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Leselupe.de > Erzählungen
Déjà-vu - eine "tragödische Katastrophe" der etwas anderen Art
Eingestellt am 16. 06. 2003 15:40


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rose kane
???
Registriert: Jun 2003

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Déjà vu_2. Version Ueberarbeitung

Ich möchte hier nur einen kurzen Hinweis einschieben. Ich habe die story aufgrund von mehreren Rückmeldungen (nicht nur v. dieser Com. geändert. Hauptsächlich sind (auch) die Kritiken von Zefira und (auch) von Parcifal (auch wenn DIESER seine Kritik nur sehr vage ausgedrückt hat) eingeflossen.

----ENDE---der persönliche Mitteilung an die Moderatoren ...

Déjà-vu

- eine "tragödische Katastrophe" der etwas anderen Art -


Ene, mene miste,
es rappelt in der Kiste.
Ene, mene meck
und Du bist weg.


Der Sekretär

1941

Sehen sie das Bild, das da wie selbstverständlich an der weißen Wand hängt? ... Der Führer!!! ... Führer, ja ...

Stellen sie sich vor! ... vor ... Ich hatte sogar das Glück, ihn während eines Aufmarsches in Berlin zu sehen. ... zu sehen, ja ... Ob ich extra wegen Ihm hingefahren bin? ... Nein. ... Ich habe meine Cousine besucht. ... besucht, ja ...

Das war vielleicht ein beeindruckendes Erlebnis. Der Zufall wollte, dass wir durch die tobende Menge vom abseitigen Rand der zufälligen Gaffer mitgerissen wurden, und plötzlich standen wir in der ersten Reihe. ... direkt vor ihm. ...

Ein Erlebnis. Diese Stimme! ... Stark wie die eines Deutschen. Diese Gestikulation! ... Eine Waffe seiner Genialität. Diese Mimik! ... Fast ein wenig verrückt. (Aber pst! Das darf man in der heutigen Zeit nicht, nie ... nie ... nie ... niemals sagen. Sonst!!!!! ... Sie wissen. Augen und Ohren ... Ohren, die sehen. Augen, die hören.)

Tja, ja ... Sitzen tu ich. ... Am Schreibtisch, meine ich natürlich und beuge die Geduldsamkeit des Papiers. ... Ich stemple Tag aus und Tag ein Urkunden. Sterbeurkunden. Wessen? ... Weiß ich nicht, will ich auch nicht wissen. ... Zu viele für unsere Anstalt! ... Das weiß ich. Doch es interessiert mich nicht. ... Mich nicht!!!!!! ... Ich muss nur stempeln. Das ist wichtig. ... wichtig, ja ... Den Tod abstempeln. Die geduldige Ursache bestätigen. ... Muss eben alles ganz offiziell in Aktenberge abgeheftet und einsortiert werden. ...

Registrierung ist wichtig!!!

Ich bin ja nur ein Rädchen, ein Stempel unter vielen und schweige. ... Schweige, ja doch!!! ... Die Wände haben in diesen Tagen nämlich Augen und Ohren. Und ich habe, Frau und Kind zu ernähren. ... Muss Leben!!!! ... Also, was soll's? Ich besiegele lieber mein befristetes Überleben und stemple dafür irgendwelche Mir Unbekannten in den Tod. ... Denn mein Jetzt und mein Morgen ist mir wichtiger.


40 Jahre später

Im Altersheim ...

Das Bettlaken seines geliebten Zimmernachbarn war noch nicht mal richtig ausgekühlt und schon bekam der ehemalige Sekretär wieder einen Neuen. Diesen nannten alle nur den General. Und ihn einen ehemaligen, kleinen Staatsdiener des alten großdeutschen Reiches hatte man überhaupt nicht gefragt, sondern einfach über seinen Kopf hinweg entschieden. ...

