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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Das Duell (3)
Eingestellt am 09. 04. 2006 10:25


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Wolf-Wolle
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Die Herde befand sich seit Tagen auf dem Marsch und hatte ein gutes St├╝ck zur├╝ckgelegt. Der steinige Weg fiel nicht besonders schwer. Achtgeben musste man freilich. Unter dem frischen Schnee lie├čen sich die knotigen Wurzeln der Bergkiefer, die kleinen L├Âcher der Murmeltiere und alle anderen Hindernisse nicht erkennen. Ein Fehltritt konnte b├Âse Folgen haben.
Es ging z├╝gig voran. Bis zum Dorf brauchten sie keine sieben Tage mehr.

Am Rand einer weiten Ebene, die Berge im R├╝cken, schlugen die Hirten das Lager auf. Ganz in der N├Ąhe floss ein Bach. An seinen R├Ąndern hatte sich eine d├╝nne Eisschicht gebildet.
Ehrfurchtsvolle Stille lag ├╝ber dem Land. Die Luft war klar. Am wolkenlosen Himmel funkelten die ewigen Sterne und mahnten zur Demut.

Schweigend sa├čen die Hirten am Feuer. Wenn sie morgen das vor ihnen liegende Plateau ├╝berquert hatten, begann der letzte Abstieg. Dann waren die Ausl├Ąufer des Gebirges erreicht und der Weg wurde leichter. Die Menschen hingen ihren Gedanken nach, rauchten und sahen dem Flammenspiel zu.

Boris lag neben dem Alten, hatte die Augen geschlossen und lauschte dem Knacken der ├äste im Feuer. Nahe wagte er sich nicht an den hei├čen Ring. Dort wurde es ihm zu ungem├╝tlich. Mit dem Hirten verband ihn eine stille Freundschaft. Er kannte diesen Menschen seit seiner Geburt. Von Anfang an hatte er sich zu ihm hingezogen gef├╝hlt.
Wann immer es die Arbeit erlaubte, hielt er sich in seiner N├Ąhe auf und wurde oft mit einem Blick, einem Wort, einer Liebkosung bedacht.

Boris war ein aufmerksamer Beobachter. Schon nach kurzer Zeit verstand er die Worte und Gesten des Alten. Es erf├╝llte ihn mehr und mehr mit Freude, wenn dieser ihn zufrieden lobte. Gern lag er, so wie jetzt, neben ihm am Feuer und lauschte auf seine Gedanken.

Pl├Âtzlich hob er den Kopf. Was war das?

Der Hund kam hoch, ging ein paar Schritte vom Feuer weg und schaute sich aufmerksam um.
Jemand sah ihn an. Jemand, der nicht zur Herde geh├Ârte, der sein Feind war. Boris sp├╝rte den brennenden Blick. Es war unangenehm, fast bedrohlich. Er entfernte sich weiter von dem sch├╝tzenden Lichtkreis und lauschte in die Nacht. Au├čer dem Knistern der unber├╝hrten Schneedecke war nichts zu h├Âren.

Obwohl er die Runde heute schon gemacht hatte, lief der Owtscharka noch einmal das Lager ab. Er kontrollierte jeden Posten, lauschte, schnupperte, sp├Ąhte. Nichts!
Vor ihm t├╝rmten sich die Berge in den Himmel. Weit dar├╝ber leuchteten die Sterne. Hatte er sich get├Ąuscht? Nein! Sie wurden beobachtet, er sp├╝rte es ganz deutlich. Etwas geschah.

Die aufgehende Sonne fand die Herde wach. Jede Stunde des knappen Tageslichtes musste genutzt werden. Kasim gab das Signal zum Aufbruch. Die Herde lief los.

Zwei Stunden sp├Ąter kamen die W├Âlfe!

