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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Charly, ein neues Familienmitglied
Eingestellt am 26. 02. 2003 10:35


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

Werke: 587
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Wir erwarteten Charly, diesen kleinen blonden Jungen, dessen FĂŒĂŸe leicht nach außen zeigten, der nicht sprach, obwohl er es konnte und der mit seinen blauen Augen einfach sĂŒĂŸ aussah. Ich hatte ihn bisher erst einmal gesehen und musste ihn sofort in meine Arme schließen. Er schĂŒttelte zwar hinterher seinen blonden Schopf, aber er wusste dass ich ihn mag und das war mir wichtig.

Vor einer Woche brachten die Leute vom Jugendamt ihn und seine Mutter mit, um Kontakt mit uns Pflegeeltern aufzunehmen. Charly spielte, wĂ€hrend bei den Erwachsenen ĂŒber sein Schicksal entschieden wurde, mit Roger im Legokeller mit der Eisenbahn.


„Wie wollen wir es anstellen, dass Charly sich bei uns eingewöhnt, wenn er gleich kommt?“ fragte mich Leon.
„Das ist doch ganz einfach!“ antwortete ich ihm, „Wir lassen ihn einfach so lange fersehen, bis er mĂŒde wird und einschlĂ€ft!“


Da saßen wir nun alle mit unserem neuen Familienmitglied um den Fernseher versammelt.
Neben mir saßen Charly und der Hund. GegenĂŒber sein neuer Papa und um die Ecke hatte Roger es sich gemĂŒtlich gemacht. Charly sah immer wieder auf Leon und ich hatte nicht den Eindruck, dass bei ihm das so befĂŒrchtete Heimweh auftreten könnte. Er machte einen recht zufriedenen Eindruck.

Der erste, der in seinem Bett verschwand, das war Roger, denn er musste am nÀchsten Tag in die Schule.
Der 3-1/2-jĂ€hrige Charly tat, was Leon tat: Er sah in den Apparat. Ob er dem Programm folgen konnte, wussten wir nicht, denn der Junge sprach kaum ein Wort, wie uns vom Jugendamt mitgeteilt worden war. Wir ließen ihn in Ruhe; er musste sich zunĂ€chst eingewöhnen. Waldi war bereits an seiner Seite eingeschlafen und trĂ€umte laut. Sein warmer Körper zitterte ab und zu und er gab einige Wuff-GerĂ€usche von sich.
Als auch mir langsam die Augen schwer wurden und ich sie nur noch mit MĂŒhe offen halten konnte, war Charly immer noch topp-fit. Er war ein zĂ€her kleiner Bursche. Leon sah, was mit mir los war und lachte: „Netter Vorschlag, den du da hattest! Na, geh schon schlafen, ich bleib dann noch auf!“
Dankbar fĂŒr diese Lösung, da die AusfĂŒhrung meines Vorschlags mich an den Rand meiner KrĂ€fte brachte, zog ich mich aus der AffĂ€re. Ich knuffelte Charly noch mal feste, streichelte den Hund, scherte mich dann an gar nichts mehr und suchte meinen Schlafplatz auf.

Als am nÀchsten Morgen der Wecker um 6.30 Uhr schellte, sah ich Charly, der neben Leon eingeschlafen war.
„Ich musste ihn ĂŒberreden, mit mir ins Bett zu kommen. Es ging bereits auf 3 Uhr zu und er war immer noch nicht mĂŒde.“ so Leons Aussage. Na und an diesem neuen Tag sollte ich mich um Charly kĂŒmmern.