Nun standen sich beide für Sekundenbruchteile einer gespannten Momentaufnahme Auge in Auge gegenüber. Der General in seiner hochgewachsenen, deutschen Eichenstatur, der mit seinem betagten Alter immer noch elastische Rüstigkeit ausstrahlte. Und der Sekretär mit seinen abgewetzten und lederbestückten Strickjackenärmeln, der durch die leicht gebeugte Körperhaltung für das Betrachterauge viel älter, kleiner und unscheinbarer als sein Gegenpol wirkte. Der General war eine markante Erscheinung, die Zucht und Ordnung in stocksteifer Form integrierte. Mit seinen stahlblauen Augen durchbohrte er den Sekretär eisig, bevor er, ihn keines Blickes mehr würdigend, auf seiner hölzernen Beinprothese an ihm vorbei humpelte. (ein Andenken an die Strafversetzung zum Wohle des Vaterlandes in den letzten Kriegstagen) an ihm vorbei. Schon in diesem Moment der ersten Begegnung verspürte der ehemalige Sekretär sofort eine tiefgründige Abneigung gegen den General, um nicht zu sagen einen Hass. Ihm war diese Steifheit zuwider. Doch er konnte seinen Nachbarn nicht so einfach wegschieben. Also schwieg er ihn an und tat so, als sei dieser Luft.

Im Schweigen hatte der ehemalige Sekretär schon jahrelange Übung. Und seit der Zeit der versteckten Augen und Ohren ist ihm dieses wie sein eigener Schatten gefolgt.

Doch nun, da der General sein Nachbar war, fühlte er sich nicht nur von der Vergangenheit in seinen nächtlichen Alpträumen verfolgt, sondern auch eingeholt. Diese unangenehme und penetrante Begleiterin quälte ihn jetzt auch noch tagsüber mit dem Angesicht des ungeliebten Zimmernachbarn.

Beide hatten den jeweils Anderen mit der ersten Begegnung auf dem Flur im Altersheim sofort erkannt.

Der ehemalige Sekretär wollte am liebsten alles vergessen und ausradieren. Ihm war sehr bewusst, dass seine damalige Tätigkeit - vor 40 Jahren - in dieser psychiatrischen Gasmordanstalt "Goldenende" heute rein menschlich, moralisch, ethisch und rechtlich mit aller Schärfe zu verurteilen sind.

Und sein Gegenüber der General? ... Dieser vertrat in seiner Rolle der verkalkten Verwirrung die Meinung, dass Hitler immer noch die deutsche Welt beherrschen würde, dass er selbst immer noch hoher Parteifunktionär, SS-Arzt mit ehrfürchtiger Anerkennung auf den Fachgebieten der Rassenpolitik und der Erbgesundheit sowie medizinischer Leiter der Psychiatrischen Landesanstalt "Goldenende" sei und im Rahmen dessen die nicht lebensfähigen, asozialen, minderwertigen, behinderten Elemente an der hartdeutschen, inneren Front verarzten müsse. Mit dieser Methode, hatte sich der General nach dem Krieg recht erfolgreich durch alle Unannehmlichkeiten der neuen Zeit hindurch gemogelt und blieb von strafrechtlichen Verfolgungen weitgehend verschont. Sogar jetzt auf der letzten Etappe seines kleinen Lebens hatte er mit dieser ausgebufften, ins extreme Kalkül des menschlichen Wesens gehenden Schauspielerei seinen Erfolg, denn die ihn während der Aufnahme ins Heim untersuchenden und behandelnden Ärzte wollten seine Verwirrtheit nicht hinterfragen. Sie waren der mitleidigen Meinung, dass dieser alte Mann doch sowieso schon halb gestorben sei und sein Gewissen wohl Strafe genug sei.

Beide, der ehemalige Sekretär und der General waren auf unglückliche Art und Weise durch ihre gemeinsamen, aneinander bindenden Geheimnisse tödlich mit einander verstrickt. Denn nur Sie wussten, dass der General eben jene gewissenlose Koryphäe war. Nur Sie wussten, dass der ehemalige Sekretär eben der Sekretär dieses SS-Arztes gewesen ist. Nur sie beide wussten voneinander, und das sollte von Seiten des ehemaligen Untergebenen auch so bleiben. Das wusste der fuchsschläuige General und nutzte dieses flehende Anliegen seines Zimmernachbarn schamlos aus.

