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Leselupe.de > Erzählungen
Ausbrüche
Eingestellt am 11. 02. 2005 00:33


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loussi
One-Hit-Wonder-Autor
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Unschlüssig drehte er den Luftpostbrief in seinen Händen. Er ahnte, dass er unangenehme Nachrichten enthielt. Die Anschrift stammte unverkennbar von der Hand seiner Tochter. Den Absender hatte sie vergessen, vielleicht sogar absichtlich weggelassen. Er kniff die Augen zusammen und beäugte prüfend den Poststempel. Griechenland! Der Brief kam aus Griechenland!!!
Sechs Wochen waren seit ihrem Anruf verstrichen, in dem sie ihm kurz und lapidar mitgeteilt hatte, dass sie nicht mehr nach Hamburg zurückkomme. „Macht euch keine Sorgen, mir geht es gut!“
Seither lebten seine Frau und er in beständiger Unruhe. Es war ihnen unerklärlich, weshalb Serena nicht rechtzeitig zum Antrittstermin ihrer Referendarstelle von ihrer zweimonatigen Rucksackreise durch Griechenland zurück gekommen war. Doch jetzt endlich ein Lebenszeichen! Er riss er das Kuvert auf und entfaltete das knittrige, hellblaue Papier, überflog es hastig. Die wenigen Zeilen verschwammen vor seinen Augen. Er spürte, wie sich vor lauter Ärger sein Magen zusammen krampfte, Hitzewallungen in ihm aufstiegen.
„Nicht zu fassen!“ Er musste diese drei Worte geschrieen haben. Seine Anwaltsgehilfin Elena sowie seine Frau Sonja, deren Büroraum direkt neben dem seinen lag, stürzten jetzt herein.
Sie fanden ihn, den Rechtsanwalt Peter Pracht, der gemeinsam mit seiner Frau eine renommierte Anwaltskanzlei in Hamburg betrieb, in allerhöchster Erregung vor. „Raus!“ herrschte er die Anwaltsgehilfin an. Und zu seiner Frau gewandt: „Da hast du´s! Das Ergebnis deiner Erziehung! Sie kommt nicht mehr zurück!!“ Sonja sah ihn verständnislos an. „Hör dir an, was sie so schreibt!“ rief er. „Versucht auf keinen Fall mich zu finden. Ich habe hier ein neues Leben angefangen. Zum ersten Mal fühle ich mich glücklich und frei!“

