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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Aya
Eingestellt am 11. 11. 2002 20:25


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echnaton
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Aya

1.


Ich, Balaschi, ehemals Diener meiner Herrin Aya, der leuchtendsten aller Perlen Babylons, schreibe in diese Tafel, Marduk und Ischtar, sowie die G├Âtter des Landes Chatti, in welches der G├Âtter Wille meine damalige Herrin und somit auch mich f├╝hrte, seien meine Zeugen:

Aya war von au├čerordentlicher Sch├Ânheit. Sie begann zu Anfang in den feinen Gastst├Ątten mit ihren Liebesdiensten zu werben und wurde Geliebte einflu├čreicher Herren, die sie reichlich entlohnten. Wohlhabende syrische Kaufleute, Beamte des Palastes, Priester des Marduk h├Âheren Ranges, sowie Gesandte der K├Ânige aller L├Ąnder z├Ąhlten zu ihren G├Ânnern. [...] Sogar K├Ânig Burnaburiasch lie├č sie zu sich kommen, um ihr beizuwohnen. Nach einiger Zeit gelang es ihr, derma├čen viele Talente an Silber zu sammeln und in einem angesehen Gesch├Ąftshaus anzulegen, da├č sie ein ger├Ąumiges und wohl ausgestattetes Haus in einem der besseren Viertel der Stadt erwerben konnte. In jener Zeit erwarb sie mich, Balaschi, als Diener auf dem Sklavenmarkt am Hafen, befreite mich, einen ehemaligen Priester des Marduk der untersten Kaste, der den Tempeldienst verlie├č, dadurch alles verloren hatte und nur sich selbst verkaufen konnte, aus seinem schrecklichen Joch. [...]

Es begann f├╝r mich eine sehr angenehme Zeit. Aya behandelte mich als Freund, nicht als Diener. Ich sorgte f├╝r die n├Âtigen Eink├Ąufe, befahl dem Koch, was er zum Essen vorbereiten sollte und den zwei anderen Dienern, wie sie das Haus rein zu halten, sowie Ayas Gem├Ącher und pers├Ânliche Sachen anzuordnen hatten. Als Ayas treuester Begleiter durchlebte ich mit ihr, meiner Herrin, gute wie schlechte Tage, begleitete sie zum Arzt und zur Engelmacherin, wenn sich bei ihr Empf├Ąngnis einstellte, k├╝mmerte mich um ihre G├Ąste w├Ąhrend ihrer zahlreichen Festlichkeiten, die im Haus veranstaltet wurden, und die ich vorzubereiten hatte. Das Haus war ausgesprochen ger├Ąumig, Aya beanspruchte f├╝r sich zwei ger├Ąumige Gem├Ącher, eines mit einem breiten Bett aus syrischem Zedernholz, ein Geschenk eines Wohlhabenden Kaufmanns aus Byblos, reich verzierten Schr├Ąnken aus Sidon, und einem Sofa. Im zweiten Gemach war ihr Tischchen mit dem Messingspiegel und den Schminkutensilien, sowie ein Schrank f├╝r ihre zahlreichen kostbaren Gew├Ąnder. Dieses Gemach besa├č eine T├╝re zum Garten, in welchem eine alte Sykomore ihr in den gl├╝henden Stunden des sp├Ąten Tages Schatten spendete. Auch schlo├č an jenes Gemach das Bad an, welches mit feinstem glasierten Mosaik verkleidet war. Ein gro├čer Saal diente f├╝r Empf├Ąnge. Auf dem Boden lagen Teppiche und P├Âlster f├╝r die G├Ąste, dort empfing sie auch ihre Liebhaber, der Schrein der Ischtar befand sich ebenfalls in jenem Saal. Die Gem├Ącher [...] der Diener lagen unmittelbar neben dem Saal und waren von diesem durch eine Holzt├╝re getrennt.

Aya erhob sich von ihrem Lager erst als die Sonne am Zenit stand, wir brachten ihr Gerstebrei als erste Mahlzeit und achteten darauf, da├č das Becken im Bad immer frisches Wasser hatte, denn Aya pflegte zwei bis drei Male w├Ąhrend des Tages zu baden. Im syrischen Viertel mu├čten wir Essenzen, ├ľle, ├Ągyptisches Leinen, sowie Rauchwerk besorgen, bei den Priesterinnen der Ischtar die n├Âtigen Opfergaben f├╝r den Schrein.

Sie entlohnte ihre Diener reichlich, z├╝chtigte sie niemals, sprach sanft mit uns, wenn sie Anordnungen gab. Ihre G├Ânner empfing sie stets erhobenen Hauptes und lie├č nichts mit sich geschehen, was ihr widerstrebte. So mancher begehrte sie als Neben-, oft sogar als Hauptfrau, doch Aya, meine stolze Herrin, lehnte dies stets ab.

So vergingen Jahre in stetigem Wohlergehen. Aya war gro├čz├╝gig zu allen, denen es nicht wohlerging, jeder, der an ihre T├╝re klopfte, um Almosen zu erbitten, bekam ein paar Silbserschekel, Datteln und einen Sack Gerste.

Doch Aya wurde ├Ąlter und machte sich Gedanken ├╝ber ihr weiteres Leben. Sie hatte einiges an Silbertalenten in jenem Handelshause in Syrische Schiffe angelegt, was ihr reichlich Zinsen eintrug, aber dies milderte nicht ihre Sorge.

Eines Nachts kam der Diener eines angesehenen Beamten des K├Ânigs des Landes Chatti und w├╝nschte meine Herrin zu sprechen. Es wurde vereinbart, da├č jener ehrenvolle Mann die Nacht mit ihr verbringen w├╝rde. So geschah es auch. [...] Er kam alleine in einer S├Ąnfte, schickte die Tr├Ąger unversehens fort. Er war von nur mittelgro├čer Statur, sein K├Ârper sehr sehnig, seine Taille schmal. Seine Haut war wei├č und das Haar hell. Seine Nase lief gerade von der Stirne herab, die Augen waren blau, die Lippen fein und schmal. Sein Aussehen war, wie man es von jemandem aus dem Lande Chatti erwartete. Er stellte sich in etwas verbogenem Babylonisch mit dem Namen Lubarna vor.

So geschah es, da├č Lubarna von meiner Herrin derma├čen angetan war, da├č er sie zu ehelichen begehrte. Seine Liebe zu ihr entbrannte heftig, er kam jeden Abend in ihr Haus, machte meiner Herrin kostbare Geschenke, ├╝berh├Ąufte sie mit Talenten von Silber, kniete vor ihr, bat sie, sie m├Âge doch mit ihm kommen. Meine Herrin antwortete stets, da├č sie ihre Freiheit mehr als alles andere sch├Ątze, da├č sie seine Begierden nicht erwidern k├Ânne, da├č er auch bedenken solle, welches Gewerbe sie aus├╝be und da├č sie die gr├Â├čte aller St├Ądte des Weltkreises nicht verlassen wolle.

