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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Das Duell (2)
Eingestellt am 08. 04. 2006 18:15


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Wolf-Wolle
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Brummig lief der alte Wolf hin und her.
Er war schlecht gelaunt, sehr schlecht gelaunt sogar. Seit Tagen schon gab es nichts Vern├╝nftiges zu bei├čen und obendrein hatte es angefangen zu schneien. Das bedeutete, sie konnten hier bald gar nichts mehr finden, kein Reh, keinen Bock, nicht einmal mehr einen Hasen.
Es w├╝rde grimmig kalt werden und erst wieder aufh├Âren zu schneien, wenn das Land unter einer dichten, wei├čen Decke begraben war. Also mussten sie hinunter ins Tal, wo noch einigerma├čen Aussicht auf Beute bestand. Allerdings drohte im Tal die Gefahr, dass sie von den Hirten oder ihren gr├Ąsslichen Hunden erwischt wurden, falls sie sich zu sehr in deren N├Ąhe begaben.
Wenn der Schnee sp├Ąter meterhoch lag, trauten sich die Menschen mit ihren zottigen Ungeheuern nicht mehr weit von den D├Ârfern weg. Dann waren die W├Âlfe uneingeschr├Ąnkte Herrscher der Berge und T├Ąler. Bis dahin musste man auf der Hut sein.

Nahe den Menschen und ihren H├Ąusern war es aber immerhin m├Âglich, dass sich eine Ziege, ein Schaf oder eine andere leckere Beute nach drau├čen verirrte.
Noch besser w├Ąre es allerdings, wenn sich einer dieser verhassten Hunde allein und weitab vom Dorf erwischen lie├č. Den w├╝rden sie bei lebendigen Leibe auffressen, ganz egal wie stark er auch sein mochte. Auch um den Preis vieler Verwundeter und sogar Toter w├Ąre es ihm ein Fest, ├╝ber so einen Teufel herzufallen.

Einauge zog unwillk├╝rlich die Lefzen hoch und knurrte.

Als junger Wolf hatte er aus der Ferne mit ansehen m├╝ssen, wie diese Hunde ├╝ber seinen Vater und andere W├Âlfe herfielen und sie gnadenlos t├Âteten. Damals schwur er blutige Rache, und im Laufe der Jahre fielen einige Hunde diesem Schwur zum Opfer. Wenn er nur daran dachte, kam Wut in ihm hoch. Seine Nackenhaare stellten sich auf. Aus dem Knurren wurde ein tiefes Grollen, das an ein noch fernes, langsam heranziehendes Sommergewitter erinnerte.

Der Wolf war ein ungew├Âhnlich gro├čes Tier und erinnerte in seiner Erscheinung eher an einen nordamerikanischen Timberwolf als an einen Grauen dieser wilden Berge. Unter der breiten Brust spielten kr├Ąftige Muskeln. Seine dicken Pfoten hinterlie├čen tiefe Abdr├╝cke im frischen Schnee und weckten keine Lust auf n├Ąhere Bekanntschaft.

Von Geburt an nur ein Auge besessen, kam er mit dieser Behinderung sehr gut zurecht. Er kannte es nicht anders. Das tiefschwarze, zottige Fell verlieh ihm, auch wenn er gut gelaunt war, ein furchterregendes Aussehen. Wenn dem ahnungslosen Wanderer die m├Ąchtigen Rei├čz├Ąhne entgegenblitzten und ihm ├╝belriechender Atem anwehte, glaubte jener, die H├Âlle habe sich aufgetan und der Leibhaftige w├Ąre gekommen, ihn zu holen. So mancher hatte den kalten, gelben Blick des Wolfsauges als letztes Bild mit in eine andere Welt genommen

Einauge sp├╝rte einen leichten Stups an der Seite. Die W├Âlfin, angelockt von seinen T├Ânen, war herbeigekommen und versuchte ihn zu beruhigen. Sie kannte diese Stimmung bei ihm. Immer wieder leckte sie dem Wolf ├╝ber die Schnauze, bis sich dieser mit einem kurzen Niesen abwandte und zum Waldrand lief.

