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Leselupe.de > ErzÀhlungen
DIE PIROUETTE
Eingestellt am 23. 03. 2006 19:17


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nisavi
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2006

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Es war einer von diesen Wintertagen, an denen sie im Dunklen die Wohnung verließ und erst zurĂŒckkehrte, wenn die Sonne lĂ€ngst untergegangen war.
Endlich hatte sie Dienstschluss. Endlich konnte sie nach Hause fahren.

Als ihr Blick bei einem Überholmanöver zufĂ€llig den RĂŒckspiegel streifte, erschrak sie.
Dieses Gesicht! Es war grau. Knittrig wie Altpapier. Schwarze Schatten verliefen unter mĂŒden, nur halb geöffneten Augen.
Allein die zusammengepressten Lippen schienen die fahlen ZĂŒge davor zu bewahren, sich völlig aufzulösen.

Einmal mehr hielt sie dem eigenen Blick nicht lÀnger stand.

Wie so oft sehnte sie sich danach, in den Abend oder die Nacht zu fließen. Völlig widerstandslos wĂŒrde sie sich davontragen lassen. Irgendwohin. Ohne Spuren zu hinterlassen. Ganz leise.
Doch immer wieder gab es ein Weckerklingeln. Einen Morgen, der sie in einen vorhersehbaren Alltag trieb, in ein unbarmherzig ausgeleuchtetes BĂŒro. Grell geschminkte Kolleginnen hackten dort mit hohen AbsĂ€tzen GerĂŒchte und Boshaftigkeiten in die Laminatböden der Zimmer.
Die Abteilungsleiter lĂ€chelten sĂŒĂŸlich, wenn sie ihre FrĂŒhstĂŒck aus sorgfĂ€ltig gefalteter Aluminiumfolie nahmen und mit wohlĂŒberlegten Bemerkungen die Arbeit anderer kritisierten.
Der Chef, ein kleiner Mann mit SandmannbĂ€rtchen, benutzte ein teures Rasierwasser, das ihr Übelkeit verursachte.

Die Ampel schaltete auf rot.

Sie trat auf die Bremsen und nahm aus den Augenwinkeln ein MĂ€dchen wahr, das neben der Autoschlange herlief.
Plötzlich, völlig unvermittelt, blieb die Kleine stehen. Sie nahm die HĂ€nde aus den Anoraktaschen, stellte sich auf die Zehenspitzen und hob wie in Zeitlupe anmutig beide Arme ĂŒber den Kopf. Die Fingerspitzen berĂŒhrten sich.
Der VerkehrslĂ€rm schien zu verstummen. Die Luft roch nach Frost und Schnee. HĂ€userfronten verschwammen im Schein der Straßenlaternen zu einem wĂ€ssrigen Grau.
Wie eine Spieluhrenfigur drehte sich das Kind völlig selbstvergessen um sich selbst.
Dann, so als wĂ€re nichts gewesen, hĂŒpfte es mit unregelmĂ€ĂŸigen Schritten weiter und verschwand hinter einer HĂ€userecke.

Der Fahrer im Auto hinter ihr hupte ungeduldig. Sie sah im RĂŒckspiegel sein wildes Gestikulieren.

LĂ€chelnd gab sie Gas und fuhr weiter.


__________________
On a poet's lips I slept.
(P.B.Shelley)

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Larissa
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Nisavi,

schön! Einfach schön, deine Begegnung mit der kleinen PirouettentÀnzerin.
Es sind die kurzen, unvermuteten GlĂŒcksmomente, die uns aus dem Alltagstrott reißen und uns wieder lĂ€cheln lassen. Hat mir sehr gut gefallen!

Liebe GrĂŒĂŸe
Larissa

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