*

Erschöpft lagen Serena und Haris nebeneinander auf der durchgelegenen Matratze des schäbigen Metallgitterbettes . Schon seit drei Generationen diente dieses Bett als Schlaf-, Ruhe- und Zeugungsstätte von Haris Familie. Seine Ururgroßeltern hatten inmitten eines Olivenhains aus den grauen Findlingen, die die Mani hervorbrachte, ein kleines Steinhaus errichtet. In diesem mittlerweile baufälligen Haus lebte jetzt Haris, der Letzte seiner Sippe. Er mochte um die Vierzig sein. Ans Heiraten hatte er nie gedacht. Er lebte in den Tag hinein. Er war Steinmetz, arbeitete aber selten. Nur wenn jemand im Dorf gestorben war und die Angehörigen ihn beauftragten, einen Grabstein zu meißeln. Ansonsten hielt er sich mit Dealereien über Wasser, wegen denen er bereits einige Male im Gefängnis gesessen hatte. Im Dorf wusste man wenig über ihn, man munkelte von Drogenexzessen, schwarzer Magie und natürlich Frauengeschichten. Da er sich dem Dorfleben entzog und auch nicht die abendliche Gesellschaft der Männer in der Taverne suchte, wusste niemand wirklich Genaues über ihn. So wucherten die Gerüchte. Die Dorfbewohner beäugten ihn misstrauisch und hielten ihn endgültig für verrückt, als er begann seine goldbraune Lockenmähne zu zwei Zöpfen zu flechten oder zu einem seitlichen Pferdeschwanz zusammenzubinden. Seinen Geschlechtstrieb befriedigte er, wenn er Geld hatte, im Bordell oder er riss - vor allem im Sommer - vor dem Bahnhof von Kalamata Rucksacktouristinnen auf. Das war billiger!
Auf diese Weise hatte er Serena kennen gelernt. Zwei Nächte vergnügten sie sich miteinander am Strand, dann nahm er sie mit in sein Haus. Im Gegensatz zu den anderen hatte sie seine heruntergekommene Behausung nicht abgeschreckt - sie blieb!
Fordernd strich er mit seiner rauen schwieligen Hand über ihren Körper. Serena schaute ihn erwartungsvoll an. Sie konnte sich nicht satt sehen an ihm. Ein Sonnenstrahl zwängte sich durch den geschlossenen Fensterladen und tänzelte auf Haris braungebrannten muskulösem Körper. Sie dachte an den blassen Hans-Martin in seinen Armani-Anzügen, der eine glänzende Anwaltskarriere vor sich hatte und den sich ihr Vater als künftigen Schwiegersohn und Sozius seiner Kanzlei erhoffte. Sie dachte an seine spitzmäuligen Küsse und an seine feingliedrigen Hände, mit denen er kreisend ihre Brüste streichelte, bevor er sanft in sie eindrang. Angewidert schob sie diesen Gedanken beiseite. Das alles gehörte jetzt nicht mehr zu ihrem Leben.
„Ich kann dir nichts bieten“, sagte Haris. Daraufhin verschwand sein Kopf zwischen ihren Schenkeln. Serena stöhnte.
„Ich bleibe bei dir!“ flüsterte sie.
Abrupt tauchte sein Kopf wieder auf.
„Wie?“ fragte er.
„Mach weiter,“ flehte sie. „Ich habe meinen Eltern geschrieben, dass ich nicht mehr nach Hamburg zurückkomme“.
Er murmelte etwas, dass sie trotz ihrer Griechischkenntnisse nicht verstand.
„Bitte, mach doch weiter!“
Aber Haris war jetzt nicht nach Weitermachen zu Mute. Er stand auf, zündete sich eine Zigarette an und ging nachdenklich im Zimmer auf und ab.

*

Noch am gleichen Abend hatte er für sich und seine Frau einen Flug nach Athen gebucht. Von dort aus wollten sie mit einem Mietwagen nach Kalamata weiterreisen.
„Glaubst du, wir finden sie dort? Allein aufgrund eines Poststempels?“ fragte Sonja zweifelnd. Seine Laune, die sich, als er im Flugzeug saß, zum ersten Mal seit Erhalt von Serenas Nachricht leicht gebessert hatte, sank wieder auf den Nullpunkt.
„Einziger Anhaltspunkt ist dieses Foto, das sie mitgeschickt hat.“ Sonja kramte umständlich die Fotografie aus ihrer Handtasche.
„Ich verstehe das Kind nicht!“ polterte er. „Schau dir diesen Typen bloß an!“
„Sie sieht glücklich aus“, sagte Sonja.
Die Stewardess schob den Getränkewagen durch den engen Gang. Pracht orderte einen Picolo.
„Wegen so einem Kerl schmeißt sie ihre ganze Zukunft hin! Ihren Beruf! Ihre Karriere! Uns! Die Kanzlei! Hans-Martin! Alles, einfach alles! Unfassbar!“
„Hans-Martin würde ich auch nicht heiraten!“ wand Sonja ein und warf einen neuerlichen Blick auf das Foto.
In hastigen Schlucken leerte Pracht das Sektglas. Aus den Augenwinkeln beobachtete er seine Frau, deren Blick noch immer auf dem Foto klebte.
„Was starrst du die ganze Zeit diesen Kerl an?“
„Mein Vater wollte damals auch nicht, dass ich dich heirate! Erinnerst du dich?“
Und ob er sich erinnerte. Sie hatte seinen wunden Punkt getroffen. „Ich habe aus der Klitsche deines Vaters eine der renommiertesten Anwaltspraxen Hamburgs gemacht!“ schnaubte er.
Sonja atmete erleichtert auf. Zumindest hatte sie ihn weggebracht von dem leidigen Thema. Sie hatte keine Lust sich die ganze Zeit Peters Tiraden wegen ihrer Tochter anhören zu müssen. Wenn sie ihr eigenes Leben betrachtete, erschien ihr Serenas Entscheidung gar nicht mehr so abwegig!
„Weißt du noch, wann wir das letzte Mal zusammen geschlafen haben?“ fragte sie unvermittelt.
Er schwieg.
Sonja wusste nicht, was plötzlich in sie gefahren war. „Aber natürlich wirst du dich daran erinnern können, wann du das letzte Mal mit unserer Anwaltsgehilfin Elena gefickt hast!“ Sie erschrak selbst über das Wort, dass sie gebraucht hatte.
„Werd jetzt nicht ordinär, Sonja!“ fauchte er ungehalten und nestelte an seinem Krawattenknoten.
Die Stewardess kam gerade wieder vorbei. Pracht verlangte nach einem weiteren Picolo.
„Trink nicht soviel!“ sagte Sonja.
„Mach dir lieber Gedanken, wie wir deine Tochter finden!“
Doch stattdessen sinnierte Sonja darüber, was wohl aus ihrem Leben geworden wäre, wenn sie Pracht nicht geheiratet hätte.

