feiert in Toronto den Papst mit Ges├Ąngen. Wow – die Welt ist sch├Ân! <Ich gehe>. Nat├╝rlich gehst du. Ist ja nichts Neues.
Rita hat zwei entscheidende Fehler ohne die anderen mitzuz├Ąhlen. Der erste, dass er sie liebt. Der zweite, dass sie immer wieder abhaut. Frank gie├čt Champagner nach und steckt die Nase erneut in die Zeitung. Der Serient├Ąter, der in D├╝sseldorf und Umgebung in letzter Zeit mehrfach Sparkassen ausgeraubt hat, musste diesmal unverrichteter Dinge abziehen. Der Kassierer glaubte an einen Scherz und fing schallend an zu lachen. Angesichts der ungl├Ąubigen Miene des R├Ąubers klopften sich die anderen Angestellten br├╝llend vor Lachen auf die Schenkel. Entgeistert gab der Verdatterte Fersengeld, nicht ohne zuvor mit der Nase gegen die Glast├╝r zu prallen. Die Polizei hofft durch die Blutspur auf den T├Ąter zu kommen. Erz├Ąhlt so was mal in einem Roman!
Sie ist weg, sie ist weg. Verdammt, sie ist einfach weg! Er wird sich nie daran gew├Âhnen. Ich gehe! Er sucht etwas zum Kaputtschlagen, entscheidet sich f├╝r das angemalte Gipskamel, das Rita aus Tunesien mitgebracht hat und schleudert es mit aller Kraft gegen die Marmorverkleidung des Kamins. Mist, es war nicht aus Gips! Eher aus Bronze oder so was in der Art. Das Kamel ist ok, der Marmor ist gesprungen. Aber wo geht sie hin, verdammt, wo geht sie hin? Und mit wem?
Nur nicht hier bleiben.
Seine Schritte f├╝hren ihn geradewegs ins F├Ąsschen gleich um die Ecke. Seine Stammkneipe ist nahezu leer, bis auf den Inhaber. Schumi nicht nur Weltmeister, sondern hat auch am neuen Hockenheimring gewonnen, verk├╝ndet Roberto.
Frank hockt sich an den Tresen. Gibst du mir was zu essen?
Oh, eine Laus auf der Leber heute? Ein gro├čes Altbier steht vor Frank und eine von Robertos g├Âttlichen Frikadellen nebst labbrigem Toast.
Was soll ich tun, Roberto?
Roberto, ehemaliger T├╝rsteher, hat eine simple Auffassung von zwischenmenschlichen Beziehungen: knall ihr eine, und bind sie an die Heizung. Sein Lieblingsscherz: was sagt man einer Frau, die zwei blaue Augen hat? Nichts, denn man hat schon zweimal versucht, ihr was zu erkl├Ąren.
Roberto macht sich keine Illusionen. Er wei├č, dass seine Ratschl├Ąge nicht fruchten werden.
Nein Frank, du h├Ąttest <Prometheus am Bungee-Seil> nicht schreiben k├Ânnen. Du hast diese reine und milde Liebe nicht kennengelernt in der Stefan und Nadia schweben. Nadia! Sanfte Rundungen, ged├Ąmpftes Licht, Nadia – welch ein Klang! Rita ist offensichtlich anders gestrickt. Nadia bleibt. Sie nimmt die Posen ein, die ihr Mann mit pastellenen Worten beschreibt. Nadia haut nicht alle paar Tage einfach ab. Sie hat ihrem Stefan keine Vereinbarung abgerungen mit Tenor: jederzeit frei zu bleiben, frei zu gehen. Keine Rechenschaft, keine Forderungen...
Keine Rechenschaft, Roberto, verstehst du das? Ich sehe keine andere L├Âsung als die Heizung, antwortet Roberto und stellt ein dampfendes Omelette und einen gr├╝nen Salat vor seine Nase. Aber Roberto versteht ja auch nichts von Frauen. Scheidung nach drei Wochen Ehe. Wegen einer Heizung, um genau zu sein.

