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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Begegnung in Deutschland
Eingestellt am 17. 03. 2009 10:15


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reinhard kreil
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Begegnung in Deutschland im Jahr 2005

Wie immer sa├č Bert nicht mit, sondern gegen die Fahrtrichtung an diesem Freitag Abend im Nahverkehrszug. Er tat das schon aus Gewohnheit, selbst wenn wie jetzt viele Pl├Ątze frei waren. Den ganzen Zug, der aus einem einzigen langen Wagen bestand konnte er so ├╝berblicken. Und er wollte wie immer m├Âglichst lange alleine sein auf seiner Zweierbank, die mit der Gegen├╝berliegenden eine Sitzgruppe bildete. Grunds├Ątzlich bevorzugten die Leute erst einmal die Pl├Ątze in Fahrtrichtung.

Drau├čen lag die Dunkelheit. An einer Haltestelle stieg eine Gruppe junger t├╝rkischer M├Ąnner ein. Ausgehm├Ą├čig gestylt. Alle wohl so um die zwanzig. Sie verteilten sich auf mehrere freie Sitzgruppen, brauchten viel Platz, sa├čen breitbeinig und unterhielten sich laut und angeregt, aber nicht zu laut, ├╝ber mehrere B├Ąnke hinweg. Zwei Haltestellen weiter stie├č eine weiterer Trupp junger T├╝rken dazu. Man kannte und begr├╝├čte sich, nicht ├╝berschw├Ąnglich, aber selbstverst├Ąndlich und ohne Ausnahme mit gegenseitiger Ber├╝hrung der Wangen. Es dauerte eine Weile bis alle durch waren.

Bert gefiel dieses Bild. Man meinte den Stolz und das Selbstbewusstsein dieser jungen Leute zu sp├╝ren, die sich ohne Scheu auf ihre Art und Weise in der ├ľffentlichkeit begr├╝├čten. Kultur, Tradition, strenge aber doch famili├Ąre Bindung und Kultur strahlte es aus. Und es gefiel Bert, dass es hier in diesem Land m├Âglich war und geschah, dass sie so leben konnten. Auch er geh├Ârte zu diesem Land. F├╝r einen Moment versuchte er sich vorzustellen wie eine Zusammentreffen deutscher junger M├Ąnner aussehen w├╝rde. Ein Hordentreffen.

Einige Haltestellen weiter stiegen die jungen T├╝rken aus. Es wurde ruhiger. Der Zug war jetzt bis auf wenige ├Ąltere Frauen, die wahrscheinlich von ihrer Arbeit vielleicht als Verk├Ąuferin kamen, leer. Einige deutsch, einige ausl├Ąndisch Herkunft.

Die jungen M├Ąnner drau├čen hatten offensichtlich alle das gleiche Ziel. Sie liefen als Pulk noch auf der Haltestelle einige Meter neben der Bahn, die gerade anfuhr, her. - Pl├Âtzlich, ein Schlag. Sehr laut, aber nicht unmittelbar. Man wusste sofort, dass war nur drau├čen. Einer musste mit dem Fu├č gegen den gerade anfahrenden Wagen getreten und einen ziemlichen Knall verursacht haben. Aber nichts besonderes geschah. Keine der Frauen zuckte merklich zusammen, fing an sich zu emp├Âren oder drehte zumindest den Kopf um nach drau├čen zu blicken. Keiner der T├╝rken vor den Fenstern lief davon oder lachte sp├Âttisch, weil er einen Streich gespielt hatte. Sie blickten sich auch nicht untereinander an. Es war ihnen unwichtig wer es getan hatte. Sie gingen einfach weiter neben der Bahn entlang und schauten stumm zu den vorbeihuschenden Fenstern herein. Auch der Fahrer unterbrach seine Fahrt nicht. Er hielt nicht an um den Kopf aus dem Fenster zu strecken und mit den Kerlen zu schimpfen. Es war alles normal. Wie wenn es den Knall nicht gegeben h├Ątte.

Bert hatte den Atem angehalten. Er erschrak ├╝ber die Selbstverst├Ąndlichkeit mit der nichts geschah. Aber gleich schien es ihm, als ob alle unausgesprochen wussten warum.

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Meine Texte beruhen auf tats├Ąchlichen Ereignissen. Biographische, assoziative Episoden zur Aufarbeitung.

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