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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Brief an Axel
Eingestellt am 18. 05. 2004 09:15


Autor
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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

Werke: 587
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Hallo Axel,
heute hatte ich einen Traum.
Meine Schwester Sonja klingelte an der T├╝re. Es war Samstag, so um 9 Uhr in der Fr├╝h. Ich ├Âffnete und erschrak, denn ich wusste, Karin schlief noch und Sonja und ihr Mann traten ein.
Der Brotkorb stand auf dem Esstisch und der Kaffee lief gerade durch die Maschine. Der frische Kaffeduft erf├╝llte den Raum und die Beiden setzten sich gleich an den Esstisch. Auf dem Weg hinter ihnen her nahm ich noch schnell die Socken auf, die vom abend vorher auf dem Teppich lagen. Das Badehandtuch schob ich mit dem Fu├č unter die Treppe und den Staub, naja ich musste dr├╝ber wegsehen, denn unm├Âglich konnte ich ihn jetzt w├Ąhrend ihrer Anwesenheit beseitigen.

Das Brot im Brotkorb hatte am Tag zuvor leider keine T├╝te gesehen und war nicht mehr, als ein paar hartgewordene Scheiben. Ich ├Âffnete den K├╝hlschrank und stellte die Wurst auf den Tisch in der Hoffnung, dass wenigstens diese noch frisch sei. Den Beiden stellte ich je eine Tasse hin
mitsamt dem Teller, nicht ohne vorher nachzusehen, ob noch Spuren darauf waren, denn Karin verga├č h├Ąufig das Salz f├╝r die Sp├╝lmaschine und entsprechend verhielt sich diese dann.
Der Kaffee war fertig und ich schenkte den Beiden und mir eine Tasse ein. Mein Schwager lehnte sich darauf zur├╝ck und lie├č seinen Blick zun├Ąchst auf den Aufschnitt und dann durch den Raum schweifen. "Ich habe schon gefr├╝hst├╝ckt!", sagte er, indem er meiner Schwester tief in die Augen sah.
"Sagtet ihr nicht, ihr k├Ąmet eben vom Boot?", fragte ich verwundert. Denn sie hatten ein protziges
Boot an der Anlegestelle am Fluss. Wir durften es sogar einmal besichtigen.
"Ja, schon!", lie├č meine Schwester vernehmen und nippte an ihrem Kaffee.
"Greift zu!" forderte ich sie freundlich auf, was Sonja dann auch tat. Unschl├╝ssig kreiste sie mit der Gabel ├╝ber die Wurstscheiben und bat mich um Marmelade.
Ich sah nochmal in den K├╝hlschrank und tats├Ąchlich, dort stand ein Glas. Ich brachte es sogleich auf den Tisch. Meine Schwester freute sich, denn scheinbar mochte sie diese sehr gern. Es h├Ârte sich etwas seltsam an, wie sie die Butter ├╝ber das harte Brot kratzte. "Oh,", staunte sie, "diese Marmelade hat aber viele Fr├╝chte!", und das schien ihr zu gefallen und als ich die Wurst auf meine Schnitte legen wollte, sah ich diese gr├╝nen R├Ąnder und entschied mich ebenfalls f├╝r die Marmelade.
Leon stellte fest: "Karin schl├Ąft wohl noch!", und gerade, als ich den Mund ├Âffnete, um ihm zu antworten, betrat sie den Raum, rieb sich den Schlaf aus den Augen und t├Ânte: "Hallo, so fr├╝h am Morgen schon Besuch?", dann schnappte sie sich ein Messer und einen Teller und bestrich sogleich eine Brotscheibe mit Butter.
Alle sahen ihr dabei zu, wie sie die Wurstr├Ąnder mit dem Schimmel abschnitt und sich den Senftopf holte.
"Glaubst du, die Wurst kann man noch essen?", begann vorsichtig meine Schwester die ersten zaghaften Worte
mit ihr zu reden. "Nat├╝rlich!", gab sie selbstsicher zu verstehen, "mit dem Senf schmeckt man das nicht!".
Neugierig sah sie uns dabei zu, wie wir unser Marmeladenbrot verspeisten.
"Schmecken euch denn die Prei├čelbeeren auf dem Brot?", wollte sie wissen.
Mein Schwager las die Beschriftung und lachte uns aus. Und ich sch├Ąmte mich wegen Karin. Aber der schien das nichts
auszumachen. Sie lachte sich halbtot mit ihren dicken Socken, ihren ungek├Ąmmten Haaren und dem langen T-shirt
mit dem sie aus dem Bett gekrochen war.

Entschuldige, dass ich dir das schreibe, aber ich musste es mal los werden. Und Gottseidank war es nur ein Traum.



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