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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Begegnung
Eingestellt am 01. 07. 2001 20:47


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Sternschnuppe
Hobbydichter
Registriert: Apr 2001

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17.21 Uhr, mein Zug fuhr ab. Mit klopfendem Herzen sass ich alleine in einem Abteil und hörte Musik. Meine Gedanken kreisten sich nur noch um eines. Ich wollte mich nicht darauf freuen, hatte Angst, dass dieses Treffen meine Hoffnungen nicht erfĂŒllen wird. Schon zu oft wurde ich wegen meinen zu grossen Erwartungen enttĂ€uscht, doch trotzdem sass in einer kleinen Ecke in meinem Herzen noch ein Funke. Ich hoffte, dass auch in seinem Herzen ein solcher kleiner Lichtblick wohnte und sie sich durch unser Treffen noch einmal entfachen könnten. Als mein Zug in den Bahnhof einfuhr, sah ich, dass seiner schon da stand. Schlecht vor Aufregung machte ich mich vorsichtig auf den kurzen Weg zu seinem Gleis. Doch ich konnte ihn schon vorher bei den FahrplĂ€nen entdecken. Er hat wohl nachgeschaut, wann ich ankomme, denn als er mich gesehen hatte, meinte er, ich kĂ€me doch eigentlich viel spĂ€ter an. Da stand ich also vor ihm. Ich weiss nicht, in wie vielen TrĂ€umen ich mir diese Situation schon ausgemalt hatte. Wir wussten beide nicht so recht, wo wir unsere Blicke nun hinwenden sollten. Unsere BegrĂŒssung fiel mit einem Kuss aus, der halb auf die Wange, halb auf die Lippe war. Es war eine merkwĂŒrdige Stimmung zwischen uns. Wie das Wetter glich sie einem schwĂŒlen Sommertag. Die ersten beiden Stunden waren wir eher still. Jeder in sich gekehrt. Ich glaube, nicht nur ich suchte krampfhaft nach einem GesprĂ€chsthema. Doch seit unserer Trennung ĂŒberlege ich zuerst immer Minuten, bis ich etwas sage oder eben auch nicht. Als er dann seine Pizza am essen war und ich nicht wusste, ob ich ihm nun zuschauen soll oder nicht, meinte er zu mir, ich dĂŒrfe schon was sagen. Aber was? Ich erwiderte, dass ich Angst habe, ihn zu langweilen und etwas Falsches zu sagen. Das Zweite verstand er nicht, also wiederholte ich es nochmals. "Nein, da brauchst du dich nicht zu fĂŒrchten!", war seine Antwort. Noch eine Weile spĂ€ter dachte ich ĂŒber diesen Satz nach. Weswegen brauchte ich davor keine Angst zu haben? Weil seine GefĂŒhle fĂŒr mich auch noch da sind? Ich fragte nicht nach. Langsam machten wir uns auf den Weg zum Openair-Konzert. In diesem GewĂŒhl wurden wir immer wieder gezwungen, uns zu berĂŒhren, doch ich empfand es eher schön als mĂŒhsam. Im Publikum kam eine geniale Stimmung auf und auch bei uns wurde es etwas lockerer. Vielleicht lag es am Sommerregen, der dann fiel. Wir beide fanden es spitze, dass es regnete, nur alle andern klappten ihre Schirme auf oder flĂŒchteten unter BĂ€ume. Immer wieder schauten wir uns an und als wir beide auf dem GelĂ€nder sassen, berĂŒhrten sich unsere HĂ€nde. Ich entschuldigte mich bei ihm, weil ich nicht wusste, ob ihm dies unangenehm war, doch er meinte nur, es sei nicht schlimm. So blieben unsere HĂ€nde an Ort und Stelle. Am liebsten hĂ€tte ich seine Hand in meine gelegt, doch ich wollte nichts zwischen uns kaputt machen. Ich hatte das GefĂŒhl, er komme mir immer nĂ€her, auch seelisch. Vor allem, als die Band langsamere Lieder spielte. In mir kam dieses Verlangen nach seiner NĂ€he auf und irgendwo konnte ich es auch bei ihm spĂŒren. Nachdem das Konzert fertig war, begaben wir uns auf den Weg zum Bahnhof. Noch immer regnete es in Strömen. Wir beide liefen mitten im Regen, wĂ€hrend die meisten unter den HĂ€usern Schutz suchten. Durch die NĂ€sse begann ich zu frieren und obwohl er nur noch ein Shirt unter seinem Pullover trug, legte er ihn mir ĂŒber meine Schultern. Ich drĂŒckte ihn so fest an mich, wie es nur ging. Er hĂ€tte zwar vor mir einen Zug nach Hause gehabt, doch da meiner erst spĂ€ter fuhr, wollte er mich nicht alleine warten lassen. Sagte zwar zu ihm, er könne schon gehen, obwohl ich ihn noch lieber an meiner Seite gehabt hĂ€tte. Zu meiner Freude aber auch Überraschung blieb er bei mir. Ich setze mich irgendwo zusammengekauert hin und schlang seinen Pulli eng an mich. Er stand etwas weiter entfernt vor mir und schaute mich immer wieder an. Ich hoffte, er wĂŒrde zu mir kommen und mich umarmen, damit ich nicht mehr frieren musste. Auf einmal kam er nĂ€her und fragte mich nur, ob es mir gefallen hĂ€tte. Ich weiss nicht recht, doch mir kam es so vor, als ob er mich auch gerne umarmt hĂ€tte, aber sich nicht getraute. An einer Freundin hatte er zwar am Telefon, welches schon einen Monat zurĂŒckliegt gesagt, er empfĂ€nde nur noch Freundschaft fĂŒr mich, doch seit diesem Abend glaube ich ihm dies nicht mehr wirklich. Er hĂ€tte mir den Pullover sicher nicht gegeben und auch jeglichen Körperkontakt so weit wie möglich vermieden, wenn da nicht noch etwas wĂ€re. Dies sind natĂŒrlich nur Spekulationen, doch ich hoffe es so sehnlichst. Er hat mich dann noch bis zu meinem Gleis begleitet. Wir standen da und wussten nicht recht, wie dieser Abschied nun ausfallen wĂŒrde. Schauten uns an, redeten irgendwelche Dinge. Ich musste mich in diesem Moment beherrschen, dass ich ihn nicht umarmt habe. Hielt es kaum noch aus, einfach so neben ihm zu stehen. Er gab mir dann einen Kuss auf die Wange, streichelte meinen Arm und ging. Ich konnte ihn nicht mehr anschauen, sondern lief sofort los. Am liebsten hĂ€tte ich geweint. Ich weiss nicht, was es so schwer machte. Ob es die unerreichbare Liebe, diese Ungewissheit, ob es nicht doch noch was ist, die Sehnsucht oder sonst was war. Im Zug starrte ich ununterbrochen auf den Boden und obwohl mich gewisse Leute komisch angeschaut hatten, wendete ich meine Blicke nicht weg. Musste irgendwo hinschauen, meine Augen irgendwo fesseln. Schon nach den ersten paar Minuten ohne ihn fĂŒhlte ich mich noch leerer als zuvor. Auf eine gewisse Weise bereute ich, dass ich ihn nicht umarmt habe. Auch wenn er es nicht gewollt hĂ€tte, ich hĂ€tte dann wenigstens gewusst, woran ich bin. Ich hĂ€tte ihn entweder "gewonnen" oder es wĂ€re so geblieben, wie es die letzen beiden Monate zwischen uns war...
__________________
"Die wichtigste Stunde
ist immer die Gegenwart.

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