Viertel vor vier. Stefan Echt steht vor der dunklen gro├čen Eingangst├╝r. Niemand antwortet auf sein zaghaftes Klingeln. Tief einatmen, dann startet er einen zweiten Versuch. Kaum energischer aber zumindest erfolgreich. Im hellen Vorraum klacken seine Schritte auf dem Laminat. Hinter der Glast├╝re links ein undeutliches Murmeln. Pl├Âtzlich steht Britta vor ihm. Sie mustert ihn schnippisch von oben bis unten. Stefan bleibt steif und linkisch wie ein Kaninchen vor einem Frettchen. Britta verschwindet wortlos. Stefan nestelt an seinem Hemdkragen als Frank F├Ârster mit Schwung die Glast├╝r ├Âffnet, gefolgt von einer aufgel├Âsten Gestalt. Eine junge Frau mit blonden Locken dr├╝ckt niedergeschlagen ein mit Gummis zusammengehaltenes B├╝ndel Bl├Ątter gegen die Brust. F.F. geleitet sie am Neuank├Âmmling vorbei zu T├╝r. Einige Sekunden sp├Ąter dr├╝ckt der Verleger Stefans rechte Hand, murmelt einen Gru├č und nimmt ihn in Schlepptau Richtung B├╝ro.
Der Raum ist eng und kahl. Der Besucher setzt sich auf einen der beiden St├╝hle in der Ecke. Als Frank den Raum einrichtete, hat er nach noch ungem├╝tlicheren gesucht aber nicht gefunden. Die Pr├Ątendenten sollen wissen, dass Effeff kein Verlagshaus mit Pl├╝schsofas und niedlichen Schickeria Annehmlichkeiten ist. Da F.F. schweigt, schluckt Stefan Echt den Klo├č in seinem Hals hinunter, r├Ąuspert sich und ├╝berlegt, wie er beginnen soll. Auf dem Glastisch zwischen ihnen liegt das Manuskript mit dem gr├╝nen Einband. Der Stapel Bl├Ątter, von dem sein Leben abh├Ąngt.
Sagen Sie nichts, befiehlt F.F. mit ├╝berraschend sanfter Stimme. Ich wei├č es.
Stefan rei├čt seine verschwommen Augen weit auf.
Die Leute die zu mir kommen sind oft nur von einer einzigen Idee besessen, f├Ąhrt Frank fort. Ver├Âffentlicht zu werden. Kann ich bald das Wort Schriftsteller auf meine Visitenkarte drucken lassen? Wann komme ich ins Radio, wann in eine Nachfolgesendung des Literarischen Quartetts? Erkennen Sie sich wieder, Herr Echt?
Stefan bleibt stumm.
Sehen Sie nicht bereits Ihr Portrait im Feuilleton der FAZ, der Zeit oder Ihr Werk auf der oberen Skala der Spiegelliste oder zumindest als Sommerseichtbuchempfehlung in der Brigitte? Tr├Ąumen Sie nicht auch davon? Glauben Sie nur nicht, dass ich Sie daf├╝r verurteile. Solche Anwandlungen sind lediglich l├Ącherlich und erb├Ąrmlich.
In Wahrheit hat Frank das nicht so gesagt. Nur einen Teil oder andere weniger brutale Worte benutzt. Wer wei├č, jedenfalls verziehen sich Stefans Lippen zu einem entschuldigenden Grinsen. Woher wissen Sie das so genau, Herr F├Ârster? Wie haben Sie diesen unstillbaren Durst nach Ver├Âffentlichung in mir entdeckt?
Ich habe Sie gelesen. Das ist alles. Ich las <Prometheus am Bungee-Seil>.
Ist es so schlecht?, fragt Stefan wie man einen Arzt bedr├Ąngt, die schreckliche Wahrheit schonungslos auf den Tisch zu legen.
Es ist nicht schlecht!, explodiert Frank. Es ist absurd! W├Ąhrend Sie schreiben, schauen Sie in einen Spiegel und finden sich sch├Ân! Das Buch trieft von satter Selbstbefriedigung. Nichts Lebendiges, keine Revolte, keine Einsatzbereitschaft!
Der Verleger braust auf, l├Ąsst sich forttragen. Seine Stimme ├╝berschl├Ągt sich. Er ist schrecklich sauer, so wenig Meister seiner Gef├╝hle zu sein. F├╝hlt, wie ungerecht und widerw├Ąrtig er reagiert. Das ist sicher alles nur Ritas Schuld, aber nichts wird ihn jetzt noch aufhalten.