Doch Lubarna warb und flehte. Aya, meine Herrin, sandte mich, um zu verbreiten, da├č sie die n├Ąchsten Tage niemanden zu empfangen w├╝nsche, um ├╝ber Lubarnas Angebot nachdenken zu k├Ânnen. Auch sandte sie mich zum Diener des Lubarna, um ihm auszurichten, da├č sie seinen Herren zu sehen w├╝nsche.

Als Lubarna kam, teilte ihm meine Herrin mit, da├č sie bereit sei, sein Flehen zu erh├Âren und ihn zum Manne zu nehmen, obwohl sie seine brennende Leidenschaft nicht erwidern k├Ânne, jedoch Achtung und gewisse Zuneigung empfinde, und da├č sie eine sichere Zukunft brauche, auch um ihrer treuen Diener willen. Lubarna umarmte sie heftigst und ├╝bers├Ąte ihre H├Ąnde und Arme mit K├╝ssen.

So zogen wir nach Chattuscha, der Hauptstadt des Reiches Chatti. Das Haus in Babylon wurde vom Handelshaus betreut, in dem meine Herrin ihre Silbertalente verwalten und anlegen lie├č. Die zwei anderen Diener blieben und mu├čten f├╝r dessen Erhaltung Sorge tragen. Ich, Balaschi, kam mit nach Chattuscha. Die Reise dorthin dauerte viele Monate, wir mu├čten mit dem Boot Flu├čaufw├Ąrts, bis ins Reich Mitanni der Hurriter, dort durchwanderten wir mit Eselsgespannen das Gebirge, was mit all den schweren Kisten sehr schwierig war und lange dauerte. Meine Herrin nahm n├Ąmlich all ihre Gew├Ąnder, Schmuck, Essenzen, ├ľle, Fette, Schminke, Per├╝cken, sowie Stoffe und Teppiche mit.

Chattuscha ist eine gro├če, m├Ąchtige Stadt, mit unglaublich dicken Mauern aus Stein umgeben. Als ich das unerme├člich hohe und unglaublich breite Stadttor, das in einem spitzen Bogen nach oben zusammenlief sah, mu├čte ich es einige Zeit lang staunend betrachten, da ich derlei nie gesehen hatte. Neben dem Tor ragen zwei m├Ąchtig hohe T├╝rme mit breiten Zinnen in den Himmel empor. Wir zogen durch das gro├če Tor, und auch die Stadt brachte meine Herrin und mich zum Staunen. Sie besteht g├Ąnzlich aus gehauenen Steinbl├Âcken, die Stra├čenpflaster, die H├Ąuser, die Brunnen. Chattuscha ist gro├č zu nennen, auch wenn sie nicht einmal ann├Ąhernd an die Gr├Â├če Babylons heranreicht, ist doch zu erkennen, da├č dies die Hauptstadt eines gro├čen m├Ąchtigen Reiches ist. Die Stadt liegt in den Bergen, die N├Ąchte sind kalt, auch die Tageshitze bleibt aus, in den H├Ąusern friert man, deshalb befinden sich gro├če Feuerstellen in fast jedem Raum.

Lubarnas Haus lag in der N├Ąhe des Palastes des m├Ąchtigen K├Ânigs Schuppiluliuma, der sich als wei├če steinerne Pyramide in den Himmel erhebt. Sein Haus hatte einige gro├če R├Ąume und zwei kleinere Kammern f├╝r die Dienerschaft. Eine war dem treuen Leibdiener Lubarnas zugewiesen, den ich schon in Babylon kennengelernt hatte. Die andere Kammer durfte ich beziehen, da mein Vorg├Ąnger meinen neuen Herrn bestohlen hatte und ohne Strafe fortgeschickt worden war, denn Chatti kennt nicht die grausame Willk├╝r Babylons, was Strafen f├╝r Missetaten anbelangt. Somit hatte auch ich meinen Platz im neuen Heim zugewiesen bekommen.

Die Einrichtung war einfacher als jene, die wir in Babylon gewohnt waren, im Gemach meiner Herren stand nur ein einfaches Bett aus Holz und zwei glatte Schr├Ąnke ohne verspielte Verzierungen. Doch als die weichen bunten Teppiche meiner Herrin ├╝ber den kahlen k├╝hlen Steinboden gelegt wurden, wurde das Gemach sehr behaglich. Meine Herrin klagte nie, brachte ihrem Gemahl stets Achtung und mit den Jahren auch Zuneigung entgegen. Lubarna liebte meine Herrin abg├Âttisch, gl├╝hte vor Leidenschaft und sagte ihr jeden Tag, welch Gl├╝ck er gehabt h├Ątte, da├č sie seine Gemahlin wurde. Er machte ihr gro├čz├╝gige Geschenke und stellte an sie keinerlei Anforderungen. Aya begegnete man anfangs mit ziemlichem Mi├čtrauen, man wagte nicht mit ihr zu sprechen, auch weil sie die Sprache des Landes Chatti, die so anders ist als die unsere, kaum erlernen konnte. Lubarnas Familie, seine Bekannten waren jedoch von hoher Bildung und sprachen Babylonisch, soda├č man sich einigerma├čen verst├Ąndigen konnte. Bei den Besorgungen half mir mein liebgewonnener Freund, der zweite Diener meines Herrn, der sich auch in unserer Sprache, etwas verdreht und fehlerhaft, aber doch, ausdr├╝cken konnte. Trotzdem wurden meine Herrin und ich von allen hier, auch von der Familie meines Herrn, mit Zur├╝ckhaltung behandelt. Wir bemerkten, da├č wir uns von den Bewohnern Chattis unterschieden, unsere Haut war d├╝nkler, unsere Haare schwarz, unsere Kleidung, unsere Sitten und Ansichten erregten Aufsehen. Zwar lebten in Chattuscha auch Fremde, meistens Gesandte der K├Ânigsh├Ąuser anderer Reiche, doch blieben sie meistens unter sich. Aya pflegte dann und wann die Gesandten des K├Ânigs von Babylon zu einem Mahl zu laden, auch um sich Ratschl├Ąge bez├╝glich des Umganges mit den Menschen in Chatti zu holen.

In Chatti ist die Sitte, mehrere Ehefrauen zu haben verp├Ânt. Die Frauen Chattis schminken sich nicht, tragen auch kein langes Haar, sie lassen sich das Haar auch nicht durch erhitzte Bronzest├Ąbe k├╝nstlich in Locken legen, wie man das bei uns zu tun pflegt. Auch gibt es nur ganz wenige Kneipen in Chattuscha. Sie schlie├čen bereits bei anbrechender Dunkelheit ihre Pforten. Die H├Ąndler auf den Stra├čen bieten in den meisten F├Ąllen nur die im Lande wachsenden Fr├╝chte und Getreidesorten an, jedoch kommen syrische Wanderh├Ąndler jeden Tag in die Stadt und bieten auf den Stra├čen zu ├╝berh├Âhten Preisen all das feil, was man in den L├Ąndern des Weltkreises herstellt. Es ist immerhin die Hauptstadt des m├Ąchtigen Reiches Chatti und K├Ąufer finden sich immer wieder. Die Strafen sind milde, werden meistens durch Geldbu├čen und Einigung mit dem Gesch├Ądigten abgegolten. Chattis Sprache ist kaum zu erlernen, die Kleidung der Menschen schlicht, die M├Ąnner rasieren sich wie die ├ägypter, ein seltsames Land, aber ich konnte nicht klagen.

