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Leselupe.de > Erzählungen
Blind Date mit Dom Perignon
Eingestellt am 18. 07. 2002 10:52


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Amalaswintha
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Blind Date mit Dom Perignon

Seit zwei Stunden sitzen wir uns in einem Hotelzimmer gegen√ľber. Ich auf dem einzigen, schmalen Sessel neben dem kleinen runden Tisch. Er auf dem Rand des breiten franz√∂sischen Bettes. Einzig die Lampe auf dem Nachttisch verbreitet ged√§mpftes Licht. Das Radio s√§uselt leise unbeachtete Musik.

Nerv√∂s habe ich meine Beine √ľbereinander geschlagen, wippe mit dem zierlichen schwarzen Pump der nur noch an meinem gro√üen Zeh h√§ngt und versuche die Konversation √ľber Pasta und Pizza und Lucrezia Borghia aufrecht zu erhalten. Als w√ľssten wir nicht beide, warum wir uns, in heimlich gestohlener Zeit, hier getroffen haben. Aber ich bin noch nicht bereit, nippe ab und zu an meinem Prosecco und versuche im Zeitraffertempo Vertrauen zu ihm zu fassen. Er versteht und l√§√üt mir die Entscheidung √ľber den richtigen Zeitpunkt.

Mein Blick streift √ľber seine gepflegte Hand, die das Weinglas h√§lt. Ich frage mich, wie sich diese Hand wohl anf√ľhlt, wenn sie √ľber meine nackte Haut streichelt. Er sieht gut aus. Gro√ü, sportliche Figur, dunkle Haare und graublaue Augen. Wirkt trotz seiner fast vierzig Jahre sehr jungenhaft, das mag an den vollen Haaren und dem verschmitzten L√§cheln liegen.

Sein L√§cheln, sein Mund, seine Lippen. Sinnliche Lippen. Ich m√∂chte sie k√ľssen. Mutwillig f√§llt mir der Schuh vom Fu√ü. Sein Blick folgt dem leisen, ged√§mpften Fall. Er beugt sich vor und stellt sein Weinglas auf das Tischchen neben meinem Sessel. Dabei kommt er mir sehr nahe, ich sp√ľre seine W√§rme, rieche den Duft seines After Shaves, f√ľhle seine m√ľhsam beherrschte Leidenschaft. Er will mich. Er ist ungeduldig. Ich habe es ihm nicht leicht gemacht.

Es hat ihn viele Wochen Zeit gekostet mich zu diesem Blind Date zu √ľberreden. Nein, das ist nicht ganz die Wahrheit. Sagen wir es hat mich viele Wochen Zeit gekostet so zu tun als str√§ubte ich mich.

Wir trafen uns beim Chatten, zelebrierten dies stundenlang, t√§glich, √ľber Wochen hinweg. Wir verstanden uns von Anfang an auf einer bestimmten Ebene erstaunlich gut. Haben in der perfekten Anonymit√§t des Internets unbefangen unsere geheimsten sexuellen W√ľnsche und Phantasien ausgetauscht.

Wir sind beide seit Jahren verheiratet. Wir suchen keine Liebesbeziehung. Wir wollen den Kitzel, die Erregung, die Leidenschaft einer heimlichen, verbotenen, unmoralischen Affäre. Ich verbanne das Wort Betrug aus meinem Kopf. Diese Entscheidung ist längst gefallen.

Es sollte ein echtes Blind Date werden. Wir tauschten keine Bilder aus. Wir sahen uns zum ersten Mal, als er mir vor zwei Stunden die T√ľr zu seinem Hotelzimmer √∂ffnete. Wir kannten uns so gut und doch waren wir uns fremd. Ein v√∂llig neues Gef√ľhl, zu sehen mit wem man es die ganze Zeit zu tun hatte. Die wohl oft untersch√§tzte Schwierigkeit, das Bild welches einem die Phantasie gemalt hat abzulegen und die Realit√§t anzunehmen. Zum Gl√ľck keine entt√§uschende Realit√§t. Wir gefielen uns auch optisch.

Nun sitze ich hier. Unrealistische Realit√§t. Sein Handr√ľcken streift elektrisierend meinen Arm als er das Glas abstellt. Eine knisternde Spannung liegt in der Luft. Eine Hitze, die nicht √§u√üerlich ist. Ungek√ľsste K√ľsse. Gedachte Ber√ľhrungen. Uneingel√∂ste Versprechen. Virtuelle Phantasien.

