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Leselupe.de > Ungereimtes
Bücherwurm
Eingestellt am 20. 07. 2001 10:15


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sailor
Hobbydichter
Registriert: Mar 2001

Werke: 34
Kommentare: 44
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erlesen

kahler Raum, spartanisch
kaum Zimmer zu nennen
Schrank, Stuhl, altes Sofa
vom Sperrmüll
aufgelesen

an den Wänden, braungelb
bizarre Nikotingemälde
kleines Fenster, halbblind
selten geöffnet
er liest

auf dem Boden, gestapelt
Bücher, - nie gezählt
zwischen Seiten, abgelegt
Notizen, verblasst
zerlesen

in fahlem Licht, flimmernd
blaue Luft, verbraucht
Stille, atemlos
Staub, aufgewirbelt
ungelesen

die ganze Welt, gebunden
auf vier Metern mal zwei
Zeitalter, endlos
in einem Leben
erlesen?

Tod ist im Raum
hundertfach
ständig präsent
in jedem Buch
gelesen

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urte
Autorenanwärter
Registriert: Oct 2000

Werke: 3
Kommentare: 221
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anderer Bücherwurm

Hallo, sailor,
das ist ein sehr besonderes Gedicht, das wie andere von Dir wieder einmal sehr knapp und präzise eine ganz eigene - beklemmende - "Welt" einfängt: 10 Punkte.
Da ich mal ein harmlos-satirisches Gedicht mit demselben Titel gemacht hatte, habe ich es auch nochmal gepostet und Deins dort empfohlen.
Freundliche Grüße, Urte
__________________
(C)Urte Skaliks-Wagner

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Birgit Kachel
Hobbydichter
Registriert: Feb 2001

Werke: 52
Kommentare: 285
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Hallo Sailor,

ein interessantes Thema in einem nicht perfekten, doch auch stimmungsmäßig durchaus interessantem Gedicht.

Sehr schön dabei die Wiedergabe der Nikotingebilde an den Wänden, das halbblinde Fenster, der Staub... (ich sehe den Raum vor mir wie auch die Vergeblichkeit)

Sag mal, gibt es ihn noch, den hungernden Lebenskünstler? Obwohl Lebenskünstler hier wohl schon das falsche Wort ist. Düster jedenfalls sind die Umstände des Lesenden, wie lebendig begraben... wonach sucht er zwischen den Zeilen?

Aufmunternde Grüße

Birgit




__________________
"Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man kann" (M.Ebner-Eschenbach)

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sailor
Hobbydichter
Registriert: Mar 2001

Werke: 34
Kommentare: 44
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Hallo zusammen,

dank euch für eure lieben Kommentare, besonders dir, urte, für die Werbung in deinem „Bücherwurm“. Hier klicken Gefällt mir übrigens auch sehr gut. Ein Wiedererkennungseffekt stellt sich ein. Ähnliche Worte höre ich fast jeden Monat.
@ Brigitte
Das Gedicht ist nicht ganz perfekt, klar. Das mag daran liegen, das ich mir über Perfektion überhaupt keine Gedanken mache. Du weißt, ich bezeichne mich selbst nur als Verseschmied, nicht als Dichter. Was ich möchte, ist Stimmungen vermitteln, und das scheint mir ja in diesem Fall gelungen zu sein.

Zu deiner Frage: Doch es gibt ihn, diesen Typen. Zwar nicht gerade hungernd, aber hungrig, wenn nicht gar süchtig nach immer neuem Lesestoff. Er kennt nur seinen Arbeitsplatz, die Buchhandlung bzw. Bibliothek und sein mit allerlei Gerümpel möbiliertes Zimmer. Er liest ca 150 Bücher im Jahr und es gibt immer noch so viele, von deren Existenz er noch nicht einmal weiß. Bücher als Droge? Gibt’s auch! Er setzt sich sich lieber mit der (scheinbaren) Welt in seinen Büchern auseinander, als sich um seine eigenen Unzulänglichkeiten zu kümmern. Realitätsflucht sozusagen. Und es vernebelt ihm genauso das Hirn wie Koks oder LSD. Die Gesundheit geht zum Teufel, sein ganzes Geld geht für Bücher, Zigaretten und Kaffee (...nur nicht einschlafen, bevor das Buch nicht zu Ende gelesen ist..) drauf. Aber es gibt auch auch diese „Kicks“, wenn er mal wieder ein wirklich gutes Buch in die Hand bekommt. Dann ist es ihm egal, in was für einer Bude er haust, ob er am nächsten Tag noch Arbeit oder was zum Essen hat oder was auch immer.

Gruß und ahoi
sailor

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Christoph M. Mühlmann
???
Registriert: Aug 2000

Werke: 7
Kommentare: 19
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sehr stimmungsvoller text , man spürt die atmosphäre fast schon körperlich - nicht mehr aus der distanz des lesers nur sehend ,
gefällt mir !

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Birgit Kachel
Hobbydichter
Registriert: Feb 2001

Werke: 52
Kommentare: 285
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Hallo Sailor!

Es gibt ihn wirklich? Ich bin sprachlos. Und möchte mehr wissen. Wie alt ist er? Wie schaut er aus? Hat er einen Bart? Hat er die Gicht? Oder ist er ganz jung, blutleer ein bischen, mit wirrem Blick und fahrigen Händen? Ist er ein Punk? Ist er ein Faun? Was waren seine letzten Sätze, die er gesprochen hat? Im wievielten Stock wohnt er? Wohnt er oben? Wohnt er im Keller? Wohnt er hinter einer Wäscherei?

Jetzt siehst du, was du angestellt hast mit deinem Bücherwurm! Ich melde mich wieder, wenn nicht morgen, dann bald.

Ahoi und Gruß

Birgit
__________________
"Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man kann" (M.Ebner-Eschenbach)

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