Meine Herrin fiel anfangs aufgrund ihrer dunklen Haut, ihres k├╝nstlich gewellten langen Haars, ihrer ausgefallenen Kleidung aus buntem Leinen, auch ihres reichlichen mit vielen edlen Steinen besetzten Schmuckes wegen, sowie durch Schminke auf. Sp├Ąter trug sie dann die schlichte Tracht des Landes und unterlie├č es, sich die Haare zu wellen. Vom Schmuck nahm sie schlie├člich nur die ihr liebgewordenen St├╝cke. Die ├Ągyptischen Leinenkleider, die so d├╝nn sind, wie die Fl├╝geln des Schmetterlings trug sie nur mehr im Schlafgemach. Sie tat dies, vermute ich, f├╝r Lubarna, auch wenn sie es nie zugegeben h├Ątte, da dies, so weit kenne ich meine Herrin, sie in ihrem Stolz verletzt h├Ątte.

Mit den Jahren entwickelte, so glaubte ich zu bemerken, meine Herrin doch eine tiefe Zuneigung zu Lubarna, auch wenn sie seine gl├╝hende Leidenschaft nicht erwidern konnte, oder vorgab dies nicht zu tun. Sicher deshalb, da Lubarna sie nicht einschr├Ąnkte, ihr keine Vorschriften machte, keine Befehle gab, sondern sie brennend liebte, weil sie eben so war wie sie war. Ich lebte zu jener Zeit, erst jetzt wird es mir bewu├čt, mit zwei au├čergew├Âhnlichen Menschen.

Es vergingen noch einige sehr sch├Âne, ruhige Jahre, als Lubarna pl├Âtzlich erkrankte. Er erwachte eines Morgens im Monat Abu, gerechnet nach babylonischem Kalender, sich im Fieber sch├╝ttelnd und hustend. Es wurde sofort nach ├ärzten geschickt, die ihm Medizin verabreichten, doch sein Zustand besserte sich keineswegs. Aya bekam Angst, sie schlief nicht des Nachts, wachte bei ihrem Gemahl, lief im Gemach auf und ab. Sie sandte Vollmachten mit Boten nach Babylon, damit jene im Handelshaus das n├Âtige Silber ausgeh├Ąndigt bekamen, um die besten dort ans├Ąssigen ├Ągyptischen und babylonischen ├ärzte kommen zu lassen. Es dauerte lange, bis sie eintrafen. Lubarna war geschw├Ącht und ausgezehrt, als sie sich einfanden. Sie gaben ihm zwar Medizin, doch meinten sie, es handle sich um ein Geschw├╝r, das nicht zu behandeln sei, es half nichts. Die ├ärzte gingen, und Lubarna wurde immer schw├Ącher. Meine Herrin wachte an seinem Lager, bis er eines Nachts im Monat Addaru verstarb. Aya sa├č stumm und regungslos neben dem Leichnam. Sein Bruder kam und sorgte f├╝r die Bestattung im Boden des Hauptraumes, wie es in Chatti Sitte war. Meine Herrin sprach kein Wort, verzog keine Miene als man Lubarna beisetzte. Die Steine wurden wieder ├╝ber das Grab im Hauptraum des Hauses gelegt, Aya verlor ihr Bewu├čtsein. Ich legte beide Arme unter ihre Achselh├Âhlen, hob sie auf und legte sie auf das Bett. Sie schlief zwei Tage und zwei N├Ąchte, ohne aufzuwachen.

[...] Nachdem sie aus dem tiefsten aller ihrer Schl├Ąfe erwacht war, weinte sie, stets ihren Oberk├Ârper vorw├Ąrts und r├╝ckw├Ąrts bewegend. Mehrmals ergriff sie ein B├╝schel ihrer schon mit grauen Str├Ąhnen durchzogenen Haare und ri├č es sich aus. Sie versank in tief empfundener, unerme├člicher Trauer [...]

Das Haus war ein Geschenk des K├Ânigs Schuppiluliuma an seinen Beamten, und Aya h├Ątte mit ihren Dienern dort bleiben k├Ânnen, doch sie h├Ątte es nicht ertragen. So kehrten wir nach Babylon zur├╝ck, wo wir das alte Haus gut betreut von den beiden Dienern vorfanden. Sie waren au├čer sich vor Freude, als sie uns eintreten sahen, hielten jedoch inne beim Anblick unserer Herrin, die ernst geworden und gealtert war. Aya, meine Herrin, lachte kaum noch, k├╝mmerte sich um nichts mehr. Ich, Balaschi, ihr Diener ├╝bernahm die Verwaltung des Verm├Âgens, das sich im Handelshaus angesammelt hatte. Kurz vor ihrem Tode lie├č uns unsere Herrin frei, lie├č einen Beamten des K├Ânigs zu sich kommen, um die Freilassung amtlich festhalten zu lassen. „Ihr hattet es gut bei mir, und ich hatte es gut bei Euch, so seit frei." sagte sie und verf├╝gte, da├č wir ihr Erbe aufteilen und im Hause wohnen bleiben sollten. Am letzten Tage ihres Lebens rief sie mich zu sich, um mir zu sagen, da├č sie Lubarna mehr geliebt h├Ątte, als sie es sich eingestehen konnte, da├č sie es sich nie verzeihen k├Ânne, ihm dies nie gesagt zu haben, da├č sie daran verzweifelte, sich schuldig f├╝hle, da├č er um vieles gl├╝cklicher h├Ątte sein k├Ânnen, wenn er dies aus ihrem Munde vernommen h├Ątte, da├č er viel gl├╝cklicher leben h├Ątte k├Ânnen, wenn er gewu├čt h├Ątte, da├č seine brennende Liebe und Leidenschaft erwidert wurde. Dies war das erste Mal, da├č ich meine Herrin voller Zweifel an sich selbst erlebte. Sie starb in derselben Nacht. So sitze ich, Balaschi, nun ein freier und wohlhabender Mann unter der Sykomore im Hause meiner toten Herrin, das jetzt das meinige und das meiner zwei Br├╝der ist. Ich nenne sie Br├╝der, denn sie sind meine einzige Gesellschaft. Wir vertreiben die Zeit mit Brettspielen, trinken abends Dattelwein und unterhalten uns. Wir sind sehr gealtert. Meine Augen sind m├╝de, meine Hand zittert, sie kann den Griffel kaum festhalten, die Schriftzeichen in der Tafel sind schief. Babylon ist inzwischen noch reicher und gr├Â├čer geworden, die L├Ąden sind vollgestopft, quellen geradezu ├╝ber vor Waren. Man sieht Fr├╝chte, die man zuvor nicht gekannt hatte und f├╝r die man nicht einmal einen Namen wei├č, die Handelsh├Ąuser errichten T├╝rme, deren H├Âhe an die des Tempels des Marduk heranreichen, immer mehr Schiffe fahren flu├čaufw├Ąrts in unseren Hafen ein, immer l├Ąrmiger sind die Stra├čen bei Tag und bei Nacht. Es ist zuviel f├╝r einen alten Mann wie mich. Dies schrieb Balashi, Diener der Aya, im Monat Addaru im dreiunddrei├čigsten Regierungsjahre des K├Ânigs Burnaburiasch, Ischtar und Marduk seinen meine Zeugen. So setze ich das Rollsiegel in diese Tafel, die G├Âtter seien gepriesen f├╝r immer!