*

Als Serena aus Kardamili zurückkam, lag Haris nackt auf dem Bett und rauchte. Erschöpft sank sie auf den Bettrand, beugte sich über ihn und küsste ihn. Er blies den Rauch an ihrem Gesicht vorbei und starrte an die Decke. Zehn Stunden hatte sie heute im Cafeneion gearbeitet. Um das Geld für den Bus zu sparen, war sie per Anhalter zurückgefahren. Ein Tourist hatte sie in seinem Cabrio mitgenommen, nicht ohne ihr eindeutige Angebote zu machen. Da sie kein Aufsehen erregen wollte, hatte sie sich am Ortseingang absetzen lassen und war den restlichen Weg zu Fuß gegangen.
„Warum kommst du so spät?“ Er wirkte ungehalten.
„Hast du für uns gekocht?“ wollte sie wissen.
„Kochen ist Frauensache!“ Er zoppelte an ihren Top, das kurz über ihrem Bauchnabel endete. „Ich will nicht, dass dich andere Männer so sehen! Hörst du? Du siehst aus wie eine putana!“
Er zog sie zu sich aufs Bett.
„Und überhaupt will ich nicht, dass meine Frau arbeiten geht!“
Serena horchte auf. „Meine Frau“, hatte er gesagt.
Er fuhr mit der Hand unter ihr Oberteil. „Morgen gehst du einfach nicht mehr hin!“
„Und wovon sollen wir leben?“
„Ich sorg schon dafür - irgendwie!“ erwiderte er. „Vergiss nicht, dass ich dich immer gewarnt habe. Aber du wolltest ja unbedingt bleiben.“ Dann grinste er sie an: „Aber jetzt sorg ich erstmal für was anderes!“

*

Peter und Sonja Pracht waren standesgemäß im Filoxenia, dem teuersten Hotel Kalamatas, abgestiegen. Gegen elf waren sie in die Stadt hinein gefahren und saßen jetzt im „Athanasiou“, dem größten Café am Platz. Sie hatten noch immer keine konkrete Vorstellung davon, wie sie Serena eigentlich finden sollten. Prachts Laune war dementsprechend. Sonja hingegen hatte angesichts der Wärme und der Schönheit der Landschaft ein Anflug heiterer Urlaubsstimmung befallen.
Sie legte ihre Hand beschwichtigend auf Peters Unterarm. „Jetzt mach nicht so ein Gesicht! Wir finden sie schon!“
„Ich geh mal da rüber an den Kiosk fragen, ob sie eine deutsche Zeitung haben! Gib mir das Foto mit!“ Misslaunig eilte er davon.
In der Zwischenzeit beobachtete Sonja verwundert all die gut gelaunten Menschen, die ringsum an den Tischen saßen, sich lauthals unterhielten, lachten, zwischendurch genüsslich an ihrem Kaffee schlürften und den Eindruck machten, als verfügten sie über alle erdenkliche Zeit der Welt. Wieder kam ihr in den Sinn, dass Serenas Entscheidung hier zu bleiben, vielleicht doch die bessere war.
Von weitem sah sie ihren Mann zurück kommen. Erst jetzt fiel ihr auf, wie dick er in der letzten Zeit geworden war. Wenigstens guckt er nicht mehr so miesepetrig, dachte sie. „Hier, ich hab´s!“ Er hielt ihr einen Zettel vors Gesicht. „Das ist die Adresse von dem Kerl, wegen dem deine Tochter alles hinschmeißen will! Ich hab dem Kioskbesitzer das Foto gezeigt! Klar doch, dass so einer stadtbekannt ist.“ Er ließ sich in seinen Sessel fallen. „So, meine Liebe“, er tätschelte jovial ihr Knie, „und jetzt beratschlagen wir, wie wir am besten unser Kind da raus holen.“

