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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Das Erwachen
Eingestellt am 09. 02. 2009 13:57


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Hyde
Hobbydichter
Registriert: Apr 2004

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Eine alte Frau und ein alter Mann sitzen auf einem abgewetzten Sofa und schweigen. Sie sprechen schon lange nicht mehr miteinander. Was können sie auch sagen, außer was ihnen Kummer zufĂŒgt? Sie sehen sich auch nicht an. DafĂŒr kennen sie sich schon zu lange. Jede einzelne Falte des GegenĂŒbers, die traurigen Augen, den trockenen Mund. Aus diesem Grund sitzen sie einfach da, starren auf die Tapete vor ihnen, die durch die Feuchtigkeit und den Schimmel abblĂ€ttert wie verwelktes Laub. In der Wohnung riecht es muffig, weil die Fenster schon lange nicht mehr geöffnet worden sind und sich die RĂ€ume mit ihrem verbrauchten Atem angefĂŒllt haben.
Jeder lebt sein Leben, denkt nicht an den anderen und fĂŒr lange Zeit sind sie zufrieden damit. Doch irgendwann fĂ€ngt die Frau plötzlich an zu trĂ€umen. Und weil sie sich derart Ă€hnlich sind, trĂ€umt auch der Mann. Sie trĂ€umen von einer braunen Welt, die nur aus staubiger Erde besteht, die von einem Wind aufgewirbelt wird. Es gibt keine Meere, keine WĂ€lder. Wenn es Menschen dort einst gegeben hat, so sind sie lĂ€ngst wieder verschwunden, eins geworden mit dem Rotbraun.
Lange Jahre trĂ€umen die alte Frau und der alte Mann von dieser Welt, ohne sich jemals zu begegnen oder den Wunsch danach zu verspĂŒren. Doch schließlich haben sie alle Grenzen ausgelotst und ihnen bleibt nur noch der Blick ĂŒber ihrer eigene Existenz hinaus. Was sie sehen, ist allerdings nur eine unglaubliche Leere. Und zum ersten Mal nach langer Zeit fĂŒhlen sie sich einsam und verlassen. Die Frau und der Mann fangen an zu weinen und ihre TrĂ€nen trĂ€nken den trockenen Boden. Gleichzeitig geht ein Ruck durch die Welt und alles wird in Finsternis gehĂŒllt. Die Beiden fahren erschrocken herum, begreifen nicht, was geschehen ist und so machen sie sich auf die Suche nach der Ursache, viele Jahre, bis sie glauben, der Traum sei fĂŒr immer verloren. Sie wollen bereits aufgeben, als sie endlich einen Ort erreichen und etwas Außergewöhnliches entdecken – ein Kind. Es mag vielleicht drei, vier Jahre alt sein, hat weiße Haut und pechschwarzes Haar. Seine Augen sind so blau wie die Meere, die hier nicht existieren.
Als die Frau und der Mann das Kind erblicken, erblicken sie nach der Unendlichkeit wieder einander. Sie lachen und ihre HĂ€nde greifen ĂŒber das abgewetzte Sofa und berĂŒhren sich. Da explodiert die Sonne und badet alles in gleißendes Licht. BĂ€ume und StrĂ€ucher wachsen, das Zwitschern von Vögeln ertönt wie ein Orkan, wĂ€hrend man in der Ferne das Rauschen des Meeres hört.
Die Frau und der Mann sind Eltern geworden und ein neues Zeitalter erwacht.

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Freue mich ĂŒber jeden Kommentar (poitiv/negativ) zu meinen Geschichten

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