Diese Perversität des nachbarschaftlichen Zusammenlebens mit dem unliebsamen Relikt aus der Vergangenheit brachte den ehemaligen Sekretär fast um. Einerseits tabuisierte er das Gestern und erstickte fast am Schuldgefühl, obwohl er das eigentlich nicht nötig gehabt hätte. Denn seine Unterschrift stand unter keinem der wesentlichen Befehle, da er damals nur ein kleines Rädchen gewesen ist. Er hat nur gestempelt, Akten verwaltet und Trostbriefe verschickt, und er ist nicht einmal an die Front gewesen, um auf fremde Feind-Menschen schießen müssen. Er ist nur Schreibtischtäter gewesen, der die Klappe gehalten hat, um sich und seine Familie durch die Wirren des Nazireiches zu bringen.

Andererseits war da aber sein Zimmernachbar der General, der seine wahre Natur in den Schutzmantel der verkalkten Verwirrtheit packte, und damit gegen den Rest der Welt bestehen konnte. Dieser musste sich nicht einmal groß verstellen und Gewissensbisse vorgaukeln, konnte weiter ein guter Deutscher sein, seiner gewissenlosen, perversen Kindsseele und deren Untaten frönen, Phrasen dreschen und den linken Arm heben - mit dem irren Wissen, dass sein Gegenüber niemals etwas sagen würde, nichts sagen wollte, lieber schweigen wollte. In seiner berechnenden Art schätzte er den ehemaligen Sekretär sehr gut ein. Dieser hatte nämlich Angst, dass seine unrühmliche Vergangenheit mit auffliegen würde, wenn er seinen Zimmernachbarn entlarven würde, dass seine Kinder und Enkel ihn verachten, ja vielleicht sogar hassen würden. Doch das hätte er nicht ertragen können, hätte ihn ganz langsam und mörderisch von innen aufgefressen. Mit dieser inneren Sicherheit glaubte der General, dass er seinen Nachbarn voll im Griff hatte. ...

--- Break ---

Bis zu jener bewussten Nacht.
Der General lieferte mal wieder ein Glanzstück seiner Genialität als Schauspieler vor der Belegschaft und allen Bewohnern des Altenheimes ab und wollte dabei doch eigentlich nur den ehemaligen Sekretär bis zur Weißglut reizen. Er spielte allen Anwesenden eine seiner zahlreichen Vergasungsszenen ziemlich lebhaft und anschaulich vor. Nur dass er diesmal nicht seine heißgeliebten Schlabberkinder einsetzte, sondern davon sprach, die Penner, Türken und all das Gesocks, was auf den Straßen herumlief, zu vergasen. Doch damit nicht genug. Er schwärmte vor versammelter Mannschaft von seinen Traum, einmal in seinem Leben einem faulen Nigger ein Kreuz zu verpassen und ihm dann sein schwabbeliges Spatzenhirn heraus reißen zu dürfen. ...

Der Sekretär stand in unmittelbarer Nähe des Generals. Während dieser unglaublich Ekel erregenden, pervers grausamen, tierischen Rede erlebte er ein Déjà-vu-Erlebnis zu seiner ersten Berührung mit den Horrorkellerräumen der Gasmordanstalt "Goldenende". ... Ihm drehte sich der Magen um und sein Abendessen stieg brennen die Speiseröhre immer höher. Er machte auf seinen Hauslatschen eine Hundertachzig-Grad-Drehung und stürzte - so gut es seine 71-jährigen Knochen zu ließen - um nächste Ecke. Dort übergab er sich und stolperte dann mit weichen, zittrigen Knien an die frische Luft.

Der General hatte alles berechnend aus seinen Augenwinkeln beobachtet und jubelte innerlich, "Es ist genauso wie damals. Dieses Weichei ... So war er vor vierzig Jahren schon." ...