*

Die Sonne war in gleißendem Rot hinter den Bergen versunken und die Dunkelheit fiel herein. Im Haus staute sich noch die Hitze.
Serena und Haris lagen erschöpft von der Liebe im Bett. „Lass uns heute abend ausgehen,“ bettelte sie. „Ich habe Lust zu tanzen oder essen zu gehen oder beides. Bitte, Haris!“ Er schüttelte den Kopf.
Serena hatte Haris zu Liebe ihren Job im Cafeneíon aufgegeben, Haris hingegen machte keinerlei Anstalten irgendetwas zu arbeiten. „Ich habe dir gesagt, ich kann dir nichts bieten,“ sagte er und küsste sie auf den Bauch. Er richtete sich stolz vor ihr auf. „Nur mich!“
In diesem Moment klopfte es laut und vernehmlich. Haris, in seiner Pose verharrend, blickte erstaunt in Richtung Tür. „Wer kann das sein? Hier kommt doch nie einer vorbei!“
Es klopfte ein weiteres Mal. Da öffnete sich auch schon knarrend die Holztür und herein kamen Sonja und Peter Pracht.

*

Zwei Stunden später saß Serena schweigend mit ihrem Vater in der Bar in der Gartenanlage des Filoxenia. Pracht hatte sie vorhin in Haris Haus auf eine Weise angeherrscht, dass sie widerstandslos mit ihm gegangen war, ohne recht zu begreifen, was um sie herum vorging.
Es war eine laue Sommernacht. Tänzelnd spiegelte sich das Mondlicht auf dem Meer. Das Plätschern der Wellen mischte sich mit dem Klimpern eines Pianos. Wie wunderschön hätte dieser Abend sein können. Hier hätte sie gerne mit Haris gesessen. Stattdessen saß ihr ein fassungsloser Vater gegenüber, der seinen Zorn und seine Enttäuschung über die Tochter nur schwer beherrschen konnte. Alles war noch schlimmer gekommen, als er jemals befürchtet hatte. Pracht brauchte einige Zeit, um sich von dem Anblick zu erholen, den ihm seine Tochter mit ihrem nackten Liebhaber geboten hatte. Dann redete er unablässig auf sie ein, forderte immer wieder Erklärungen für ihr Verhalten, appellierte an ihren Anstand und die Familienehre, doch statt erhellender Antworten weinte Serena nur lautlos vor sich hin. Als er erneut anhub von der Schande zu reden, die sie über ihn gebracht habe, blickte sie ihn lange und verständnislos an. „Und Elena?“ murmelte sie vorwurfsvoll. Das brachte ihn zum Schweigen.
„Warum ist denn Sonja nicht mitgekommen“, fragte sie nach einer Weile. Diese Frage hatte sie ihm schon während der Autofahrt mehrere Male gestellt, aber er hatte nicht reagiert. „Weil deine Mutter und ich ausgemacht haben, dass sie mit diesem Kerl redet. Sie soll ihm klarmachen, dass er sich von dir trennen muss, wenn du das schon nicht kapierst! Sie kann das besser als ich, sie ist irgendwie - diplomatischer als ich in solchen Dingen!“ Serena schaute ihren Vater entgeistert an. Sie rang um Fassung. „Ich bin alt genug, selbst über mein Leben zu entscheiden!“ sagte sie scharf. „Und außerdem, Haris liebt mich. Aber das kannst du dir ja nicht vorstellen. Du weißt ja nicht einmal was Liebe ist!“
Er klopfte auf die Brusttasche seines Jacketts, in der er die Brieftasche trug.
„Wir werden sehen!“
Jetzt reichte es Serena. Abrupt sprang sie von ihrem Stuhl auf. „Los, bring mich sofort zurück! Du kannst mich ihm doch nicht abkaufen!!“ schrie sie aufgebracht und rannte aus der Hotelanlage.
Mit knappen Sätzen dirigierte Serena ihren Vater, der größte Mühe hatte, sich auf die holprigen schmalen Straßen zu konzentrieren, zurück ins Dorf. Am Rand des Olivenhains parkten sie den Wagen und stiegen den steinigen Pfad hinauf zum Haus.
„Alles dunkel“, murmelte Pracht vor sich hin. „Wahrscheinlich ist sie ins Dorf zurück gelaufen und hat von dort ein Taxi angerufen. In der Bruchbude kann man es ja nicht aushalten. Bestimmt ist sie schon längst wieder im Hotel. Vermutlich haben wir sie verpasst!“ Zu seiner Tochter gewandt: „Los, geh rein und hol deine Sachen!“
„Nein! Ich bleibe hier!“ entgegnete Serena trotzig. Sie stieß die Tür auf. Plötzlich blieb sie wie angewurzelt stehen. Ein spitzer Schrei entfuhr ihr. Pracht wollte gerade noch etwas erwidern und öffnete den Mund. Doch dann verschlug es auch ihm die Sprache. Drinnen auf dem Tisch flackerten zwei Kerzen und warfen einen spärlichen Lichtschein auf das Bett, auf dem sich schemenhaft die Kontur zweier ineinander verschlungener Körper abzeichnete.