Was ist Ihr Einsatz, Herr Echt? Was werfen Sie in die Waagschale? Glauben Sie, es reiche, den Leser zu unterhalten, ihn in eine grammatikalisch perfekte Melodie einzulullen? Bedeutet das f├╝r Sie Literatur? Dieser leichte Oberlehrerstil? Literatur, nein, Sie geh├Âren nicht hinein! Haben Sie Kafkas Hungerk├╝nstler begriffen? <Es wird immer etwas herauszuholen sein aus diesem Strohhaufen, der ich bin.> Ein Haufen Stroh, Herr Echt. Kafka hielt sich f├╝r einen Haufen Stroh, nicht f├╝r einen Animateur von Medienscherzchen oder einen Plauderer von Partnerschaftsgekl├╝ngel!
<Schreiben hei├čt, Gerichtstag halten ├╝ber sein eigenes Ich.> Ibsen. <Ich existiere nicht mehr, da ich kein Papier mehr besitze.> Bulgakov. W├╝rde Papiermangel bei Ihnen den gleichen Effekt ausl├Âsen? Sind Sie bereit zum Urteil des J├╝ngsten Gerichts? Sind Sie bereit, in die Fu├čstapfen von Bulgakov, Ibsen oder Beckett zu treten? Menschen, die niemals davon tr├Ąumten, die Gunst ihrer Zeitgenossen zu gewinnen! Sind Sie dazu bereit, Herr Echt?
Der Autor antwortet nicht. Sch├╝ttelt unmerklich den Kopf, fragt sich, was falsch gelaufen ist, wann das Sandkorn ins R├Ąderwerk seines St├╝ckes geraten ist, welches Sandkorn und warum.
Stumm und regungslos betrachten sie sich. Der Verleger deutet auf das Manuskript. Ich habe es nicht weggeschmissen. Ich m├Âchte, dass Sie das selber tun. Eines Tages, nachdem sie es wieder und wieder gelesen haben. Sie werden schlussendlich begreifen, dass ich durch meine Weigerung, Sie zum Schriftsteller zu k├╝ren, Ihnen ein sorgenreiches Leben voller Selbstzweifel erspare f├╝r das Sie nicht geschaffen sind.
Stefan Echt schreibt offensichtlich nur, um seiner Existenz als kleinem Angestellten einen schm├╝ckenden Rahmen zu verpassen. Da ist sich Frank sicher. Man braucht ihn doch nur anzuschauen. Noch eine Sprosse auf der sozialen Erfolgsleiter. Mein Haus, meine Kinder, mein Roman. Oh, ich schreibe in meiner Freizeit, erkl├Ąrt er der Schwiegermutter w├Ąhrend er den Sonntagsbraten anschneidet. Das ist wesentlich entspannender als Jogging. Du solltest es auch mal probieren. Ich wollte eine Geschichte ├╝ber deine Tochter schreiben, sie damit aufheitern. Ein Verleger hat mich bereits gedr├Ąngt, sie zu ver├Âffentlichen. Im Moment z├Âgere ich noch mit der Zustimmung. Es hat dir gefallen? Jetzt werde ich noch rot. Wie w├Ąre es mit diesem St├╝ckchen? Ohne Fett. Hier.
Warum hat er diesen Typ herbestellt? Er hat sich bestimmt einen halben Tag frei nehmen m├╝ssen. Ein Absageschreiben h├Ątte es auch getan. Du l├Ąsst nach, Frank, du l├Ąsst nach.
Der Verleger ist deprimiert. Sp├╝rt, dass die Zeit verstreicht und ihn verbraucht. Was hatte er sich erhofft? Nat├╝rlich das worauf er jedes Mal hofft und fast immer umsonst. Einen Funken ├╝berspringen sp├╝ren. Ein Beben tief unter den S├Ątzen. Dann und wann glaubte er es beim Lesen des Prometheus zu empfinden. Nein! Nichts! Wohl nur ein Irrtum! Wie er da sitzt! Ein normaler Angestellter, ruhig, freundlich, nicht mal w├╝tend. H├Âchstens ein wenig entt├Ąuscht. Wann nimmt er endlich das verflixte Manuskript und verschwindet?
Nicht die geringste Zeichen eines z├╝gigen Aufbruchs bei Stefan Echt. Er greift nicht nach dem Band, sondern steckt beide H├Ąnde tief in die Taschen seiner Jacke. Deutet mit dem Kinn auf das Manuskript. Sie k├Ânnen es behalten. Ich werde es nicht mehr brauchen.
Immer noch dieses seltsame L├Ącheln.
Dann zieht Stefan Echt eine gro├čkalibrige Pistole aus seiner rechten Tasche. Hundert pro ein Spielzeug. Prometheus l├Âst sein Band und l├Ąsst seine Bl├Ątter auf den Boden fallen.
Keine Sorge, sie ist nicht geladen, scherzt der Autor.