2.


„Die Tafel ist nur in Fragmenten erhalten geblieben, das erste Fragment beginnend beim vermutlich kultischen Beischlaf mit dem K├Ânig und dann bis zum Erwerb des Sklaven, das zweite Fragment f├Ąngt mit den Gem├Ąchern der Diener an und endet abrupt mit dem Besuch eines hethitischen Beamten. Der Teil war ganz geblieben. Das dritte Fragment ist leider ├Ąu├čerst unvollst├Ąndig erhalten, f├Ąngt an beim Schlaf und endet beim Wort Trauer. Der Rest war vollkommen zerst├Ârt und nicht mehr rekonstruierbar. Aber dennoch, hier sehen Sie ein Beispiel vermutlich kultischer Prostitution im alten Babylon zur Zeit der Kassiten." Professor Horn strich sich ├╝ber seinen wei├čen Bart. „Noch Fragen?". Kathrin hob die Hand, ihr Studienfreund Alexander blickte sie ganz verwundert an, denn Kathrin war w├Ąhrend der Vorlesungen immer still und sch├╝chtern, weshalb sie stets versuchte, Fragen in der Sprechstunde der Professoren zu kl├Ąren. „Ja bitte Frau Kollegin..", der Professor hob ├╝berrascht den kahlen Kopf, seine Brille rutschte ein kleines St├╝ck der Nase entlang nach unten. „Ah, gibt es nur die drei Fragmente und sonst keinerlei Hinweise auf jene Frau, war es eigentlich eine Priesterin der Ischtar?." Alexander sah seine Sitznachbarin mit ver├Ąrgertem Blick an, denn er hatte in der n├Ąchsten viertel Stunde eine Vorlesung am Institut der ├ägyptologie, das zwar nur ein paar Minuten hinter dem Universit├Ątshauptgeb├Ąude lag, aber er mu├čte sich trotzdem immer sehr beeilen, um rechtzeitig in den Seminarraum im vierten Stock zu gelangen und hatte deshalb nicht die geringste Lust, Zeuge einer l├Ąngeren Diskussion zu werden. „Nun Frau Kollegin, die Tafel wurde 1925 unter einer gro├čen Anzahl an Tafeln am selben Ort in Babylon gefunden, leider waren alle Texte nur in Fragmenten erhalten. Fast alle bestanden nur aus Aufz├Ąhlungen von Haushaltsinventar, nur diese drei Fragmente wichen von den anderen ab, aber es bestehen sogar Zweifel, da├č diese drei Fragmente zusammengeh├Âren, aber ich mu├č jetzt weg, sprechen wir n├Ąchste Woche dar├╝ber." Professor Horn f├╝gte seine Unterlagen zu einem geordneten Sto├č zusammen und legte ihn in seine Mappe. Er ging schnellen Schrittes aus dem H├Ârsaal. Alexander seufzte erleichtert auf, packte seinen Notizblock in den Rucksack und lief zur Hintert├╝r hinaus. Kathrin blieb alleine im Seminarraum sitzen und starrte auf die Kopie der transkribierten und ├╝bersetzten Textstellen. Der Text war nur bruchst├╝ckhaft erhalten, eine von vielen zerbrochenen Tafeln, die in der W├╝ste Mesopotamiens ausgegraben wurden.

Kathrin betrachtete das Wort „Trauer" in Keilschrift, die zwischen zwei eckigen Klammern gesetzten drei Punkte und las die Kommentare der Orientspezialisten in den Fu├čnoten darunter wieder und wieder.

Auf dem Weg nach Hause gr├╝belte sie unentwegt ├╝ber den Text. „Aya irgend etwas war mit dir, ich wei├č es" sagte sie zu sich selbst, als sie die T├╝re zu ihrer kleinen Studentenwohnung aufsperrte.

Am n├Ąchsten Morgen suchte sie Professor Horn w├Ąhrend seiner Sprechstunde auf. Er l├Ąchelte als sie eintrat. „Nun was kann ich f├╝r Sie tun, Frau Kollegin". Kathrin war au├čer Atem, „Herr Professor, ich bin davon ├╝berzeugt, da├č es mehr ├╝ber diese Aya zu erfahren gibt." keuchte sie aufgeregt. „Also, liebe Frau Kollegin" er sah seine Studentin mit seinen kleinen gutm├╝tigen blauen Augen an, „das ist ganz und gar unm├Âglich. Die Experten, wie Sie im Kommentar sicher gelesen haben, sind sich nicht einmal einig dar├╝ber, ob das letzte Fragment ├╝berhaupt dazugeh├Ârt." Kathrin schluckte, fa├čte kurz Mut und widersprach, „ich wei├č, da├č das alles zusammenh├Ąngt. Der Text ist nur unvollst├Ąndig aber...", „wie so oft bei den gefunden Tontafeln", unterbrach sie der Professor. „Aber ich sp├╝re, da├č die Frau jemand besonderer gewesen sein mu├č, oder zumindest ein au├čergew├Âhnliches Leben hatte, ich sp├╝re das wirklich." „Sie haben aber eine rege Phantasie Frau Kollegin.", Professor Horn konnte sein Am├╝sement ├╝ber Kathrins Bemerkung nicht verbergen. „Finden Sie nicht, da├č der Text irgendwie ungew├Âhnlich ist?". „Ja schon, aber wenn Sie die Kommentare lesen, die ja von Frau Doktor Merk und vom ber├╝hmten Doktor Grau stammen, Koryph├Ąen auf unserem Gebiet, wie Sie sicher wissen... nun, beide haben den Text unabh├Ąngig voneinander als die Niederschrift des Dieners einer ganz gew├Âhnlichen Hierodule klassifiziert, unbedeutend, aber interessant f├╝r uns, da wir eine authentische Beschreibung aus dem Alltag besitzen." „Warum schreibt ein Sklave ├╝ber seine Besitzerin, ist das nicht ungew├Âhnlich?" fragte Kathrin. „Na ja, so ungew├Âhnlich nicht, ganz und gar nicht..., es kam schon vor, da├č Diener ihre Herren lobten, um sie g├╝nstig zu stimmen, das ist nichts besonderes" „W├╝rden Sie mir helfen, mehr ├╝ber das Leben dieser Frau zu finden?" Kathrin war ├╝ber sich selbst erstaunt, normalerweise h├Ątte sie nun gesenkten Kopfes das Zimmer verlassen, doch diesmal schien sie ├╝ber ihren Schatten gesprungen zu sein. „Wie? Was?", der Professor war ob dieser Frage ein wenig verwirrt. „Wenn man vielleicht eine andere Tafel mit Ayas Namen oder ihr Rollsiegel irgendwo ausfindig machen kann." meinte Kathrin. „Also, seien Sie mir nicht b├Âse. Das ist unm├Âglich. Wie stellen Sie sich das vor?" „Und wenn doch". „Na gut, ich werde mit meinen Kollegen vom British Museum und der Universit├Ąt Berlin, die ich gut kenne, Kontakt, aufnehmen, aber sie werden sehen, dort wird nichts sein, w├╝rde mich doch sehr wundern, so und jetzt mu├č ich meine Vorlesung halten." Er reichte Kathrin die Hand und sch├╝ttelte den Kopf.

