Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87745
Momentan online:
546 Gäste und 13 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > ErzÀhlungen
Bahnhof Oerlikon Nord oder: ich bin out!
Eingestellt am 18. 02. 2001 10:14


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Anna
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Feb 2001

Werke: 32
Kommentare: 87
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Anna eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Handygeschichte

Bahnhof Oerlikon Nord“ sagt die Tramchauffeuse. Vor mir steigt ein seltsamer Mann aus, wahrscheinlich hĂ€lt er mich auch fĂŒr seltsam.
Zum Bahnhof rennen, da ich immer noch nicht weiss, wann genau die ZĂŒge Richtung Land fahren. Vor den Fahrplan drĂ€ngeln, ein paar Leuten ĂŒber die Schulter gucken, die sich auf dem Fahrplan nicht ganz zurecht zu finden scheinen. S5 geht zu lange, fĂ€hrt einen riesen Umweg. Dann halt S14. 16:47 Uhr. Toll, ich hĂ€tte nicht rennen mĂŒssen. Der ewige Stress, wieso kann ich nicht fliegen?
Auf der Sitzbank ein in sich zusammengesunkenes HĂ€ufchen Mensch. Ein Natel in der Hand, ist ja klar. Aber nicht zum telefonieren, das ist aus der Mode gekommen, SMS sind der letzte Schrei.
-‚Wieso hast du mir nicht geschrieben?‘
-‚Sorry, Akku war leer!‘
-‚OK‘
-‚Ich liebe dich!‘
–‚Ich liebe dich auch!‘
Ist schon schön, geliebt zu werden, aber das kann man doch auch offen sagen!
Mit Handy telefonieren ist out. Telefonieren kann man mit einem normalen Telefonapparat, mit dem Handy schreibt man SMS.
Im Zug. Zwischen den Sitzen hindurch sehe ich zwei MĂ€dchen, jede ĂŒber ihr
Handy gebeugt, eifrig am tippen. Das mir wĂ€r zu blöd, ist doch kompliziert, aber diese Girls scheinen sowas wie ein Zehnfingersystem fĂŒr Handys zu beherrschen.
Weiter hinten im Wagen klingelt eines dieser fĂŒrchterlichen mobilen Telefone. Klingeln ist untertrieben, es tönt laut durch den ganzen Wagen die Melodie von Jingle Bells! Ausgerechnet, nachdem doch jetzt endlich die Weihnachtszeit vorbei ist, und mir die Weihnachtslieder nicht mehr nachlaufen.
Bahnhof in meinem HeimatstĂ€dtchen. Jeder zweite Mensch lĂ€uft in mich hinein, nicht weil ich so klein wĂ€re, dass man mich nicht sieht, nein, weil sie mit Handys am Ohr oder in den HĂ€nden, blind fĂŒr die armen handylosen Mitmenschen, stur ihres Weges gehen und einen böse anschauen. ‚Was machst du da, geh mir aus dem Weg, hast du keine Augen im Kopf ?‘ wĂŒrden sie sagen, wenn sie nicht in ihren ĂŒberaus wichtigen Anruf von ihrem SchĂ€tzchen vertieft wĂ€ren. ‚Doch, ich habe Augen, aber meine kleben nicht auf einem Handy-Display!‘ wĂŒrde ich antworten und hĂ€tte einen Feind mehr.
Jetzt weiss ich es. Ich bin out.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


ZurĂŒck zu:  ErzĂ€hlungen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!