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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Blickwinkel
Eingestellt am 19. 03. 2006 15:11


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PĂŒnkelchen
Hobbydichter
Registriert: Mar 2006

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Er saß in seinem Ohrensessel und schaute sich eine Fernsehsendung an. Er saß jeden Nachmittag um diese Zeit in seinem Ohrensessel und schaute sich eine Fernsehsendung an. Er fand das ziemlich langweilig. Er beschloss daher, diesen Nachmittag eine Ausnahme zu machen. Es sollte ein ganz besonderer Nachmittag werden. Er machte den Fernseher aus, erhob sich schwerfĂ€llig aus dem Sessel, griff nach seinem Stock und humpelte Richtung TĂŒr, ohne ein bestimmtes Ziel zu haben. An der Kommode neben der TĂŒr blieb er stehen und betrachtete das Foto, das er auf ihr platziert hatte. „Ach, Berta“, seufzte er, „ was mache ich eigentlich noch hier ohne dich? Mit dir war es mir nie langweilig“, er kicherte.
Sie hatte es mal wieder sehr eilig. Mit der einen Hand hielt sie Gabel und schaufelte das Mittagessen in sich rein, wĂ€hrend sie mit der Anderen Hand das Telefon ans Ohr halten musste. „Ja Hannah“, quetschte sie zwischen zwei Bissen hervor, „ich bin dann gleich bei dir“. Kurz darauf hörte man auch schon die HaustĂŒr ins Schloss fallen. Sie schwang sich auf ihr Fahrrad und war weg.
Er war nun schon bei der HaustĂŒr angelangt. Draußen schien die Sonne . Als er ins Sonnenlicht trat und einen Blick auf die blĂŒhenden Kirsch und ApfelbĂ€ume in seinem Garten, warf, die Berta immer so inbrĂŒnstig geliebt und gepflegt hatte, fĂŒhlte er die Lebensfreude förmlich in sich hinauf klettern. Er ließ sich auf der Holzbank nieder, die er vor einigen Jahren fĂŒr sich und Berta gebaut hatte und lauschte dem Gezwitscher der Vögel, welche sich in seinem Garten tummelten. Nach einer Weile kam auch ‚Schröder der streunende Kater’, wie Berta den Kater ihrer Nachbarn getauft hatte, vorbei, und leistete ihm Gesellschaft. „ Nein“, dachte er, „einsam bin ich nicht“.
Schon völlig erschöpft, von der schnellen Fahrt, nahm sie widerwillig den Berg zur Kenntnis, der sich jetzt vor ihr erstreckte. Kurz spielte sie mit dem Gedanken zu schieben, aber schon sehr schnell fiel ihr wieder ein, dass sie Hannah versprochen hatte pĂŒnktlich zu sein. Außerdem, warum sollte ausgerechnet sie vor so einem lĂ€ppischen HĂŒgelchen kapitulieren?? Vom Ehrgeiz gepackt beschloss sie den Berg in einer Rekordgeschwindigkeit zu bewĂ€ltigen: „ In fĂŒnf Minuten bin ich oben bei dem Haus mit dem schönen Garten“, nahm sie sich vor.
„Ich sollte öfter mal an die frische Luft gehen“, sagte er sich. „Und vielleicht lade ich mir auch mal wieder Besuch ein“, er war in Hochstimmung. Aber wen? Er hatte keine Kinder und seine ehemaligen Freunde hatte er durch sein Einsiedlerleben gehörig vergrault.. Das musste aufhören. Er musste wieder mehr auf Menschen zugehen. Mit Berta an seiner Seite war das einfacher gewesen. Sie hatte immer VerstĂ€ndins fĂŒr seine etwas eigene Art aufgebracht und hatte diese gegenĂŒber Anderen durch ihr durch und durch liebes, fröhliches Wesen kompensiert. Trotzdem musste er wenigstens einen Versuch wagen.. Er wusste gar nicht mehr, wie es war, sich selber sprechen zu hören, so lange hatte er seine Stimme nicht mehr benutzt. „Hallo“, sagte er ganz zaghaft, aber es hörte sich mehr wie in Gurgeln en. Er hustete. „Hallo“, versuchte er es noch mal.
Jetzt waren es nur noch ein paar Meter. Zu ihrem Stolz war sie die Strecke bis hier hin sogar in drei Minuten und vierundvierzig Sekunden gefahren. Sie strahlte ĂŒbers ganze Gesicht. Aber da war doch etwas? Irgendjemand hatte gerufen??? Das Rufen wurde immer Lauter und jetzt, wo sie nĂ€her kam, verstand sie auch was gerufen wurde: Jemand rief „Hallo!“. Verwirrt versuchte sie den Urheber des Rufens ausfindig zu machen. Unter einem Baum in dem schönem Garten saß ‚Opa Geheimnissvoll’, wie sie ihn bei sich nannte, weil sie ihn schon desöfteren in dem Garten hatte herumstreichen sehen , jedoch niemanden kannte, der jemals ein Wort mit ihm gewechselt hatte, geschweige denn ihr irgendwas ĂŒber ihn erzĂ€hlen konnte, und rief voller Enthusiasmus „hallo“, ohne das irgendjemand in der NĂ€he gewesen wĂ€re, dem sein Geschreie gegolten haben könnte. „ Einen wunderschönen Guten Tag, Opa Geheimnisvoll!!“ schrie sie gut gelaunt zurĂŒck und setzte ihren Weg belustigt aber unbeirrt fort.
Er hörte abrupt mit seinen ‚SprachĂŒbungen’ auf. Was war das? Da hatte doch jemand geantwortet!! „Einen wunderschönen Gute Tag“, hatte ihm das MĂ€dchen gewĂŒnscht. Und wie hatte er sie genannt? Opa Geheimnisvoll? Ein warmes GefĂŒhl durchdrang ihn. Er kicherte. Wenn das kein Zeichen war!! Er kicherte wieder. Opa Geheimnisvoll.. so wurde er also von dem MĂ€dchen wahrgenommen, geheimnisvoll, und das obwohl er der wohl langweiligste Mensch war, den er kannte. Er kicherte wurde immer lauter und ein paar SpaziergĂ€nger hielten, die zufĂ€llig des Weges kamen blieben verdutzt am Wegesrand stehen. „ Einen wunderschönen Guten Tag“, rief Opa Geheimnisvoll ihnen zu und brach in einen hysterischen Lachanfall aus. Vom Lachen geschĂŒttelt nahm er seinen Stock und humpelte wieder ins Haus. Als er sich ein paar Stunden spĂ€ter im Bett wieder fand lĂ€chelte er immer noch ĂŒber das ganze Gesicht. Die LachanfĂ€lle begleiteten ihn noch ein paar Wochen lang und hin und wieder kam er sogar mit SpaziergĂ€ngern, denen er „einen wunderschönen Guten Tag“ wĂŒnschte ins GesprĂ€ch. Dieser Nachmittag war wirklich etwas Besonderes geworden

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