Kathrin sp├╝rte etwas in sich aufkeimen, sie f├╝hlte Aya. „Ach Balaschi, hilf mir du doch." seufzte sie laut und das mitten in der Stra├čenbahn. Alle Fahrg├Ąste drehten sich nach ihr um. Eine Frau beugte sich zu ihrer Sitznachbarin und fl├╝sterte ihr etwas ins Ohr, indem sie ihre linke Hand vor der Stirne im Kreise bewegte.

Kathrin verbrachte die Nacht vor ihrem Rechner und suchte im Internet, ob es nicht irgendwo Hinweise auf Ayas Existenz gab, aber die Suche war vergeblich, so wie Kathrin es sich eigentlich erwartet hatte. Sie notierte die Adressen der verschiedenen Institute f├╝r Altorientalistik und entwarf zwei Massenbriefe auf deutsch und englisch.

Am fr├╝hen Morgen, noch bevor sie in die Vorlesung ging, gab sie einen beachtlichen Sto├č Briefe am Postamt auf. „Wird nichts n├╝tzen, aber..." dachte sie und ging zur Stra├čenbahnhaltestelle. Sie war die ganze Nacht hindurch wach geblieben und k├Ąmpfte gegen ihren Schlaf an. Sie kam gerade noch rechtzeitig in die Vorlesung ├╝ber sumerische Grammatik und hatte gro├če M├╝he, ihre Augen offen zu halten. Wie ├╝blich war au├čer ihr nur Alexander in der Vorlesung erschienen, der als Hauptfach ├ägyptologie studierte und auf ein Stipendium f├╝r Kairo wartete. Als die Vorlesung beendet war, sank Kathrins Kopf auf die Tischplatte. Alexander r├╝ttelte sie wach. „Was ist los, warst feiern gestern?" Kathrin drehte ihren Kopf zur Seite und sah Alexander mit halb gesenkten Augenlidern an. „Nein, hab die ganze Nacht vorm Computer gesessen, im Internet nach Aya gesucht". „La├č das doch! Sag, was findest du an der Geschichte eigentlich?" „Ich sp├╝re sie, wei├čt du. Ich wei├č das klingt bl├Âd, aber es ist so. Ich mu├č mehr herausfinden". „Wos soi desch denn wida hoassn?" Alexander fiel in den Dialekt seiner Tiroler Heimat zur├╝ck, wenn er sich aufgeregte oder w├╝tend wurde. „Ach la├č, ich bin so m├╝de". „Gehst mit in die Mensa ins Neue Institutsgeb├Ąude?" fragte er wieder bes├Ąnftigt. Kathrin erhob sich von der Bank und willigte ein.

Alexander hatte sich wie ├╝blich eine riesige Mahlzeit auf seinem Tablett angeh├Ąuft. Kathrin nahm nur eine Zimtschnecke und zwei Tassen Mokka, um wach zu bleiben. Sie sa├čen sich gegen├╝ber, Alexander fuhr sich durch die kurz geschnittenen dunkelbraunen Haare, die, gleich den Stacheln eines Igels, immer zu Berge standen. Er wu├čte nicht recht, wie er Kathrin auf ihre seltsame Besessenheit bez├╝glich eines ziemlich unbedeutenden babylonischen Textes ansprechen sollte. „Sag, was is jetzt mit dir los, das ist ja nicht so ganz normal, was du da treibst". „Lach nicht, da war etwas". „Na und wenn schon, das kann uns doch wurscht sein, wichtig sind doch nur die historisch bedeutenden Texte, die Aufz├Ąhlungen von K├Ânigen, diplomatische Briefe, die die Beziehungen der Reiche untereinander beweisen, und so halt...". „Alex bitte". „Na stimmt doch". „Ich mu├č es wissen, nur f├╝r mich, verstehst du?." hauchte Kathrin m├╝de und trank den zweiten Mokka in einem Zug. „Also wegen einer gew├Âhnlichen Hur im alten Babylon vor viertausend Joa solche Tanz auff├╝hren, wei├čt....". „Alex, red nicht so ├╝ber sie". „Moa, spinnscht jetzt?". Alexander sah Kathrin kopfsch├╝ttelnd an. Es war ihm unerkl├Ąrlich, wie jemand einem Menschen, der vor tausenden von Jahren gelebt hatte, so etwas wie menschliche Gef├╝hle entgegenbringen konnte. Das Studium der ├ägyptologie und der Geschichte des Alten Orient war zwar seine gr├Â├čte Leidenschaft, aber emotionelle Regungen f├╝r Einzelschicksale zu empfinden, ging ihm eindeutig zu weit.

Er meinte, da├č es gen├╝gend andere Quellen gebe, um ├╝ber das Alltagsleben jener Zeit zu erfahren. Au├čerdem, sagte er, w├Ąren im Tempel geweihte Kurtisanen damals etwas geradezu allt├Ągliches gewesen, und da├č es hunderte andere, vielleicht besser erhaltene Quellen geben m├╝sse.

Kathrin konnte jedoch nicht davon ├╝berzeugt werden, von Aya abzulassen. Sie hatte sich in das Schicksal jener Frau vor viertausend Jahren eingeschworen, war wie besessen von der Idee, ihr Leben zu rekonstruieren, mehr ├╝ber sie zu erfahren.

Sie verbrachte viele Stunden in den verschiedensten Universit├Ątsbibliotheken, sa├č die N├Ąchte vor dem Bildschirm, suchte verzweifelt im weltweiten Netz, um Hinweise auf jene Frau zu entdecken, die mehr und mehr von ihr Besitz zu ergreifen schien. Nach einigen Wochen wurde sie von Professor Horn nach der Vorlesung gebeten, ihn in seiner Sprechstunde aufzusuchen. Kathrin konnte ihre gro├če Aufregung nicht verbergen, er hatte vermutlich etwas bekommen.

Professor Horn l├Ąchelte und sch├╝ttelte den Kopf, als er Kathrin in sein Zimmer eintreten sah, „leider nichts, in bezug auf Ihre Aya, aber man hat mir netterweise einen ganzen Sto├č an Material ├╝ber die..", er r├Ąusperte sich, „Liebesdienerinnen der Ischtar zukommen lassen". und reichte ihr einen dicken Sto├č Papier. „So, da h├Ątten Sie mal einiges, nehme ich an". Kathrin bedankte sich, ergriff den Sto├č an Papieren und verlie├č das Zimmer. Professor Horn lachte still in sich hinein.