Nun. Der Abend glitt hinüber in die Nacht. Der Sekretär hatte seinen ehemaligen Vorgesetzten innerlich schon lange gerichtet, und in dieser Nacht wollte er auch sein Henker sein. ...

Der Grau-Nachthimmel war wolkenverhangen und gewitterschwanger. Alles lag im bleiernen Schlaf. Nur eine unruhige Seele geisterte durch die blitzerleuchteten, gewittrigen Gänge - der Sekretär.

Er schlich mit durchgebranntem Herzen in das Zimmer des Generals. ... Da stand er nun und hatte die Hosen sprichwörtlich voll. Seine ungebändigte Angst ließ seinen Blasenschließmuskel willenlos erschlaffen. Sein Inneres bäumte sich stumm schreiend und mit kindlich ungeduldiger Wut auf, als der warme Urin an seinen Beinen herunter lief. ... Schließlich nahm er all seinen Willen und Mut zusammen und sagte zu seinem Herzen, "Dieses tierische Arschloch hat so viele Menschen auf dem Gewissen. Um den ist es nicht schade. ... Die Justiz und der reine Menschenverstand haben versagt. Ich werde der Gerechtigkeit nun zur Gerechtigkeit verhelfen.". ...

Die Szenerie war gespenstig. Wetterleuchten-Blitzlichter zerrissen in immer kürzer werdenden Abständen die Nachtfinsternis und drohten damit, die Nacht zum lichtspotmäßigen Sekundentag werden zu lassen. Nur der Donnersound blieb spannungsknisternd aus. ...

Der Sekretär griff sich leise ein fettes Sofakissen von der nahegelegenen Sitzecke, hielt es sich wie ein siegesgewisses Schutzschild vor die Brust und schlich sich zum Bett des Generals. ... Da lag er, das Schwein. ... Die gruselig kalten Spotlichter erhellten sein Antlitz im unregelmäßigen Rhythmus. "Er sieht aus wie das reinlichste, unschuldigste Kind, schnorchelt einfach satt und zufrieden vor sich hin.", dachte der ehemalige Sekretär verzweifelt, "Warum können solche Schweine im Schlaf nicht so aussehen, wie sie wirklich sind?". ... Er beugte sich mit seiner Sofakissenwaffe ganz zeitlupenhaft über das Gesicht seines verhassten Zimmernachbarn. Just in diesem Moment löste sich die Erwartungsspannung. Es donnerte - gepaart mit einem messerscharf hellen Blitz - ohrenbetäubend über dem Dach der Anstalt, so als ob Gott seinen Finger mahnend erheben wollte. ...

Für einen schemenhaften Augenblick konnte der Sekretär die wachen Augen des Generals sehen, die ihm höhnisch, "Du getraust dich ja doch nicht du Weichei.", zu schrieen. Mehr konnte er schon nicht mehr erkennen. Er fühlte nur noch Kotzübelkeit, als er das Kissen auf das Gesicht seines Albtraumes drückte. Dieser wehrte sich nur kurz und schwach und röchelte fast weinerlich auf, bevor er leblos liegen blieb. ...

Der ehemalige Sekretär ließ das Kissen fallen und ging leise in sein Zimmer. Zum letzten Mal sollte er den inzwischen einsetzenden Regen gegen das Fensterglas trommeln hören, die Blitze am Himmel zucken sehen, das Donnergrollen hören. Er machte sein Fenster ganz weit auf, schob sein Bett mit dem Kopfende zu diesem hin. Der Wind peitschte die watscheligen Tropfen auf das Kopfkissen. Im Nu war der Bezug total durchnässt. Doch das interessierte ihn - den 71-jährigen, alten Mann - schon nicht mehr. ...

