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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Charly und das Eis
Eingestellt am 18. 02. 2003 15:26


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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Es war wieder soweit! Ich parkte im Innenhof vor dem Achtfamilienhaus in der N├Ąhe der Innenstadt, um Charly den Besuch zu seiner Mutter zu erm├Âglichen. Wir liefen an der Hand die Treppe hinauf durch den Hausflur bis vor die Wohnungst├╝r und der Junge dr├╝ckte zweimal hintereinander auf den Klingelknopf.

Wir sahen uns an, bevor die T├╝r aufgemacht wurde und Charly in den engen Flur der Wohnung trat. „Und? Willst du Mama nicht die Hand geben?“ kam es wie jedesmal aus ihrem Mund. Charly ging auf sie zu und tat, was von ihm verlangt wurde. „Und dann hei├čt das: Tach Mama!“ kl├Ąrte seine Mutter ihn auf. Auch dieser Aufforderung kam der Junge nach.
Dass seine Mutter weiterhin stocksteif im T├╝rrahmen stand ohne auch nur den R├╝cken zu dem 6-J├Ąhrigen hinunter zu beugen fiel mir auf, ich sagte aber nichts und wartete darauf, ob sie mir einen Kaffee anbot.

Nichts dergleichen geschah, also zog ich es vor in die Stadt zu gehen. „Wo ist denn Mirco?“
h├Ârte ich noch Charly fragen, als er von seiner Inspektion des Kinderzimmers zur├╝ckkam. „Mirco ist im Hof, dort steht ein Plantschbecken.“ Das freute Charly nat├╝rlich, denn es war ein sehr warmer Tag und diesen in der Wohnung zu verbringen, wie an den ├╝brigen Besuchstagen
war mit Sicherheit nicht die gr├Â├čte Freude f├╝r den Jungen.

Ich winkte ihm noch einmal zu und trat meinen Fu├čmarsch an. Zwei Stunden hatten wir vereinbart und noch bevor ich auf dem Heimweg den Hof der Wohnanlage betrat, kaufte ich im Eissalon an der Ecke zwei gro├če H├Ârncheneis.

Mit den beiden Eis bog ich sofort um die Hausecke, um zum Hinterhof des Geb├Ąudes zu gelangen. Dort hielten sich die beiden Kinder und die Mutter mit einer Nachbarin auf.
Als Charly mich mit den beiden Eish├Ârnchen kommen sah, lief er sogleich auf mich zu. Er hob das Eis hoch bis ├╝ber seinen Kopf, kippte das H├Ârnchen und stellte sich gut sichtbar vor seinem Halbbruder, damit ihm seine akkrobatischen Kunstst├╝cke nicht entgingen. Mirco war erst vier Jahre alt und nahm das Eis, das ich ihm hinhielt, gern entgegen. Ebenso versuchte er es mit dem Kunstst├╝ck, welches sein Bruder mit einer Inbrunst ihm vorzumachen versuchte. Charly war ein sehr geschicktes Kind. Er verstand es, die Kugeln durch Gegendr├╝cken mit der Zunge im H├Ârnchen zu halten, w├Ąhrend Mirco solcherlei Feinheiten nicht beachtete und es kam was kommen musste: Er hielt nur noch das H├Ârnchen in der Hand.
Die kostbaren Eiskugeln, auf die der Junge sich so gefreut hatte, lagen im Sand. Sofort hub er an, wie eine Sirene zu heulen und ich meinte, ein winzig kleines unversch├Ąmtes Grinsen in Charlies Gesicht erkannt zu haben, aber ich mochte mich auch get├Ąuscht haben.
Jedenfalls verabschiedeten wir uns schnell und lie├čen Mutter, Nachbarin und Mirco mit ihrem Elend allein.




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kuschelmuschel
Guest
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Hallo Anemone,

eine sch├Âne Geschichte. Am Anfang war ich ein wenig verwirrt, weil man ja gemeinhin erwartet, dass ein Kind mit seiner Mutter unterwegs ist (Ich wei├č auch nicht wieso?)und als dann die Mutter in der T├╝r stand war ich etwas ├╝berrascht, aber dann habe ich es begriffen.

/kam Charly von seiner Inspektion zur├╝ck/

Hier finde ich das "kam" am Anfang nicht besonders sch├Ân.

Ach ja und vielleicht k├Ânntest Du ja noch am Anfang eine kleine Szene einbauen, mit Mirco als ├ťbelt├Ąter, dann freut man sich nachher umso mehr das Mirco sein Eis verliert. So tut der kleine einem ja fast leid. Aber was ist das eigentlich f├╝r ein Kunst├╝ck, das Charlie ihm vormacht?

Viele Gr├╝├če

Michael

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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

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hallo kuschelmuschel,

nein, es ist und war Charly, der aus Eifersucht
immer wieder solche Spielchen mit seinem Bruder trieb, die
sogar soweit gingen, dass seine Mutter ihn, um ihren
j├╝ngsten Sohn zu sch├╝tzen, in eine Pflegefamilie gab.
Sie liebte Charly nicht und er versuchte immer wieder
auf diese Weise Aufmerksamkeit zu erhalten und sei es nur in Form von Schl├Ągen durch seinen Stiefvater. Er suchte Ber├╝hrung,
sah, dass sein j├╝ngerer Bruder auf Mutter Arm genommen wurde,
kam aber selbst nie in den Genuss, solange er bei seinen Eltern war.
Es ist eine Erz├Ąhlung und die will ich nicht ver├Ąndern.
Nat├╝rlich h├Ątte die Pflegemutter eingreifen k├Ânnen und dem j├╝ngeren Bruder helfen, doch sie wollte sich selbst ein Bild davon machen, was diese Familie dazu brachte ihr Kind abzugeben. Sie meinte jetzt eine Erkl├Ąrung daf├╝r gefunden zu haben.

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flammarion
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hm,

ich h├Ątte wohl als erstes diesen teil lesen sollen. nun wird einiges klarer. also wird es erst eine erz├Ąhlung, wenn man alle teile gelesen hat. dann mal fix her mit dem n├Ąchsten teil!
ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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