Schon vor Tagen hatten sie begonnen, das Rudel zusammenzurufen. Zwar kamen von allen Seiten Antworten, aber noch war keine der Familien eingetroffen. Dabei wurde es langsam Zeit.
Der alte Wolf hasste solche Tr├Âdelei. Bei ihm musste alles z├╝gig gehen. Das begriff die Jugend leider nicht.
Wieder hob er den Kopf zum Himmel und lie├č ein langes Heulen h├Âren. Dann lauschte er. Nichts. Nur der Wind blies ihm eine kalte Antwort um die Ohren. Einauge wollte sich schon abwenden, als er in der wei├čen Ebene vor sich dunkle Punkte bemerkte, die sich bewegten.
Na endlich!
Zufrieden trottete er zum Lager zur├╝ck, um es sich an einem windgesch├╝tzten Platz gem├╝tlich zu machen.
Jetzt hie├č es warten. Vor dem Abend waren sie bestimmt nicht hier. Im Laufe der Nacht und des n├Ąchsten Tages kam sicher der gr├Â├čte Teil des Rudels an. Es galt, keine Zeit zu verlieren. Wer noch fehlte, w├╝rde hoffentlich unterwegs zu ihnen sto├čen.

Einauge wusste, dass die gro├če Herde, die w├Ąhrend des Sommers weiter unten auf den saftigen Wiesen geweidet hatte, schon vor einigen Tagen losgezogen war. Der Schnee hatte auch sie ├╝berrascht. Weit d├╝rften sie aber noch nicht gekommen sein, und der Weg war lang. Wenn das Rudel morgen beisammen war, konnten sie noch in der Nacht aufbrechen und die Herde einholen, bevor diese das Tal erreichte. Das bedeutete Fleisch und nochmals Fleisch. Vorausgesetzt, es waren nicht so viele Hunde dabei und die Hirten nicht so flink mit ihren Gewehren.

*****


Seit Stunden hetzten sie auf der Spur dahin. Die Herde kam schneller voran als ihnen lieb war. Jedoch verringerte sich die Distanz mehr und mehr. Sie konnten die Tiere schon riechen. Das machte ihren Hunger noch gr├Â├čer als er ohnehin schon war.

Gestern rissen sie ein verirrtes Rind.
Es kam ├Ąu├čerst selten vor, dass ein Tier alleingelassen, aufgegeben wurde. Sicher hatte keiner der Hirten und der Hunde sein Zur├╝ckbleiben bemerkt. Sein Pech.
Das Fleisch reichte nicht f├╝r alle. Einige W├Âlfe bekamen nur Knochen ab. Auch um diese wenig begehrten Beutest├╝cke wurde erbittert gestritten.

Es war eine schwere Zeit.

Der Wind wehte best├Ąndig von der Herde zu ihnen. Das war gut. So nahmen die Hunde keine Witterung auf.
Jetzt nur keinen Fehler machen.
Wurden sie entdeckt, war es mit einem ├ťberraschungsangriff vorbei, und nur der brachte Erfolg.
Das Rudel hatte eine beachtliche Gr├Â├če erreicht. Wenn Einauge z├Ąhlen k├Ânnte, w├Ąre er auf achtundzwanzig W├Âlfe gekommen. Auf einen offenen Kampf mit Hirten und Hunden durften sie sich aber nicht einlassen. Dazu m├╝ssten sie doppelt so viele sein. Selbst dann w├Ąre es sehr riskant.
Einauge wollte seine alte, bew├Ąhrte Taktik anwenden. Einen Scheinangriff von der Seite her, um die Hirten abzulenken, eine Flucht, um die Hunde wegzulocken und dann mit aller Macht versuchen, einen Teil der Herde abzudr├Ąngen, in die Berge zur├╝ckzujagen.

Den Rest der Tiere mussten sie in Panik versetzen, damit diese in wilder Flucht davonrannten. Das hatte schon oft funktioniert.
Zum ├ťberleben brauchten sie mindestens f├╝nfzehn Rinder. Hauptsache, die W├Âlfe fingen nicht an, in wilder Gier die Beute an Ort und Stelle zu rei├čen und zu fressen. Dazu war sp├Ąter Zeit.
Einauge hoffte immer noch, Verst├Ąrkung zu erhalten. Offenbar hatten weniger W├Âlfe den Sommer ├╝berlebt als angenommen. Jungtiere sah er kaum. Nun, das war kein Nachteil. Die hatten ohnehin keine Erfahrung und brachten in ihrem ├ťbereifer alles durcheinander.