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ElsaLaska
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Liebste Femi,

das spr├╝ht vor Geist und Witz und es ist eine g├Âttliche Satire geworden!
Ganz herrlich!Wunderbar!
Bei der Bond'schen Champagnermarke h├Ątte ich Dich beinahe an den Wickel gekriegt, aber er trinkt tats├Ąchlich erst seit 1997 BOLLINGER;-), vorher Dom Perignon.

Aber warum l├Ąsst Du uns am Ende so ein bisschen h├Ąngen?

Liebe Gr├╝sse
Elsa

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eufemiapursche
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schlussendlich?

Nun Sherlock Elsa, f├╝r unseren guten Frank F├Ârster gibt es als Mittvierziger nat├╝rlich nur einen kindheitspr├Ągenden James Bond: Goldfinger Dr. No Sean Connery . James Bonds ab 1997 sind ihm ├Ąuuuuuuuu├čerst suspekt....

Dein ist mir mindestens ein wert! Denn es bedeutet, dass du bis zum Schluss durchgehalten hast

H├Ąngen lass ich euch? Ganz und gar nicht!!! Die Persiflage endet bewusst an dieser Stelle....

Ist doch klar, wie es weitergeht: so oder so oder....

Flash 1:

KEINE SORGE, SIE IST NICHT GELADEN, SCHERZT DER AUTOR.

Britta steht unersch├╝tterlich neben dem Stuhl, wo Frank zusammengekauert den gesenkten Kopf auf seine ├╝ber die Oberschenkel gekreuzten Arme gelegt hat....
Vor seinen Augen mischen sich Bilder von Rita und Stefan Echt.
Britta relativiert: Aber, aber, das war doch nur ein Autor...
Franks B├╝ro wurde vollkommen leerger├Ąumt, die W├Ąnde neu gestrichen, der Boden ges├Ąubert und neu gewachst. Stefan Echts Tod liegt einige Tage zur├╝ck, aber Frank ist noch immer in einem Ausnahmezustand, der Schlimmes bef├╝rchten l├Ąsst. Seine Assistentin dr├Ąngt ihn, die Arbeit wieder aufzunehmen und die ├╝berquellenden Regale leerzulesen.
Wozu, Britta? Ich habe nichts gesehen, nichts verstanden.. Ich h├Âre komplett auf! Ich KANN nicht lesen! Dieser Mann w├╝rde noch leben, wenn ich nicht....
Sagen Sie mal, ist es jetzt bald gut mit dieser Nummer? Nehmen Sie sich doch wieder zusammen, zum Teufel! Dieser Typ war krank! Bringt man sich etwa wegen eines Romans um?
Ja, denkt Frank. Und er h├Ątte es wissen m├╝ssen. Er war im Vulkan und wei├č: man t├Âtet sich f├╝r ein wenig Rauch und Worte. Autoren wie Leser. All die, die f├╝r den jungen Werther gestorben sind... Wie viele von ihnen hat er in den Papierkorb bef├Ârdert, ins Feuer gesto├čen?
Britta sch├╝ttelt ihn. Der n├Ąchste Termin. Ich lasse sie jetzt rein.
Soll sie doch abhauen wenn sie nicht Rita ist!
Die Besucherin tritt ein. Etwas in ihren Augen. Das schmerzt. Erkennen Sie mich nicht, Herr F├Ârster? Warum sollte er sie kennen? Nein, kein Schimmer.
Aber ja, selbstverst├Ąndlich erkenne ich Sie wieder.
Er hat sie nie gesehen. Trotzdem erkennt er sie wieder. Worte dr├Ąngen sich ins Bewusstsein. Das Muttermal auf der rechten Wange. Die H├Ąnde aus Porzellan. Der Blick wie Stahl.... Prometheus zerschnitt das Seil. Vor ihm steht Nadia Echt.....