Er kramte zufrieden lächelnd eine kleine Frühstückstüte mit einer bunten Mixtur aus den verschiedensten Schlaf- und Schmerztabletten aus seinem heiligen Versteck im Nachtschränkchen hervor und begann diese in eine Müslischüssel schüttend mit einem Stößel zu zerstampfen. Das daraus entstehende graufarbene Cocktail-Schnee-Pulver schüttete er vorsichtig, mit ruhiger Hand in ein auf dem Nachtschränkchen platziertes Aldi-Longdrinkglas und füllte dieses - mit einem Teelöffel beständig umrührend, die todbringende Mischung langsam auflösend - ganz allmählich bis zum Rand mit reinsten russischen Wodka auf. ...

Der alte Mann stand am offenen Fenster, saugte noch einmal das Leben mit geschärften Sinnen auf, bevor er den Schlaftrunk für die Ewigkeit zu sich nahm, mit Tränen in den Augen seinen Frieden schloss und Abschied nahm von allem, was ihm einmal wichtig war. ...

Am nächsten Morgen fanden die Pfleger zwei Leichen.
Eine davon lag total verkrampft auf der Richtbahre, so als ob sie noch nicht die Welt verlassen wollte. Die andere lag friedlich und zufrieden lächelnd mit dem Kopf zum Fenster gerichtet im Bett. Es sah so aus, als ob der alte Mann jeden Moment aus einem wunderschönen und doch traurigschweren Traum aufwachen würde. Das Bettzeug war völlig durchnässt vom nächtlichen Gewitterguss, und auf dem Gesicht des Toten sah man noch letzte Regentropfen.

Kaum zu glauben, dass diese beiden Männer mal eine gemeinsame Vergangenheit hatten. Niemand außer ihnen wusste etwas davon. Nun war es ihr ewiges Geheimnis.

Aber wissen sie was? ...
Sogar im Tod waren sie noch Nachbarn. Auf dem Friedhof. Ihre Gräber lagen nebeneinander unter einer riesigen, freundlichen Eiche. ...


Nachwort

Im Januar 1934 trat das "Gesetz zur Verhütung erkranken Nachwuchses" in Kraft. Damit war der Grundstein für Zwangssterilisationen gelegt - rechtlich abgesichert. Potentielle Opfer dieses Gesetzes sollten Kranke mit angeborenem Schwachsinn, Schizophrenie, zirkulärem (manisch depressivem) Irresein, erblicher Fallsucht (Epilepsie), erblichem Veitstanz (Huntingtonsche Chorea), erbliche Blindheit, erbliche Taubheit, schwerer körperlicher Missbildung sein. (Hrsg. Gedenkstätte Bernburg. Materialsammlung zum Thema "Zwangssterilisation und Euthanasie unter dem NS-Regime", S. 14) Zu den potentiellen Opfern gehörten auch Alkoholkranke. (Reichsgerichtsgesetzblatt I 1935, S. 773, §1 Satz 3. nach Hrsg. Gedenkstätte Bernburg. Materialsammlung zum Thema "Zwangssterilisation und Euthanasie unter dem NS-Regime", S. 13)

1935 deutete Hitler auf dem Reichsparteitag in Nürnberg gegenüber Reichsärzteführer Wagner an, dass er beabsichtige, die "unheilbar Geisteskranken zu beseitigen". (Zitat: W. Benz, H. Graml, H. Weiß. Enzyklopädie des Nationalsozialismus. DTV München 1997, S. 245) Hitler benutzte genau dieses Verb. ...

Im Dritten Reich gab es nie ein Gesetz oder ein Entwurf dazu, der die Vernichtung lebensunwerten Lebens legalisiert hat. Trotzdem führte eine kurze Aktennotiz, in der genau dieser Wunsch des Führers schriftlich niedergelegt wurde, im Oktober 1939 zum Beginn des "Euthanasie" Programms ("Aktion T4", nach der Aktionszentrale Berlin in der Tiergartenstraße 4 benannt). Dieses "Ermächtigungsschreiben" hatte folgenden Inhalt:

