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Leselupe.de > Kurzprosa
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Eingestellt am 20. 04. 2012 15:14


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Garde
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UnschlĂŒssig stand Michael in dem trostlosen, grau gefliesten Gang, der zu den Toiletten in einer Einkaufspassage fĂŒhrte. Er schaute auf einen kleinen Teller, auf dem einige zwanzig und fĂŒnfzig Cent StĂŒcke lagen.
Das fröhliche Geplapper der dunkelhĂ€utigen Toilettenfrau, die wie ein bunter Vogel herum flatterte, nahm er kaum wahr. Eben noch in der Herrentoilette, wo sie, vor sich hin summend, mit ihrem Wischtuch ĂŒber die Becken wieselte, war sie kurz darauf in der Damentoilette dabei einer Frau Gesten reich zu zeigen, wie sie problemlos die PapierhandtĂŒcher aus dem Kasten ziehen konnte. Und wiederum kurz darauf stand sie hinter dem kleinen Tischchen mit dem Teller und begrĂŒĂŸte herzhaft lachend jeden Einzelnen der Leute, die mehr oder weniger eilig zu den Toiletten gingen.
Michael war in BedrĂ€ngnis. Er hatte nach intensivem Durchstöbern sĂ€mtlicher Taschen und der Geldbörse nur einen Euro ans Tageslicht befördert. HĂ€tte er doch vorher nachgeschaut, bevor er seiner Frau Dora und deren Freundin Daniela großspurig erklĂ€rte hatte, genĂŒgend Kleingeld fĂŒr die BenutzungsgebĂŒhr der Toiletten im Portmonee zu haben. Sein Freund Kurt, Ehemann von Daniela, konnte ebenfalls nur mit Geldscheinen aufwarten. Die Frauen mussten jeden Moment wieder auftauchen. Wechseln war wegen der KĂŒrze der Zeit nicht möglich.
Vielleicht erschienen sie gemeinsam, sinnierte Michael. Die Wahrscheinlichkeit war groß, denn Frauen gingen in der Regel im Rudel zur Toilette und verließen sie auch zusammen. Dann könnte er den einen Euro fĂŒr die beiden auf den Teller legen. FĂŒnfzig Cent fĂŒr jede, das wĂŒrde passen.
Aber den Gefallen taten sie ihm nicht. Seine Frau Dora erschien als erste. Alleine. Sie schaute fragend zu ihrem Mann hinĂŒber. Wie versprochen trat Michael vor das kleine Tischchen und legte sein EurostĂŒck auf den Teller. Etwas verschĂ€mt zeigte er dann zunĂ€chst auf seine Frau und danach auf ein fĂŒnfzig Cent StĂŒck. Die nette und so ungewöhnlich fröhliche Toilettenfrau verstand ihn sofort. Mit gleichbleibend strahlendem Gesicht nahm sie ein fĂŒnfzig Cent StĂŒck und drĂŒckte es Michael in die Hand. „Bitte sehr, der Herr“, sagte sie mit warmen, rauchigen Stimme.
„Vielen Dank.“ Erleichtert nahm Michael das Geld und wartete auf das Erscheinen von Daniela.
Dora sah wie ihr Mann auf den Teller zeigte und freudig das fĂŒnfzig Cent StĂŒck entgegennahm. Sie konnte es nicht fassen. Was fiel Michael ein. Er ließ sich fĂŒnfzig Cent zurĂŒck geben. Seit wann war er so geizig.
Sie eilte auf ihn zu. „Was machst du denn da?“, funkelte sie ihn an. „SchĂ€mst du dich nicht, dir fĂŒnfzig Cent geben zu lassen. Bitte gib der Frau das Geld zurĂŒck, sonst bin ich stocksauer.“ Voller Zorn schaute sie Michael an.
BeschĂ€mt begab sich Michael zu dem Tischchen und legte das fĂŒnfzig Cent StĂŒck auf den Teller. Die Toilettenfrau, die das Klappern gehört hatte, winkte ihm dankend zu.
„Ich hatte nur den einen Euro“, verteidigte er sich bei Dora. „Was sollte ich machen? Mir war das auch nicht angenehm“, murrte er.
In diesem Augenblick erschien Daniela auf der BildflĂ€che. Sie machte ein kurzes Handzeichen in die Richtung der Wartenden und kramte in ihrer Handtasche. Als sie ein GeldstĂŒck auf den Teller legen wollte, wurde sie von der Toilettenfrau daran gehindert. Gesten reich und mit fröhlicher Mimik, erklĂ€rte sie Daniela, dass fĂŒr sie bereits gezahlt worden war. Dabei winkte sie zu den Dreien hinĂŒber. Daniela steckte ihr Geld wieder ein und gesellte sich zu den anderen.
Dora fĂŒhlte sich unbehaglich, irgendwie beschĂ€mt und schaute unsicher zu der Frau hinĂŒber. Nach kurzem Zögern griff sie in ihre Handtasche, öffnete ihre Geldbörse und nahm ein GeldstĂŒck heraus. Die Toilettenfrau hatte ihr dabei zugesehen. Als sich Dora zu ihr hin begeben wollte, schĂŒttelte sie energisch mit dem Kopf. Sie bewegte fröhlich lachend abwehrend die HĂ€nde und wirbelte auf die Herrentoilette zu.

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