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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Bonnie und Clyde
Eingestellt am 21. 10. 2002 22:35


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tinchen
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2002

Werke: 15
Kommentare: 9
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Er sah sie die letzten Treppenstufen zum Strand so schnell nehmen, daß er fast schon befĂŒrchtete, sie könnte hinfallen. Voller Energie rannte sie auf den Ozean zu, streckte ihre Arme aus, wie um die ganze Welt zu umarmen. Sie drehte sich zu ihm um: „Na, komm schon. Endlich sind wir wieder hier. Und es ist noch tausendmal schöner als in meiner Erinnerung.“ Schmunzelnd kam er ihr entgegen und fing bei ihrem strahlenden LĂ€cheln auch an schneller zu gehen.
SpĂ€ter als auch die anderen mit den GetrĂ€nken in der Hand und einer Decke auf der Schulter zu ihnen gestoßen waren, hatte auch er diese ganze, fast unbeschreibliche AtmosphĂ€re wieder in sich aufgenommen.
Der leuchtende Strand, der sich hell von der dunklen Nacht abhob, eingegrenzt von meterhohen Klippen. Und davor das Meer. Weite, Unendlichkeit.
Er war wieder hier. Und er war mit ihr hier.
Vor einem halben Jahr etwa hatte alles angefangen. Doch richtig hatte es auch noch nicht begonnen. Voller Sehnsucht schaute er zu ihr herĂŒber:
An seinen Freund gelehnt saß sie in Gedanken versunken auf der Decke und bewegte sich nur, um einen Schluck aus der Weinflasche zu nehmen oder an ihrer Zigarette zu ziehen. Ihr langen blonden lockigen Haare wehten mit jedem kleinen Windhauch. Ihre Augen schienen die unendliche Weite des Meeres zu fixieren. Ihr Gesicht spiegelte eine fast schon nicht mehr ĂŒbertreffbare innere Zufriedenheit wieder, die sich auch an ihrem zu einem sanften LĂ€cheln verzogenen Lippen zeigte.
Sie war so schön, als sie sich mit ihren Fingern die widerspenstigen Haare hinter die Ohren strich. FĂŒr ihn war sie die schönste Frau auf der ganzen Welt. Er wusste, das er damit ĂŒbertrieb, sie wahrscheinlich nur durchschnittlich aussah, doch ihre Ausstrahlung ließ auf jeden Fall nicht nur ihn schwach werden. Zu gerne hĂ€tte er gewusst, woran sie gerade dachte. Da schaute sie auf und sah ihn an: "Schön, nicht wahr?“ sagte sie und ließ sein Herz fast explodieren als sie ihn mit einem dieser wunderbaren LĂ€cheln beglĂŒckte.
Er lĂ€chelte zurĂŒck und hielt ihrem Blick stand, versank in ihren blauen Augen, die glitzerten vor lauter GlĂŒcksgefĂŒhlen.
„Hey, Jungs“ sprang sie mit einem Satz auf und beendetet seinen Moment der totalen Sehnsucht. „Wisst ihr noch, das letzte mal als wir hier gerade angekommen waren? Ich meine, unser erster Abend am Strand, als ihr mich fĂŒr total verrĂŒckt erklĂ€rt habt, dann aber doch auf eine meiner weltbesten Ideen eingestiegen seid?“ Und diesmal musste sie nicht mit der Gegenwehr der anderen rechnen und alle entkleideten sich um das Meer nun richtig zu begrĂŒĂŸen.
„Hey, was ist mit dir?“ sah sie ihn, der trotz des allgemeinen Tatendrangs sitzen geblieben war, fragend an. „Ich komme gleich nach, geh ruhig schon mal vor.“ antwortete er ihr und sah ihr nach wie sie mit einem leichten Seufzen dem kĂŒhlen Nass des Ozeans begegnete und mit den anderen eine wilde Wasserschlacht begann.
Das letzte mal als sie hier gewesen waren. Dieser Satz ließ ihn nicht mehr los. Er strich sich durch seine dunklen Locken, als er sich zurĂŒck erinnerte. Gut verstanden hatten sie beide sich schon fast immer. Und seine momentanen TrĂ€ume waren auch schon einmal Wirklichkeit geworden. Aber damals als sie nach einer Party nicht mehr die Finger voneinander lassen konnten, war alles noch so anders gewesen. Es war von Anfang an wie eine geheime Absprache gewesen, das dieser Abend einzigartig sein wĂŒrde, sie danach weiterhin nur gute Bekannte sein wĂŒrden.
Ja, und dann kam ihr letzter Aufenthalt in diesem Paradies. Schon bevor es losgegangen war, hatten sie sich immer besser verstanden. Oft auch ohne Worte einer Meinung. In den 4 Wochen waren sie immer weiter zusammen gewachsen, hatten zusammen gelacht, sich Geheimnisse anvertraut, zusammen geschwiegen.