Sie verzichteten auf Scheinangriff und Ablenkung. Ihr Rudel war stark genug, es mit Hirten und Hunden aufzunehmen.
Boris hatte nie geglaubt, dass es so viele W├Âlfe auf einmal geben k├Ânnte. Sie waren ├╝berall.
Die Angreifer fielen gleichzeitig von beiden Seiten in die Herde ein und dr├Ąngten im Handumdrehen einen Teil der Tiere ab. Bevor sich die Hirten von ihrem Schreck erholen konnten, sahen sie zwei Herden vor sich. Die gr├Â├čere von beiden rannte in panischer Angst den eingeschlagenen Weg weiter. Igor und die beiden H├╝ndinnen konnten sich gerade noch rechtzeitig vor den Rinderhufen in Sicherheit bringen.
Zum Gl├╝ck f├╝hrte der Weg nur noch leicht bergab, keine Schluchten, keine Spalten, nur Wald und dichtes Unterholz.
Die Tiere waren nicht aufzuhalten. Sollten sie rennen! Irgendwann w├╝rden sie von selbst stehen bleiben. Jedoch durften sie die fliehenden Rinder nicht v├Âllig ihrem Schicksal ├╝berlassen. Wer wei├č, wohin sie dann schlie├člich laufen w├╝rden. Einige der Hirten und alle H├╝tehunde galoppierten den Fl├╝chtenden hinterdrein. Die anderen stellten sich dem Feind zum Kampf. Einem Kampf auf Leben und Tod.

Das war nicht ├╝bertrieben. Die W├Âlfe waren weit in der ├ťberzahl. Sie waren stark und sie waren ausgehungert. Das machte sie doppelt gef├Ąhrlich. Sie brauchten Nahrung und zwar schnell. Ein vor Hunger fast wahnsinniger Wolf k├Ąmpft bis zum Tod um die Beute. Wenn er die nicht bekommt, muss er sowieso sterben. Darum kann er nicht aufgeben.

Die Grauen lie├čen sich nicht sofort auf einen Kampf ein und rissen auch trotz ihres f├╝rchterlichen Hungers keines der Tiere. Sie mussten einen sehr klugen F├╝hrer haben.
Mit der Masse ihrer Leiber rannten sie die vierbeinigen Wachtposten kurzerhand um, spalteten die Herde und zwangen den hinteren Teil zur Umkehr.
Zwanzig, f├╝nfundzwanzig Tiere dr├Ąngten sie ab und jagten diese auf der eigenen Spur zur├╝ck in die Berge. Drei, vier W├Âlfe gen├╝gten, die Rinder am Laufen zu halten. Die restlichen Angreifer blieben stehen, bereit zum Kampf.

Die Pferde waren nicht zu beruhigen und somit das Schie├čen unm├Âglich. Wie leicht w├Ąre ein Rind oder einer der Hunde getroffen.

Wo blieben nur Tschubuk und die anderen drei der Nachhut? Boris konnte sie nirgends entdecken. Vor sich sah er nur graue Wolfsleiber. Aus den Augenwinkeln ersp├Ąhte er Igor mit Tschaika und Ina. Auch die beiden Paare, die rechts und links die Herde begleitet hatten, kamen heran. Die W├Âlfe bildeten eine dichte Mauer. Eine Mauer aus Krallen und Z├Ąhnen, aus Hass und Tod. Auf jeden Owtscharka kamen mindestens f├╝nf Graue.

Boris rannte los.
Gleichzeitig mit ihm griffen die anderen Hunde an. Der Kampf begann.
Wie ein Rammsporn drang Boris tief in das Rudel der Angreifer ein und brachte die Mauer ins Wanken. Zwei W├Âlfe schleuderte er kurzerhand beiseite, zerriss einem dritten im Sprung die Kehle und rammte den vierten, dass dieser sich dreimal ├╝berschlug und bet├Ąubt liegen blieb. Boris schnappte nach rechts und links, war ├╝berall und nirgends, riss einen Wolf nach dem anderen zu Boden.

Er sah Tschaika und Igor k├Ąmpfen, h├Ârte die Rufe der Hirten, das Wiehern der ver├Ąngstigten Pferde. Es war ein Knurren, Bellen, Bei├čen und Sterben.

Pl├Âtzlich versank alles um ihn herum im Nichts. Er stand dem Anf├╝hrer der R├Ąuber gegen├╝ber.