Damit keiner die List durchschaute, mussten f├╝r das Ablenkungsman├Âver mindestens acht bis zehn W├Âlfe eingesetzt werden. Viele aus dieser Gruppe w├╝rden nicht zur├╝ckkommen.
Nur wenn sie schnell handelten und Gl├╝ck hatten, gab es bald genug Fleisch f├╝r alle.

Einauge lag auf einem Felsvorsprung und sah den Abhang hinunter. Weit unter ihm lagerte die Herde. Die Feuer der Hirten flackerten als winzige, rote Punkte durch die Nacht. Er roch den Rauch. Zwei, drei Stunden schneller Lauf, und sie w├Ąren da.
Der Wolf dachte nach.
Brachte es Erfolg, die Herde bei Nacht in ihrem Lager anzugreifen? Die Menschen sahen in der Dunkelheit nicht gut. Ein nicht zu untersch├Ątzender Vorteil. Aber sie konnten mit Feuer nach ihnen werfen. Vor dem Feuer hatten die W├Âlfe eine unergr├╝ndliche Angst. Wo ein Feuer brannte, wagte sich selten ein Wolf hin. Das war seit Urzeiten so. Also blieb es bei dem alten Plan.

War die Herde am Laufen, lie├č sich leichter ein Teil davon abdr├Ąngen. Sie brauchten nur deren Schwung auszunutzen, ihnen eine neue Richtung geben und fertig. So einfach war das. Leider gab es zwei Dinge, die alles etwas schwierig machten; Hunde und Hirten.

Der Wolf beging nie den Fehler, seinen Gegner zu untersch├Ątzen. Dadurch erkannte er einen Hinterhalt schon von weitem. Er roch die Falle f├Ârmlich. Diese F├Ąhigkeit rettete ihn mehrmals aus scheinbar auswegloser Situation. Er wusste auch, wann es besser war aufzugeben und zu fliehen, statt weiter zu k├Ąmpfen.

Einauge legte seinen Kopf auf die Vorderpfoten. Er dachte an nichts und lie├č den Eindruck des fernen Lagers auf sich wirken. Seit dem letzten Morgen schneite es nicht mehr. Der Wind wehte zu ihm hoch und brachte den Geruch des Lagers mit. Tief sog er die Luft in seine Lungen. Nein, heute Nacht w├╝rden sie die Herde nicht angreifen. Auch morgen nicht. Es war einfach besser, zu warten.

Die Luft war kalt und klar. ├ťber den Bergen spannte sich in tiefstem Schwarz der Himmel von einem Ende der Welt zum anderen und war ├╝bers├Ąt mit tausend und aber tausend Diamanten. Hier oben schienen die Sterne zum Greifen nah. Mit ihrer Pracht verzauberten sie das Land. Bis zum Morgen w├╝rde die Temperatur weiter gefallen sein. Die Berge wollten Mensch und Tier aus ihrem Reich vertreiben und riefen daf├╝r den Nordwind zu Hilfe. Der eilte auch bereitwillig herbei und sang seit Tagen sein eisiges Lied.

Die W├Âlfin kam heran. Sie legte sich neben Einauge auf den Fels. Beide schauten mit funkelnden Augen in die Tiefe. Die K├Ąlte machte ihnen nichts aus. F├╝r die Sch├Ânheit der Nacht hatten sie keinen Blick. Dort unten war Fleisch, das sie schon bald aus warmen Leibern rei├čen und gierig hinunterschlingen konnten. Unter ihren starken Kiefern w├╝rden Knochen brechen und hei├čes Blut w├╝rde flie├čen.
Heute nicht, morgen nicht - aber bald.

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HFleiss
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Das Duell (2)

Lieber Wolfgang,

mir scheint, dass du dich ein bisschen zu lange mit der Vorrede aufh├Ąltst. Nichts gegen die Beschreibung von Landschaft usw., das ist wichtig in diesem Text, aber es hakt meiner Ansicht nach stilistisch an mehreren Stellen. Zum Beispiel greifst du reichlich oft nach Wortklischees (zum Beispiel zog er unwillk├╝rlich die Lefzen hoch, er war uneingeschr├Ąnkter Herrscher usw.) und kommst auch mit dem Konjunktiv nicht ganz klar. Sieh dir daraufhin mal den Text genauer an. Wie gesagt, ich h├Ątte jetzt schon ein wenig mehr Action erwartet, es ist eine sehr lange Exposition, mir scheint, eine zu lange.

Lieben Gru├č
Hanna

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