"Reichsleiter Bouhler und Dr. Med. Brandt sind unter Verantwortung beauftragt, die Befugnisse namentlich zu bestimmender Ärzte so zu erweitern, dass nach menschlichen Ermessen unheilbar Kranken bei kritischster Beurteilung ihres Krankheitszustandes der Gnadentod gewährt werden kann." (Zitat: Nürnberger Dokumente NO-824. nach Hrsg. Gedenkstätte Bernburg. Materialsammlung zum Thema "Zwangssterilisation und Euthanasie unter dem NS-Regime", S. 33)

Die Tötungen fanden in sechs ausgesuchten abgelegenen Anstalten statt. Die Betroffenen wurden aus sämtlichen Krankenhäusern in diese Anstalten gebracht und dort binnen kürzester Zeit durch toxische Injektionen und später (ab 1940) in Gaskammern (getarnte Duschräume) getötet. Tausende starben durch dieses effektive Morden. (Hrsg. Gedenkstätte Bernburg. Materialsammlung zum Thema "Zwangssterilisation und Euthanasie unter dem NS-Regime", S. 27f)

Die Angehörigen erhielten die Asche ihrer Familienmitglieder, einen standardisierten Trostbrief und einen fingierten Totenschein. Als Todesursache wurden beispielsweise Angina oder Grippe angegeben. Es kam sogar vor, dass manche Opfer an einer Blindarmentzündung verstarben, die bereits keinen Blinddarm mehr hatten. Diese unwahrscheinlichen Todesursachen, die überdurchschnittlich gehäuften Todesfälle und die geheimnisvollen Krankentransporte in die Anstalten ließen in der Öffentlichkeit Gerüchte entstehen.

Proteste - insbesondere von Seiten der Kirche - und die Vehemenz der ausländischen Presse führten dazu, dass die "Aktion T4" im August 1941 offiziell gestoppt wurde. (Hrsg. Gedenkstätte Bernburg. Materialsammlung zum Thema "Zwangssterilisation und Euthanasie unter dem NS-Regime", S. 29) Das "Euthanasie" Programm lief jedoch inoffiziell - aber nicht mehr institutionalisiert weiter. Die Opfer starben nun durch Nahrungsentzug, Vernachlässigung, Medikamentenvergiftung oder mit Hilfe von Arbeitsüberlastung. Der Nachfolger der auslaufenden "Aktion T4" war im Herbst 1941 die Aktion "Sonderbehandlung 14 f 13" (Aktenzeichen des Inspekteurs der Konzentrationslager). Davon betroffen waren vor allem Invalide oder Personen, die meist ohne jegliche Untersuchung dazu erklärt wurden. Die Opfer starben offiziell im KZ, wo auch der Tod beurkundet wurde. In Wirklichkeit wurden diese weiterhin in den "Euthanasie" Einrichtungen umgebracht - teilweise bis kurz vor Einmarsch der Alliierten.
...


© Rose K., Mrbg., November 2000

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Parsifal
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Registriert: Not Yet

quote:
Er fühlte nur noch Kotzübelkeit...

Die fühlt der Leser auch bei dieser ledernen „Erzählung“, in der einfach nichts stimmt: weder Plot, noch Consecutio temporum, noch Zeichensetzung. Die Protagonisten haben die Plastizität von Abziehbildern. Langweiliger und ermüdender kann auch ein OKW-Bericht nicht gewesen sein. Dagegen liest sich ja der Bericht des KZ-Vordenkers (ich spreche von Dante Alighieri) fast apannend! – Ein solcher Text aus der Betroffenheits-Szene macht nicht betroffen, sondern ärgerlich.

Parsifal

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rose kane
???
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Vom Verriss - was sich so manche User heraus nehmen

So So ... Parsifal.

Ich glaube "hochnäsiger" kann man gar keinen Text, keine Arbeit eines Anderen zerreissen. Wie wäre es denn, wenn du mal genau sagts, was dir nicht passt. Hm ...

Was stimmt denn an dem Plot nicht?

Wo sind Fehler? (Bekanntlich sind nach der neuen Deutschen Rechtschreibung viele Dinge möglich. Falls meine Fehler wirklich SO schlimm sein sollten. ;-))

Sorry, aber ich kann kein Latein. Könntest du bitte "Consecutio temporum" übersetzen? Ich möchts gern wissen. Es klingt so schön klug. ;-)

Warum sind deiner Meinung nach, die Protagonisten in ihren Charakterzügen nicht ausdrucksstark? Warum wirken sie, deiner Meinung nach wie Abziehbilder?