Die n├Ąchsten Tage verbrachte Kathrin damit, die transkribierten Texte und deren ├ťbersetzung durchzulesen, in der Hoffnung auf irgendetwas zu sto├čen, aber die Texte waren l├╝ckenhaft, aus verschiedensten Epochen, beschrieben kultische Handlungen, Gebete an Ischtar, Anweisungen an die Hierodulen und Verhaltensregeln f├╝r gew├Âhnliche Kurtisanen, Aufz├Ąhlungen von Opfergaben, Vorschl├Ąge f├╝r Kleidung, Ma├čregelungen, Verhaltensanweisungen gegen├╝ber „Fremden, die in der Stadt Vergn├╝gungen leiblicher Natur suchen", und so weiter.

Eines Morgens, als Kathrin ihren Briefkasten ├Âffnete, fiel ihr ein dicker Umschlag hohen Formates in die H├Ąnde. Sie konnte es kaum glauben, aber der Absender war das Orientalische Institut der University of Birmingham. Sie eilte zur├╝ck in ihre Wohnung und ├Âffnete voller Ungeduld den Umschlag, indem sie ihren Wohnungsschl├╝ssel gleich als Brief├Âffner benutzte. Wieder hielt sie einen beachtliche Ansammlung an Papier in ihren H├Ąnden. Oben auf lag ein Brief eines Assistenten, der sich f├╝r das in Kathrins Brief an die Universit├Ąt genannte Anliegen interessiert hatte, und den Namen Aya in einem Dokument aus dem Archiv der Universit├Ąt fand, das allerdings auf keinerlei Weise bewies, da├č es sich um dieselbe Person handelte. Er f├╝gte hinzu, da├č Aya ein im Alten Babylon h├Ąufig auftretender Name sei, da Aya die Gemahlin des babylonischen Sonnengottes war und viele Frauen deshalb diesen Namen trugen.

- Ich, Aya, ├╝bergebe dem Boten die schriftliche Erlaubnis, beim Handelshause Muraschschu zu Babylon zwanzig Talente an Silber entgegenzunehmen und sie den ├ärzten Kaptar, dem ├ägypter, und Egibi beide ans├Ąssig zu Babylon, auszuh├Ąndigen, um sie schnellstens dazu zu bewegen, sich hier in die Stadt Chattuscha im Reiche Chatti zu begeben. Mein Gemahl ist schwer erkrankt und bedarf ihrer Kunst -

Der Abdruck des Rollsiegels war nicht vorhanden. Kathrin zitterte. Sie widmete sich den Kommentaren. Die Tafel wurde bei den Ausgrabungen in Boghazk├Ây in Anatolien gefunden, bei den Hethitern also. Sie las die anderen Kopien, die man mitgesandt hatte. Es waren Texte der Gesandtschaft des K├Ânigs von Babylon bei den Hethtitern in englischer ├ťbersetzung, die man im Archiv ausfindig gemacht hatte. Es war darin nichts enthalten, was f├╝r Kathrin von Bedeutung gewesen w├Ąre, es war ihr nur an Aya gelegen.

Kathrin schlo├č sich immer mehr von ihrer Umgebung aus, fuhr nicht mehr ins Burgenland zu ihren Eltern, erfand Ausreden, als ihre Mutter immer heftiger dr├Ąngte, sie doch zu besuchen, meldete sich auch kaum bei ihren Freunden und schw├Ąnzte manchmal Vorlesungen, was sie zuvor nie getan hatte. Alexander rief sie ein paar Mal an, um sich nach ihrem Befinden zu erkundigen, doch als er „Ich suche Aya" zur Antwort bekam, legte er auf. Kathrin lie├č sich die Haare lange wachsen, beim Friseur in Dauerwellen legen und schwarz f├Ąrben.

Als sie die Pr├╝fung ├╝ber sumerische Grammatik vers├Ąumte, besuchte sie Alexander in ihrer Wohnung. Er erschrak, als er seine Studienfreundin mit der ver├Ąnderten Frisur sah. „Wia schaust’n du aus!", rief er entsetzt, als er sich nach einem Moment des Schreckens wieder gefangen hatte. Sie zeigte ihm die beiden St├Â├če Papier und das Dokument ├╝ber die in Boghazk├Ây gefundene Tafel mit der Bitte, er m├Âge es genau lesen und sagen, was er davon halte. Alexander setzte sich und las mit gerunzelter Stirne. Er las den Text ein paar Mal und meinte dann, da├č dies nicht unbedingt mit Kathrins Aya in Verbindung stehen m├╝sse, aber er schlug vor, den Text Professor Horn zu zeigen. Er riet Kathrin, sich anderen Dingen zu widmen, Freunde anzurufen, das ganze zu vergessen, das gesammelte Wissen sowie das Material f├╝r ihre sp├Ątere Diplomarbeit zu verwenden und endlich wieder ins Leben zur├╝ckzukehren.

Kathrin lie├č sich jedoch nicht beirren. Alexander versprach ihr, einen Freund in Heidelberg anzurufen, der in Wien zu studieren begonnen hatte, da er nicht wu├čte, ob er in Heidelberg einen Studienplatz am Institut f├╝r Orientalistik bekommen w├╝rde. Eigentlich wollte er sie mit dem Versprechen beruhigen, in der Hoffnung, sie w├╝rde irgendwann zur Vernunft kommen und wieder in die Bahnen des Lebens zur├╝ckfinden. Er war zusehends besorgt.

Professor Horn war verwundert ob der h├Ąufigen Fehlstunden seiner zweiten Studentin und stellte Alexander nach einer Vorlesung eine vorsichtig formulierte Frage bez├╝glich der „zweiten Kollegin, die nicht mehr kommt". Alexander wurde verlegen und behauptete schlie├člich, da├č er nichts wisse. Er wollte nichts ├╝ber Kathrin erz├Ąhlen, auch nicht preisgeben, da├č er zunehmend in Sorge war und schon daran dachte, die Telefonnummer ihrer Eltern herauszufinden, um diese im Notfall verst├Ąndigen zu k├Ânnen.

Kathrin erhielt einen Brief aus der Schweiz, die Universit├Ąt von Bern hatte auf ihr Schreiben geantwortet und legte die Kopie eines Textes aus dem Archiv bei, der von einer im Tempel des Marduk in Babylon gefundenen Tafel stammte.

-Ich, Aya, erflehe vom gro├čen Gott Marduk die Gnade des Todes. Mir ist kein Wohlergehen, mein Gemahl ist verstorben, mein Herz ist bitter, meine Glieder m├╝de, mein Haar ergraut vor Kummer. Mein Herz ist erf├╝llt von Schuld, denn ich lie├č meinen Gemahl sterben ohne das Wissen meiner gro├čen Liebe. Voll Stolz war ich, nun bin ich gebrochen. M├Âge ich ihn im Schattenreiche wieder umarmen [...]

