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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Charly's Geburtstag
Eingestellt am 22. 02. 2003 10:29


Autor
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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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Es war Charly’s Geburtstag gewesen und ein Besuch bei seiner Mutter stand an.
Charly freute sich sehr darauf, hoffte er doch auf eine weitere Geburtstagsfeier bei seinen „richtigen“ Eltern. Immerhin hatte seine Mutter vorher angerufen und ausdr├╝cklich betont dass sie auf seinen Besuch gro├čen Wert legen w├╝rde.
Doch wie es oft so geht, wenn man sich ganz besonders auf etwas freut, ist die Entt├Ąuschung gro├č, wenn es dann endlich soweit ist und es l├Ąuft nicht so, wie man es sich vorgestellt hat.

Es begann schon damit, dass seine Mutter nicht wie er erwartet hatte dort in der Wohnungst├╝r mit offenen Armen stand, um ihn in Empfang zu nehmen. Es dauerte eine zeitlang, bis sie ├Âffnete und dann hielt sie ihm nur lasch die Hand entgegen ohne ihm zu gratulieren. (Sie hatte es telefonisch einige Tage zuvor erledigt), und begab sich gleich wieder in die K├╝che um Kaffee zu kochen.
Charly schlich durch die Wohnung und versuchte zu ergr├╝nden warum keiner an seinen Geburtstag gedacht hatte. Beil├Ąufig im Gespr├Ąch erw├Ąhnte die Mutter „Fred ist mit Mirco in die Stadt gegangen, um f├╝r dich ein Geschenk zu kaufen.“ Ich sah die entt├Ąuschten Kinderaugen und rechnete mit Schwierigkeiten.
Wenige Minuten sp├Ąter ging auch schon die T├╝rglocke und schnellen Schrittes ├Âffnete Charly’s Mutter. Erstaunlicherweise blieb Charly in meiner N├Ąhe sitzen und r├╝hrte sich nicht vom Fleck. Mirco lief fr├Âhlich auf ihn zu mit einem Spielzeug-Saxophon in der Hand. Charly streckte den Arm aus, um es entgegen zu nehmen, doch da hielt ihm sein Stiefvater ein P├Ąckchen entgegen mit den Worten: „Herzlichen Gl├╝ckwunsch zum Geburtstag!“
Charly schaute es kurz an, aber machte keine Anstalten es zu ├Âffnen.
„Soll Fred dir beim Auspacken helfen?“ sprach ihn freundlich der Stiefvater an und ergriff sogleich die Initiative.
Ich trank den mir angebotenen Kaffee und sah dem Schauspiel zu. Charly war nicht bereit,
seine H├Ąnde zu bewegen und lie├č Fred das Geschenk allein auspacken, w├Ąhrend Mirko saxophonspielenderweise durchs Zimmer h├╝pfte.
Charly’s Mutter sah von der K├╝chent├╝re aus zu und interessierte sich besonders f├╝r Mirco und sein Instrument. Sie sprach freundlich mit ihm und lie├č sich das Musikinstrument von ihm erkl├Ąren.
Aus der Verpackung holte Fred ein gleiches Instrument heraus. Es unterschied sich weder in der Farbe noch sonst von dem, welches Mirco in der Hand hielt.
Fred streckte das Teil Charly entgegen, der es nicht annehmen wollte. „Was ist denn, blas doch mal hinein!“ versuchte Fred ihn zu bewegen. Charly tat ihm den Gefallen.
Er blies so lasch, wie ihm seine Mutter die Hand gereicht hatte, mit dem Ergebnis, dass kein Ton aus dem Musikinstrument heraus kam.
„Gib mal her! So macht man das!“ Fred entlockte dem Saxophon einige kr├Ąftige T├Âne. Doch Charly’s H├Ąnde blieben unbeweglich, er sa├č neben mir wie ein Stein, ihm war die Puste ausgegangen. Fred gab nach mehrmaligen Versuchen seine Geduld auf und wendete sich wieder Mirco zu.
Ich konnte mir denken, was in Charly’s kleinem Kopf vorging. <<Wer hat Geburtstag, er oder ich?>> Sein Geschenk lie├č er achtlos auf dem Fu├čboden liegen. Fred hob es in der Zwischenzeit auf.
Dieser Geburtstagsbesuch lief nicht anders ab, als sonstige Besuche,
au├čer dass diesmal der Stiefvater dabei war. Jeder Erwachsene bekam eine Tasse Kaffee in die Hand gedr├╝ckt, den Kindern wurde ein Leckerchen angeboten, die Erwachsenen tauschten Neuigkeiten aus und die Kinder verschwanden in Mircos Zimmer. Bevor Charly wieder gehen durfte, musste er mit Mirco das Zimmer aufr├Ąumen. Ich m├Âchte wetten, es lag irgendwo in der Ecke ein frisch zerbrochenes Spielzeug aus MircosBestand herum, was noch keinem aufgefallen war.
Wir verabschiedeten uns nach getaner Aufr├Ąumaktion und befanden uns schon im Hof, als Fred in Eile an die Scheibe des Wagens klopfte: „Hey, Charly, du hast noch was vergessen!“
Er reichte dem Jungen sein Saxophon auf die R├╝ckbank. Unterwegs stie├č Charly es mit seinen F├╝├čen auf den Fahrzeugboden und sah es nicht mehr an.
Bei der Ankunft stieg er aus dem Wagen und lie├č das Geschenk unbeachtet liegen. Ich hob es auf und trug es ihm hinterher ins Haus hinein. Dort legte ich es auf den niedrigen Wohnzimmertisch.
Ich wunderte mich sehr, als ich pl├Âtzlich sah, wie Charly auf den Tisch kletterte und dort mit beiden Beinen das Instrument zertr├╝mmerte, so dass nur noch Scherben ├╝brig waren. Wortlos holte ich ein Kehrblech und lud die Teile darauf.

Wir haben kein Wort mehr dar├╝ber verloren.

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flammarion
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Registriert: Jan 2001

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hm,

die geschichte befriedigt mich nicht. wer ist der ich-erz├Ąhler? und warum ist das eine erz├Ąhlung und keine kurzgeschichte?
einiges hast du allerdings sehr einf├╝hlsam beschrieben.

gestern im chat wurde ich pl├Âtzlich vom netz getrennt, das passiert mir ├Âfter. es ist nicht meine art, zu verschwinden, ohne mich zu verabschieden.
ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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