Und dann war da diese Geschichte mit Bonnie und Clyde gewesen. Es war ein Abend in der ersten Woche, die sie hier verbracht hatten. Er schĂŒttelte in Erinnerung an diesen Abend seinen Kopf und seufzte leise. Es war einer von diesen Abenden gewesen, an denen sie mit den anderen zusammen gesessen hatten, aber irgendwie doch alleine gewesen waren. Wie eine eingeschworene Macht, wie die besten Freunde, wie ein Paar. Doch damals hatte er doch noch eine Freundin und sie waren doch nur gute Freunde. So sagte sie spĂ€ter am Abend zu ihm, das sie beide in einem anderen Leben das perfekte Paar wĂ€ren, so wie Bonnie und Clyde: verrĂŒckt und verliebt, Hauptsache zusammen. Noch spĂ€ter an diesem Abend hatten sie voreinander gestanden, sich in den Armen gelegen und sich gekĂŒsst. Er schloss die Augen, um sich wieder zu fĂŒhlen, wie bei diesem kurzen Kuss. Kurz, weil sie dann beide gestoppt , sich angeschaut hatten und sagten, das es doch alles nur verkomplizieren wĂŒrde, ihre Freundschaft, seine Beziehung, die noch kommenden Wochen.
Er lachte auf bei dem Gedanken. Das dies damals die richtige Entscheidung gewesen war, auf jeden Fall fĂŒr den Moment. Und dieser Augenblick hatte nichts zwischen ihnen zerstört. Er hatte die innere Verschworenheit noch verstĂ€rkt.
Und dann, vor ca. einem halben Jahr, sie waren schon wieder zu hause angekommen, saßen sie zusammen, hatten auf die anderen gewartet, zusammen Kaffee getrunken. Da war es passiert.
Er hatte wie immer mit ihr gesprochen, ihr erzĂ€hlt, was er am Wochenende doch tolles mit seinen Freunden erlebt hatte. Sie saß ihm gegenĂŒber, lachte gerade ĂŒber seine Beschreibung der Geburtstagsparty seines Freundes als er auf einmal stockte. Sie ansah und sein Herz klopfte. Sie sah wunderbar aus an diesem Montag Abend, trug einen schwarzen Pulli zu ihren neuen Jeans, die sich eng an ihre HĂŒften schmiegten. Ihre Augen funkelten wĂ€hrend sie lachte. Sie erhellte den ganzen Raum mit diesem Lachen. Er wusste nicht mehr wo er hin schauen sollte, was er als nĂ€chstes sagen sollte, so verwirrt war er.
Seitdem war alles anders. Seitdem waren sĂ€mtliche Augenblicke mit ihr unvergesslich geworden. Ihre Art zu lĂ€cheln brachte ihn zum schwitzen. Und wenn sie ihm in die Augen sah, fĂŒrchtete er den Verstand zu verlieren. Er wusste nicht wie viele Bonnie und Clyde Versionen ihn schon nachts verfolgt hatten.
Als sie ihm erzĂ€hlte, das sie nochmals hier her wolle, und sagte, das sie sich wĂŒnschen wĂŒrde, das er mit dabei wĂ€re, war fĂŒr ihn die Welt perfekt.
„Hey, TrĂ€umer, du warst ja noch gar nicht im Wasser“ weckte ihn ihre Stimme aus seinen Gedanken an sie. „Und jetzt ist es zu spĂ€t, die andern machen schon schwach und wollen schon wieder hoch zur Bar.“ sagte sie mit einem enttĂ€uschten Gesicht. „Na, ja. Aber hast du Lust noch ein bisschen mit mir hier sitzen zu bleiben? Ich will nur kurz hoch gehen und mir was warmes anziehen.“ „Klar, können wir machen, bring doch noch eine Flasche Wein mit.“
Sie nickte und wickelte sich in ihr warmes Handtuch ein.
Als auch die anderen sich von ihm verabschiedet hatten, er ganz alleine war, stand er auf, nachdem er sich seine Schuhe ausgezogen hatte und ging auf dass Meer zu. Sie verwirrte ihn, besonders in der letzten Zeit. In manchen Momenten, hatte er sie angeschaut und ihm war als hĂ€tte sie ihn beobachtet. In anderen Momenten, wenn er nur den kleinsten Versuch wagte, sich ihr zu nĂ€hern, zum Beispiel kurz ihre Hand festhielt, glaubte er bemerkt zu haben, wie sie sich versteifte, so das er sie wieder losließ. Er sehnte sich so danach sie zu berĂŒhren, sie zu kĂŒssen, das ihm in manchen Momenten fast schwindelig wurde, weil sie ihm gleichzeitig so nah doch auch so fern war. Und er bekam Angst, durch diese Versuche ihre Freundschaft zu riskieren. Er atmete tief ein. Er wusste einfach nicht was er machen sollte. Wahrscheinlich sollte er diese TrĂ€umerei endlich aufgeben, sich eingestehen, das eine Freundschaft zwischen ihnen, das Höchste war, was er erwarten durfte. Er schaute traurig auf das Meer.
Aber einen Versuch musste er noch wagen. Wenn nicht heute Abend, dann wĂŒrde er es auch sein lassen, aufgeben.
„Hey, woran denkst du denn die ganze Zeit?“ fragte sie. Er hatte gar nicht bemerkt, das sie auf ihn zugekommen war. “Du hast den ganzen Abend schon so nachdenklich gewirkt,“ sah sie ihn prĂŒfend an.
Er nahm ihre Hand, erwiderte ihren Blick und sagte nur: „Ich sehne mich nach Bonnie.“