Warum findest du die Erzählung denn langweilig, ermüdend?

Warum bist du der Meinung, dass die Story nicht betroffend sondern eher wütend macht? Bist du vielleicht ein Betroffener?

Ich will keine "platt machenden Schreihälse"! Ich will ne anständige Kritik, aus der ich auch was lernen kann! Aus deiner Kritik kann ich GAR NICHTS herauslesen - außer "aufgebl***", "lauter" Worte.

Also ich glaube, dass es hier in diesem Forum sowas wie eine Nettiquette gibt. Und da steht bestimmt nicht drin, dass man (auch wenn man schon viel gepostet hat, viele Werke rein gestellt hat) nen derartigen Ton anschlägt. ...

Auf so kritiklose Postings kann ich echt verzichten! Danke!

Rose K.

P.S. Du musst nicht glauben, nur weil dies mein ersten Werk hier ist, kannst du so mit mir umspringen.

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Zefira
???
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Hallo Rose K.,

willkommen auf der Lupe erstmal.

Um das gleich zu klären:

Consecutio temporum = Zeitenfolge in indikativischen und konjunktivischen Gliedsätzen. Oft wird der Begriff auf die Zeitenfolge im konjunktivischen Gliedsatz beschränkt.

Quelle: Register der grammatikalischen Fachbegriffe

Ich mußte es übrigens selbst bei Google nachschlagen.

Ein Beispiel: >>Mit dieser inneren Sicherheit glaubte der General, dass er seinen Nachbarn voll im Griff hatte. ...<<
... müßte heißen: "daß er seinen Nachbarn voll im Griff habe."

Der ganze Text verdient m.E. eine gehörige Entschlackungskur. Satzkonstruktionen wie die folgende:
>>Dieser vertrat in seiner Rolle der verkalkten Verwirrung die Meinung, dass Hitler immer noch die deutsche Welt beherrschen würde, dass er selbst immer noch hoher Parteifunktionär, SS-Arzt mit ehrfürchtiger Anerkennung auf den Fachgebieten der Rassenpolitik und der Erbgesundheit sowie medizinischer Leiter der Psychiatrischen Landesanstalt \"Goldenende\" sei und im Rahmen dessen die nicht lebensfähigen, asozialen, minderwertigen, behinderten Elemente an der hartdeutschen, inneren Front verarzten müsse.<<
sind einfach viel zu überladen und verschachtelt. Das gleiche gilt für die Adjektiv- und Gerundienflut in diesem Satz
>>In einem allmählichen Gefüge des spiralenförmigen, einbahnstraßenmäßigen, keine Möglichkeit der Konfliktlösung aufzeigenden Spannungsaufbaus stellen sie diese gemeinsamen, sich aneinander reibenden Spuren der Vergangenheit dem Leser dar<<

Übrigens halte ich diesen ganzen Absatz des "Vorworts" für entbehrlich. Wieso erzählst Du die Geschichte, bevor Du sie erzählst?

Fazit: ein bißchen sparsamer mit Nebensätzen, ein bißchen sparsamer mit Adverbien, und kürzen ... das wäre mein Vorschlag.

lG, Zefira



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schmollfisch

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rose kane
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na das ist mal ne kritik ;-)

Hi Zefira,

vielen Dank für deine Vorschläge.

Schachtelsätze sind meine Schwäche. Das hast du gut getroffen. Ich werde mir die Story noch einmal zu Gemüte führen.

LG
Rose K.

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rose kane
???
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Wie mache ich das denn jetzt?

Hi Zefira,

nun habe ich meine Geschichte total überarbeitet, weiß aber nicht, ob ich sie hier einfach in den Thread noch einmal rein stellen kann. Gibt es dafür Regeln?

LG
Rose K.

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