Flash 2

KEINE SORGE, SIE IST NICHT GELADEN, SCHERZT DER AUTOR.

Noch nicht. Ich m├Âchte, dass Sie das selber tun. Eines Tages, nachdem Sie wieder und wieder gelesen haben. Sie werden schlussendlich begreifen, dass ich durch meine Weigerung, Ihnen zuvorzukommen, Sie sich ein weiteres Leben ersparen f├╝r das Sie nicht geschaffen sind....

Man sollte Leute nur im Sommer beerdigen.
Rita antwortet nicht. Sie findet Robertos Humor v├Âllig deplaziert. Ein eisiger Wind pfeift ├╝ber die Gr├Ąberreihen des D├╝sseldorfer S├╝dfriedhofs, als sie inmitten des Trauerzugs Franks Sarg folgen...
Wie gut t├Ąte jetzt der Trost eines Sonnenstrahls zwischen gr├╝nen Bl├Ąttern.
Der Vorsitzende des Schriftstellerverbandes ergreift das Wort: Wir m├╝ssen uns an eine neue Form des Schweigens von Frank F├Ârster gew├Âhnen. Er war einer jener, die uns bedauern lassen nur das zu sein, was wir sind. Sein Schweigen hielt uns in Alarmbereitschaft. Er bedurfte nicht vieler Worte. Verleger zu sein bedeutet in erster Linie, nein sagen zu k├Ânnen. Und er verstand diese Meisterschaft besser als jeder andere...


Flash 3

KEINE SORGE, SIE IST NICHT GELADEN, SCHERZT DER AUTOR.

Es ist eine Attrappe, die ich meiner Frau heute fr├╝h zum Schutz gekauft habe. Wir wohnen ein wenig abgelegen. Behalten Sie das Manuskript. Es ist nur eine Kopie. Ich danke f├╝r Ihr aufrichtiges Urteil....