*

In der Früh ging Pracht sofort ins Reisebüro, buchte den Rückflug auf den heutigen Abend um und veranlasste das Ticket seiner Frau auf den Namen seiner Tochter umschreiben. Dann ließ er sich von einem Taxi ins Hotel zurück bringen und machte dem Fahrer klar, dass er ihn in einer Stunde nach Athen zum Flughafen fahren solle. Er war so außer sich, dass er sich die dreistündige Fahrt quer über die Peleponnes mit dem Mietwagen nicht zutraute, erst recht nicht seiner Tochter.
In der Rezeption wartete bereits Serena auf ihn. Klein und zusammengesunken kauerte sie in einem der wuchtigen Ledersessel. Mit verlorenem Blick schaute sie ihn an. Sie hielt ihm ein Stück Papier entgegen.
„Hier, sie hat uns einen Brief geschrieben. Ein Junge aus dem Dorf hat ihn vorhin an der Rezeption abgegeben.“
Pracht erkannte die großen, steilen Schriftzüge seiner Frau. Hastig überflog er die wenigen Zeilen. Ihm wurde schlecht. Dringend suchte er nach einem Halt. Seine Hände zitterten, als er das Papier seiner Tochter zurück gab.
„Wirf ihn weg!“
„Du hast noch nicht alles gelesen. Auf der Rückseite steht noch was!“
„Was denn noch?“
Serena zerriss den Brief in tausend Stücke.
Sie brauchte die Sätze nicht abzulesen. Sie kannte sie auswendig. „Versucht auf keinen Fall mich zu finden. Ich habe hier ein neues Leben angefangen. Zum ersten Mal fühle ich mich glücklich und frei!“



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plosiv
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Hallo,

der Verlauf der Geschichte ist schon relativ früh vorraussehbar und überrascht nicht. Witzig wär gewesen, wenn der Vater mit dem Griechen durchgebrannt wäre!

Grüße

p.

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loussi
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Hallo plosiv,

das sind wohl so die Anfängerfehler. Der Vater mit dem Griechen - gute Idee; aber Homosexualität ist in Griechenland total verpönt. Die Geschichte ist übrigens wirklich passiert; nur dass die Familie nicht aus Hamburg stammt.
Danke, dass du geschrieben hast.
Grüße
Loussi

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plosiv
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... aber gerade wenn Homosexualität verpönt ist, passt das doch gut zum Protagonisten, der ja offensichtlich sein eigenes Süppchen kocht...

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loussi
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Hallo plosiv,

Du hast völlig Recht! Ich glaube, ich wollte nicht von der Erstversion lassen, weil´s eben so passiert ist. Wenn ich Zeit habe, werde ich die Geschichte umarbeiten. Nochmals danke
Gruß loussi

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