Mehr stand nicht in dem Dokument, das Kommentar war ebenfalls mager. Kathrin glaubte, da├č die drei Texte, die Aya erw├Ąhnten, miteinander zusammenhingen, da├č sie mit jener Aya, die sich mehr und mehr in ihr Leben dr├Ąngte, in Verbindung standen. Sie begab sich ins Kunsthistorische Museum, in der Hoffnung, mit jemandem von der orientalischen Abteilung sprechen zu k├Ânnen. Der Portier wies sie br├╝sk zur├╝ck und meinte, da├č eben niemand erreichbar sei. Kathrin war jedoch hartn├Ąckig und bekam eine Telefonnummer.

„Was kann ich f├╝r sie tun?", fragte Doktor Kramer, die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums. „Mein Name ist Kathrin Bauer, ich komme wegen meiner Unterlagen ├╝ber eine gewisse Aya, Sie wissen.." „Ja, das haben Sie mir ja am Telefon gesagt". „Ah Bauer hei├čen Sie, ich dachte Sie h├Ątten orientalische Wurzeln, Sie sehen ein wenig so aus, verzeihen Sie meine Bemerkung". „Nein die Haare sind gef├Ąrbt... ich komme aus dem Burgenland, ich hab keine Wurzeln im Orient". Kathrin wurde verlegen. „Ah so wenn schon Orientalistik dann auch im Aussehen, haha, das nenne ich Leidenschaft". Kathrin legte die Unterlagen auf den Schreibtisch. Frau Kramer, betrachtete sie eine Zeit lang, las die Dokumente noch zwei Mal durch. „Meiner Ansicht nach, h├Ąngen die nicht zusammen, eine Tafel ist teilweise wirklich nur fragmentarisch, die zweite aus Boghazk├Ây, also aus Chattuscha, der Hethiterhauptstadt, die dritte aus dem Marduktempel in Babylon, die Datierung, na ja, so eine Sache, ist wirklich schwer festzustellen, trotz C-14 hmmm. Nein, da fehlt mir einfach zuviel, um da was genaues sagen zu k├Ânnen". Sie drehte sich mit ihrem B├╝rosessel zum anderen Schreibtisch, auf dem sich der Rechner befand und tippte mit heftigen geschwinden Fingerbewegungen auf der Tastatur. „Halt", schrie sie pl├Âtzlich auf, „da hab ich ja was...". „Ayas gibt’s wie Sand am Meer, das meiste bezieht sich auf die G├Âttin, aber hier sind ein paar interessante dabei. Moment". Der Drucker begann Papier auszuspucken. Frau Kramer breitete die Ausdrucke vor Kathrin auf dem anderen Schreibtisch aus. „Sehen Sie, was wir da haben, einmal eine Aya aus Babylon, allerdings aus der Akkadzeit, die tun wir mal weg, aber die hier, sehen Sie, die hier ist aus der Kassitenperiode und die hier ebenfalls..." Frau Kramer verstummte pl├Âtzlich. Sie hatte in der Datenbank des Museums nachgeforscht und die ihr passenden Ergebnisse ausgedruckt, aber die dritte Inhaltsangabe lie├č sie verstummen, sie bezog sich auf Tafeln aus der Kassitenzeit, die in Boghazk├Ây gefunden wurden. Kathrin konnte ihre Aufregung nicht verbergen, sie sah Frau Kramer erwartungsvoll an, schluckte und nestelte an ihrem Blusen├Ąrmel.

Frau Kramer bat Kathrin ein wenig zu warten und ging zur T├╝re hinaus. Sie kam erst nach einer halben Stunde mit einigen Kopien wieder. „Beachtlich. Die Tafeln aus Boghazk├Ây sind nicht mehr in Wien, die haben die nach Z├╝rich verkauft, aber die Dokumente sind da, sehen Sie mal".

- Lubarna, der Beamte des K├Ânigs Schuppiluliuma - der Sonne - , nimmt vor dem Gott der Sonne des Reiches Chatti, Aya, die Fremde aus dem Reiche Babylon zu seinem Weibe, die G├Âtter sind der Verbindung wohlgesonnen [...]

„Die Scherbe einer hethitischen Heiratsurkunde", lachte Frau Kramer. Kathrin brachte vor Freude kein Wort heraus. „Und da sehen Sie, ein H├Ąuflein eines Fragments in hethitischer Sprache, auch in Keilschrift".

- Dem Beamten Lubarna zur Entlohnung und Ern├Ąhrung seines Weibes im Monate [...] zwanzig Talente Silber, zweihundert Sila Getreide, zweihundert Sila [...]

„No, ein Gehaltszettel in Tonscherben, hehe, alles aus mehr oder weniger derselben Zeit, ich hoffe, das Gef├Ąllt Ihnen..." lachte Frau Kramer. Kathrin bedankte sich ├╝berschwenglich, hielt dann aber inne. „Denken Sie, das k├Ânnte mit meinen Dokumenten zusammenh├Ąngen". Frau Kramer meinte, da├č dies zwar sein k├Ânne, aber ausgesprochen unwahrscheinlich sei, verabschiedete sich und dr├╝ckte ihr die Kopien in die Hand.

In Kathrins Vorstellung hatte sich Ayas Leben zu einem Ganzen zusammengef├╝gt. Zu Hause angelangt, rief sie Alexander an, um ihm von ihrem Erlebnis im Museum zu berichten. Sie vereinbarten ein Treffen, und als er im Kaffeehaus ihr gegen├╝ber Platz nahm begr├╝├čte er sie wieder mit „wie schaust denn du aus!". Kathrin pflegte seit neuestem sich die Augenlider mit dicken schwarzen Strichen zu umranden. Alexander machte sich mittlerweile ernsthafte Sorgen um seine Studienfreundin. „Also, stell dir vor ich habe Ayas Leben hier", ratterte es aus Kathrin, ihre Stimme zitterte vor Aufregung. Alexander sah sie mit besorgten und zum Teil mitleidigen Blicken an. Sie breitete die Dokumente am fleckigen Tischtuch aus und legte ihm ihre Theorie dar. „Aya hat diesen Hethiter Lubarna geheiratet, ist mit ihm gegangen, zuerst aus Gr├╝nden der Absicherung, dann beginnt sie ihn immer mehr zu lieben, er hingegen vergl├╝ht von Anfang an aus Liebe und Leidenschaft, schlie├člich ist er krank geworden und gestorben, sie macht sich Vorw├╝rfe, kehrt zur├╝ck und stirbt dann ebenfalls. Schau dir den Text aus dem Marduktempel an...Da hat sich doch eine Trag├Âdie abgespielt". Alexander sch├╝ttelte den Kopf, meinte, da├č Kathrins Geschichte an den Haaren herbeigezogen sei, da├č sie eine viel zu rege Phantasie habe und sich lieber um ihr Studium k├╝mmern solle, da die Professorenschaft schon meine, sie h├Ątte das Studium aufgegeben. Kathrin war entt├Ąuscht und warf Alexander vor, er verstehe sie nicht und habe kein Einf├╝hlungsverm├Âgen. Sie verlie├č das Kaffeehaus. Kathrin f├╝hlte sich von allen verlassen, mi├čverstanden und abgelehnt.