Es war der Wolf aller W├Âlfe.
Ein riesiges Tier, schwarz wie die Nacht, mit nur einem Auge und Mordlust in seinem Blick. Diesen Blick hatte er w├Ąhrend der letzten Tage gesp├╝rt.
In seiner Erinnerung tauchte der ein├Ąugige Wolf auf, der seinen Vater t├Âtete. Er musste auferstanden sein. Boris war sich sicher, dem M├Ârder damals die Kehle durchgebissen zu haben.

Er sah und h├Ârte nichts mehr. Er sp├╝rte nicht, wie ihm die Flanke aufgerissen wurde und sein hei├čes Blut in den Schnee floss, nahm nicht wahr, dass Tschaika den hinterlistigen Angreifer niedermachte, hatte keinen Blick f├╝r Ina, die mit aufgerissenem Bauch liegen blieb.

Der Schwarze stand vor ihm. Boris wusste, in dieser Welt war kein Platz f├╝r sie beide.
Dumpfes Grollen drang aus seiner Kehle. Er spannte die Muskeln an und machte sich bereit f├╝r seinen gr├Â├čten Kampf.

Pl├Âtzlich fielen Sch├╝sse. Der Schwarze Wolf sah hoch und erkannte sofort die ver├Ąnderte Situation.

Der Kampf war verloren!

Er wandte sich zur Flucht.

Bevor er sich umdrehte und davonst├╝rmte, senkte er seinen Blick in die Augen des Hundes. Boris sp├╝rte eine Nadel aus Eis in seinen K├Ârper dringen.
Einauge jagte davon, und sein Rudel mit ihm.

├ťberall waren pl├Âtzlich Hunde und Menschen, die gnadenlos t├Âteten, was nicht rechtzeitig das Heil in der Flucht suchte. Mit ├äxten und langen Messern hieben die Hirten auf die Grauen ein. Die Hunde rissen sie zu Boden und brachten die Sache zu Ende.

Die Rettung kam in letzter Minute.

Das Dorf besa├č zwei fast gleichgro├če Rinderherden, die sich w├Ąhrend des Sommers auf weit voneinander liegenden Hochweiden ihren Winterspeck anfra├čen. Die zweite Herde hatte den Abstieg ins Tal fr├╝her begonnen und war schon einige Tage im Dorf. Die Hirten hatten alle Tiere untergebracht und sich, den Hunden und Pferden etwas Ruhe geg├Ânnt. Als dann die Zeichen des nahenden Winters immer deutlicher wurden, beschloss man, der anderen Herde entgegenzueilen, um die Arbeit leichter zu machen und das letzte St├╝ck Weg schneller zu bew├Ąltigen.

Unterwegs trafen die M├Ąnner auf die talw├Ąrts st├╝rmenden Tiere. Sofort war allen klar, dass etwas Schlimmes passiert sein musste. Sie ├╝berlie├čen die Rinder ihrem Schicksal. Die w├╝rden sich schon m├╝de laufen.

Der Weg war nicht zu verfehlen. Die in Todesangst galoppierende Herde hatte eine breite Schneise durch das Unterholz getrampelt. Die Hirten trieben ihre Pferde an und schickten die Hunde voraus.

Viel sp├Ąter h├Ątten sie nicht kommen d├╝rfen.

Der Platz war ├╝bers├Ąt mit toten Tieren. Zwanzig, f├╝nfundzwanzig W├Âlfe lagen in ihrem Blut, aber auch sieben Hunde waren dabei. Zwei fremde und f├╝nf aus dem eigenen Rudel. Ein hoher Preis. Traurig leckte einer Inas Schnauze. Sie w├╝rde nie wieder aufstehen. Auch Tschubuk und die drei anderen der Nachhut waren tot. Alle Hunde des Rudels hatten mehr oder weniger schwere Wunden davongetragen und konnten nicht an der Verfolgung der R├Ąuber teilnehmen, zu der jetzt die Hirten aufbrachen. Mit ihnen liefen die W├Ąchter der zweiten Herde.



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flammarion
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das

liest sich gut. gibt hoffentlich noch ne fortsetzung?
lg
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Old Icke

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