Um sich abzureagieren, verbringt Frank F├Ârster den Nachmittag bei Roberto im F├Ąsschen. Die Kneipe ist ├╝berf├╝llt mit Oberstufensch├╝lern des nahegelegenen Gymnasiums. Frank findet sein Pl├Ątzchen am Tresen. Am Nachbartisch zieht sich eine frisch gegelte Igelfrisur Cola schl├╝rfend seine neusten MP3 Downloads rein.
Seine nahezu getreue Farbkopieausgabe hebt die Nase aus einem Band mit Frank wohlbekanntem Effeff Label und dr├╝ckt zornig die Kippe aus. Wer interessiert sich morgen noch f├╝r so ein gedrucktes Zeug? Und vor allem f├╝r so weltfremde Typen wie Claude Groschen & Co??? Veralteter Kram. V├Âllig verstaubter Pl├╝sch. Dieser Deutschpauker hat wirklich einen an der Waffel, so was Schwachmatisches f├╝r die Klausur auszuw├Ąhlen! Thema: Literatur tritt bereits aus den B├╝chern heraus. Schneller als das Licht. Wild wie Unkraut. Rebellisch. Auf der einen Seite die massive Globalisierung der Kulturindustrie, gehortet in Datenbanken oder Supermarktregalen. Auf der anderen Seite die unkontrollierbaren M├Âglichkeiten der Multimediawelten, die zu immer g├╝nstigeren Preisen immer schneller online ├╝bertragen werden....
Schreiber wie Claude Groschen haben schon vergeigt. Man wird seine Titel nie in einer Tanke neben den Chips finden, keine Website wird den Planeten mit seinem Geschreibe ├╝berschwemmen. Aber anstatt den Arsch hoch zu bekommen, bleiben Typen wie er in ihrer verkalkten R├╝stung ohne zu kapieren, das die Avantgarde von heute fr├╝h bereits an der Bestattungsfeier von heute Abend teilnehmen wird. Nee, dem ist nicht mehr zu helfen. Mumien sind das.

Frank F├Ârster macht sich auf den R├╝ckweg zum Verlag. Groschen eine Mumie. Niemals Sticker oder T-Shirts mit dem Effeff-Label in Tankstellen. Frank kramt nach dem Schl├╝ssel um seine Katakomben gedruckten Papiers aufzuschlie├čen...

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ElsaLaska
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Liebste Femi,

alle drei M├Âglichkeiten sind genial!
Allerdings tendiere ich pers├Ânlich zu 2, und zwar wegen dieses herrlichen Satzes:
"Wir m├╝ssen uns an eine neue Form des Schweigens von Frank F├Ârster gew├Âhnen"
Ganz wundervoll!

Korrigiere doch bitte noch alle grossgeschriebenen Dich, Deine, Dir, Ihre, Sie etc. Die Anredeform wird nur in Briefen, nicht in Dialogen grossgeschrieben.

Ich BIN nat├╝rlich Sean-Connery-Verehrerin und nach ihm hat es nie wieder einen echten Bond-Film gegeben, aber aus irgendwelchen Gr├╝nden hat sich dieses BOLLINGER (*gg*) bei mir eingepr├Ągt.

Liebe Gr├╝sse
Elsa

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eufemiapursche
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open end rules best

Liebe Elsa,

sch├Ân, dass dir eines der Enden hinter dem Ende gef├Ąllt

Nach nochmaliger Klausur denke ich: open end rules best

Mir gef├Ąllt das offene Ende nach wie vor am besten. Es ist so abrupt, dass es den Leser v├Âllig aus dem Lesefluss rei├čt- und DAS ist es, was die etwas abgegriffene Nummer mit der Waffe gerade hier so sch├Ân macht.

Das weitere Ende- das kann sich jeder selbst ausmalen. Und vielleicht sieht es ja so aus, wie eine der Alternativen da oben ...

Femi *gr├╝├čtausdemeffeff*

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achill
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haufen aus stroh

Wow, mein erster Tag bei leselupe und ich krieg schon voll eins auf die Schnauze.
Denke, ich bin auf einer gem├╝tlichen Hobbyliteratenseite gelandet und tingele mal von einer Geschichte zur n├Ąchsten, und pl├Âtzlich muss ich mich fragen: Bin ich ein Strohhaufen?
Bin nahe dran, meinen Drucker zu verkaufen und in Wales Schafe zu h├╝ten. Von dem Geballer muss ich mich erst mal erholen. Warum? Weil┬┤s wahr ist. Bin ich nicht so┬┤n generation-x-weichei, das schreibt, weils hip ist? Oder hab ich was zu sagen? Hm.

Was ist das? Wurden da die Klischees vom herzlosen Verleger bedient? Ein Erfahrungsbericht von der Schreibfront? Offene Rechnungen? Satire, is klar. Trotzdem: Wenn ich da dr├╝ber hinweg komme (Bin ich Stroh? Oder doch eher ein S├╝sswarenladen?), geht┬┤s mir besser.