Wir beide frĂŒhstĂŒckten gemeinsam und ich bemĂŒhte mich, mit Charly in einfachen SĂ€tzen zu reden.
Inzwischen verfolgte er wie der Hund jede meiner Bewegungen und achtete in der kommenden Zeit peinlich darauf, dass der Tagesablauf sich nicht Ă€nderte. Es war normalerweise nicht meine Art, wie eine Maschine meine tĂ€gliche Hausarbeit zu verrichten und stets im gleichen Trott durch das Haus zu laufen. Doch der Junge schĂŒttelte den Kopf, wenn ich den Tagesablauf Ă€nderte. Er brachte mir das Staubtuch, hielt es mir unter die Nase und öffnete die SchlafzimmertĂŒr, wenn die Betten gelĂŒftet werden sollten.
Das war die Zeit, wo er mit Waldi auf der Fensterbank saß und die Nachbarin uns am Fenster besuchte mit einer SĂŒĂŸigkeit fĂŒr Charly und einem Leckerchen fĂŒr den Hund in der Tasche.
Wir brauchten nicht lange darauf warten, doch ließen wir es uns nicht anmerken, wenn der Junge plötzlich ein Wort oder auch einen kurzen Satz sprach. Er lernte schnell und wenn der Nachmittag kam, wartete er mit dem Hund auf das Fahrzeug, mit dem der neue Papa nach Hause kam. Sie lagen beide auf dem LĂ€ufer in der Diele und sprangen ihm entgegen, noch bevor Leon auf den Klingelknopf drĂŒcken konnte. Er war sein großer Schwarm. Charly ahmte ihm alles nach.
Benutzte Leon Werkzeug, musste auch Charly eins haben und mir fiel auf, wie geschickt der Junge versuchte jede seiner Bewegungen zu kopieren.

Es fiel uns auf, dass Charly wie ein Stein in seinem Gitterbett schlief. Er bewegte sich weder im Schlaf, noch schien er zu trĂ€umen. Er behielt die Arme fest an seinen Körper gepresst. Ab da nahm ich ihn mit in mein Bett und streichelte ihn wĂ€hrend er schlief. Ich spĂŒrte mit der Zeit, wie er lockerer wurde, wie er spĂ€ter oft die ganze Bettbreite einnahm und die morgendliche Kissenschlacht gehörte schon bald zu unserem tĂ€glichen Ritual.

Nur noch nachts brauchte der Junge eine Windel, doch was er dringend benötigte, das waren Pantoffeln und so fuhr ich mit ihm los, solche zu besorgen. Im SchuhgeschĂ€ft hatte er schon gleich die passenden gefunden. Es waren sehr leichte StrickschĂŒhchen, mit denen er in unserem Haus nichts anfangen konnte, da es dort Treppen gab, die ungeeignet fĂŒr so leichtes Schuhwerk waren. Charly blieb hartnĂ€ckig vor dem Korb mit diesen Strickschuhen stehen und weigerte sich, irgendwelche anderen festen Pantoffeln anzuprobieren. Ich nahm dann trotzdem welche mit festen Sohlen und ließ sie mir einpacken. Ich versuchte Charly zu erklĂ€ren, warum diese Schuhe nicht geeignet fĂŒr ihn waren und er sagte nur ein Wort: „Mirco“.
Also schloss ich daraus, dass sein Bruder wohl solche Schuhe besessen hatte und er jetzt die Gelegenheit fand, ebensolche Schuhe zu bekommen. Charly weigerte sich, mit mir den Laden zu verlassen ohne diese SchĂŒhchen. Er belagerte den Korb mit diesen Moccasins, die nur eine dĂŒnne Laufsohle hatten und warf sich auf den Boden, als ich ihn an die Hand nehmen wollte. WĂ€hrend ich ihn mit einem Lachen nach draußen trug, schrie er krĂ€ftig und ich hatte jetzt eine kleine Ahnung davon was es hieß, wenn seine Mutter sagte: „Ich werde mit dem Kind nicht fertig!“ (WorĂŒber ich sehr erstaunt war).
Schmollend saß er auf dem Kindersitz wĂ€hrend der Heimfahrt und ab jetzt begann der Junge damit, sein Spiel zu spielen, was er bisher erfolgreich geschafft hatte. Bis jetzt!




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Evchen13
???
Registriert: Jan 2003

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Hallöchen anemone,

deine Geschichte ist nett und das Thema sehr gut. Nur finde ich in ihr wenige Emotionen, oder so gut wie keine. Du erzĂ€hlst einfach, ohne die GefĂŒhle anzusprechen. Mir fehlt beim Lesen, das mich die Angst der neuen Mutter fesselt, was wird ...! Ich glaube, wenn du mehr Tiefe rein bringst, schilderst, was die Mutter der Vater fĂŒhlen, erlebt der Leser die neue Situation mit.

