Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87730
Momentan online:
403 Gäste und 13 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > ErzÀhlungen
Ausflug mit Marcello
Eingestellt am 03. 06. 2003 19:28


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 277
Kommentare: 8126
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ausflug mit Marcello

Damals war ich Eisenbahner im gleitenden Schichtsystem. Da ich eine der wenigen Kollegen mit schulpflichtigen Kindern war und dennoch jederzeit bereit, Sonn- und Feiertagsschichten zu ĂŒbernehmen und fĂŒr andere einzuspringen, gab mir der Schichtleiter viele Nachtschichten. So konnte ich tagsĂŒber schlafen, wenn die Kinder in der Schule waren und war immer frisch und munter.
Mir machten die Sonn- und Feiertagsschichten nichts aus, denn meine Familie bestand nur aus mir und meinen Kindern. Es gab keine Verwandten zu besuchen oder zu empfangen. Und die Ausflugsziele waren unter der Woche weit geringer besucht als an den Wochenenden, so hatten meine Kinder viel mehr Freude am Tierpark, den Badeseen und anderen VergnĂŒgen.
Kam ich aus der Nachtschicht, kaufte ich frische Brötchen und verwöhnte meine Kinder mit einem leckeren FrĂŒhstĂŒck. Wenn zufĂ€llig schulfrei war, ging es nach dem FrĂŒhstĂŒck zum MĂŒggelsee oder zum Orankesee.

Meine Kinder hatten viele Freunde. Manch einer war so anhĂ€nglich, dass er auch an unseren AusflĂŒgen teilnehmen wollte. Fast immer hatte ich nicht nur meine Kinder um mich, sondern auch ihre Freunde. Die höchstmögliche Zahl war zehn Kinder insgesamt. Zwar hatte meine Tochter zwei Freundinnen mit jeweils drei Geschwistern, aber sie war so vernĂŒnftig, immer nur eine von beiden einzuladen. Sonst hĂ€tten wir auch zwei Kinderwagen schieben mĂŒssen, und dazu hatte keiner Lust.

Einmal war Marcello mitzunehmen. Dieser Klassenkamerad meines JĂŒngsten gefiel mir ganz und gar nicht. Zugegeben, er war ein sehr hĂŒbscher Junge, aber ich empfand ihn als frech, dreist und ungezogen. Zum Beispiel musste ich ihm erst beibringen, dass man in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht schreit und tollt, auch wenn man Fahrgeld bezahlt hat.
Zum GlĂŒck brachte er sein eigenes Essen mit oder zumindest Geld fĂŒr eine Bockwurst. Meist hatte er auch noch Geld fĂŒr Bonbons, das konnte er behalten, denn ich machte einen Bogen um den SĂŒĂŸwarenstand. SĂŒĂŸigkeiten gab es bei mir nur in AusnahmefĂ€llen und nicht als tĂ€gliche Nahrung.
Eines Tages war Marcello am Orankesee besonders ausgelassen. Es ging auf den Abend zu und der Strand hatte sich stark geleert; um genau zu sein, wir waren fast die Letzten, die noch spielten. Als alles Rufen und Bitten nicht half, sagte ich zu Marcello: „Das Freibad wird gleich geschlossen! Das Wasser wird abgelassen, dann fĂ€ngt es hier an zu stinken, also komm endlich!“
Seine Augen wurden riesengroß. Er stammelte: „Und die Fische? Was wird aus den Fischen?“
Ich kannte den AchtjĂ€hrigen inzwischen gut genug, um zu wissen, dass er auf mein dummes Gerede hereinfallen wird, aber dass er sich sofort um die Fische Ă€ngstigte, damit hatte ich nicht gerechnet! Ich nahm ihn in den Arm und klĂ€rte ihn auf: „Das Wasser kann doch gar nicht abgelassen werden, das ist doch ein See und keine Badewanne! Ich wollte doch nur, dass wir endlich nach Hause gehen, vielleicht macht sich deine Mutter ja schon Sorgen um dich.“

Endlich war mir der Rotzbengel lieb geworden und ich war nicht mehr so streng mit ihm. Jetzt wusste ich, was meinem Sohn an Marcello gefiel und hörte auf, ihm die Freundschaft ausreden zu wollen. Ab sofort war Marcello mir stets willkommen.

Heute ist er selber ein treusorgender und liebevoller Familienvater.

Juni 2003

__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe oldicke,

das geht wohl schon in Richtung Anekdote? Schön geschildert, wie der Rotzlöffel zum Herzbuben wird.
Dass das mit der Schichtarbeit so harmonisch verlÀuft, ist aber eher die Ausnahme. Stört jetzt aber nicht!

Lg
Volkmar

Bearbeiten/Löschen    


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 277
Kommentare: 8126
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
hallo,

liebes söckchen, das ist mal wieder ein authentischer text. alle handelnden personen leben noch.
ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Auch nicht schlecht. FĂŒr den nĂ€chsten Text von Dir bin ich gewappnet!

LG
Volkmar

Bearbeiten/Löschen    


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 277
Kommentare: 8126
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
na,

dann geh mal ins tagebuchforum und lies meinen 9. eintrag.
ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  ErzĂ€hlungen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!