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Leselupe.de > Erzählungen
Bruno Brühl
Eingestellt am 03. 09. 2002 14:34


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mickmagick
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Aug 2002

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Wie waren ihre Namen? Was liegt daran! Wo waren sie? In der Bottroper städtischen Sauna. Wohin gingen sie? Irgendwie auseinander. Also! Zunächst sprachen sie nichts. Dann bemerkte der eine (das war so ein Grauer und Ernster):

"Ich denke oft an Bruno Brühl, besonders in der letzten Zeit und auf den Bahnhöfen!"

"................"

"Jetzt fragen Sie doch schon: Wer ist Bruno Brühl?! Ja? Nun! Irgendein Mensch! Um genauer zu sein: ein Junge von 5 Jahren. Mit 5 Jahren ist er gestorben. Auf einem Bahnhof. Ich war damals 6 Jahre alt."

"Das ist also lange her!"

"Und ob das lange her ist. Manchmal aber denke ich: Es war gestern! Gestern - denke ich mir - starb Bruno Brühl auf dem Recklinghäuser Hauptbahnhof!"

"Sie sind also aus Recklinghausen?"

"Richtig!"

Nun, der Badewärter Fritz (steifbeiniges Original) kam dazwischen mit dem Aufguß. Wasser zischte auf den glühenden Kieseln. Dampf stieg hoch. Fritz wedelte mit dem Handtuch, stelzte aus der Schwitzkammer.

"Ich habe Bruno Brühl bewundert. So ein scharzlockiger, munterer ... Und ... Nein! Das sollte ich nicht sagen. Doch! Der Bruno sagte Wörter, die ich nicht sagen durfte. Er war schon ein feines Kerlchen. Ich war auch ein feines Kerlchen, so ein wohlerzogenes, das böse Wörter nicht in den Mund nehmen durfte. 'Pisse! Scheiße!' - 'Darfst Du das zu Hause sagen?'`- 'Ich glaub schon. Das is doch nix Schlimmes.' Und dabei turnte Bruno unentwegt an dem kunstgeschmiedeten Gitter des Gartentores. Es war 1938 im Hochsommer.

'Kommst Du morgen wieder?' - 'Vielleicht!'

Bruno kam nicht wieder. Am 28. August warf im Recklinghäuser Hauptbahnhof seine Mutter Lina Brühl sich und ihr jüngstes Kind vor den einfahrenden Schnellzug. Vorher hatte Lina Brühl - dunkle, zarte Frau - sich sonntäglich gekleidet und auch ihrem Liebling den Sonntagsanzug angezogen.

Heute morgen war ich auf dem Recklinghäuser Hauptbahnhof.
Bahnsteig 1: Fahrtrichtung Essen - Frankfurt
Bahnsteig 2: Fahrtrichtung Bottrop - Oberhausen

Natürlich hatte ich Bruno damals ganz schnell vergessen. Meine Mutter ('Mama, ist der Bruno jetzt im Himmel?'), also meine Mutter erzählte irgendwann einmal, Lina Brühl sei aus dem Haus gestürtzt, ihr Mann - hinter ihr her - habe einen Gegenstand nach ihr geschmissen. Und von da ab habe Lina Brühl keinem Nachbarn mehr in die Augen sehen können. Habe immer zu Boden geblickt. Denn die Nachbarn kannten alle sich in der Siedlung.

Aber da langweile ich sie in der Sauna. Und überhaupt! Wie komm ich dazu, hier von Bruno Brühl zu sprechen, der jetzt hier sitzen könnte, wenn ... Überhaupt! Wie komme ich dazu, mich an Bruno Brühl zu erinnern?

by HB

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