Ich setze mich neben ihn auf das Bett. Ganz nah. Sp√ľre ihn, atme seine Sinnlichkeit. Er streicht mir z√§rtlich das Haar aus dem Nacken, k√ľsst sehr sanft meinen blo√üen Hals. Wie so oft, wie noch nie. Sein Mund sucht den meinen. Ein Kuss, niemals z√∂gerlich, sehr fordernd, mehr fordernd, alles verlangend.

Er dr√ľckt mich auf das Bett, nimmt Besitz von mir. Ich erlebe ihn mit allen Sinnen. Ich gebe und nehme. Mein Zeitgef√ľhl geht verloren. Meine Beherrschung auch. Er kennt und erf√ľllt meine Begierden so wie ich die seinen. Er ist berauschend wie der Champagner dessen Namen er im Chat tr√§gt. Dom Perignon.



__________________
Ich schreibe also bin ich

Version vom 18. 07. 2002 10:52

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Stoffel
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Hallo,

Du hast mir Bilder geliefert,konnte ich alles gut nachvollziehen und f√ľr mich stimmt das so.Habe doch noch einige Gedanken/Anmerkungen dazu.Und es klingt alles sehr realistisch.

Ihr trinkt BEIDE Prosecco,nehme ich an?
"..Hand die das/sein Glas hält..."
Es wird kein WEIN-glas sein,das er hält.

"Wir sind beide seit Jahren verheiratet UND suchten keine..."?
Dreimal "wir" w√§re f√ľr mich etwas zu viel.

"Wir SEHNTEN uns beide nach dem Kitzel..."?
Wenn man lange verheiratet ist und manches zu kurz kommt,kann man sich schon nach etwas SEHNEN.

"Wir waren Fremde und kannten uns doch so gut"?

fordernd/verlangend?

"doch die einstige Leidenschaft flaut schnell ab"

"Die Liebe fehlt"

Sag mal,bei solch einer besonderen Begegnung,da w√§re es doch angebracht von Champagner zu schreiben,statt Prosecco.Der ist zu "billig" f√ľr so etwas.Oder?:-)

Stoffel


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Amalaswintha
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Hallo Stoffel..!!

Danke erst mal f√ľr Deine Reaktion.
Meines Wissens trinkt man Prosecco aus dem Weinglas...außerdem dachte ich mir...dass die meisten Hotelzimmer wohl nicht gerade mit einem kompletten Gläsersortiment ausgestattet sind...!!
Habe auf den Champagner wohlweislich verzichtet...wollte es nicht √ľbertreiben...w√§re vielleicht doppelt gemoppelt...(*g*)...wegen dem Namen meines Akteurs...!!

Liebe Gr√ľ√üe
Amalaswintha
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ElsaLaska
Guest
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Liebe Leute!

Liebe, liebe, liebe Leute!
Prosecco trinkt man aus einem Sektglas, bitteschön.

Im √ľbrigen ist weiter nichts dabei, Prosecco zu trinken, es gibt hervorragende Prosecco-Sorten, die nicht gerade billig sind, √§hnlich wie beim deutschen Sekt, dort gibt es auch Abstufungen von superbillig bis exklusiv.

Nur, dass dann der Dom Perignon kommt, zwar nicht als Getränk, sondern als Name, das hat mich irgendwie gestört.

Das nur schnell dazu!
LG
Elsa

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Amalaswintha
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Hallo Elsa...!!

Wollte nat√ľrlich mit meiner Geschichte keine Diskussion √ľber Prosecco ausl√∂sen...!!*lach* Mir schmeckt er auch aus einem Wasserglas...nur so am Rande bemerkt...!!

Liebe Gr√ľ√üe
Amalaswintha
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Stoffel
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also:
der "Dom" ist ja schon gehobene Klasse(?)
Wenn dann SO ein besonderes Date,da hätt sich doch der "Chat-Dom P." etwas ganz tolles ausdenken können und KEINEN Pro-secco ordern können,sondern, seinem Chatnamen gleich - den "D.P."
Oder was?
Da lässt sich doch einer,der so aussieht wie der - nicht lumpen. *g*

Es können, aber NATÜRLICH dann - auch Zahnputzgläser sein(wäre eine gute Idee) aus denen dieser edle DOM getrunken wird.??

Und zum Schluss.
Wenn er sich im Chat diesen Namen gibt,könnte ja auch "Veuve Gliquot"sein,dann sollte doch erst einmal der Name halten,was er verspricht.

Aber-es ist Deine Geschichte.:-)

Stoffel

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