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Bildungsreise
Eingestellt am 20. 07. 2010 10:18


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Recht kann man kaufen! Sorry, Rechts. Mein Gott, diese platten Witze haben ja Bildzeitungsniveau.

Michael Schmidt
Routinierter Autor
Registriert: Jan 2002

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Bildungsreise

Der Norden ist im Umbruch. Schwarz-Grün seit 2008 im Amt und allenthalben wird es als Blaupause für die moderne CDU genommen. Doch zuletzt gab es arge Kratzer im Modernisierungsbündnis. Die Grünen mussten viele Kröten schlucken, um ihr Prestigeobjekt durchziehen zu können. Dem wurde per Volksentscheid ein Riegel vorgeschoben. Gemeinsames Lernen bis zur sechsten Klasse wurde abgelehnt.
In der Diskussion darüber erkennt man auch die grundsätzlichen Lager. Trennung von guten und nicht so guten Schülern nach der vierten Klasse führt zu einem Riss in der Gesellschaft, so die vorherrschende Meinung. Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht. Länger in einem Klassenverbund zu verbleiben, bietet schon die Möglichkeit, dass unterschiedliche Strömungen der Gesellschaft sich finden. Dem entgegen steht meine persönliche Erfahrung. Der Riss in der Klassengemeinschaft war fast über die ganzen vier Jahre vorhanden und verbreiterte sich die beiden letzten Jahre eher noch.
Die unterschiedlichen Lerntempi eben auch. Spätestens ab der dritten Klasse waren die Unterschiede eklatant und eine frühere Trennung wäre eher förderlich als hinderlich für die Entwicklung der einzelnen Individuen gewesen.
Auf der Hauptschule war ja auch die Möglichkeit gegeben, sollte ein guter Notenschnitt vorhanden sein, in die Realschule zu wechseln. Einer nutzte diese Möglichkeit und wurde auch glücklich damit. Drei nutzen den umgekehrten Weg und kehrten von Gymnasium/Realschule zur Hauptschule zurück.
Diese ist und war natürlich kein Weg ins gesellschaftliche Abseits wie wiederkehrende Klassentreffen zeigen. Jeder ging seinen Weg. Manche auf dem zweiten Bildungsweg, andere schlugen eine rein berufliche Weiterentwicklung ein.
Jetzt mag sich fast vierzig Jahre später einiges geändert haben, aber die Grundbedingungen mit Sicherheit nicht. Die Grundbedingungen sind unterschiedliche Entwicklungen, die durch die unterschiedlichen Schulformen diesem Umstand Rechnung trugen.
Wenn jetzt die Ergebnisse der Hauptschule nicht mehr ausreichen, liegt das mit Sicherheit an unterschiedlichen Gründen. Schüler, die kaum oder nur fehlerhaft die deutsche Sprache sprechen, lernen auch entsprechend schlechter. Dem kann nur durch intensivem Sprachunterricht entgegen gewirkt werden.
Verwahrlosung der Kinder, denen dann Schulleistungen und Lernen nichts bedeuten, kann auch nicht geholfen werden, in dem man an den Schulformen rum doktert. Und den Lehrermangel behebe ich auch nur bedingt durch eine Schulformreform. Natürlich kann und soll man Schulen dort zusammen legen, wo es Sinn macht. Es gibt genügend Realschulen und Gymnasien, die unter einem Dach firmieren und auch gemeinsam zwei Einführungsjahre haben, bevor eine Trennung stattfindet.
Die Schulsysteme sind also nicht das Problem, sondern die Umsetzung. Wie bringe ich Schüler (und damit die Gesellschaft) zum Lernen? Wie modernisiere ich Lehrinhalte und Schulpläne?
Und diese Diskussion wird ja eher im Verborgenen geführt.
Vergessen darf man auch nicht den Leistungsgedanken. Ohne Leistungsgedanken findet nur schwer eine Entwicklung statt. Anreize, besser als andere zu sein, sind zwingend notwendig. Aus meiner Sicht muss daher die Faustregel bestand haben, dass das Gymnasium notfalls auch schlechte Schüler aussieben muss, die Hauptschule dagegen die Verantwortung hat, auch die Schwachen mitzunehmen und ihnen ein Mindestmaß an Bildung zu vermitteln.
Übrigens hieß es schon in meiner Generation, die Schüler würden immer schlechter und könnten nicht Lesen und Schreiben. Daher sollte die Diskussion auch ein Maß an Sachlichkeit behalten.
Die Abschaffung der Hauptschule soll ja deren Schüler vor ihrem schlechten Ruf schützen. Doch auch miese Schüler werden keinen Deut intelligenter, wenn sie eine Werksrealschule oder eine Mittelschule abgeschlossen haben.
Mit der Abschaffung der ungeliebten Hauptschule suggeriert die Politik, es gibt keine schlechten Schüler mehr und versucht sich aus meiner Sicht damit aus der Verantwortung zu nehmen, für ein besseres Bildungsniveau zu sorgen.
Ein gefährlicher Weg.
Hoffen wir, dass die Praktiker in den Schulen und Bildungsministerien neben diesem falschen Signal auf pragmatischem Weg eine Verbesserung des Bildungssystems zu erreichen, in dem an den Details gearbeitet wird.
Zuletzt darf nicht vergessen werden, dass der Internationalisierungstrend dazu führt, ein Ingenieursstudium als etwas Veraltetes zu sehen und stattdessen auf international vergleichbare Studiengänge wie Bachelor und Master zu setzen. Die deutschen Erfolge in der Ingenieursdisziplin sollten aber deutlich machen, dass Radikalreformen gar nicht nötig sind.
Das deutsche Bildungssystem ist besser als sein Ruf. Vielleicht sollte man einfach an letzterem arbeiten, statt alles von Grunde auf neu definieren zu wollen.

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