Klasse Text. Tut mir leid, zu mehr reicht mein Fundus an Lob heute nicht mehr(Stroh? Oder doch eher...). Nur ein paar Kleinigkeiten am Rande: Ist das am Anfang ein Verkehrsunfall? Und wenn ja, warum?

Dann zu den Alternativen: Die erste erinnert mich ein bisschen an K├Ânig der Fischer: Jeff Bridges spielt da einen Radio-DJ, der einen Anrufer zu einem Amoklauf in einer Kneipe aufstachelt. Geschockt von dem Ereignis, schmeisst er seinen Job hin und plagt sich fortan mit schweren Schuldgef├╝hlen. Klingt wie Frank, der es h├Ątte wissen m├╝ssen.
Bei der zweiten frag ich mich, was mit der Geschichte passiert, wenn die Hauptperson schon so schnell stirbt. W├Ąre irgendwie schade drum.
Und die Dritte macht eigentlich nur als dritte Alternative Sinn. Ansonsten w├╝├čte ich nicht, wieso man eine Attrappe mit sich herumtr├Ągt, die man eigentlich f├╝r jemand anderen gekauft hat. Klinge ich zu hart? Will ich nicht. Sind nur so Fragen, die mir durch den Kopf gehen. Wie gesagt, insgesamt finde ich die Geschichte umwerfend.

So umwerfend, dass mir eine vierte Alternative durch den Kopf gegangen ist. Der Autor fragt den Verleger, ob ihm ein guter Grund einf├Ąllt, sie beide am Leben zu lassen. Wenn der eine schon kein guter Autor ist und der andere ein frustrierter Verleger, welchen Grund g├Ąbe es dann f├╝r den Autor, sie beide nicht jetzt auf der Stelle zu erschiessen. Nur ein einziger, guter Grund! Vielleicht hilft er dem Verleger so auf die Spr├╝nge, sich doch auch mal an die guten Seiten des Lebens zu erinnern.

War nur ein Gedanke. Wollte mich nicht einmischen.
Vielen Dank f├╝r die sch├Âne Geschichte. Gehe jetzt auf den Balkon und denke dr├╝ber nach, was mir fehlen muss, damit ich nicht mehr existiere.
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eufemiapursche
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die Mischung machts

Wow, Achill, frisch aus dem Urlaub zur├╝ck und wieder eine neue Alternative... Schreit also nach Fortsetzung? N├Â, best├Ątigt mich eher, genau an der richtigen Stelle geendet zu haben. Dort, wo in grauer Urzeit Deutschklausuren ansetzten mit: "Entwickeln Sie aus dem Text eine schl├╝ssige L├Âsung unter Ber├╝cksichtigung s├Ąmtlicher Blis und Blas..."

Deine Anmerkung zum Anfang: klaro war da ein von Frank ausgel├Âster klitzekleiner Auffahrunfall... Warum? Nun, shit happens - auch unserem lieben Verleger....

Nach Wales willst du Schafe h├╝ten? Wenns der Schaffenskraft dient? Warum nicht? Mit Laptop kannst du auch von dort die Leselupe bequem mit Artikeln und Kommentaren ├╝berschwemmen...

Deine Kommentare zu den drei Alternativen:

zu 1. tief einatmen, aber irgendwas ist dran an dem Vergleich...

zu 2. Da musst du aber nochmal im Text hochscrollen.... Die Geschichte endet n├Ąmlich im Sommer!!! Und Frank wird eindeutig erst im Winter darauf oder sogar einem der folgenden beerdigt... Frank liest n├Ąmlich mit der Flasche Schampus auf dem Sofa als D├╝sseldorfer die Schlagzeilen der Rheinischen Pe/ost , und zwar alle aus dem Juli diesen Jahres...

Im ├╝brigen: danke f├╝rs Einmischen!!! Die Mischung machts! Falls du zwischenzeitlich einen Entschluss gefasst hast, weiter zu existieren, freuen wir uns auf deine Beitr├Ąge und schicken dir ein herzlich willkommen bei den Lupianern!

Femi
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