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hoover
Guest
Registriert: Not Yet

Hi martina,

das ist mal wieder wunderschön. Sehr gefĂŒhlvoll, bist ziemlich romantisch. Immer die Sache mit dem Meer und dem Strand ... ach ja ... *schwelg*
*g*
Das ist echt schön, gefÀllt mir.

Liebe GrĂŒĂŸe
hoover

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tinchen
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2002

Werke: 15
Kommentare: 9
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Hallo Patrick!

Danke, das du mir geantwortet hast. Freu mich doch immer auf Nachrichten meines Lieblingskritkikers!
Findes das Meer birgt so viele Eigenschaften: stĂŒrmisch, gelassen, unberechenbar...
Und ich liebe es am Meer zu sein.
In Bezug auf die Romatik: Das ist das schöne am schreiben:Man kann Momente erleben, die in der RealitÀt so fern und unmöglich sind.

Lieben Gruß
Martina

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hoover
Guest
Registriert: Not Yet

Hi martina,

aber diese Momente mĂŒssen doch nicht unerreichbar sein. Jede Geschichte erzĂ€hlt irgendwo eine Wahrheit, auch wenn sie romantisch oder vielleicht kitschig klingt ;-)
Ich liebe Romantik und die Liebe, deshalb glaub ich auch an das, was ich lese und schreibe ... auch wenns kitschig ist ... hauptsache es klingt nicht erfunden und das tun deine Geschichten nicht.

Liebe GrĂŒĂŸe
hoover

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