Ist aber nur meine Meinung!

Also bis bald mal wieder.



Ev

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Arno1808
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe anemone,

ich schließe mich Evchen dahingehend an, dass auch auf mich der Text etwas emotionslos gewirkt hat.

Dann ist mir noch Folgendes aufgefallen:
Im ersten Teil ĂŒberschĂŒttest Du den Leser mit Personen und deren Sitzposition.
Das ist zu viel unerklĂ€rte Information auf einmal, es verwirrt den Leser. Man hat das GefĂŒhl, ĂŒberhaupt nicht durchzublicken, wer, wo was ist.
Vielleicht kannst Du doch noch einige SĂ€tze einfĂŒgen. Nicht, um den Text zu strecken, sondern um ihn flĂŒssiger, harmonischer zu machen.

Lieben Gruß

Arno

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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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hallo Arno, hallo evchen 13,

Du hast diese ErzÀhlung unter Kurzgeschichten verlegt.
Ich weiß nicht, ob es dir aufgefallen ist, dass es bereits unter ErzĂ€hlungen einige Anekdötchen von Charly gibt?
Es sind Erinnerungen, die ich so nach und nach aufzuarbeiten versuche. Mag sein, dass ich sie spÀter einmal
zusammenfassend erzÀhlen kann. Im Moment schreibe ich sie so, wie sie in meiner Erinnerung haften geblieben sind.

Ich weiß nicht Evchen und Arno, ob ihr euch wirklich in die Lage versetzen könnt. Da stoßen Menschen aufeinander, die sich bisher ein einziges mal gesehen haben. Geredet haben sie vorher auch nicht miteinander (das war weder verbal
noch sonst wie möglich) und plötzlich mĂŒssen sie zueinander finden.

FĂŒr beide Seiten ein völlig neues GefĂŒhl. Es wird neue Geschichten ĂŒber dieses Thema geben. Dieses gehörte an den Anfang.

liebe GrĂŒĂŸe
anemone

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Arno1808
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo anemone,

ich muss mich bei dir entschuldigen, denn ich habe mich in meinem Kommentar wahrscheinlich ziemlich missverstĂ€ndlich ausgedrĂŒckt.

quote:
Ich weiß nicht Evchen und Arno, ob ihr euch wirklich in die Lage versetzen könnt


Ein klares nein!
Aber - und genau das ist es, was ich meinte - auch NACH dem Lesen des Textes kann ich mich nicht hineinversetzen.
Ist es aber nicht gerade DAS, was man als Autor versucht? Dem Leser die Situation so zu beschreiben, dass er sie mitfĂŒhlen kann?

Lieben Gruß
Arno

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Evchen13
???
Registriert: Jan 2003

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Hallöchen Anemone,

nein, ich kann es mir nicht vorstellen, wie es ist und deshalb meinte ich doch auch, schreibe die GefĂŒhle auf! ErzĂ€hle von deinen Empfindungen, von euren Gedanken in der Familie. Der Leser kann das nicht wissen oder erahnen, er list es aus den Zeilen des Schreibenden. Und ich kann mir vorstellen, dass deine Geschichten sehr bewegend und schön sein können, wenn du uns in die GefĂŒhle fĂŒhrst, uns spĂŒren lĂ€ĂŸt, was dich erschĂŒttert hat! Weiß nicht, ob ich mich richtig ausdrĂŒcke und du mich verstehst.

Lass den Leser mit leiden!

(Mano, habe ich hier eine große Klappe und bekomme es doch selber auch noch nicht so hin! Doch ich glaube, ich habe begriffen, um was es geht!)

Also liebe Anemone, schreibe und zeige die GefĂŒhle.

Freue mich ganz sehr auf deine Geschichten und ich hoffe, wir lesen uns bald wieder.

Liebe GrĂŒĂŸe

Ev
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