Kathrin nahm eine Stelle als Schankaushilfe in einer Bar an, da ihre finanziellen Mittel zur Neige gegangen waren und sie das Bed├╝rfnis versp├╝rte, gr├Â├čere Eink├Ąufe zu machen. Sie hob den Rest des noch verf├╝gbaren Geldes von ihrem Konto ab. In einer orientalischen Boutique erwarb sie zwei weite Kleider aus Leinen, Messingarmreifen mit Einlagen aus Lapislazulli, eine Silberkette mit gro├čen Gehengen eingefa├čter Halbedelsteine und gro├če Halbmondf├Ârmige Ohrringe. Als sie in einer Parf├╝merie den Wunsch nach „Purpurpomade" ├Ąu├čerte, erntete sie Unverst├Ąndnis, die Verk├Ąuferin zuckte mit den Achseln und legte ihr ein paar D├Âschen mit Schminke in verschiedenen Rott├Ânen vor. Kathrin nahm gleich drei davon.

Als sie den ersten Abend im Tanzlokal an der Bar ausschenkte, wurde sie von den G├Ąsten bestaunt. Da stand sie hinter der Theke, mit langen schwarzen gelockten Haaren, behangen mit halbmondf├Ârmigen riesigen Ohrringen, die Armreifen rutschten beim Ausschenken den Arm hinauf und hinunter, die Kette prangte in vollem Glanz an ihrem Hals, ihr Gesicht war ausgesprochen stark geschminkt, ihr rotes Leinenkleid bedeckte sie bis zu den Kn├Âcheln und ihre Ledersandalen dr├╝ckten. Sie war parf├╝miert mit Rosenwasser und hatte sich ihre Arme mit Sandel├Âl eingerieben. Manche G├Ąste fragten sie woher sie komme und sie l├Ąchelte sie nur an.

Nach einiger Zeit wurde sie zum Mittelpunkt des Lokales, manche kamen einfach nur, um sie hinter der Schank zu sehen, setzten sich an den Tresen und starrten sie an, wie sie mit Gl├Ąsern und Flaschen hantierte. Kathrin verdiente gut, denn sie bezog ein Gehalt mit Sozialversicherung und die Trinkgelder flossen ausgesprochen reichlich. Eines Nachts hatte Kathrin die Wandlung vollzogen. Das Lokal war ├╝berf├╝llt mit jungen Menschen, es hatte sich zu einem der In-Treffs der Stadt entwickelt, was zum Teil auch Kathrins Verdienst war. „Geiles outfit", l├Ąchelte ein junges M├Ądchen bewundernd. „Wie hei├čt du denn...", schrie ein ziemlich angeheiterter Mann um die drei├čig. „Aya" antwortete sie, „Aya hei├če ich". „Heast bist du geil!", schrie ein Stockbetrunkener im dunklen Designeranzug, der daneben stand und wurde unversehens von seiner Freundin weggezogen.

Am fr├╝hen Morgen, wenn Kathrin von ihrer Arbeit nach Hause kam und sich ins Bett legte, konnte sie oft nicht einschlafen, da sie manchmal von Stimmen verfolgt wurde. Ihr Kopf zuckte von Zeit zu Zeit ganz leicht, wenn sie sprach. Kathrin schlief unter Tags nur mehr und hatte sich von ihrer Umwelt vollkommen abgeschieden. Alexander hatte inzwischen die Zusage f├╝r seinen Studienaufenthalt in Kairo bekommen, er ging f├╝r f├╝nf Monate au├čer Landes und konnte sich nicht einmal von Kathrin verabschieden. Er hatte sie mehrmals angerufen, ├Âfters an ihrer T├╝re gel├Ąutet, doch Kathrin h├Ârte nichts. Als sie pl├Âtzlich w├Ąhrend der Arbeit schon zur fr├╝hen Morgenstunde zusammenbrach, wurde die Rettung verst├Ąndigt und Kathrin fand sich vollkommen verwirrt im Krankenhaus wieder.

3.

Die Klinik lag au├čerhalb der Stadt in sehr ruhiger Umgebung mit vielen Gr├╝nanlagen. Ihre Mutter kam regelm├Ą├čig zu Besuch und brachte Kathrin pers├Ânliche Sachen, sowie notwendige Toiletteartikel, manchmal auch Schokolade und Selbstgebackenes. Der Arzt meinte, es ginge Kathrin schon viel besser, da die Neuroleptika anschlugen und die Anf├Ąlle seltener wurden. Kathrins Mutter war nach Wien gezogen, als sie erfuhr, da├č ihre Tochter in ein psychiatrisches Krankenhaus eingeliefert worden war. Ihr Vater kam am Wochenende zu Besuch, um nach Kathrin zu sehen. Sie konnten nicht verstehen, was mit ihrer Tochter geschehen war. Der Arzt sprach von „schwerer Pers├Ânlichkeitsst├Ârung". Frau Bauer machte sich Vorw├╝rfe, da sie dachte, sie h├Ątte etwas in Kathrins Kindheit falsch gemacht. Der Arzt meinte dies k├Ânne jedem widerfahren, und man k├Ânne nichts dergleichen voraussagen.

Kathrin hatte ihr eigenes kleines Zimmer, ihr Haar war kurz geschnitten und hatte wieder seine nat├╝rliche Farbe. Eine schwarz gelockte Per├╝cke lag neben ihrem Bett, f├╝r den Fall, da├č sie wieder einen R├╝ckfall erlitt. Auf ihrem Nachtk├Ąstchen stapelten sich B├╝cher ├╝ber den alten Orient. In einem klaren Moment bat sie ihre Mutter, f├╝r sie die Inskription an der Universit├Ąt zu erledigen, da sie das Studium unbedingt fertig machen wollte. Die Anf├Ąlle kamen immer seltener, an manchen Tagen war Kathrin zwar wieder Aya, doch die Phasen wurden k├╝rzer.

Alexander kam wieder aus Kairo zur├╝ck. Er rief Kathrins Nummer an, als er sie drei Tage lang nicht w├Ąhrend der Vorlesungen antraf und Professor Horn erz├Ąhlte, sie w├Ąre schon seit fast einem Jahr nicht mehr erschienen. Es hob eine fremde Stimme ab, die meinte die Vormieterin w├Ąre schon seit l├Ąngerem ausgezogen. Er hatte eine schlimme Vorahnung und versuchte die Nummer von Kathrins Eltern herauszufinden. Sein Vater erz├Ąhlte ihm am Telefon, was geschehen sei und gab ihm die Adresse der Klinik, als er sich versichert hatte, da├č es sich um einen besorgten Studienkollegen handelte.

Alexander wurde vom Arzt zu Kathrins Zimmer gef├╝hrt. Sie hatte ihre Per├╝cke auf, lief ihm entgegen und umarmte ihn st├╝rmisch. „Lubarna, Lubarna, ach mein Lubarna, mein Liebling...", schrie sie und begann zu weinen. Alexander war erschrocken und zog sich von ihr zur├╝ck. „Keine Angst", brummte der Arzt mit sanfter Stimme, „das ist nicht sie".

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